Neue gesetzliche Vorgaben erfordern flexibles, schnelles und effektives Handeln

Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (sog. BOS, wie z. B. Feuerwehr, Polizei oder Rettungsdienst) nutzen BOS-Funkanlagen zur reibungslosen Funk-Kommunikation untereinander in großen Gebäuden während Krisensituationen (Brandbekämpfung, Evakuierung, Amokläufe). Der Betrieb einer solchen Gebäudefunkanlage liegt in der Verantwortung des Betreibers, der auch verpflichtet ist, den jeweils aktuellsten Stand der Technik einzuhalten.

Bisher wurden v.a. analoge Objektfunkanlagen errichtet. Dies entspricht nicht mehr den heutigen Anforderungen einer effektiven Kommunikation von Einsatzkräften. Zielsetzung ist ein leistungsstarkes und gleichzeitig frequenzökonomisches Funknetz mit zuverlässiger Funktion und unkomplizierter Bedienung – Digitalfunk erfüllt all diese Anforderungen. Digitale Funkanlagen vereinfachen die Durchführung komplexer Einsatzszenarien und sorgen so letztendlich für schnelle und zuverlässige Hilfe in Not- und Katastrophenfällen.
Für die Vorgaben, welche Art von Gebäudefunksystem errichtet wird, sind in Deutschland die Kommunen zuständig. Leider herrscht hier wenig Einheitlichkeit, so dass sich die Vorgaben einer Kommune nur schwer auf eine andere übertragen lassen. Ebenso unüberschaubar sind die jeweiligen technischen Anforderungen. So ist im Land Hessen der Main-Taunus-Kreis einer der Vorreiter bei der Umstellung von Analog- auf Digitaltechnik. Seit Oktober 2015 müssen alle existierenden analogen Gebäudefunksysteme auf Digitalfunk (TMO a) umgerüstet werden, für Neuanlagen ist ausschließlich digitale Technik zulässig. Ähnliches gilt in Bayern, wo das Staatsministerium des Innern eine Empfehlung für die Errichtung von TMO / TMO (a) Anlagen ausgesprochen hat. Hintergrund dieser Entscheidung sind die klaren Kapazitätsvorteile solcher Anlagen im Vergleich zu DMO-Systemen. Weitere Bundesländer folgen, immer mit unterschiedlichen Rahmenbedingungen und Stichtagen.

Zum Zeitpunkt der Errichtung eines Gebäudes darf trotz allem nur die jeweils gültige Vorschrift umgesetzt werden. D. h. selbst wenige Monate nach Inbetriebnahme einer einwandfrei arbeitenden analogen Gebäudefunkanlage kann eine Umrüstung (sog. Migration) auf ein digitales System erforderlich werden. Bauherren, Generalunternehmern und Planer bewegen sich hier in den engen rechtlichen Vorgaben der Kommunen. Umso wichtiger ist es, geänderten Vorgaben möglichst schnell und kostengünstig nachkommen zu können, sowohl hinsichtlich der auszuführenden Montagearbeiten als auch der Technik, die zum Einsatz kommt.

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Die Systemtechnik sollte sich im Systemschrank im dafür vorgesehenen Raum befinden.

Was bedeutet das in der Praxis?

Mit der Eröffnung des Hotels „Best Western Plus iO“ in Eschborn/Schwalbach im Dezember 2012 wurde nicht nur das 200. Hotel dieser Kette eröffnet, sondern gleichzeitig auch das größte Best Western Hotel Deutschlands. Es befindet sich direkt am Standort der Unternehmenszentrale.

Das Best Western Schwalbach verfügt über 360 Betten in 291 Zimmern auf sechs Etagen. Zudem gehören zum Hotel eine Tiefgarage, Veranstaltungs- und Tagungssäle, Personal- und Wirtschaftsräume, ein großes Foyer, ein Restaurant und Bar. Umfangreiche Flächen, die im Fall von Brand oder Evakuierung vollständig funkversorgt werden müssen, damit die Einsatzkräfte sicher miteinander kommunizieren können.

Den neuen Anforderungen der Feuerwehr des Main-Taunus-Kreises folgend, wurde es nötig, die im Gebäude bestehende analoge Solo-Funkstelle auf ein digitales Gebäudefunksystem (TMOa) umzurüsten. Der Auftraggeber entschied sich für das DIAMANT® Gebäudefunksystem, exklusiv vertrieben von ­B•SCHMITT mobile GmbH, entwickelt in Kooperation mit Hytera Mobilfunk GmbH. Dieses Funksystem erfüllt alle Anforderungen der Behörden und greift maximal auf bereits bestehende Gebäudefunk-Elemente zurück. Das macht eine Migration schnell und kostengünstig möglich.
Jeder Migration geht eine genaue Prüfung der aktuellen Standortbedingungen voraus. Dabei wird festgestellt, ob das im Gebäude verlegte Strahlerkabel den Anforderungen entspricht. Denn während bei analogen Funkanlagen lediglich eine subjektive Bewertung der Sprachqualität und Verständigung erfolgt, ist bei digitalen Gebäudefunksystemen ein flächendeckender Pegel von -88dbm zwingend vorgeschrieben. Im Fall des Best Western Schwalbach war das Kabelnetz ausreichend für die Installation eines digitalen Gebäudefunksystems.
Zur Migration müssen neben der Basisstation zusätzlich weitere Rahmenbedingungen berücksichtigt werden. Im Fall des Main-Taunus-Kreises bedeutet dies:
• Die Basisstation muss in einem eigenständigen Raum in F90-Qualität mit T30-Tür sein.
• Jede 5. Schelle, mit der das strahlende Antennenkabel befestigt ist, muss aus feuerfestem Material bestehen.
Die Montage von DIAMANT® erfolgte in einem Systemschrank, der wiederum in einem eigens der Systemtechnik vorbehaltenen Raum aufgestellt wurde. Bei Stromausfall ist eine Notstromversorgung für mindestens zwölf Stunden gewährleistet. Die Nachrüstung der Schellen konnte während des laufenden Hotelbetriebs erfolgen. Aufgrund der Tätigkeiten in einem voll bewirtschafteten Hotel war durch das ausführende Unternehmen besonders sauberes, schnelles und geräuscharmes Arbeiten gefordert.

Basisstation im eigenständigen Raum

Basisstation im eigenständigen Raum

Im Anschluss an die Umrüst-Arbeiten folgt analog der im Vorfeld durchgeführten Funkfeldmessung eine erneute Bestimmung der Ergebniswerte. Nach erfolgreicher Ergebnismessung erfolgte dann die Abnahme durch einen Sachverständigen sowie die zuständige Feuerwehr.

Insgesamt haben die Montage, Inbetriebnahme arbeiten für die Migrationsmaßnahme weniger als eine Woche in Anspruch genommen. Alle Maßnahmen wurden umgesetzt ohne den laufenden Hotelbetrieb zu beeinträchtigen.

DIAMANT® Gebäudefunksystem

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Sogenanntes Blockschaltbild für die Funkanlage im Best Western Hotel.

Digitale Gebäudefunksysteme dieser Art werden in Deutschland erst seit 2014 gefordert und errichtet; dementsprechend verfügen nur wenige Unternehmen über die nötige Kompetenz und Erfahrung in der Planung, Montage und Inbetriebnahme dieser Objektfunkanlagen.
Das DIAMANT® Gebäudefunksystem wurde von B•SCHMITT mobile gemeinsam mit Hytera Mobilfunk Deutschland entwickelt. Damit bündelt sich in einem System das Fachwissen aus über 400 montierten Objektfunkanlagen mit der Kompetenz in der Entwicklung von TETRA-Systemen. DIAMANT® ist ein autarkes TMO (a) Gebäudefunksystem mit eigenständiger TETRA-Basisstation auf Grundlage der DIB R5 von Hytera Mobilfunk. Diese Basisstation ist nicht an das BOS-Netz angebunden und ist dementsprechend frei von negativen Auswirkungen auf das BOS-Netz: Es sind weder Kapazitätserhöhungen an den Vermittlungsstellen notwendig noch an der Ausbaustufe der Anbinde-Basisstation. Ebenso wenig kommt es zu einer Desensibilisierung der Basisstation im Freifeld. Im Einsatzfall erfolgt der Wechsel auf das Gebäudefunksystem durch einen simplen Gruppenwechsel in der Favoritenliste. Mit nur einem Frequenzpaar stehen drei zeitgleiche Sprechwege (Gruppengespräche) und ein ­Organisationskanal zur Verfügung. DIAMANT® greift auf bewährte TETRA-Funktionali­tä­ten zurück und ermöglicht eine Vielzahl von Selbstüberwachungsmöglichkeiten. Selbstverständlich erfüllt das Gebäudefunksystem alle Sicherheits- und Funktionsanforderungen gemäß dem aktuellen BD-BOS-Leitfaden.

Aufmacherbild:
Das Best Western Schwalbach wurde von einer bestehenden analogen Solo-Funkstelle auf ein digitales Gebäudefunksystem umgerüstet.

Autor:
B.Schmitt
Westerbachstraße 124
65936 Frankfurt am Main
Tel.: 069/34051–0
E-Mail: info@b-schmitt.de
Die Systemtechnik sollte sich im Systemschrank im dafür vorgesehenen Raum befinden.