Nachdem es am 11. März 2011 in Fukushima/Japan infolge eines starken Erdbebens und nachfolgenden Tsunamis zu verheerenden Reaktorunfällen kam, rückte das Risiko einer atomaren Gefahrenlage wieder in den Fokus von Politik und Katastrophenschutz. Die von der Bundesregierung kein halbes Jahr zuvor in Kraft gesetzte Laufzeitverlängerung wurde revidiert, eine umfassende Sicherheitsüberprüfung deutscher Kernkraftwerke angeordnet, einzelne Reaktoren vom Netz genommen.

Vier von sechs Reaktorblöcken im japanischen Kernkraftwerk Fukushima Daiichi wurden durch die Unfälle zerstört, in den Blöcken 1 bis 3 kam es zu Kernschmelzen. Der atomare Gau des 21. Jahrhunderts: Kontaminierte Luft, Böden sowie Wasser und Nahrungsmittel in der land- und meerseitigen Umgebung. Zwischen 100 000 und 150 000 Einwohner mussten die verseuchte Region vorübergehend oder dauerhaft verlassen.

25 Jahre zuvor erschütterte am 26. April 1986 die Explosion von Reaktor 4 im Kernkraftwerk Tschernobyl die Welt. Schwerwiegende Verstöße gegen geltende Sicherheitsbestimmungen im Rahmen eines Versuchsprogramms führten zum unkontrollierbaren Leistungsanstieg des Reaktors und infolgedessen zur Explosion. Binnen kürzester Zeit wurde Radioaktivität zunächst in große Höhen katapultiert und daraus resultierend großflächig verbreitet. Gut 218 000 km² wurden radioaktiv belastet, knapp 50 Menschen starben laut Weltgesundheitsorganisation und Internationaler Atomenergie-Organisation an den Folgen akuter Strahlenkrankheit. Erheblich steigende tödliche Krebs- und Leukämieerkrankungen sowie Schilddrüsenkrebserkrankungen zählen zu den Spätfolgen.

Hausgemachte Katastrophen aufgrund von Planungs- und Bedienungsfehlern forderten und fordern eine Vielzahl von Opfern. Und doch seltene Einzelfälle bei weltweit 443 betriebenen Kernkraftwerken.

Ein weiteres verheerendes Ereignis war die gezielte Tötung Tausender Menschen durch den Atombombenangriff der Amerikaner im Zweiten Weltkrieg. Am 6. August 1945 warfen sie eine Atombombe über der japanischen Stadt Hiroshima ab, drei Tage später eine weitere über Nagasaki. Der Bombenabwurf über Hiroshima tötete allein am Tage des Abwurfs 130 000 Menschen, jener über Nagasaki 70 000. Die Opferzahl an Spätfolgen Verstorbener liegt bis heute bei etwa derselben Höhe.

Schmutzige Bombe

Zum heutigen Zeitpunkt wird die Gefahr einer weiteren atomaren Lage durch die Verwendung von Nuklearwaffen oder improvisierten Kernwaffen als eher gering eingeschätzt. Ganz anders verhält es sich mit dem Missbrauch radioaktiven Materials in Kombination mit konventionellem Sprengstoff – einer sogenannten „Schmutzigen Bombe“. Nach Einschätzung des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS) gelten die Verwendung einer Schmutzigen Bombe bzw. vergleichbare Szenarien „als möglicher Fall einer missbräuchlichen Verwendung radioaktiven Materials.“

Radioaktives Material lässt sich für Terroristen leicht beschaffen, finden diese Stoffe doch eine weite Verbreitung in Medizin, Technik und Forschung – weltweit. Doch der Verbreitung potentiell gefährlicher radioaktiver Stoffe ist kaum beizukommen. Strengere Sicherheitsmaßnahmen oder höhere Abgaben sind nicht realisierbar.

Notfallschutz

Warnschild Radioaktivität. (Bild: Thommy Weiss/pixelio.de)

Warnschild Radioaktivität. (Bild: Thommy Weiss/pixelio.de)

Entscheidend für das Schadensausmaß ist die atomare Quelle. Bei Cäsium-137-Quellen gehen „in unmittelbarer Nähe des Freisetzungsortes“ aufgrund niedriger Dosiswerte keine Gefahren für die Bevölkerung aus, so das BfS. Strahlenschutztechnische Maßnahmen kommen in solch einem Szenario nicht zum Zuge. Anders verhält es sich beim Einsatz von Plutonium-239. Aufgrund der Effektivdosiswerte um 100 Millisievert greifen Notfallschutzmaßnahmen der Katastrophenschutzeinheiten und Sicherheitsbehörden in unmittelbarer Umgebung bis hin zu einem Umkreis von mehreren Kilometern des Freisetzungsortes.

Verletzt oder tötet die Explosion des Sprengsatzes einer Schmutzigen Bombe nur eine relativ geringe Anzahl von Menschen, geht von der radioaktiven Strahlung eine erhebliche Gefahr aus durch die Direktstrahlung oder die Inkorporation durch die Atemwege oder durch die Einnahme verseuchter Nahrung.

Psychosoziale Rahmenbedingungen

Psychosoziale Aspekte werden in Übungsszenarien und Einsatzplanungen von Angehörigen der Katastrophenschutzinstanzen implementiert. Die Abwehr und Bewältigung einer atomaren Schadenslage erfordert operative Maßnahmen. Der Bund hat hierauf mit der Ausstattung und Ausbildung speziell geschulten Personals und der Einrichtung von insgesamt sieben bundesweiten Standorten der Analytischen Task Force reagiert.

Ist laut Einschätzung des BfS „das radiologische Gefährdungspotential einer Schmutzigen Bombe beschränkt“, gemessen an der Gesamtbevölkerung Deutschlands, so stellt ein nicht zu unterschätzendes Risiko das Verhalten der Bürger in solch einem Szenario dar. Unsicherheit in der Bevölkerung, Aggression und Überforderung, Fluchtverhalten, Panik und Hysterie sind dabei anzunehmende (Über-)Reaktionen. (SH)

Aufmacherbild: Kernkraftwerk Neckarwestheim. (Bild: Markus Lorch/pixelio.de)