Vegetations- und Waldbrände – Szenarien, die gerne für exotische Ausrüstungen, Forschungsprojekte und dergleichen herhalten müssen. Man erinnere sich an „Sprengschlauch-“ und „Sprengsackverfahren“, das in den 1990er „gehyped“ wurde. Nach aktueller Recherche wurde damit aber real bisher kein einziger Waldbrand gelöscht, mehr noch: Selbst im Internet sind kaum noch Spuren dieses Verfahrens und seiner einsatztaktischen oder kommerziellen Verwertung zu finden.

Wie die meisten Katastrophen (mit Ausnahme von z. B. WTC 9/11, Flixborough, Buncefield) fangen Vegetations- und Waldbrände klein an und werden zunächst von einer Organisation – meist der örtlichen Feuerwehr, der Polizei und dem Rettungsdienst – bedient. Hier – auf der lokalen Ebene – setzt der Hebel an: Eine schnelle und wirkungsvolle reale Intervention verhindert die Eskalation auf ein überregionales Ausmaß. Während es in den europäischen Nachbarländern, wie z. B. in Frankreich, innerhalb der Feuerwehren spezifische Ausrüstungen und Einheiten zur Vegetations- und Waldbrandbekämpfung (GIFF: groupe d’intervention feux de forêts) gibt, so ist die Ausrüstung der deutschen Feuerwehren – mit gewissen Ausnahmen v. a. in Brandenburg und Niedersachsen – weiterhin vor allem auf die urbane Brandbekämpfung ausgerichtet.

Betrachtet man die Beladung der in den USA und in Frankreich zur Vegetations- und Waldbrandbekämpfung verwendeten Fahrzeuge, so fällt die Verwendung kleiner Schlauchdurchmesser – 1 Zoll für Flachschläuche und für formstabile Schläuche teilweise weniger – auf. D-Schläuche haben bei den meisten kommunalen Feuerwehren – abgesehen von der Verwendung mit der Kübelspritze und u. U. vorne an ein C-Rohr angebracht für Nachlöscharbeiten oder als Zuleitung speziell für „Fognails“ – in Deutschland bisher nur ein Schattendasein gefristet. Dabei hatte man ihnen beim Aufbau des Luftschutzhilfsdienstes (LSHD) durchaus zugetraut, dass mit von kleinen wendigen und geländegängigen Fahrzeugen (VLF und TLF) aus, meist auf Unimog-Basis, zumindest wirksame Erstmaßnahmen – auch von Ungeübten – möglich sind. Viele dieser Fahrzeuge sind während der Waldbrandkatastrophe 1975 in Niedersachsen eingesetzt worden.

Waldbrandergänzung nach DIN.

Waldbrandergänzung nach DIN.

„Geadelt“ wurden die D-Schläuche im kommunalen Einsatz durch ihre Erprobung bei der Berufsfeuerwehr Frankfurt a. M., seit die Berliner Feuerwehr die Schnellangrifftasche D (ergänzt um einen zweiten 30-m-D-Rollschlauch) zur Standardausrüstung ihrer „atemschutznotfall-trainierten Staffel“ (ANTS) machte und vor einigen Jahren ein Beladungsmodul „Waldbrand“ für genormte Löschfahrzeuge definiert wurde.

Nach DIN 14530, Teil 18: Tanklöschfahrzeug TLF 2000, Teil 22: Tanklöschfahrzeug TLF 3000 und Teil 21: Tanklöschfahrzeug TLF 4000 müssen zur schnellen Wasserabgabe gemäß Ziffer 5.6.3 bzw. Ziffer 5.6.4 entweder zwei zur Beladung gehörende Druckschläuche C42-15 (m = 9,8 kg) oder zwei zur Beladung gehörende Druckschläuche D25-15 (m = 5,8 kg) in Buchten gelagert oder ein 50 m langer formstabiler Druckschlauch DN 25 (m = 23 kg) oder ein 30 m langer formstabiler Druckschlauch DN 33 (m = 16 kg), jeweils mit einem passenden D-Hohlstrahlrohr (Volumenstrom ab 100 L/min) oder C-Hohlstrahlrohr (Volumenstrom ab 235 L/min) nach DIN EN 15182-2 im hinteren rechten Geräteraum verlastet sein.

Gemäß Tab. 2 der Norm sind als Zusatzbeladung für Waldbrände u. a. vier Druckschläuche D25-15, ein C-D-Übergangsstück, zwei Hohlstrahlrohre mit Festkupplung D; Volumenstrom von etwa 100 L/min, ein Verteiler CV oder CK (insgesamt 19,4 kg) und zwei Löschrucksäcke mit Befülleinrichtung (leer insgesamt 6 kg, Inhalt ca. 20 L Wasser) für alle drei TLF-Typen vorgesehen.

Aktuell befinden sich beispielsweise sogenannte „Waldbrandsets“ auf Fahrzeugen der Berliner Feuerwehr zur Erprobung. Beispiel Waldbrandset TLF 24/50 Köpenick: C-DCD-Verteiler mit C-D-Übergangsstück für eine dritte D-Leitung, entweder drei Druckschläuche D25-30 oder sechs Druckschläuche D25-15. Die Berliner Feuerwehr verwendet allerdings Hohlstrahlrohre mit C-Kupplung, um keine zusätzlichen Rohre beschaffen und mitführen zu müssen und um logistisch „sortenrein“ zu bleiben. Daher sind drei weitere Übergangsstücke für die Ankupplung der Quadrafog 150 an die D-Schläuche vorgesehen. Diese Geräte werden in Systemboxen gelagert.

Billiger und schneller geht kaum - Drei D25-15 und ein Hohlstrahlrohr (hier: Pons Optrapons 150 R) passen in einen aufgeschnittenen Schaummittelbehälter und ergeben so eine zweite Schnellangriffeinrichtung. Bilder: Dr. Holger de Vries

Billiger und schneller geht kaum – Drei D25-15 und ein Hohlstrahlrohr
(hier: Pons Optrapons 150 R) passen in einen aufgeschnittenen
Schaummittelbehälter und ergeben so eine zweite Schnellangriffeinrichtung.
Bilder: Dr. Holger de Vries

André Boucsein, Stadtbrandinspektor Gemünden, zu den Waldbrandsets der Berliner Feuerwehr in seiner Abschnittsarbeit: „Längere Schläuche, und damit weniger Kupplungen, sind im Gelände von Vorteil, denn die Kupplungen können im Bodenbewuchs hängenbleiben.“ Zur Verlastung bringt Boucsein auch folgenden interessanten Aspekt: „Bei der Verlastung der Waldbrandsets auf den Fahrzeugen ist zu beachten, dass diese nicht das ganze Jahr benötigt werden. Der Platz kann in den Monaten, in denen keine Waldbrandgefahr besteht, anderweitig genutzt werden. Denkbar ist etwa der Wechsel zu Streumittel in den Wintermonaten.“ Es bleibt noch vorzuschlagen, für die Sommer- und Winterbeladung unterschiedlich farbige Kästen zu verwenden.

Hinsichtlich des internationalen Vergleichs der Eindringtiefen mit 25-mm-Schläuchen ist zu beachten, dass die Schläuche zwar alle denselben Innendurchmesser haben, die sie verbindenden Kupplungen aber unterschiedlich gestaltet sind. Die deutsche D-Storz-Kupplung hat am Einbindestutzen eine lichte Weite von 18 mm, im Bereich der Dichtungen von ca. 17 mm und erreicht mit 227 mm² etwa 2/3 der Querschnittsfläche der französischen Guillemin-Kupplung (314 mm²) und etwa die Hälfte der Querschnittsfläche der amerikanischen National-Hose-Kupplung (491 mm²). Somit haben die Art der Kupplungen sowie die verwendete Schlauchlänge (üblich sind 15, 20 und 30 m) und damit die Anzahl der Kupplungen einen Einfluss auf den Gesamtdruckverlust in der Angriffsleitung.

Für die Abschätzung des Volumenstromes, der zu erwarten ist, gibt es folgende Eckdaten:

  • Gemäß Waldbrandmodul nach DIN: 100 L/min,
  • Gemäß Formations Feux de Forêts: 150 L/min,
  • Gemäß Dissertation de Vries (Tremonia-Versuche): max. 100 bis 140 L/min bei 7 bis 8 bar (TFT Quadrafog mit 2 Stück D25-15),
  • Gemäß LSHD/KatS: DM-Strahlrohr nach DIN 14365 (2007 zurückgezogen), mit 4-mm-Mundstück ca. 20 L/min, mit 6-mm-Düse ca. 40 L/min bei 5 bar,
  • Fahrzeugnahes Löschen von Altpapiercontainerbränden mit D-Schläuchen und Löschdüsen bei 5 bar mit 140 L/min Netzwasser („Wattenscheid“-Versuche 1998),
  • In Schweden arbeiten einige Feuerwehren mit 25- und 38-mm-Schläuchen ab 35 L/min bei der Vegetationsbrandbekämpfung,
  • Für den hydraulisch optimalen Bereich mit zwischen 2 bis 3 m/s Fließgeschwindigkeit ergibt sich ein Volumenstrom von etwa 70 bis 100 L/min.

Bei eigenen Messungen wurden auch mit 60 m Länge der D-Leitung und handelsüblichen Strahl- und Kleinstrahlrohren nach EN 671 Reichweiten größer als 15 m erreicht, so dass die erforderlichen Deckungsbreiten gem. SER Wald- und Flächenbrandbekämpfung eingehalten werden. In Extremversuchen wurden 120 und 150 m lange D-Leitungen verwendet. Die Druckverluste betragen dann zwar 30 bis 60 % des Pumpendrucks, wenn erforderlich wären diese Leitungslängen auch in der Praxis realisierbar.

Nicht zu unterschätzen sind aus ergonomischer Sicht die Kleinstrahlrohre nach EN 671 mit winkelveränderlichem Sprühstrahl, die vergleichsweise kostengünstig, klein und leicht sind, letzteres wirkt sich positiv auf die Stehzeit der Einsatzkräfte aus.

Bei Neubeschaffungen spricht nichts dagegen, statt der nach Norm vorgesehenen 15 m langen D-Schläuche die gleiche Anzahl 30 m langer D-Schläuche zu verwenden, um die Ein­dring­tiefe zu vergrößern und um die Strömungsverluste an den D-Storz-Kupplungen zu verringern. Bei Schlauchlängen von mehr als 15 Metern empfiehlt sich die Verwendung von Schlauchtrageriemen zum Tragen über längere Strecken.

D-Schläuche gehören bereits jetzt zur Beladung von Löschfahrzeugen, wenn sie z. B. für den Betrieb von Tauchpumpen oder Sonderrohren (z. B. Fognails) erforderlich sind. Insofern handelt es sich bei entsprechender logistischer Planung nicht um ein signifikantes „Mehr“ an Fahrzeugbeladung. Auch in Bereichen mit Absturzgefahr, so z. B. bei Dachstuhlbränden, spricht nichts dagegen, von einer zunächst nach oben geführten C-Leitung mittels eines Verteilers oder eines Übergangsstückes für das letzte Stück eine D-Leitung zu verwenden, da die auf den Strahlrohrführer wirkenden Kräfte erheblich geringer sind.

D-Leitungen und -Strahlrohre werden bisher unterschätzt und sind aktuell in den Ausbildungsrichtlinien und Feuerwehrdienstvorschriften in Deutschland, Österreich und in der Schweiz nicht berücksichtigte Werkzeuge. Dies ist erforderlich, um ihre Einsatzmöglichkeiten und -grenzen kennen zu lernen und um sie im Einsatzfalle bei Vegetations- und anderen Bränden sicher anwenden zu können.

Literatur- und Quellangaben beim Autor.

Dr. Holger de Vries

2014-08-14-EZ-052-AAnschrift des Verfassers:
Dr.-Ing. Holger de Vries
Diplom-Ingenieur für Sicherheitstechnik, Brand- und Explosionsschutz
Brandschutzbeauftragter cfpa
22525 Hamburg

Jahrgang 1967
Seit 1981: FF Flensburg, Ahrensburg, Hannover, Wuppertal-Sonnborn, ­Hamburg-Stellingen
Studium in Hannover und Wuppertal: Elektrotechnik und Sicherheitstechnik
Seit 1999: selbstständiger Ingenieur in Hamburg
2000: Promotion
Kooperation mit Forplan Dr. Schmiedel GmbH, Bonn
Als Reserveoffizier beordert am Einsatzausbildungszentrum Schadenabwehr der Marine, Neustadt in Holstein
Öffentlich bestellter und vereidigter ­Sachverständiger für Brand- und ­Explosionsschutz sowie GefahrenabwehrIFE Fire Examination
Fregattenkapitän d. R.
Hauptbrandmeister

(Aufmacherbild: Ein-Zoll-Schlauch Class-A-Foam im Vegetationsbrandeinsatz in den USA. (Bild: Keith Walton))