Herausforderungen für die nichtpolizeiliche Gefahrenabwehr

Stephan Kruthoff

Nordrhein-Westfalen ist mit rund 18 Millionen Einwohnern das bevölkerungsreichste Bundesland Deutschlands. Der Ballungsraum Rhein-Ruhr im Zentrum des Landes ist mit ungefähr zehn Millionen Einwohnern eine der 30 größten Metropolregionen weltweit. Da ist eine einheitliche und vernetzte Kommunikation aller Einsatzkräfte über ein gemeinsames Funknetz ein zentrales Sicherheitselement.

In Nordrhein-Westfalen werden die Einsätze der allgemeinen Gefahrenabwehr von einer Leitstelle für Feuerschutz und Rettungsdienst bearbeitet, die für jeweils einen Landkreis oder eine kreisfreie Stadt zuständig ist. Im Jahr 2014 wurden über diese Leitstellen 1  800 000 Einsätze im Bereich Feuerschutz und Rettungsdienst für die 396 Feuerwehren und die Rettungsdienste mit ihren ca. 12      500 Einsatzfahrzeugen abgearbeitet. Die Bereitstellung und der Betrieb dieser Leitstellen der nichtpolizeilichen Gefahrenabwehr ist Aufgabe der Kreise und der kreisfreien Städte. Sie betreiben unterschiedliche Kommunikationslösungen verschiedener Hersteller. Vorgaben oder Vereinbarungen für eine einheitliche Ausstattung mit Leitstellentechnik gibt es nicht. Dies macht die vernetzte Kommunikation der Einsatzorganisationen höchst komplex.
Bisher unterhielten die einzelnen Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS) eigene analoge Funknetze mit eigenen Frequenzen und räumlich begrenzten Reichweiten. Mit Einführung des Digitalfunks wird den BOS ein einheitliches und leistungsstarkes Funknetz zu Verfügung gestellt. Die organisationsübergreifende bundesweite Verständigung vereinfacht die Durchführung komplexer Einsatzszenarien, denn Not- und Katastrophenfälle halten sich nicht an kommunale Grenzen und Organisationsstrukturen.

In Nordrhein Westfalen sind für den Digitalfunk ca. 450 Basisstationen errichtet worden. Diese werden von neun digitalen Vermittlungsstellen (DXT) verwaltet. Im Endausbau werden 150 000 Nutzer erwartet.

Struktur des Systems

Abb. 1: Überblick über das DAnPoL-System

Abb. 1: Überblick über das DAnPoL-System

Das Landesamt für Zentrale Polizeiliche Dienste in NRW (LZPD NRW) erhielt den Auftrag, das System zur Anbindung der Leitstellen an den BOS-Digitalfunk in NRW (DAnPoL) zu entwickeln. Aufgabe des DAnPoL-Systems ist es, den Leitstellen den Zugang zum BOS-Digitalfunk ins Haus zu liefern. Das Land stellt Verbindungen bis in den Technikraum der Leitstelle kostenfrei zur Verfügung. Um die geforderte hohe Verfügbarkeit der Anbindung zu gewährleisten, wird jede Leitstelle über zwei Strecken mit zwei Technikstandorten verbunden.

Nordrhein-Westfalen hat sich dafür entschieden, die nichtpolizeilichen Leitstellen aus fünf landeseigenen Technikstandorten heraus mit dem Digitalfunk zu bedienen. Diese wiederum sind mit den Vermittlungsstellen (DXT) des BOS-Digitalfunk verbunden, die die Kommunikation im Funk steuern. Die Verbindung zwischen den Leitstellen und den Technikstandorten erfolgt über ein landeseigenes IP-Netz, das physikalisch im Regelfall über Richtfunk realisiert ist. Somit werden die Leitstellen mit einem hoch verfügbaren Zugriff auf den Digitalfunk ausgestattet und gleichzeitig von seiner organisatorischen und technischen Komplexität entlastet.

Aufgaben und Leistungen der Landestechnik

Die landeseigene Technik an den Technikstandorten beherbergt Gateways, die den Austausch von Sprache und Daten zwischen Leitstelle und Funk organisieren. Diese Digitalfunk-Gateways (DF-GW) entlasten die Leitstelle von einer Reihe spezifischer Aufgaben, die sonst durch jede der Leitstellen separat umzusetzen wären:
• Verwaltung der komplexen Schnittstellen des Digitalfunks
• Ver-/Entschlüsselung für die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung des BOS-Digitalfunks
• Umsetzung des TETRA-Sprach-Codecs auf den Kommunika­tionsstandard G.711.
Daneben verwalten die DF-Gateways die knappen Kommunikationsressourcen des BOS-Digitalfunk. In Hochlastsituationen können zusätzliche Ressourcen belegt werden. Darüber hinaus schirmt die DAnPoL-Technik die Leitstellen vom BOS-Digitalfunk ab und befreit sie von einer Vielzahl aufwändiger organisatorischer und verwaltungstechnischer Auflagen, die mit seiner Nutzung verbunden sind. Zum Beispiel entfällt der zeit- und kostenintensive Prozess der Beantragung einer Drahtanbindung ebenso wie die aufwändige Zertifizierung von Leitstellentechnik. Auch besteht für die Leitstellen nicht mehr die Notwendigkeit, die kontinuierliche Veränderung und Weiterentwicklung des digitalen Funksystems, seiner Schnittstellen und Interoperabilitätsanforderungen zu verfolgen und zu bedienen.

Einheitliche Schnittstelle für die Leitstellen

Physikalisch liefert das Land die Schnittstelle bis in den Technikraum der Leitstelle. Dabei hat sich das Land für eine reine IP-Schnittstelle entschieden, die sich an dem vom Bundesverband Professioneller Mobilfunk (PMeV) veröffentlichten Industriestandard „Digitalfunkstecker“ ausrichtet. Dieser Standard wird von den Herstellern von Leitstellentechnik zusammen mit Behörden und Planern in einem Expertenforum unter der Schirmherrschaft des PMeV entwickelt. Somit ist es jedem Hersteller möglich, Technik an der Leitstellenschnittstelle von ­DAnPoL zu entwickeln und anzubieten. Monopolartige Situationen durch proprietäre Technik werden vermieden.

Beschaffung der Ausstattung der Leitstelle

Die Beschaffung der technischen Ausstattung einer Leitstelle liegt in der Verantwortung des Betreibers. Das Land NRW erstellt keine Vorgaben zu ihrer Struktur oder der Art der Umsetzung von Funktionen und Leistungsmerkmalen. Auch die Wahl von Hersteller und Lieferant bleibt vollständig der jeweiligen Leitstelle überlassen. Um verbleibenden Unsicherheiten zu begegnen, unterstützt das Team DAnPoL die Leitstellen in ihren Beschaffungsprozessen mit detaillierten Informationen.
Intensive Schulungen der verantwortlichen Personengruppen bei den Leitstellenbetreibern sowie die Moderation von Workshops unter technischen und taktisch-operativen Zielsetzungen gehören ebenso zu den Aufgaben von DAnPoL wie das anfallende Problem-Management.

Fazit

NRW ist auf die Einrichtung eines Zugangs zum DAnPoL-System für alle nichtpolizeilichen Leitstellen im Land vorbereitet. Für jede der Leitstellen wurde seitens des Landes ein Heimat-Zugangsweg und ein Partner-Zugangsweg definiert. Die notwendigen Übertragungsstrecken wurden bereitgestellt. Die Installa­tion der Zugangstechnik in allen Leitstellen ist erfolgt. Jede Leitstelle kann individuell an die Systemtechnik über die offene, herstellerunabhängige und standardisierte Schnittstelle per Digitalfunkstecker angeschlossen werden.
Der Beginn der Nutzung des DAnPoL-Systems durch nichtpolizeilichen Leitstellen in NRW ist Mitte des Jahres 2015 gestartet. Bis zum Jahresende 2016 werden ca. 25 Leitstellen der nichtpolizeilichen Gefahrenabwehr an das System angeschlossen sein und im täglichen Betrieb arbeiten. Mit der Einrichtung von DAnPoL in der Leitstelle kann der Regelbetrieb über festverbaute Funkgeräte am Digitalfunk (FRT) schrittweise beendet werden.

Aufmacherbild: Landestechnik im Technikraum der Leitstelle

 

Autor:

autorStephan Kruthoff

Oberbrandrat, Landesamt für
Zentrale Polizeiliche Dienste NRW
Schifferstraße 10
47059 Duisburg
E-Mail: stephan.kruthoff@polizei.nrw.de
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