Die Zeiten ändern sich. Unsere Hilfe bleibt.

Die Wurzeln des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) liegen in der Ersten Hilfe: Im Jahre 1888 schlossen sich sechs Berliner Zimmerleute zusammen, um die Kenntnisse und Fähigkeiten in Erster Hilfe, die bis dahin nur Ärzten zugänglich waren, endlich auch ihren Kollegen vermitteln zu können. Die brauchten sie dringend, denn Erste-Hilfe-Ausbildungen oder gar einen organisierten Rettungsdienst gab es zu der Zeit nicht; schwerverletzte oder sterbende Unfallopfer waren meist sich selbst überlassen.

Die Zimmerleute setzten sich gemeinsam mit dem jüdischen Arzt Dr. Alfred Bernstein gegen viele Widerstände durch und organisierten den ersten „Lehrkursus zur Ersten Hilfe“ für Arbeiter. Weil damals derjenige, der bei einem Unfall Hilfe leistete, im allgemeinen Sprachgebrauch Samariter genannt wurde, entstand der Name „Arbeiter-Samariter-Bund“.

Rettungsdienst und Notfallvorsorge im ASB

Seine Wurzeln in der Zeit der Industrialisierung prägen den ASB bis heute. Obwohl der Verband inzwischen auch zahlreiche Aufgaben in Pflege und Betreuung erfüllt und z. B. in der Altenhilfe oder der Hilfe für Menschen mit Behinderung zu den großen Anbietern gehört, sind Rettungsdienst und Bevölkerungsschutz nach wie vor Schwerpunkte der Arbeit des ASB.

ASB, Jubiläum, Hilfsorganisation

Auf der ASB-Jubiläumsfeier in Berlin: (v. r. n. l.) Arbeitsministerin Ursula von der Leyen, ASB-Präsident Franz Müntefering, ASB-Bundesgeschäftsführer Christian Reuter und Jan Josef Liefers, Träger des Annemarie-Renger-Preises. (Bilder: ASB/Hannibal)

An über 180 Standorten in ganz Deutschland ist der ASB im Rettungsdienst aktiv. Ob Herzinfarkt, Schlaganfall oder ein Verkehrsunfall: Wenn Menschen schwer verletzt sind oder in Lebensgefahr schweben, ist der ASB im Einsatz. Zu den Aufgaben des ASB im Rettungsdienst gehören neben der Notfallvorsorge auch der qualifizierte Krankentransport mit boden- und luftgebundenen Intensivtransporten, der Interhospitaltransfer sowie der kassenärztliche Bereitschaftsdienst.

Im Fall von extremen Wetterereignissen oder Unfällen mit vielen Beteiligten wird der Katastrophenschutz des ASB aktiv. Die freiwilligen Helfer sorgen dann für die medizinische Erstversorgung und errichten Behandlungsplätze oder Notunterkünfte. Der Betreuungsdienst des ASB übernimmt bei Großschadensereignissen und Gefahrenlagen die Zubereitung und Verteilung von Speisen und Getränken, die Ausgabe von Kleidern und Gegenständen des täglichen Bedarfs, und leistet Hilfe bei notwendigen Evakuierungen.

Auf der Suche nach Vermissten, zum Beispiel nach einem Hauseinsturz, kommen die Rettungshundestaffeln des ASB zum Einsatz. Die speziell ausgebildeten und erfahrenen Mitarbeiter der Kriseninterventionsteams (KIT) des ASB stehen Menschen zur Seite, die abrupt nach einem Unfall oder Verbrechen einen Angehörigen verloren haben. So bilden die Wohlfahrtspflege und der Bevölkerungsschutz die großen Säulen der ASB-Arbeit.

Die Hauptveranstaltungen zum Jubiläum

In drei großen Veranstaltungen besann sich der ASB auf seine Historie und seine Wurzeln, feierte gemeinsam mit Freunden und anderen Organisationen und gab einen Ausblick auf zukünftige Entwicklungen im Verband. Den Auftakt machte im April ein Sozialpolitischer Fachkongress in Hamburg. Themen waren u. a. die Sicherheit bei Großveranstaltungen und die Zusammenarbeit zwischen Behörden und Hilfsorganisationen, der Fachkräftemangel im Bevölkerungsschutz und vieles mehr. Als Gastredner zum Thema „Verantwortung der Politik für eine starke Zivilgesellschaft“ sprach der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel.

Festakt und Jubiläumsfeiern in Berlin

Am 23. August 2013 wurde der ASB-Geburtstag groß gefeiert: mit einem Festakt und einer Gala im Maritim Hotel in Berlin-Tiergarten. Rund 3 000 Gäste, darunter die Bundesministerin für Arbeit und Soziales, Ursula von der Leyen, weitere Vertreter von Politik und öffentlichem Leben sowie haupt- und ehrenamtliche ASB-Mitarbeiter kamen nach Berlin. Erstmalig wurde anlässlich des Jubiläums in Berlin der Annemarie-Renger-Preis verliehen. Preisträger war der Schauspieler Jan Josef Liefers, der die Auszeichnung für sein herausragendes bürgerschaftliches Engagement erhielt. In einer Pressekonferenz stellte der ASB-Bundesvorsitzende Knut Fleckenstein eine Studie zum Thema Freiwilligenarbeit vor und unterstrich die Bedeutung von ehrenamtlichem Engagement für die Gesellschaft und Verbände wie den ASB. Zum Hintergrund: Im ASB engagieren sich rund 16 000 Menschen freiwillig und ehrenamtlich, ein großer Teil davon in Rettungs- und Sanitätsdiensten, der Wasserrettung und in der Krisen-Intervention.

Auf dem Festakt gratulierte Franz Müntefering dem ASB in seiner ersten öffentlichen Rede als Präsident des Verbandes: „Wir feiern ein gutes Stück deutsche Geschichte, das mit Demokratie zu tun hat und mit den Grundwerten Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität, mit Mut zur Initiative und mit Ausdauer.“

Das Freiwilligen- und Helferfest in ­Gatow

Um die Bedeutung des Einsatzes seiner vielen freiwillig und ehrenamtlich Engagierten zu unterstreichen, richtete der ASB auf dem Gelände des ehemaligen Militärflugplatzes Berlin-Gatow ein Helferfest aus: In einem zünftigen Zeltlager feierten Samariterinnen und Samariter aus ganz Deutschland zwei Tage lang das 125-jährige Jubiläum des ASB. Höhepunkt war die ASB-Geburtstagsparty am 24. August, an der rund 350 Gäste teilnahmen.

Und so geht es weiter

Die letzte Station im Jubiläumsjahr war ein Zukunftskongress in München. Rund 300 freiwillige und hauptamtliche ASB-Mitarbeiter diskutierten vom 25. bis 26. Oktober unter dem Leitwort „Wir gestalten Zukunft“ verschiedene Themen wie „Der ASB als Arbeitgeber“, „Bürgerschaftliches Engagement“ oder „Die Position des ASB in Politik und Gesellschaft“. Die Ergebnisse der Themenwerkstätten werden in die ASB-Bundeskonferenz 2014 einfließen. Der ASB-Bundesvorsitzende Knut Fleckenstein erinnerte an die zukünftigen Herausforderungen des Verbandes: „Sie sind die Experten, Sie kennen die Besonderheiten in Ihrer Region und davon möchten wir profitieren. Wir können uns die Welt nicht selbst stricken, aber wir können Einfluss darauf nehmen.“

Kurzinterview mit Knut Fleckenstein, MdEP, ASB-Bundesvorsitzender:

CP: Der ASB blickt auf 125 Jahre Bestehen zurück. Was sind aus Ihrer Sicht herausragende Stationen, Ereignisse und Veränderungen?

ASB: Es ist schwierig, bei dieser Fülle an Ereignissen und Entwicklungen der vergangenen 125 Jahre, ein einzelnes hervorzuheben. Die Auflösung und Zerschlagung des ASB durch die Nationalsozialisten vor 80 Jahren zählt sicher dazu; es prägte nachfolgende Samariter-Generationen und begründete eine Tradition eigenständigen und freiheitlichen Denkens im ASB.

Bis 1989 blieb der ASB auch in der DDR verboten. Darum war die Wiedergründung des ASB in den neuen Bundesländern zu Beginn der 1990er Jahre ein weiteres wichtiges Ereignis. Ehemalige Samariter, ihre Kinder oder sogar Enkelkinder gründeten frühere ASB-Kolonnen neu und schufen daraus moderne Verbände, deren vielfältige Angebote dort inzwischen nicht mehr wegzudenken sind.

CP: Mit Ihren Festakten und Veranstaltungen sprechen Sie auch gezielt die (freiwilligen) Helfer an und honorieren deren Arbeit.

ASB: Das Engagement unserer rund 16 000 ehrenamtlich und freiwillig Engagierten ist unverzichtbar. Ohne sie könnten wir viele unserer Angebote – wie den Bevölkerungsschutz – nicht aufrechterhalten. Wir haben bereits im Jahre 2010, mit der Einführung der neuen ASB-Kommunikation und dem Beginn des Bundesfreiwilligendienstes ein Jahr später, eine umfangreiche Kampagne zur Freiwilligenarbeit gestartet. Eine wichtige Rolle spielen dabei die ASB-Orts-, Kreis- und Regionalverbände. Dort arbeiten die Freiwilligenkoordinatoren, die für gezielte Werbung und Bindung der freiwilligen Helfer im Einsatz sind.

CP: Wie stellt sich der ASB in der grenzüberschreitenden und internationalen Zusammenarbeit in Katastrophenregionen und in der Auslandsarbeit auf?

ASB: In insgesamt zehn Ländern ist der ASB mit eigenen Länderbüros vertreten und setzt dort mit eigenem Personal Projekte z. B. in der Katastrophenvorsorge, der Unterstützung von Flüchtlingen und intern Vertriebenen oder im Wiederaufbau von sozialer Infrastruktur um. Im Fall einer Katas­trophe können so schnell ASB-eigene Ressourcen mobilisiert werden. Als Gründungs- und Mitgliedsorganisation der Aktion Deutschland Hilft bringt der ASB seine langjährige Erfahrung in der humanitären Auslandshilfe ein, um so die erfolgreiche Arbeit noch zu optimieren.

Ein Soforthilfeinstrument des ASB sind die First Assistance Samaritan Teams (FAST), speziell ausgebildete Freiwillige aus ASB-Gliederungen. Hier liegen die Schwerpunkte in der Trinkwasseraufbereitung und der basismedizinischen Versorgung.

Aufmacherbild: „Die Zeiten ändern sich. Unsere Hilfe bleibt.“ Das war das Motto des ASB zum 125. Jubiläum. (Bild: ASB/Hannibal)

Gisela Graw

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