Abb. 2: Logo DLRG

Abb. 2: Logo DLRG

Ehrenamtliche Retter kämpfen seit Generationen gegen das Ertrinken. Sie führen einen alltäglichen Kampf gegen die Gefahren des Wassers, stets darauf bedacht, Menschen vor dem Ertrinken zu retten.

Seit Generationen wachen die Mitglieder der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) an den Küsten von Nord- und Ostsee, an zahllosen Binnengewässern und in Schwimmbädern über die Sicherheit von Badegästen, Wassersportlern und Urlaubern. Sie bilden Menschen zu Schwimmern und Rettungsschwimmern aus und klären über die Gefahren auf, die im und am Wasser lauern. Sie, das sind heute über 550 000 ehrenamtlich tätige, in der Mehrzahl junge, Menschen, die sich uneigennützig und unentgeltlich für den Nächsten einsetzen.

Größter Einsatz der DLRG-Geschichte

Die letzte große Herausforderung für die Helferinnen und Helfer der DLRG ereignete sich im Juni und Juli 2013, im Jahr des 100-jährigen Bestehens der humanitären Organisation. Lang anhaltender Starkregen sorgte für großflächige Überschwemmungen vor allem in Bayern und im Osten Deutschlands, im späteren Verlauf der Katastrophe auch entlang der Elbe über Niedersachsen bis nach Schleswig-Holstein. Die DLRG war mit etwa 4 000 Spezialisten, darunter fast 800 Einsatztauchern, 300 Strömungsrettern und 375 Motorrettungsbooten in über 50 Wasserrettungszügen in den überschwemmten Gebieten zwischen Regensburg, Bad Schandau und Lüneburg im Einsatz. Sie leisteten insgesamt 17 000 Helfertage. Die Flutkatastrophe 2013 war der bisher größte Hochwassereinsatz in der 100-jährigen Geschichte der DLRG (Abb. 2).

Einsatztaucher, Fachberater, Luft- und Strömungsretter
Überall halfen sie der Bevölkerung. Zunächst im Einsatz: die schnellen Einsatzgruppen Wasserrettung. Bei zunehmenden Schadenslagen bildete sie aus den vorhandenen Wasserrettungsgruppen größere Einheiten als Wasserrettungszüge. Strömungsretter gingen dort gesichert ins Wasser, wo keine Helfer mehr hinkamen, retteten und versorgten Menschen und stapelten an unzugänglichen Abschnitten Sandsäcke zur Stabilisierung brüchiger Deiche. Die Besatzungen der Hochwasserboote versorgten die Eingeschlossenen mit Essen, Trinken und Medikamenten, oder brachten sie zur ärztlichen Versorgung. 16 Luftretter der DLRG erkundeten in Hubschraubern von Bundespolizei und Bundeswehr überflutete Gebiete und suchten nach Menschen in Not. Ärzte und Sanitäter der DLRG versorgten Unfallopfer und Eingeschlossene medizinisch, Fachberater der Wasserrettungsorganisation berieten die Stäbe und Einsatzleitungen in den Katastrophengebieten in strategischen und einsatztaktischen Fragen. Die Helfer arbeiteten auch in Orten, wo die Bevölkerung nahezu auf sich allein gestellt war. Einsatztaucher sorgten für die wasserseitige Sicherung von Deichen, die zu brechen drohten.
Alle vom Hochwasser nicht betroffenen Landesverbände wurden vom DLRG-Lagezentrum in Bad Nenndorf aufgefordert, einsetzbare Wasserrettungszüge (WRZ) zu melden, die von den zuständigen Innenministerien freigegeben wurden. Das Lagezentrum stellte anschließend aus diesen Wasserrettungszügen landesübergreifend Wasserrettungsbereitschaften zusammen, die von den betroffenen Landkreisen über ihr jeweiliges Landesinnenministerium angefordert werden konnten. Dies galt auch für weitere Fachberater Wassergefahren.

Alle Einsatzkomponenten enthalten
Das Lagezentrum des Bundesverbandes wurde durch das Präsidiumsressort Einsatz geleitet von hauptamtlichen Fachleuten des Referates 2 – Einsatz unterstützt. Es wurde personell ergänzt durch ehrenamtliche Mitarbeiter aus den Bereichen Einsatz und Verbandskommunikation.
In den Wasserrettungszügen sind alle Einsatzkomponenten der DLRG (Führungskräfte, Bootsführer, Einsatztaucher, Strömungsretter und Sanitätspersonal) enthalten. Bei überörtlichen Einsätzen müssen sie sich auf vielfältige Aufgaben einstellen: Personenrettung, Abdichten von Wasserdurchlässen unter Wasser, Folienverlegung, Hilfe an schnellfließenden Gewässern, wasser- und landseitige Deichwehr, Evakuierung oder Versorgung von Verletzten im Wasserbereich, Bergung von Treibgut, Absicherung von Feuerwehr- und Bundeswehrkräften.

Abb. 3: Erste Rettungsschwimmer-Urkunde von 1913 für Robert Häberle. (Bild: DLRG-Archiv)

Abb. 3: Erste Rettungsschwimmer-Urkunde von 1913 für Robert Häberle.
(Bild: DLRG-Archiv)

Jährlich ertranken 5 000 ­Menschen

Vor 100 Jahren war das Schwimmen wahrlich noch nicht in Mode und das Ertrinken an der Tagesordnung. Jährlich verloren mehr als 5 000 Männer, Frauen und Kinder im Wasser ihr Leben. Es verging kein Tag, an dem die Presse nicht resignierend über neue Opfer berichtete. Nur etwa 2 – 3 % der damals 65 Millionen Menschen im Deutschen Reich konnten schwimmen. Das Seebrückenunglück in Binz am 28. Juli 1912, bei dem 16 Menschen (darunter zwei Kinder) das Leben verloren, war der äußere Anlass – so die frühen Chronisten der DLRG – für die Gründung einer Deutschen Lebensrettungsgesellschaft. Eine Erkenntnis des Unglücks war: Kaum jemand der nahezu 1 000 Besucher der Seebrücke war an jenem Sonntag in der Lage, den Ertrinkenden zu helfen (Abb. 3).
Ein knappes Jahr später unterzeichneten 13 Aktive des Deutschen Schwimmverbandes (DSV) einen Aufruf zur Gründung einer Lebensrettungsgesellschaft. „Retten lernen! muss unser Hauptlosungswort werden. Wir müssen eine planvolle Ausbildung aller herbeiführen, auch der Frauen“, hieß es darin. Eine für die damalige Zeit fast revolutionäre Aussage.
Am 19. Oktober 1913 schließlich wurde die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft im Hotel De Prusse in Leipzig gegründet. Viele Gründungsmitglieder bildeten in der Folgezeit in ihren Wohnorten Rettungsschwimmer aus, so in Berlin, Hamburg, Hannover, Stuttgart-Cannstatt und Nürnberg. Seit 1914 ist der spähende Adler bis zum heutigen Tag das Symbol, das Logo, der „Gesellschaft“, wie sie sich damals kurz nannte. Die Verantwortung für die Schwimmausbildung blieb bis zum Ende des zweiten Weltkrieges formal beim DSV. Im Bericht zur Haupttagung anlässlich des 30-jährigen Bestehens nennt die DLRG eine Millionen ausgebildete Rettungsschwimmer (Abb. 4).

Rettungsschwimmer wachen an­ ­Badestellen

1921 registrierte die Reichsstatistik 8 000 Ertrunkene. In die zweite Satzung nahm die DLRG deshalb als weitere Aufgabe den Schwimmrettungsdienst (entspricht dem heutigen Wasserrettungsdienst) auf. Sie hatte erkannt, dass es nur möglich war, Menschen vor dem Ertrinken zu retten, wenn Rettungsschwimmer am Wasser in der Nähe wachten. Nach und nach entstanden an beliebten Badestellen zunächst mobile, später feste Wachstationen. In den 1930er Jahren weist die Statistik 3 500 Ertrinkungsfälle pro Jahr aus – ein Rückgang von 30 %. 1943 zählt die DLRG 60 000 Mitglieder.
Nach dem Ende des 1. Weltkrieges und der Zeit der Inflation beginnt für die DLRG 1945 der dritte Neuanfang in der Verbandsgeschichte. In der Deutschen Demokratischen Republik bleibt die DLRG aber bis zur Wiedervereinigung verboten. Der Krieg hatte auch die Reihen der Lebensretter gelichtet. 1951 sind es noch 28 000 Mitglieder. Dennoch ergänzt sie ihr Aufgabenspektrum erneut: hinzu kommt die Anfänger­schwimm­ausbildung.

Abb. 4: Gründungsort der DLRG, Hotel de Prusse in Leipzig. (Bild: Stadtgeschichtliches Museum Leipzig)

Abb. 4: Gründungsort der DLRG, Hotel de Prusse in Leipzig.
(Bild: Stadtgeschichtliches Museum Leipzig)

Der goldene Plan

1959 stellt die Deutsche Olympische Gesellschaft (DOG) den „Goldenen Plan“ vor, ein nachhaltiges Konzept zum Ausbau von Sportstätten und Schwimmbädern. Davon profitiert die DLRG. In vielen Städten und Gemeinden entstehen neue Ortsgruppen, die Mitgliederzahlen wachsen. In der Folge stieg die Zahl der Schwimmer, die Ertrinkungsfälle gingen zurück (Abb. 5). „In der zweiten Hälfte ihrer Geschichte entwickelte sich die DLRG vom „Badehosenverein“ zur modernen, hochtechnisierten Einsatzorganisation“, beschreibt DLRG-Präsident Dr. Klaus Wilkens den aktuellen Status der heute größten Wasserrettungsorganisation der Welt, die seit 100 Jahren ausschließlich ehrenamtlich arbeitet. Seit 1990 arbeitet die DLRG auch wieder in den sogenannten fünf neuen Bundesländern. Mit der Wiedervereinigung ist das Aufgabengebiet der DLRG um ca.
300 km Ostseeküste, mehr als 8 000 Binnenseen und unzählige Kilometer Flüsse und Kanäle angewachsen.

Abb. 5: Anzahl Ertrinkender ab 1913. (Grafik: DLRG)

Abb. 5: Anzahl Ertrinkender ab 1913.
(Grafik: DLRG)

Bilanz der Lebensrettung, Ausbildung und Erste Hilfe
Heute wachen die überwiegend jungen Rettungsschwimmerinnen und Rettungsschwimmer an mehreren tausend Badestellen an Küsten, Binnengewässern und in Bädern. Bis zu 60 000 von ihnen wachen jährlich über die Sicherheit der Schwimmer, Wassersportler und Badegäste. Diese und weitere qualifizierte Helfer stehen auch im Katastrophenfall bereit, wie das Hochwasser 2013 gezeigt hat: 100 spezielle Wasserrettungszüge, über 1 200 Kraftfahrzeuge und Rettungsboote, 3 000 Einsatztaucher, 900 Strömungsretter sowie sechs Luftrettungseinheiten repräsentieren eine leistungsfähige Einsatzorganisation für die Wasserrettung.
Mit 1,2 Millionen Mitgliedern und Förderern ist die DLRG – trotz der demografischen Perspektiven – aktuell gut aufgestellt. Seit Beginn der DLRG-Statistik im Jahr 1950 haben die Mitglieder 66 000 Menschen – das sind die Einwohner einer mittleren Stadt – das Leben gerettet. Bei mehr als 9 000 Einsätzen haben sie ihr eigenes Leben aufs Spiel gesetzt. In dieser Zeit wurde 2,2 Millionen Mal Erste Hilfe geleistet. Die Ausbilder am Beckenrand haben 21,7 Millionen Menschen das Schwimmen gelehrt. Seit 1913 hat sie 5,5 Millionen Menschen zu Rettungsschwimmern fortgebildet.
In 100 Jahren haben die ehrenamtlich tätigen Retter in hohem Maße dazu beigetragen, die Zahl der Todesfälle durch Ertrinken von 5 000 um über 90 % auf 383 (2012) zu senken (s. Abb. 5). Ohne den Präsenzdienst wäre eine solche Entwicklung nicht möglich gewesen.
Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft steht für die ehrenamtlich übernommene Verantwortung um die Sicherheit im und am Wasser durch

  1. Information und Aufklärung,
  2. Ausbildung im Schwimmen, Retten, Tauchen und der Ersten Hilfe sowie
  3. Einsatz im Wasserrettungsdienst und Katastrophenschutz (den auch heute noch gültigen Kernaufgaben der DLRG).

Anschrift der Verfasser:

Passbild Jannsen_webDeutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft e. V.
Bundesgeschäftsstelle
Martin Janssen
Pressesprecher, Stabsstelle Kommunikation

 

Frank Villmow
Präsidialbeauftragter Ressort Verbandskommunikation für den ­Katastrophenschutz
Im Niedernfeld 1-3
31542 Bad NenndorfMartin Janssen

 

Martin Janssen
geb. am 25. Oktober 1951
in Wattenscheid

Studium der Sozialwissenschaften, Publizistik, vergleichenden Sprachwissenschaften an der Ruhr-Universität Bochum,
Abschluss: Dipl. sc. soc.
1981 – 1983: PR-Berater bei der Gesellschaft für Marketing-Kommunikation (GMK)
1984 – 1987: Berater für Marketing-Kommunikation und PR bei Koob & Partner, Mülheim
Seit 1987: PR-Berater und Pressesprecher beim Bundesverband der DLRG, Essen später Bad Nenndorf