Zahlreiche Einsätze zur Suche von vermissten Personen sowie Einsatzgebiete in zahlreichen Waldgebieten und unwegsamen Gelände führen zu langwierigen und personalintensiven Einsätzen. Um dem entgegenzuwirken, lautete die Lösung der Freiwillige Feuerwehr Beierfeld: die Anschaffung eines Flugroboters.

Schon zu Beginn der Recherchen konnten wir feststellen, dass wir mit dieser Idee absolutes Neuland für Feuerwehren betreten. Die Preise für solche Drohnen liegen durchaus im Wert eines Mittelklassewagens und auch zahlreiche rechtliche Richtlinien gilt es, zu bewältigen.

Planung und Konzeption

Großen Zuspruch und Unterstützung für das Projekt „Drohne“ erhielten wir von Joachim Rudler, dem Bürgermeister der Stadt Grünhain-Beierfeld. Von großem Vorteil war zudem, dass der Landkreis Erzgebirge der Freiwilligen Feuerwehr (FFW) Beierfeld 2012 einen neuen Einsatzleitwagen für den Gefahrgutzug zur Verfügung stellte. Das Fahrzeug bot den Kameraden ein neues Aufgabenspektrum und zugleich weitere Einsatzmöglichkeiten – auch für die Drohne: Diese könnte dem neuen Führungsfahrzeug zugeordnet werden und als zusätzliches Einsatzführungsmittel dienen. So erarbeitete die FFW Beierfeld ein umfangreiches Einsatzkonzept, welches die Anwendung bei bestimmten Einsatzszenarien beinhaltete, die Nützlichkeit einer Drohne zur Einsatzdokumentation und Lageerkundung erläuterte und die besonderen Anforderungen an die Kameraden beschrieb bei gleichzeitiger Betrachtung des Aufwands und der laufenden Kosten. Dieses Einsatzkonzept wurde zusätzlich mit dem Kreisbrandmeister und dem Leiter für Brand- und Katastrophenschutz der Stadt Chemnitz abgestimmt sowie in der Landesfeuerwehrschule Sachsen vorgestellt.

Einsatzmöglichkeiten

Der Einsatz der Drohne gestaltet sich sehr vielfältig. So kann diese bei Großereignissen, wie z. B. Hochwasser, Gefahrgutunfällen, Personensuchen oder auch für das Aufspüren von Personen genutzt werden. Für Brandeinsätze eignet sich der Einsatz einer Drohne aus Sicht der FFW Beierfeld nur zur Nachkontrolle bei großflächigen Einsatzgebieten.

Durch das Konzept kristallisierten sich auch die speziellen Anforderungen an den Flugroboter heraus. Dieser sollte unbedingt mit zwei unabhängig voneinander arbeitenden Kamerasystemen ausgestattet sein. Weiterhin ist nur eine permanente Bildübertragung zur Basisstation oder zur Einsatzleitung sinnvoll. Die Kameras sollten eine Video- und Einzelbildaufnahme ermöglichen. Zur Personensuche, speziell in der Nacht, sollte die Drohne außerdem mit einer Wärmebildkamera bestückt werden können.

Aus Erfahrungsberichten der Polizei Sachen, welche ebenfalls Drohnen im Einsatz hat, ergaben sich weitere Vorgaben an die Drohne: Sie sollte eine automatische GPS-Steuerung enthalten, zur Flugstabilität mindestens mit sechs bis acht Rotoren fliegen, Verschleißteile sollten schnell und unkompliziert austauschbar sein. Darüber hinaus waren Sollbruchstellen gewünscht, um bei einer harten Landung einen Totalschaden des Fluggeräts zu vermeiden.

Neben der deutschlandweiten Suche nach möglichen Partnern galt es, Sponsoren für dieses Vorhaben zu gewinnen. Trotz aller positiven Zustimmung wollten wir damit auf keinen Fall den Haushalt unserer Stadt belasten. Dank zahlreicher Sponsoren stand die Finanzierung der Drohne binnen weniger Monate.

Testflug der Drohne.  (Bild: Katja Lippmann-Wagner/Freie Journalistin)

Testflug der Drohne.
(Bild: Katja Lippmann-Wagner/Freie Journalistin)

Drohne HT-6-800

Als Projektpartner konnte die Firma Height-Tech aus Bielefeld das für uns schlüssigste Konzept für eine Drohne bieten. Nach diversen Abstimmungen erhielt die FFW Beierfeld eine Drohne des Typs HT-6-800, die unseren Vorstellungen voll entsprach. Bei dem Produkt handelt es sich um einen Hexacopter mit einem Gewicht von ca. 1,5 kg.

Die frei gelagerten Kamerasysteme ermöglichen eine direkte Videoübertragung, Bildaufnahmen mit Fernauslösung und die Möglichkeit, die Digitalkamera mit einer Wärmebildkamera auszutauschen. Selbst bei Flugmanövern ermöglicht die Aufhängung eine nahezu perfekte Bildqualität. Durch die Möglichkeit der 360° Drehung und der schwenkbaren Kamera ist ein großes Sichtfeld möglich. Für Nachteinsätze und zur Sicherheit der Akkuüberwachung wurden zu Orientierungszwecken LEDs angebracht.

Die Drohne steuert man manuell oder per GPS, wodurch sie zielgenau über einer Einsatzstelle gehalten werden kann, ein “Cominghome-System“ bringt sie auch bei Signalverlust zum Ausgangspunkt zurück.

Flugdaten wie Höhe, Geschwindigkeit, Entfernung, Wind und Akkuladung werden dem Piloten zu jeder Zeit auf sein Display am Boden übertragen. Die Drohne kann bis zu 1 km Entfernung fliegen und eine Höhe von 150 Metern erreichen, was den gesetzlichen Vorgaben für einen Sichtflug entspricht. Die Flugzeit beträgt je nach Flugmanöver und Wind ca. 15 Minuten/Akku. Da wir zusätzlich sechs Akkus mitführen, kann die Drohne mindestens eine Stunde in der Luft bleiben, plus zusätzlicher Zeit für die Lagesondierung.

Gesetzliche Rahmenbedingungen

Im Vorfeld der Anschaffung wurden bereits die Gesetzlichkeiten für eine solche Drohne geprüft. Da es sich um ein bereits für den kommerziellen Bereich eingesetztes und erprobtes Gerät handelt, gab es bei der Anfrage an die zuständige Behörde für Luft- und Binnenschifffahrt des Freistaates Sachsen rasch eine positive Rückmeldung. Größere Probleme bereiteten jedoch die Versicherungsanforderungen und die gesamte Problematik des Datenschutzes. Mehrere Monate bedurfte es für die Genehmigung und Erbringung aller nötigen Nachweise. Parallel erfolgten umfangreiche Schulungen und Trainingseinheiten an einer Übungsdrohne. Seit April 2013 ist die Drohne offiziell im Einsatz.

Die laufenden Kosten, wie etwa Versicherung, Ersatzteile, Schulung und Einsatzkosten, werden von der Stadt Grünhain-Beierfeld für die Dauer der Erprobung übernommen. Ein Projektzeitraum von zwei Jahren ist vorgesehen. Danach wird entschieden, ob das Projekt Erfolgschancen hat oder nicht für den Dienst in der Feuerwehr geeignet ist.

Erster Einsatz

Schon zwei Monate nach der Indienststellung konnte die FFW Beierfeld den ersten überörtlichen Drohneneinsatz verbuchen: Bei einer nächtlichen Suche nach einem behinderten Mädchen wurde die Drohne angefordert. Das Überfliegen von größeren Feldern und unwegsamem Gelände entlastete die über 150 Einsatzkräfte, die somit die Suche an anderer Stelle durchführen konnten. Dieser Einsatz bestärkte uns in unserer Arbeit und das öffentliche Interesse nahm weiter zu. Zahlreiche andere Hilfsorganisationen vor Ort wie THW, DRK und auch die Polizei haben den Nutzen einer Drohne ebenfalls erkannt.

Zukünftig werden wir weitere Einsatzkräfte zu Piloten ausbilden; vorrangig werden dies Mitglieder der Führungsgruppe und Führungskräfte sein.

Fazit

Solche Flugroboter wie der HT-6-800 werden wohl auch in Zukunft nicht zur Normbeladung von Löschfahrzeugen gehören. Dazu sind die finanziellen, rechtlichen und personellen Aufwendungen noch zu hoch. Doch können diese Drohnen bei der Lageerkundung und Einsatzdokumentation eine wesentliche Unterstützung bieten. Nach dem Eintreffen an einer Einsatzstelle sind diese Drohnen innerhalb weniger Minuten einsatzbereit und verursachen einen Bruchteil der Kosten gegenüber Helikoptern.

Anschrift des Verfassers:

Passbild_Foto für Ausstellung_webJörg Zimmermann
Stadtteilwehrleiter
Feuerwehr Beierfeld
Waschleither Straße 13, Grünhain-Beierfeld
Tel.: 03774 / 61126

 

Jörg Zimmermann
geb. am 29. August 1971
in Schlema/Erzgebirge

Seit 25 Jahren: Mitglied der Feuerwehr ­Beierfeld
Ausbildung zum Gruppenführer / Zugführer / Wehrleiter / Verbandsführer Freiwillige Feuerwehr an der Landesfeuerwehrschule Sachsen
1995: Berufung zum stellvertretenden Wehrleiter Feuerwehr Beierfeld
Seit 2000: Stadtteilwehrleiter der Feuerwehr Beierfeld
Katastrophenschutz: Stellvertretender Zugführer im 1. Gefahrgutzug des Landkreises Erzgebirge
Hauptberuflich: Geschäftsführender Gesellschafter der GAZIMA GmbH Galvanik ­Zimmermann