Am 22. Mai 2013 wurde das Bundesgesetz zum Notfallsanitäter über den Beruf des Notfallsanitäters (NotSanG) erlassen. Auf diese Weise soll qualifizierten Nachwuchs im Rettungswesen im Rahmen einer Ausbildung mehr Handlungsspielraum in der Behandlung verunfallter Personen geschaffen werden. Kritische Stimmen treffen seitdem auf positive Meinungsführer. Einer von Ihnen ist Dr. Jörg Schmidt, Chef des Arbeitskreises Rettungsdienst der Arbeitsgemeinschaft der Leiter der Berufsfeuerwehren.

CP: Herr Dr. Schmidt, bitte schildern Sie unseren Lesern kurz die Ziele des Notfallsanitätergesetzes.

Dr. Jörg Schmidt, Vorsitzender des AK Rettungsdienst der AGBF-Bund, Berufsfeuerwehr Köln. (Bild: Feuerwehr Köln)

Dr. Jörg Schmidt, Vorsitzender des AK Rettungsdienst der AGBF-Bund, Berufsfeuerwehr Köln.
(Bild: Feuerwehr Köln)

Dr. Schmidt: Das neue Gesetz macht den noch jungen Beruf im Rettungsdienst „erwachsen“ – es führt die bewährte deutsche dreijährige Duale Ausbildung (Berufsfachschule & Betrieb) ein, sichert das Einkommen des Auszubildenden und definiert die Berufsaufgaben auf dem Entwicklungsstand des heutigenRettungsdienstes.

CP: Wie gestaltet sich die Ausbildung und welche sind die Ausbildungskernpunkte?

Dr. Schmidt: In der Dualen Ausbildung wechseln sich schulische und betriebliche Ausbildungsteile ab. Zur betrieblichen Ausbildung gehören sowohl der Einsatzdienst auf Rettungswachen als auch die praktische Ausbildungen in Krankenhäusern. In mehreren Stufen gewinnt der Auszubildende Kompetenz – das erste Jahr ist berufsorientierend und schafft Kenntnisse für Nicht-Notfallpatienten (Krankentransport), das zweite für Notfallpatienten und das dritte komplettiert für die Fachanforderungen in speziellen Einsätzen, zum Beispiel die Verlegung kritischer Intensivpflege-Patienten.

CP: Worin sehen Sie die Vorteile in der Ausbildung zum Notfallsanitäter?

Dr. Schmidt: Auszubildende erhalten ein Entgelt und eine fundierte Ausbildung. Die Verantwortung dafür übernehmen Betriebe (hier: Träger und Leistungserbringer im Rettungsdienst), die an einer dauerhaften Arbeitnehmer-Bindung interessiert sein müssen und daher eine bessere Personalauswahl treffen werden. Beides kann Qualität und Arbeitszufriedenheit auf Dauer verbessern. Zusätzlich enthält die NotSan-Ausbildung Beiträge zum realistischen Rollenverständnis im Beruf – und das ist nicht nur von lebensbedrohlichen Notfällen sondern auch von sozialem Einfühlungsvermögen bis hin zur Sozialarbeit geprägt.

CP: Was sind Ihrer Meinung nach die Gründe für dienegative Einstellung gegenüber dem Notfallsanitätergesetz?

Dr. Schmidt: Das NotSanG bedeutet einen erheblichen Umbruch im Rettungsdienst, dessen größte Last den Trägern und Leistungserbringern sowie den Schulen in Deutschland vor die Füße fällt, weil staatliche Regelungen an vielen Stellen nur grobe Rahmen schaffen, durch das föderale System stark verzögert kommen, naive Übergangsfristen fordern und den erheblichen Finanzierungs- und Personalbedarf vielfach vernachlässigt haben.
Träger, Leistungserbringer und Schulen werden zu Pionieren auf teilweise unsicherem Terrain und können viele Fragen von Mitarbeitern nicht beantworten – das schafft Unsicherheit bei Mitarbeitern und Ausbildungs- Interessierten.
Durch die Länder-Diversität ist das ursprüngliche Versprechen einer bundesweit einheitlicheren Ausbildung wie beim früheren Rettungsassistenten zurzeit nicht aufrecht zu erhalten. Die Zukunft vieler heutiger Rettungsassistenten kann sich zu einer sozialen Frage entwickeln. Die neuen hohen Ausbildungsanforderungen haben an einigen Stellen zum Sterben kleinerer Schulen geführt, zum anderen zu neuem Wildwuchs von Schulexperimenten. Die jahrzehntelange Ausbildungsleistung der Lehrrettungsassistenten an Schulen büßt einen gewaltigen Bedeutungsverlust ein und die politische geforderte Hochschul-Qualifikation der Klassenlehrer muss sowohl ihren Ausbildungsmehrwert noch unter Beweis stellen, als auch auf dem Arbeitsmarkt in geeigneter Qualifizierung vorhanden sein – Politik blickt hier häufig kurzsichtig auf die klinischen Berufe und vergisst die prägenden Anforderungen des „Einsatzdienstes in der Gefahrenabwehr“.

(Sarah Heggen)

Aufmacherbild: Feuerwehrleute beim Bergen einer Person aus dem Unfallwagen. (Bild: Hendrike/wikimedia commons)