Rettungspunkte im Wald bundesweit zusammenführen und sicher nutzen mit der GeoLizenz

Das Kuratorium für Waldarbeit und Forsttechnik e. V. (KWF) erfasst bundesweit Rettungspunkte im Wald und führt sie in zu einem geographischen Gesamtdatensatz zusammen.

Rettungspunkte stellen definierte Orte im Wald dar, die mithilfe von Koordinaten Treffpunkte beschreiben. Diese Treffpunkte dienen als Adressen in Wald und Flur, damit sich die Rettungskräfte mit den Ersthelfern bzw. den Verletzten treffen können. Ziel des Datensatzes ist es, diese gesammelten Geodaten für Privatpersonen und Dienstleister zentral zur Verfügung zu stellen. So sind sie auch vor allem für Rettungskräfte einheitlich und leicht verfügbar – damit im Notfall schnell geholfen werden kann.

Lebensrettung endet nicht an Landesgrenze

Seit Herbst 2013 erstellen die Mitarbeiter des KWF einen Datensatz, der alle Rettungspunkte bundesweit zusammenfasst. Das ist nötig, weil viele verschiedene Stellen Rettungspunkte in unterschiedlichen Formaten erheben. Rettungsdienste mussten sich bis vor kurzem diese Daten mühsam zusammensuchen und teilweise in andere Formate überführen, damit sie diese nutzen konnten. Dabei geht viel Zeit verloren. Das ändern jetzt die „Forstlichen Rettungspunkte“ des KWF– denn: Lebensrettung endet nicht an einer Landesgrenze! Rettungsdienste sind daher auf einheitliche und bundesweit leicht verfügbare Daten angewiesen. Derzeit sind zwar noch nicht die Rettungspunkte aller Länder erfasst, aber der Datensatz ist bereits so umfangreich, dass sie vom KWF als Produkt angeboten werden. Langfristig werden die Daten durch das zentrale Angebot nicht nur gebündelt, sondern auch vereinheitlicht. Darüber hinaus sollen die Daten genutzt werden, um weitere Entwicklungen im Bereich der Unfallrettung voranzubringen. Zum Beispiel könnten Apps entwickelt werden, die im Falle eines Unfalls den Unfallort mit Hilfe der in die App eingebunden Rettungspunkte, wie auch die persönlichen Informationen des Unfallopfers direkt an die zuständige Rettungswache übermitteln. So wird im Notfall wertvolle Zeit gewonnen, Fehler bei der Aufnahme der Daten werden vermieden.

Notwendige Voraussetzung: Lizenzen

Rettungskarte. Copyright: KWF

Rettungskarte. (Copyright: KWF)

Da es sich bei den Rettungspunkten um sensible Daten handelt, war für die Projektmitarbeiter beim KWF schnell klar, dass eine Lizenzierung derselben sinnvoll und notwendig ist. Die Rettungspunkte müssen über Jahre unverändert bleiben. Die Koordinaten müssen im Ernstfall stimmen, damit die Unfallopfer schnell gefunden werden. Darüber hinaus passiert es immer wieder, dass Rettungspunkte zum Teil durch Vandalismus zerstört werden und diese im Extremfall im Gelände nicht mehr auffindbar sind. Auch für solche Fälle ist es wichtig, dass das KWF als Bereitsteller des Dienstes eine sichere Grundlage hat, damit es in solchen Fällen nicht haftbar gemacht werden kann. Eine Recherche zum Thema Lizenzierung öffentlicher Daten brachte das Team des KWF auf GeoLizenz.org.

GeoLizenz – Online-­Lizenz für Geodaten

Die Online-Anwendung der Kommission für Geoinformationswirtschaft des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) bietet einheitliche Bedingungen, um Lizenzen für staatliche Geodaten zu vergeben und abzuschließen. Mit Hilfe dieser Anwendung soll das Bereitstellen von staatlichen Geodaten bundesweit vereinheitlicht werden.

Datenanbieter haben die Möglichkeit, online Lizenzen nach dem Baukastenprinzip zusammenzustellen. Sie haben dabei die Wahl, ihre Daten für die kommerzielle Nutzung zuzulassen. Darüber hinaus können sie individuell für ihre Zielgruppen festlegen, welche Nutzungsbedingungen beachtet werden müssen. So ist es zum Beispiel möglich, dass man einem Unternehmen die Weiterverarbeitung von Daten nicht erlaubt – für dasselbe Produkt aber eine Lizenz ausweist, die es Forschungseinrichtungen gestattet, mit den Daten weiter zu arbeiten. Was kompliziert klingt, ist in der Anwendung sehr einfach gehalten. Der Nutzer wird in wenigen Minuten durch das Menü geführt. Und am Ende bekommt er seine Lizenz per E-Mail als PDF-Datei zugeschickt. Der Aufwand für Lizenzierungen bei Anbietern wie auch bei Nutzern wird so erheblich reduziert. Komplizierte und langwierige Lizenzverhandlungen entfallen.

GeoLizenz für Rettungspunkte

Rettungstreffpunkt für Einsatzkräfte. (Copyright: KWF)

Rettungstreffpunkt für Einsatzkräfte. (Copyright: KWF)

Das KWF nutzt für seine „Rettungspunkte“ die GeoLizenz und stellt diese Daten über seine Webseite www.kwf-online.de zur weiteren Verwendung zur Verfügung. Dabei stellt das KWF die Daten Nutzern aus Wirtschaft, Wissenschaft, Verwaltung und Vereinen sowie Privatpersonen gleichermaßen zur Verfügung. Das KWF erlaubt die kommerzielle Nutzung. Nicht erlaubt ist das Weiterverarbeiten dieser Daten in dem Sinne, dass die Bezeichnung und die Lagekoordinaten der Rettungspunkte verändert werden. Eine Integration der Daten in Fachanwendung dagegen ist durchaus möglich. Da die Sammlung der Daten für die Rettungspunkte nach wie vor nicht abgeschlossen ist, werden die Daten regelmäßig aktualisiert. Jede Aktualisierung wird über die GeoLizenz.org bekanntgegeben. Inzwischen liegen die Rettungspunkte in der Version 1.6 vor. Mit über 100 abgeschlossenen Lizenzen sind die Rettungspunkte ein beliebtes Produkt bei GeoLizenz.org.

Weitere Informationen unter www.geolizenz.org

Lars Behrens

Verfasseranschrift:

Lars Behrens_cymkGeschäftsstelle der GIW-Kommission an der
Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe
Stilleweg 2, 30655 Hannover
Tel: 0511 643-2997
Fax: 0511 643-2995
E-Mail: kontakt@geobusiness.org

Lars Behrens
Stellvertretender Geschäftsführer der Kommission für Geoinformationswirtschaft
Geografiestudium in Hannover
Zusatzausbildung als Spezialisten für Geographische Informationssysteme
2000 – 2009: tätig beim Marktführer für digitale Karten Tele Atlas im Bereich Geodatenmanagement. Hier war er zunächst in der Kundenberatung für verschiedenste Location Based Services tätig, bevor er dort ab 2005 in der Koordination und dem Aufbau von Geodatenbeständen mitwirkte. Seit 2010: Projektmanager in der Geschäftsstelle der Kommission für Geoinformationswirtschaft und stellvertretender Geschäftsführer