Herausforderungen in der Aus- und Fortbildung und erste Erfahrungen im Betrieb

Die Einführung des Digitalfunkes für Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (Digitalfunk BOS) stellte die Verantwortlichen im Freistaat Sachsen vor komplexe Aufgaben. Neben der Funknetzplanung, der Ausrüstung der Fahrzeuge von Polizei, Feuerwehr, Rettungsdienst und Katastrophenschutz sowie dem Neubau der Leitstellen musste ein Schulungskonzept für alle Zielgruppen von Anwendern im Freistaat Sachsen erarbeitet werden, welches im Juli 2008 fertiggestellt wurde. Die Grundlage für dieses Schulungskonzept bildeten die Ergebnisse der Arbeitsgruppe Schulung Bund/Länder.

Aus- und Fortbildung

Neben den Schulungen für die Endgeräteanwender mussten jetzt auch Servicetechniker, Führungskräfte und Personal für Softwareupdates in speziellen Lehrgängen geschult werden. Außerdem machte es der Neubau der Leitstellen bei Polizei und Feuerwehr/Rettungsdienst notwendig, die neuen Einsatzleitsysteme in das Schulungskonzept aufzunehmen.

Durch den Freistaat Sachsen wurde ein Mengengerüst an Schulungsteilnehmern erstellt. Im Bereich der zukünftigen Endgeräteanwender ermittelte der Freistaat Sachsen etwa 62 000 Nutzer bei Polizei, Feuerwehr, Rettungsdiensten und Katastrophenschutz. Mit 42 200 Kameraden/-innen hat der Bereich der Feuerwehr den größten Bedarf.

Ausgehend von dieser hohen Anzahl, wurde ein entsprechendes Schulungskonzept entworfen, welches eine Fortbildung zum Hauptmultiplikator oder Multiplikator für Endgeräteanwender vorsieht. Der Hauptmultiplikator für Endgeräteanwender ist für die Koordinierung der Schulungen der Endgeräteanwender in den Organisationseinheiten zuständig. Gleichzeitig schult er gemeinsam mit dem Multiplikator für Endgeräteanwender die zukünftigen Nutzer.

Untersuchungen zur Informations- und Kommunikations-(IuK)Fortbildungskapazität hatten ergeben, dass das Schulungs- und Referenzzentrum des Polizeiverwaltungsamtes in Dommitzsch (SRZ Dommitzsch) auf dem IuK-Gebiet die einzige Organisationseinheit der BOS im Freistaat Sachsen ist, die über eine professionelle Fortbildungslogistik mit dem erforderlichen Know-How verfügt. Mit der Entscheidung für den Schulungsort Dommitzsch begannen dort im Mai 2009 die ersten Fortbildungen für Multiplikatoren.

Theorie

Die viertägige Fortbildung der Multiplikatoren umfasst einen theoretischen und einen praktischen Teil. Zunächst wird den Lehrgangsteilnehmern durch E-Learning-Anwendungen ein Basiswissen zum Digitalfunk vermittelt. In zwei Modulen (A und B) werden die Grundlagen zum Digitalfunk BOS erläutert. Mit einem Abschlusstest wird das zuvor vermittelte Basiswissen abgefragt. Danach erhalten die Lehrgangsteilnehmer einen Einblick in die Funknetzstruktur, die Leistungsmöglichkeiten sowie einsatztaktische Grundlagen des Digitalfunks BOS.

Simulation

Traditionell besteht eine Schulung aus dem theoretisch vermittelten Wissen gefolgt von der praktischen Unterweisung an den realen Geräten. Bei der Schulung an realen Geräten lässt sich jedoch nicht eindeutig feststellen, ob die Schulungsteilnehmer tatsächlich etwas lernen oder nur passiv teilnehmen. Um genau diesem Problem entgegenzuwirken, hat sich der Freistaat Sachsen entschieden, ein computergestütztes Simulationsprogramm für Digitalfunkgeräte der Firma TETRAsim in den Lehrgängen einzusetzen. Mit Hilfe dieser Software sammeln die Lehrgangsteilnehmer erste Erfahrungen in der Bedienung der neuen Funkgeräte. Die Übungen werden mit exakt dem Funkgerät absolviert, dass der Nutzer später verwenden wird und es werden genau jene Gruppen geschult, die später zusammen arbeiten.

Praxis

Im praktischen Teil erfolgt die Ausbildung an den digitalen Funkgeräten. Die neuen Funkgeräte bieten eine Vielzahl neuer Funktionen. Neu sind unter anderem Menüs mit Gruppen, Ordnern, Positionierung, Datenübertragung und Speicherung. Das SRZ Dommitzsch verfügt über eine Anbindung an die Schulungs- und Testplattform (STP) der Bundesanstalt für den Digitalfunk der Behörden und Organisationen für Sicherheitsaufgaben (BDBOS). Somit können alle Leistungsmerkmale, wie zum Beispiel Notruf, Kurznachrichten (SDS) und das Funkmeldesystem (FMS) im Zusammenspiel mit der Leitstelle erprobt und getestet werden.

Im Rahmen des Lehrgangs erhalten die Teilnehmer zentrale Lehr- und Lernmittel in Form von Powerpoint-Vorträgen und E-Learning-Anwendungen. Nach der erfolgreichen Absolvierung des Lehrganges sollen diese Lehr- und Lernmittel im Rahmen der Endgeräteeinweisungen in den Organisationen genutzt werden.

Die Einweisung der zukünftigen Nutzer wird, angelehnt an die Ausbildung der Multiplikatoren, in zwei Schritten ausgeführt. Im theoretischen Teil werden Basiswissen zum Digitalfunk und Grundlagen zum TETRA-Netz vermittelt, im praktischen Teil erfolgt die Einweisung an den Endgeräten.

Taktischer Betrieb

Das Ziel des Projektes „Digitalfunk-BOS“ ist ein einheitliches und leistungsstarkes Funknetz für alle BOS in Deutschland. Von den geplanten rund 4 500 Basisstationen an rund 4 300 Standorten waren Anfang März 2014 4 113 aufgebaut und davon 3 782 Basisstationen in das Netz integriert. Damit sind knapp 90 % der Fläche der Bundesrepublik Deutschland funkversorgt (Stand: März 2014). Mit rund 500 000 Teilnehmern, die gleichzeitig kommunizieren können, wird das BOS-Digitalfunknetz das weltweit Größte seiner Art sein.

Großlagen stellen in den Bereichen Führung und Kommunikation Extremsituationen für Mensch und Technik dar. Für ein einheitliches Kommunikationssystem wie dem Digitalfunk BOS ist die zeitgleiche Nutzung der gemeinsamen Funkinfrastruktur der „Härtetest“ schlecht hin. Damit den Einsatzkräften alle Leistungsmerkmale permanent zur Verfügung stehen, muss dem Digitalfunk BOS im Gegensatz zum Analogfunk in der Einsatzplanung ein deutlich größeres Gewicht gegeben werden. Hierzu ist es notwendig, dass Einsatzplaner von Polizei, Feuerwehr/Rettungsdienst und Spezialisten der BOS Stelle die Vorplanung zusammen gestalten. Erkenntnisse aus früheren Großlagen müssen hierbei berücksichtigt und umgesetzt werden.

So etwa während der Großlage zum Gedenktag der Bombardierung Dresdens am 13. Februar 2014. Mit mehr als 2 000 Einsatzkräften aus zehn Bundesländern sowie Einsatzkräften der Bundespolizei war die Polizei an diesem Tag im Einsatz. Die Kommunikation wurde mit Hilfe des Digitalfunkes BOS sichergestellt. Im Anschluss zeigten sich die Einsatzkräfte in Dresden sehr zufrieden. Die Auswertung der Großlage ergab, dass der Digitalfunk BOS während der gesamten Einsatzzeit verlässlich zur Verfügung stand.

Diesem Erfolg gingen umfassende Planungen und Vorbereitungen seitens der Einsatzführung der Polizei in Dresden und der Autorisierten Stelle Sachsen (BOS Stelle) in Leipzig voraus. Ein Teil dieser Vorbereitungen war die Neujustierung der Funkzellen des BOS Digitalfunknetzes in der Dresdner Innenstadt. Hiervon profitierten die besonderen taktischen Anforderungen an diesem Tag. Seitens der Einsatzführung und in Abstimmung mit der BDBOS wurden im Vorfeld, aufgrund der Vielzahl der funkenden Einsatzkräfte in einer Funkzelle, Handlungsanweisungen zur Nutzung des Digitalfunkes BOS vergeben. Die darin festgelegten Maßnahmen, wie z. B. die Festlegung der Rufgruppen in einem Kommunikationsplan, trugen zu einer erfolgreichen Nutzung des Digitalfunkes BOS in dieser Großlage bei. Die BDBOS verfolgte im Führungsstab vor Ort den Funkverkehr und wertete diesen parallel aus. So lag die Auslastung der Verkehrskanäle im Einsatzzeitraum, trotz der hohen Anzahl an Einsatzkräften, bei etwa 65 Prozent. Die hier festgestellten Ergebnisse sind durchweg positiv und finden in ähnlichen Einsätzen Berücksichtigung.

TETRA-Endgeräte-Management

Im Jahr 2009 wurde durch den Freistaat Sachsen die Beschaffung von 27 000 TETRA-Endgeräten vertraglich gebunden. Diese Endgeräte werden nach erfolgter Beschaffung und einer Erstinitialisierung/Programmierung durch die BOS Stelle in Leipzig den verschiedenen Bedarfsträgern zur Verfügung gestellt. Um alle Prozesse und Informationen, die an den Lebenszyklus eines TETRA-Endgerätes gebunden sind, einheitlich und zentral verwalten zu können, wurde eine gemeinsame Plattform geschaffen. Das TETRA-Endgeräte-Management (TEM) setzt sich aus insgesamt drei Modulen zusammen:

  • Modul TEKK – der TETRA-Endgeräte Komponenten-Konfigurator
  • Modul TESII – das TETRA-Endgeräte Service- und Informations-Interface
  • Modul TEPI – das TETRA-Endgeräte Programmier-Interface

Der TEKK ist als Bestandteil des TEM für die Bestellung von TETRA-Endgerätekomponenten und TETRA-Ausstattungen für die verschiedenen Bedarfsträger der Polizei, der Feuerwehr, des Rettungsdienstes und des Katastrophenschutzes in Sachsen vorgesehen. Gleichzeitig werden neben den Komponenten auch alle zur Ertüchtigung des TETRA-Teilnehmers im Netz notwendigen Daten (z. B. Teilnehmer-OPTA) über den TEKK abgefragt.

Das TESII ist das zentrale Abfrage- und Verwaltungsmodul für Informationen zu TETRA-Endgeräten und Ausstattungen. Es soll insbesondere interne Verwaltungs- und Serviceabläufe auf Seite der Bedarfsträger unterstützen, indem es alle verfügbaren Informationen in strukturierter Form zur Verfügung stellt. Zusätzlich werden über dieses Modul Veränderungen an Konfigurationen, Ausstattung und Beständen verwaltet und an die zentralen Systeme zurückgemeldet.

Wie bei jedem modernen PC werden auch die neuen Digitalfunkgeräte Aktualisierungen und neue Leistungsmerkmale per Softwareupdate erhalten. Das TEPI als Client-/Server-Variante ist dabei der zentrale Bestandteil für die Programmierung der TETRA-Endgeräte. Die Hardwarebasis auf Clientseite ist einheitlich gestaltet. Jeder Client besteht dabei aus einer Steuereinheit und einer individuellen Anzahl von Programmieradaptern. Als Steuereinheit stehen den Bedarfsträgern unter anderem 17 Zoll Notebooks oder robuste und tragbare Tablet-PCs zur Verfügung. In jährlich stattfindenden Workshops sollen Vertreter von Polizei, Feuerwehr, Rettungsdienst und Katastrophenschutz über Änderungen und Anpassungen der Leistungsmerkmale beraten. Anschließend werden die beschlossenen Änderungen und Anpassungen in einer neuen Softwareversion in die Endgeräte programmiert.

Produkt- und Quellangaben beim Verfasser.

Aufmacherbild: Schulungsraum Digitalfunk. (Bild: Polizei Sachsen/Polizeiverwaltungsamt/Schulungs- und Referenzzentrum)

Frank Strönisch

Anschrift des Verfassers:

Foto HauptautorFrank Strönisch
Polizei Sachsen
Polizeiverwaltungsamt
Schulungs- und Referenzzentrum
Weidenhainer Weg 16
04880 Dommitzsch
Tel.: 034223/45-266
www.polizei.sachsen.de

 

geb. am 04. Oktober 1975 in Leipzig
1992: Ausbildung zum Rundfunk- und Fernsehtechniker
1998: Zivildienst Johanniter-Unfall-Hilfe e. V.
2004: Ausbildung zum Zugführer Hilfsorganisationen
2009: Ausbildung zum Verbandführer Hilfsorganisationen
2013: BOS-Trainer im Schulungs- und Referenzzentrum der Sächsischen Polizei