Seit Ausgabe 1/2012 hat CP sukzessive den einzelnen Fachbereichen der Akademie für Krisenmanagement, Notfallplanung und Zivilschutz (AKNZ) des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) die Gelegenheit gegeben, sich vorzustellen. Mit diesem sechsten Teil schließt die Serie.

Lehre und Qualität

Die AKNZ des BBK erfüllt mit den ihr zugeschriebenen Aufgaben eine besondere Funktion im System des Bevölkerungsschutzes in Deutschland. Organisationsunabhängig werden Führungskräfte, Funktions- und Verantwortungsträger aus Behörden aller Verwaltungsebenen, aus der Wirtschaft, aus Verbänden und Organisationen auf ihre Tätigkeit in Bevölkerungsschutz vorbereitet und trainiert. Darüber hinaus führt die AKNZ Ausbildungen für die Europäische Union, die NATO und diverse Staaten aufgrund bilateraler Vereinbarungen durch.

Nach einer Organisationsüberprüfung hat die Akademie ihre Aufbaustruktur Ende 2013 aufgrund der gewandelten Aufgaben geringfügig modifiziert und die Bezeichnungen der einzelnen Bereiche konkretisiert.

Der jetzige Fachbereich 1 der AKNZ hat neben dem Bildungsauftrag noch weitere Aufgaben. Dies drückt sich schon in seiner vergleichsweise langen Bezeichnung aus: „Strategische Führung und Leitung, Notfallvorsorge/-planung, Pädagogische Grundlagen und Qualitätsmanagement der AKNZ“.

Aus- und Fortbildung als primäre Aufgabe

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Abb. 1: Organigramm der AKNZ.

Mit dem ersten Begriff komplettiert sich die Führungsausbildung der AKNZ, indem die in den Fachbereichen 2 bzw. 3 durchgeführten Veranstaltungen, die sich auf die operative bzw. administrative Ebene beziehen, um die strategische Führungsebene ergänzt werden. Exemplarisch wird dies in den Seminaren der Reihe „Krisenmanagement ist Chefsache“ deutlich. Hier werden politische, administrative und wirtschaftliche Verantwortungsträger des Bevölkerungsschutzes angesprochen, so etwa Landräte oder Vertreter der ministeriellen Ebene und der KRITIS-Unternehmen. Inhaltlich geht es um Fragen der Kooperation, um psychologische Aspekte der Entscheidungsfindung oder auch um Aspekte von Moral und Ethik in Grenzfällen des Einsatzes.

Unmittelbare Aufgabe des Bundes im Rahmen der zivilen Verteidigung ist es, Vorsorge für die Bereiche zu treffen, die der Sicherung der Lebensgrundlagen dienen. Dazu haben die fachlich zuständigen Ressorts überwiegend schon in den 60ger Jahren des letzten Jahrhunderts Sicherstellungs- bzw. Vorsorgegesetze erlassen und seitdem fortgeschrieben. Das BBK übernimmt mit seiner Akademie die im Zusammenhang mit diesen Rechtsregelungen erforderlichen Schulungen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den öffentlichen Verwaltungen und den Wirtschaftsunternehmen, die mit der Vorbereitung und Umsetzung der Vorgaben betraut sind. Dies bedingt eine regelmäßige Konsultation zwischen den Ressorts und der AKNZ, um in die Lehre die aktuellen Regelungen und beabsichtigten Entwicklungen einfließen lassen zu können. Da heute von Energie- und Nahrungsmittelversorgung bis hin zu Logistikleistungen und medizinischer Versorgung in der Regel privatwirtschaftliche Unternehmen die Leistungen erbringen und sie dabei berechtigte kommerzielle Interessen verfolgen, sind gesetzliche Vorgaben unerlässlich, um die gesamtgesellschaftlichen Verpflichtungen ausreichend berücksichtigt zu sehen. So treffen sich auch Vertreter der Wirtschaft an der Akademie und diskutieren ihre Möglichkeiten und Verpflichtungen gegenüber dem Staat und der Bevölkerung im Rahmen ihres Beitrags zur Sicherstellung der Lebensgrundlagen.

Grundlage für lokale wie nationale Planungen sind Risikoanalysen. Nachdem in der Abteilung II des BBK in Kooperation und Abstimmung mit den Ländern die Struktur einer Risikoanalyse anwendungsreif gemacht worden ist, unterstützt die AKNZ die Kreise und Gemeinden bei der Umsetzung durch entsprechende Seminare. Gerade in Zeiten knapper Mittel müssen finanzielle Investitionen gut begründbar sein. Welche Gefahren bestehen überhaupt? Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich diese Gefahren zu Schadensereignissen entwickeln? Wie kann ich unterschiedliche Risiken vergleichen, um eine Priorität für Investitionen festzulegen? Eine Risikoanalyse auf Gemeindeebene unterscheidet sich wegen der abgestuften Zuständigkeiten zwangsläufig von der auf höherer Ebene. Der kontinuierliche Aufbau dieser Analysen mündet schließlich in den dem Deutschen Bundestag jährlich vorzulegenden Berichten des BBK.

Unverzichtbare Basis für alle staatlichen Planungen und Maßnahmen, egal auf welcher Ebene, ist die Möglichkeit eines jeden einzelnen Bürgers als Individuum und jeder Gruppierung als Familie, Nachbarschaft oder Zufallsergebnis, zum eigenen Schutz und zur Abwehr von materiellen und körperlichen Schäden im jeweiligen Bereich selbst beizutragen. Selbstschutz und Selbsthilfe, heute vielfach auch Persönliche Notfallvorsorge (PNV) genannt, sind Themen, die Kollegen des Fachbereichs 1 der AKNZ an Multiplikatoren aus den im Bevölkerungsschutz mitwirkenden Organisationen, an gemäß Zivilschutz- und Katas­trophenhilfegesetz Verantwortliche der kommunalen Verwaltungsebene und an Zuständige aus dem betrieblichen Bereich vermittelt werden.

Selbstschutz war über lange Zeit ein Begriff, der mit antiquierten Bildern des Zweiten Weltkriegs verbunden und daher als überholt angesehen wurde. Inzwischen wird zunehmend akzeptiert, in einer modernen und in vielfältiger Weise vernetzten Welt, wobei jede Vernetzung nichts anderes als eine gegenseitige Abhängigkeit darstellt, durch Ausfälle in den Logistikketten oder Extremwetterereignisse unvermittelt im Dunkeln oder im Kalten sitzen zu können ohne die Möglichkeit der Versorgung aus der näheren Umgebung. Wer dann die Grundgedanken der Selbsthilfe noch verinnerlicht hat, ist klar im Vorteil.

Diese Renaissance der individuellen Verantwortung wird begleitet von einer zunehmenden Einbindung der Wissenschaft. Die Zahl der Hochschulen und Universitäten, die Studiengänge im Kontext mit Bevölkerungsschutz anbieten, wächst zusehends. Die Schwerpunkte sind unterschiedlich gesetzt, teils eher traditionell ingenieurmäßig, teils eher generalistisch. Der Fachbereich 1 der AKNZ hat diese Entwicklung aufgegriffen und einen Gesprächskreis initiiert, in dem die verschiedenen Bildungseinrichtungen ihre Erfahrungen austauschen und Projekte gemeinsam abstimmen können. Auch hier zählt fachbereichsübergreifende Zusammenarbeit. So können teilweise die Übungen für operative bzw. für administrative Stäbe von Studierenden besucht werden, um einen Einblick in eine, wenn auch nur simulierte, spätere Arbeitswelt zu erhalten. Neben fundierter Information zum Bevölkerungsschutz bietet die Ausbildung an der AKNZ ebenso anschauliche Elemente.

Abb. 2: Schema HAndlungskompetenz. (Bilder: AKNZ)

Abb. 2: Schema HAndlungskompetenz. (Bilder: AKNZ)

Das zweite Standbein

Der zweite Teil des Fachbereichs richtet sein Augenmerk nach innen auf die Arbeit der AKNZ selber. Nicht nur das „Pädagogische Konzept der AKNZ“, das über die Homepage des BBK (www.bbk.bund.de) für jeden einsehbar ist, sondern auch das Selbstverständnis der Dozentinnen und Dozenten, eine qualitativ gute, weil für die Teilnehmer umsetzbare Ausbildung zu vermitteln, erfordert eine kontinuierliche Evaluierung der Arbeit. Eingebettet ist diese in ein Qualitätsmanagementsystem, das auf der Basis der DIN ISO 29990 die Ausbildung der AKNZ zertifizieren soll. Diese erst wenige Jahre alte Norm ist speziell für Aus- und Weiterbildung entwickelt worden. Lerninhalte und Lernprozesse werden dazu definiert und die Abläufe transparent. Die Lerndienstleistung muss auch als solche, nämlich als Dienstleistung verstanden und gelebt werden. Und sie muss sich messen lassen. Das heißt, die Kompetenzerweiterung, die größere Handlungssicherheit müssen sich in der Evaluierung, die ggf. mehrstufig erfolgt, darstellen lassen. Mit der angestrebten Zertifizierung, die noch im laufenden Jahr abgeschlossen werden soll, will sich die AKNZ auf prüfbare Standards festlegen.

Dieses Verständnis von Überprüfbarkeit bezieht sich dabei nicht nur auf die Ausbildung im eigentlichen Sinne. Schon die Frage, wie sich das Seminarprogramm zusammensetzt, gehört dazu. Die Bedarfsermittlung durch Einbindung der Länder und Kommunen, der Organisationen, aber auch der Ressorts und vor allem der übrigen Fachabteilungen des BBK gehört ebenso dazu wie das Feedback der Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Dies sind teilweise widersprüchliche Vorstellungen, die zudem aus Sicht des Bundes natürlich der Messlatte der Zuständigkeiten und Finanzierbarkeit genügen müssen. Nichtsdestoweniger stellt diese Beteiligung bei der Erstellung des Programms einen ersten und wesentlichen Schritt zum Erreichen der Zufriedenheit der Seminarteilnehmer und der Bedarfsträger dar.

Dem Fachbereich 1 obliegt es ferner, den Kolleginnen und Kollegen die pädagogische Unterstützung darzubringen, die zur Umsetzung des Programms erforderlich ist. Dazu gehört die Abstimmung der Zuständigkeiten und der Inhalte zwischen den Fachbereichen der AKNZ. Um die knappe zur Verfügung stehende Zeit effektiv zu nutzen, müssen inhaltliche Überschneidungen, die nicht zu vermeiden sind, möglichst gering gehalten werden. Wichtig ist auch die verstärkte Hinwendung zu einer handlungs- und kompetenzorientierten Gestaltung der Ausbildungsveranstaltungen (Abb. 2). Dazu ist Disziplin erforderlich. Hier ist deutlich der Vorstellung entgegenzuwirken, dass die Stoffmenge ein Maß für den Erfolg einer Ausbildungsveranstaltung ist. Die Versuchung liegt nahe, bei knapper Zeit den Inhalt des Seminars in komprimierte Vorträge zu packen. Jedoch steht das dabei zu erreichende nachhaltige Wissen in keinem günstigen Verhältnis. Und deutlich negativ fällt das Urteil aus, wenn man prüft, ob das gehörte auch angewendet werden kann. Daher gehört auch die pädagogische Unterstützung bei der Reduzierung des Stoffes zu den Aufgaben, damit gerade die im Erwachsenenbereich sinnvolle und notwendige Aktivierung der Lernenden ausreichend Berücksichtigung findet.

Einengende Curricula mit detaillierter Zeitplanung passen nicht zu erwachsenen Teilnehmern, die neben umfangreicher Lebenserfahrung insbesondere oft auch praktische Erfahrungen aus ihren Verwendungen im Bevölkerungsschutz mitbringen und diese bereichernd in die Thematiken des Seminars einbinden können.

Die AKNZ schließt sich mit dieser Betonung der pädagogischen Komponente der Ausbildung einer Bewegung an, die die allgemein- und berufsbildenden Schulen schon in weiten Teilen vollzogen haben. Damit können wir sicherstellen, dass unseren Teilnehmerinnen und Teilnehmer die partizipative Form von Lerngestaltung, die sie bereits in ihrer schulischen Ausbildung überwiegend erfahren haben, auch an der AKNZ vorfinden.

Resümee

Im Fachbereich 1 der AKNZ sind somit die praktischen Tätigkeiten der Ausbildung verknüpft mit grundlegenden Regelungen für den Bildungsbetrieb der Akademie insgesamt. Um dies zu realisieren, ist der Leiter des Fachbereichs in Personalunion auch zum pädagogischen Leiter der AKNZ bestimmt worden. Beides ist kontinuierlich weiterzuentwickeln, sowohl das Seminarportfolio als auch dessen Inhalte, ebenso aber auch die Art der Vermittlung. Daran arbeiten wir und daran wollen wir uns messen lassen.

Aufmacherbild: AKNZ-Gebäude in Bad Neuenahr-Ahrweiler. (Bild: BBK)

Dieter Franke

PassbildAnschrift des Verfassers:
Regierungsdirektor Dieter Franke
Pädagogischer Leiter
Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe
Akademie für Krisenmanagement, Notfallplanung und Zivilschutz
Ramersbacherstraße 95
53474 Bad Neuenahr-Ahrweiler
Tel.: 022899/550-5500
URL: www.bbk.bund.de

 

geb. am 3. Juli 1954 in Holzminden (NDS)
1975 – 1980: Studium (Mathematik/Physik) an der Technischen Universität Clausthal
1981 – 1982: Referendariat
Seit 1983: Dozent an der Katastrophenschutzschule des Bundes (KSB)
Seit 2002: Dozent an der Akademie für Krisenmanagement, Notfallplanung und Zivilschutz (AKNZ) in verschiedenen Bereichen
Aktuell: Pädagogischer Leiter sowie Leiter des Fachbereichs 1 „Strategische Führung und Leitung, Notfallvorsorge/-planung, Pädagogische Grundlagen und Qualitätsmanagement der AKNZ“