Die Alarmierung mit Sprachalarmanlagen (SAA) bietet gegenüber einer Alarmierung mit Hupen oder Sirenen im Brandfall entscheidende Vorteile. Mit klaren Ansagen verdeutlichen sie den Betroffenen die Art der Gefahr und ermöglichen ihnen eine Selbstrettung über die bestgeeigneten Fluchtwege. Bei der Alarmierung mit Signalgebern kommt es häufig zu Verzögerungen, da die Gefährdungslage nicht als eindeutig empfunden wird. Demgegenüber sind die Reaktionszeiten bei Alarmierung durch Sprache deutlich verbessert. Mit all ihren Möglichkeiten trägt Sprachalarmierung dazu bei, im Gefahrenfall Panikreaktionen zu vermeiden; die Evakuierung oder auch Selbstrettung erfolgt schneller und geordneter. Sprachalarmanlagen z. B. von Hekatron bieten darüber hinaus Möglichkeiten für vielfältige zusätzliche Beschallungsfunktionen und somit einen erheblichen Mehrwert für den Nutzer.

Oberstes Ziel eines jeden Brandschutzkonzepts muss es natürlich sein, den Ausbruch eines Brandes von vornherein zu verhindern. Auch mit dem besten Konzept aber lassen sich nicht alle Brandgefahren hundertprozentig von vornherein ausschalten. Dementsprechend haben auch die frühzeitige Branddetektion und darauf aufbauend Maßnahmen, um die Ausbreitung eines Brandes zu verhindern, innerhalb der Brandschutzplanung einen hohen Stellenwert. Und da Personenschutz grundsätzlich vor dem Sachschutz an erster Stelle steht, ist es unerlässlich, sich auch mit dem Thema der Alarmierung aller im Brandfall gefährdeten Personen und ihrer Evakuierung auseinanderzusetzen. Ziel ist es, sicherzustellen, dass alle Betroffenen das Gebäude bzw. den Gefahrenbereich schnell und geordnet und somit unverletzt verlassen und sich idealerweise aus eigener Kraft selbst in Sicherheit bringen können. Insbesondere in Gebäuden und Räumen, in denen sich viele Menschen aufhalten, die mit den Fluchtwegen vor Ort nicht vertraut sind, hat die Sprachalarmierung gegenüber einer Alarmierung mittels reiner Tonsignale durch Hupen oder Sirenen klare Vorteile. Vor allem in Bahnhöfen und auf Flughäfen kann es zudem hilfreich sein, die Durchsagen in mehreren Sprachen zu übertragen. Die Liste weiterer Objekte, in denen sich die Installation von Sprachalarmanlagen anbietet, ist lang: Einkaufszentren, Krankenhäuser, Bürogebäude, Seniorenheime, Produktionsstätten, Schulen und Universitäten zählen ebenso dazu wie Banken, Sportanlagen und Hotels.

Für Alarmierungs- und Evakuierungsaufgaben und für viele weitere Anwendungen

Das offene und modulare APS-System für Akustikanlagen, PA- und Voice-Alarm sowie Personen-Evakuationsanlagen verfügt über eine Vielzahl von verschiedenen Schnittstellen für Sprachalarmierung und diverse andere Anwendungen, wie hier am Beispiel aus dem Klinik-Bereich gezeigt wird. (Bild: Hekatron Brandschutz / g+m elektronik ag)

Das offene und modulare APS-System für Akustikanlagen, PA- und Voice-Alarm sowie Personen-Evakuationsanlagen verfügt über eine
Vielzahl von verschiedenen Schnittstellen für Sprachalarmierung und diverse andere Anwendungen, wie hier am Beispiel aus dem Klinik-Bereich
gezeigt wird. (Bild: Hekatron Brandschutz / g+m elektronik ag)

Herkömmlich kommen für die Alarmierung akustische Signalgeber wie Hupen oder Sirenen sowie optische Signalgeber wie Blitzleuchten zum Einsatz. Mittlerweile allerdings fordern verschiedene baurechtliche Bestimmungen zunehmend die Ausstattung der abzusichernden Objekte mit Sprachalarmanlagen. Diese speziellen Beschallungsanlagen sind eigens für Alarmierungs- und Evakuierungsaufgaben konzipiert und zeichnen sich durch eine hohe Sprachverständlichkeit aus. Anders als bei herkömmlichen elektroakustischen Anlagen besteht für Sprach­alarm­anlagen die Anforderung, dass sie direkt durch eine Brandmeldeanlage (BMA) gemäß DIN VDE 0833 – 2 angesteuert werden. Hierzu stellt die DIN VDE 0833 – 4 unter anderem klare technische Anforderungen zur Ausführung der Schnittstelle zwischen BMA und SAA an die Hersteller. Hier stehen die Ausfall­sicherheit und eine konstante Überwachung im Vordergrund. Die Brandmeldeanlage wird dabei als übergeordnetes System und die Sprachalarmanlage als Sub-System angesehen. Sprach­alarmanlagen gemäß DIN VDE 0833 – 4 sind ein integraler Bestandteil von Brandmeldeanlagen. Seit 2012 gelten auch für sie die bis dahin nur für Brandmeldeanlagen relevanten Anforderungen der DIN 14675. Zusammen ergeben beide Systeme eine unschlagbare Kombination zur effektiveren Alarmierung und Evakuierung der Personen im Brandfall und auch in anderen Gefährdungssituationen.

Der Einsatz von Sprachalarmanlagen empfiehlt sich unter anderem dort, wo über die Alarmierung hinaus auch konkrete Anweisungen an die Betroffenen erteilt werden müssen, bereichsweise alarmiert werden soll, perspektivisch eine Fluchtweglenkung erforderlich ist oder auch beispielsweise sehbehinderte Menschen in ihrer Selbstrettung unterstützt werden sollen. Auch wenn ein Gebäude verschachtelt gebaut und deshalb die Lage der Flucht- und Rettungswege und damit der Weg ins Freie für Ortsunkundige gerade in Paniksituationen nur schwer intuitiv zu erfassen ist, bietet sich eine Unterstützung der Evakuierung durch Sprachdurchsagen an. Zudem kann die Sprachalarmanlage beispielsweise in Krankenhäusern oder Gebäuden mit viel Publikumsverkehr genutzt werden, um über die Lautsprecher auch kodierte Durchsagen als „stille Alarmierung“ zu tätigen. Diese sind so abgefasst, dass sie ausschließlich vom in­struierten Personal verstanden werden, dieses aber klar über die Gefahrensituationen informieren und zu den vorgesehenen Maßnahmen veranlassen – ohne dabei die Patienten bzw. Besucher des Gebäudes in Panik zu versetzen. Unabhängig von der Koppelung an eine Brandmeldeanlage haben Sprachalarmanlagen auch in Zusammenhang mit der Amokalarmierung in Schulen eine neue Bedeutung erlangt, wobei es in den meisten Fällen sinnvoll ist, hier gleich auf eine Lösung, die Brandmeldung und Sprachalarmierung mit ergänzenden Funktionen kombiniert, zu setzen.

Eine Sprachalarmanlage kann natürlich auch zur herkömm­lichen Beschallung, zum Beispiel für Hintergrundmusik oder Werbedurchsagen, genutzt werden und bietet somit einen erheblichen Mehrwert für die Betreiber.

Anforderungen an die Ausfallsicherheit

Während des Normalbetriebs wird die Funktionsfähigkeit der SAA und ihrer Komponenten bis hin zur Mikrofonkapsel durch eine permanente Linienüberwachung mittels Testsignalen sichergestellt. Abhängig von den im Sicherheitskonzept für das abzusichernde Gebäude festgelegten Anforderungsklassen muss eine SAA gemäß DIN VDE 0833 – 4 bestimmten Anforderungen an die Ausfallsicherheit genügen. So darf bei einer SAA der Sicherheitsstufe I beim Auftreten eines einzelnen Fehlers in einem Übertragungsweg – etwa einer Unterbrechung oder einem Kurzschluss – nicht mehr als ein Alarmierungsbereich ausfallen. Dies lässt sich gewährleisten, indem für jeden Alarmierungsbereich ein eigener Lautsprecherstromkreis installiert wird. Bei SAA der Sicherheitsstufe II muss sichergestellt sein, dass bei einem Fehler in einem Verstärker oder Übertragungsweg jeder Alarmierungsbereich noch angemessen (Sprachübertragungsindex STI ≥ 0,45) beschallt wird. Dies lässt sich beispielsweise durch die Installation der doppelten Anzahl von Lautsprechern und zwei Lautsprecherstromkreisen pro Alarmierungsbereich erreichen, was in der Regel als AB-Linien-Verkabelung bezeichnet wird. Bei SAA der Sicherheitsstufe III schließlich muss auch bei einem Fehler im Gesamtsystem die Beschallung noch in jedem Alarmierungsbereich mit einer angemessenen Sprachverständlichkeit erfolgen. Diese Anforderung lässt sich mit einer vollredundanten SAA erfüllen.

Situationsangepasste Alarmierungsszenarien

Bild: Hekatron Brandschutz / g+m elektronik ag)

Bild: Hekatron Brandschutz / g+m elektronik ag)

Die Integration einer SAA nach VDE 0833 – 4 wie des g+m-APS-Systems von Hekatron mit einer Brandmeldeanlage wie der Integral IP desselben Herstellers ermöglicht im Brandfall exakt an der Situation ausgerichtete Alarmierungsszenarien. Abhängig davon, in welchem Gebäudebereich die Brandmelder Rauch und Feuer detektiert haben, lassen sich mit Sprachdurchsagen gezielt die Fluchtwege aufzeigen, die benutzbar sind, ebenso wie der Bereich, der verraucht und damit als Gefahrenzone unpassierbar ist. Wenn bei einer Ausbreitung des Brandes dann noch weitere Melder in anderen Bereichen anschlagen, könnte die Sprachalarmanlage sogar, dank ihrer Kommunikation mit der Brandmeldeanlage, angepasst auf die neue Situation reagieren: Sie könnte somit durch eine andere Sprachdurchsage auf die geänderte Fluchtwegesituation hinweisen oder auch zusätzliche Bereiche in die Alarmierung mit einbeziehen. Hier erkennt man heute schon die technischen Möglichkeiten, um eine adap­tive Fluchtweglenkung umzusetzen bzw. zu unterstützen. Zusätzlich können Feuerwehr oder Sicherheitspersonal bei Bedarf über das direkt an die SAA angeschlossene Feuerwehrmikrofon oder die Feuerwehrsprechstelle mit Live-Durchsagen die Evakuierung steuern.

Neben der vollen Erfüllung der DIN VDE 0833 – 4 liegen die markanten Vorteile einer SAA sicherlich in dem erheblichen Mehrwert, den eine solche Anlage durch zahlreiche Zusatzfunktionen bieten kann. Über die grundsätzliche Möglichkeit der Hintergrundbeschallung hinaus lässt sich das System auch für eine musikalische Beschallung im größeren Rahmen, um Zonenrufe zu realisieren sowie als Schnittstelle für die Kommunikation mit zahlreichen weiteren Technologien nutzen. Betreiber und Planer sollten die Zukunftsfähigkeit und das Potenzial erkennen und ausschöpfen, das Sprachalarmanlagen hinsichtlich der Entwicklung zum Smart Building bieten.

 

Thomas Tott
Leiter Sprachalarmanlagen und Beschallungstechnik
Hekatron
tto@hekatron.de