Informationsquelle für Ersteinsatzkräfte

Unfälle auf Straße, Schiene oder in Industrieanlagen, Katastrophen und Havarien – häufig werden bei Vorfällen dieser Art chemische Stoffe freigesetzt. Erste Aufgabe der eintreffenden Einsatzkräfte ist es dann, umgehend geeignete Maßnahmen einzuleiten, um den Schutz der menschlichen Gesundheit und der Umwelt zu gewährleisten.

Zur Beantwortung sind schnelle, aussagekräftige Informationen für Einsatzkräfte von Feuerwehr, Katastrophenschutz und Rettungsdienst erforderlich. Doch woher erhalten sie die Informationen zu diesen Stoffen und den davon ausgehenden Gefahren?

Mit der Gefahrstoffschnellauskunft (GSA) stehen bundesweit einheitliche Daten zu ca. 100 000 Stoffen für die Gefahrenabwehr und Risikobeurteilung bereit. Die Daten aus der GSA sind aufbereitet und ausgerichtet auf die schnelle Information von drei Nutzergruppen: Feuerwehr (Feuerwehreinsatz vor Ort), Fachberater bei Einsätzen und Rettungsdienst. Bereitgestellt werden diese Daten über das Internet, als Offline-Anwendung auf den Einsatzfahrzeugen (z. B. auf CBRN-Erkundungswagen; CBRN: Chemisch Biologisch Radiologisch Nuklear) und in einer GSAapp für mobile Geräte. UBA_GSBLKo_logo

Stoffdatenpool Bund/Länder

Die GSA wird nicht als separate Datensammlung gepflegt, sondern ist ein optimierter Auszug für Einsatzkräfte aus dem Gemeinsamen zentralen Stoffdatenpool Bund/Länder (GSBL). Der GSBL selbst ist eine Zusammenführung von Daten zu chemischen Stoffen und wird von Bund und Ländern gepflegt. Unterschiedliche staatliche Ebenen des Umweltschutzes, des Bevölkerungsschutzes und des Arbeitsschutzes arbeiten zusammen, um bundesweit verlässliche und strukturierte Daten zu chemischen Stoffen zu erarbeiten und bereitzustellen.

Unter anderem beinhaltet der GSBL Informationen zur Gefährlichkeit der Chemikalien, Angaben zu ihren physikalisch-chemischen Eigenschaften und die sie betreffenden rechtlichen Regelungen. Die Daten liegen als Zahlenwerte und in sprachlich ausformulierter Form als allgemeinverständliche Aussage vor.

Gefahrstoffschnellauskunft

Die für Ersteinsatzkräfte wesentlichen Informationen wurden in einem Projekt des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) vom Institut für Brand- und Katastrophenschutz Heyrothsberge (IBK) in Zusammenarbeit mit dem Umweltbundesamt (UBA), Ländervertretern und Mitarbeitern der Feuerwehren Berlin, Köln, Dortmund sowie der Thüringer Landesfeuerwehrschule festgelegt. Es wurde dabei besonders darauf geachtet, dass die Daten übersichtlich und schnell erfassbar bereitstehen. Für die drei Nutzergruppen Feuerwehr (Feuerwehreinsatz vor Ort), Fachberater bei Einsätzen und Rettungsdienst wurden jeweils spezielle Anwendersichten für die Anzeige auf dem PC entwickelt. Sie erhalten daher ein extra auf ihr Einsatzgebiet zugeschnittenes Informationsangebot.

In der Sicht für die Feuerwehr sind die relevanten Informationen enthalten, die für die Einleitung von Sofortmaßnahmen am Einsatzort zwingend erforderlich sind. Sie liefern einen Überblick über die Eigenschaften, das Gefährdungspotential und Maßnahmen im Falle eines Brands oder bei Freisetzung eines Gefahrstoffes. Zur schnellen Orientierung werden die Gefahrensymbole, Gefahrzettel und Gefahrentext sowie der Gefahrendiamant angezeigt. Weiterhin stehen relevante Informationen zur Stoffbeschaffenheit, wesentliche Stoffdaten wie Explosionsgrenzen, Flammpunkt, Dampfdruck, die Wassergefährdungsklasse, AEGL-Werte, Aussagen zu Brand- und technischen Gefahren sowie Einsatzhinweise bei Brand und Freisetzung bereit.

Für den Fachberater sind vertiefte Stoffinformationen verfügbar. Der Datenumfang umfasst u. a. die Struktur des chemischen Stoffes, Daten zur Ökotoxikologie (Umweltverhalten) und Toxikologie (Auswirkungen auf Lebewesen).

Die Sicht für den Rettungsdienst bietet darüber hinaus Auskünfte zum Gesundheitsgefährdungspotential eines Stoffes und Erste-Hilfe-Maßnahmen an.

Die Bedienung der GSA ist einfach gehalten. Über eine einfache Suche gelangt der Nutzer zu einer Übersicht aller Stoffe, welche den Suchkriterien entsprechen. Nach Auswahl eines Stoffes werden die Stoffinformationen angezeigt.

Sämtliche Stoffinformationen können exportiert, als PDF-Dokument gespeichert und ausgedruckt werden. Der Ausdruck aller Daten erfolgt auf einer zweiseitigen gut verständlichen Übersicht (s. Abb. 1), welche auf die Erfordernisse der Ersteinsatzkräfte hin optimiert wurde.

Zugang und Aktualisierung

Die GSA steht im Internet über einen passwortgeschützten Zugriff unter www.gsbl.de/anmeldung.htm zur Verfügung. Zugriff haben öffentlich-rechtliche Institutionen der Partnerländer, wie Kommunen, Feuerwehr, Polizei oder anderer Einsatzkräfte und die Institutionen des Bundes wie Technisches Hilfswerk, Bundespolizei oder Zoll.

Der Datenbestand der GSA wird jährlich aktualisiert.

Die GSA kann auch offline als lokale Anwendung betrieben werden und ist als Notfallstick über das Umweltbundesamt zu beziehen.

Gefahrstoffschnellauskunft als App für die Feuerwehr

Das Bestreben, die GSA und die enthaltenen Daten fortwährend an die Bedürfnisse der Einsatzkräfte anzupassen und Verbesserungsvorschlägen nachzugehen, deckte auch den Bedarf einer GSA-Version für mobile Endgeräte auf, welcher vom Umweltbundesamt aufgegriffen und umgesetzt wurde. Mit der GSAapp steht der Feuerwehr nun eine Anwendung zur Verfügung, die es ermöglicht, offline in einem aktuellen Datenbestand von ca. 16 000 Stoffen auf mobilen Endgeräten zu recherchieren. Zur Darstellung dienen Smartphones und Tablets mit dem Betriebssystem Android und iOS (Apple). Vor allem diese Neuentwicklungen fanden großen Anklang bei der Presse, auf Feuerwehr-Informationsportalen und auf den einschlägigen Messen (z. B. Interschutz 2015).

Derzeit arbeitet das Umweltbundesamt an der Weiterentwicklung und der Integration des gesamten GSA-Datenumfanges in die GSAapp und an einer verbesserten Version für Einsatzfahrzeuge. Zukünftig werden auch die Informationen für die Fachberater und Rettungsdienste dort zur Verfügung stehen.

Informationen auch für die Öffentlichkeit

Zugang zu den verständlich aufbereiteten Informationen zu chemischen Stoffen, wenn auch in eingeschränktem Umfang, hat auch die Öffentlichkeit, haben Verbraucherinnen und Verbraucher und gewerbliche Stoffanwender. Dieser frei recherchierbare Datenbestand informiert u. a. über gefährlichen Eigenschaften von chemischen Stoffen und deren rechtliche Regelungen im Bereich Gesundheits- und Verbraucherschutz. Der „GSBLpublic“ ist im Internet unter www.gsbl.de einsehbar.

Aufmacherbild: Ausschnitt aus der zweiseitigen Druckansicht der exportierten Stoffinformationen. (Bild: Umweltbundesamt)

Dr. Barbara Liebscher, Gunnar Minx, Stefan Barthel

Anschrift der Verfasser:
Dr. Barbara Liebscher, Gunnar Minx, Stefan Barthel
GSBL Koordinierungsstelle
FG IV 2.1 Informationssysteme Chemikaliensicherheit
Umweltbundesamt
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06844 Dessau