Frank Bärmann

Die Stadt Herne liegt inmitten des Ruhrgebietes und zählt mit rund 160.000 Menschen zu den Großstädten im Revier. Die Berufsfeuerwehr Herne besteht aus etwa 150 hauptamtlichen Feuerwehrleuten, die Freiwillige Feuerwehr Herne hat etwa 180 Kräfte. Die haupt- und ehrenamtlichen Feuerwehrleute sorgen für die Sicherheit der Menschen in Herne. Jährlich leisten sie weit über 20 000 Einsätze. Bis Mitte des Jahres 2016 wurden sämtliche Feuerwehrleute sowie die Mitarbeiter der Hilfsorganisationen und der Krisenstäbe durch zwei unterschiedliche Alarmsysteme alarmiert. „Das galt es, zu verbessern.“, wie Martin Hauke bei der Herner Feuerwehr für die Nachrichtentechnik und die Technik der Leitstelle erklärt.

„Der Zustand, verschiedene Gruppen mit unterschiedlichen Alarmierungssystemen benachrichtigen zu müssen, war nicht optimal“, so Hauke. „Die beiden genutzten Systeme hatten zudem einige Unzulänglichkeiten, beispielsweise eine Begrenzung bei den Nutzerzahlen und keine Funktion zum Verwalten von Vertreterrollen. In einem Arbeitskreis haben wir nach einem neuen System gesucht, das all unseren Anforderungen entspricht“.

Eine Alarmierungslösung für alle

Wichtigstes Kriterium im Pflichtenheft für die neue Alarmierungslösung war, dass alle Personengruppen bis hinunter zu einzelnen Personen mit einem System alarmiert werden können. Das neue System sollte die hierarchische Gliederung und Bildung von Alarmierungsszenarien und -vorlagen möglich machen.

Nach einer Markterkundung nahm Hauke Kontakt zum Aachener Anbieter cubos Internet GmbH auf und schaute sich dessen Alarmserver GroupAlarm auf der INTERSCHUTZ 2015 in Hannover genauestens an.

„Der Funktionsumfang von GroupAlarm hat von allen in die Auswahl genommenen Systemen am besten gepasst. Das Unternehmen konnte alle unsere Anforderungen und noch viel mehr erfüllen“, erzählt Hauke weiter. „Zudem ist das System bei vielen Feuerwehren und Hilfsorganisationen bereits erfolgreich im Einsatz“.

Über 700 Personen in einem System

Neben der Vereinheitlichung der Alarmsysteme erleichtert auch die nutzerfreundliche Oberfläche des neuen Systems die Arbeit. (Foto: cubos Internet)

Neben der Vereinheitlichung der Alarmsysteme erleichtert auch die nutzerfreundliche Oberfläche des neuen Systems die Arbeit. (Foto: cubos Internet)

Nach einer kurzen Projekt-Umsetzungsphase wurde das System in der pro Version im Sommer 2016 live geschaltet. Heute werden bereits über 700 Personen, Feuerwehrleute, Mitarbeiter der angebundenen Hilfsorganisationen wie THW, DRK, Malteser Hilfsdienst MHD und ASB sowie Mitarbeiter der Verwaltung, die beispielsweise in verschiedenen Krisenstäben sitzen, mit Group­Alarm pro alarmiert.

Martin Hauke ist für die Administration des Systems zuständig. Herne verfügt über eine sehr komplexe Struktur von Feuerwehren, Rettungsdiensten und weiteren Kräften.

In der Einführungsphase wurden

  • die Berufsfeuerwehr mit 22 Hauptgruppen,
  • die Freiwillige Feuerwehr mit 12 Hauptgruppen,
  • die Hilfsorganisationen mit sechs Hauptgruppen,
  • die verschiedenen Krisenstäbe mit vier Hauptgruppen und
  • die Verwaltung mit drei Hauptgruppen

und viele Untergruppen in GroupAlarm abgebildet. Die Stammdaten mit den persönlichen Telefonnummern der einzelnen Mitarbeiter werden dezentral in jeder Abteilung gepflegt.

Wichtig ist für Hauke, dass die verantwortlichen Mitarbeiter einer bestimmten Abteilung mit einem Zugang zu GroupAlarm durch das Rechtesystem keinen Zugriff auf die Daten anderer Abteilung haben.

Alarmvorlagen legen automatische ­Alar­mierungsabläufe fest

Eine seiner wichtigsten Aufgaben besteht heute in der Erstellung und Pflege sogenannter Alarmvorlagen in GroupAlarm. „Je nachdem, welche Art von Not- oder Krisenfall eintritt, müssen aus verschiedenen Abteilungen und Gruppen bestimmte Personengruppen oder Personen alarmiert werden. So könnte es eine Vorlage geben, in der die gesamte freiwillige Feuerwehr und zwei Löschzüge der Berufsfeuerwehr alarmiert werden. Wenn besondere Qualifikationen wie z. B. die Höhenretter erforderlich sind, kann ich diese per Mausklick nachalarmieren“. Ein anderes Szenario sieht vor, dass zusätzliche Leitstellendisponenten, Sonderdienste und die entsprechenden Stellen in der Herner Verwaltung informiert werden, beispielsweise der Oberbürgermeister, die Pressestelle, die Ordnungsbehörde oder das Gebäudemanagement.

Bei den Hilfsorganisationen werden meist organisationsübergreifend sämtliche Fachberater alarmiert. Nimmt einer von ihnen den Alarm an, so bekommen alle anderen Fachberater die Information darüber. Man kann über die Alarmierungsvorlagen viele Mischungen aus Personen, Gruppen und Abteilungen zusammenfügen. Es kommen momentan noch ständig neue Szenarien dazu, die in GroupAlarm abgebildet werden können.

Eine weitere Arbeitserleichterung ist die Funktion, dass im System hinterlegte Dienstpläne und Zeitsteuerungen automatisch einbezogen werden. Das System erkennt dadurch, welche Personen zu welchem Zeitpunkt Dienst haben und schnell hinzugezogen werden können und welche im Bereitschaftsdienst verfügbar sind.

Alarmierung parallel per SMS und Pager

Die Alarmierung der Einsatzkräfte erfolgt in Herne wie in fast allen Städten und Gemeinden über ein Einsatzleitsystem. Hier werden die Kräfte üblicherweise über den Digitalalarm (Pager) kontaktiert. Die Alarmierung aus GroupAlarm heraus erfolgt bei der Stadt Herne zunächst nur über SMS. Theoretisch könnte das System auch andere Alarmierungskanäle wie Anruf (Sprachnachricht), Fax, Pager oder E-Mail nutzen. Gerade die jungen Leute wollen den Pager aber oft nicht mehr nutzen, haben stattdessen permanent ihr Smartphone dabei. Häufig werden heute eigene WhatsApp-Gruppen gebildet, über die sich die Einsatzkräfte untereinander informieren. Das ist in vielerlei Hinsicht nicht optimal. So bekommt die Einsatzleitstelle dann keine direkte Rückantwort von den Teilnehmern. In Herne wurde deshalb das Alarmsystem an das Einsatzleitsystem gekoppelt. Kommt ein Notruf in der Einsatzleitstelle an, löst der Dis­ponent in der Einsatzleitsoftware den Alarm für eine bestimmte Gruppe aus. beispielsweise für einen bestimmten Löschzug der Freiwilligen Feuerwehr. Parallel wird aus dem System eine definierte Vorlage in GroupAlarm angestoßen, die dort weitere Gruppen und Personen per SMS alarmiert. In dieser Kombination ist es möglich, beide Alarmierungswege parallel oder mit „Entweder-­oder-Szenarien“ zu betreiben. Sollte das Einsatzleitsystem ausfallen, könnte GroupAlarm auch alle Personen alarmieren, sozusagen als Rückversicherung. Die alarmierten Einsatzkräfte können dann auf dem Pager oder dem Smartphone per SMS mit „Ja/Nein“ antworten, so dass der Disponent in der Leitstelle und die Einsatzleiter in den Feuerwehren in wenigen Sekunden eine Kräfteübersicht erhalten.

Neben der Tatsache, dass in Herne nur noch ein einziges Alarmierungssystem für alle betrieben wird, empfinden die Mitarbeiter auch die sehr einfache und selbsterklärende Oberfläche als Pluspunkt. Durch die webbasierte Nutzung ist keine zusätzliche Technik mehr notwendig.

 

Frank Bärmann
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