Am 19. Juni um 12 Uhr mittags wurde der Katastrophenalarm durch das Kommando Territoriale Aufgaben (KTA) für die Soldaten aufgehoben. Damit ging der geographisch ausgedehnteste Hochwassereinsatz der Bundeswehr zu Ende.

Allein die Zahlen sind beeindruckend: 17 Tage lang haben Soldatinnen und Soldaten an Donau, Elbe und vielen Nebenflüssen rund um die Uhr Fluthilfe geleistet. Bis zu 20 000 Kräfte waren im Einsatz, Hubschrauber absolvierten etwa 1 400 Flugstunden. Insgesamt erstreckte sich das Einsatzgebiet über gut 1 000 Kilometer – von den Alpen bis zur Küste.

„Dank und Anerkennung für das, was Sie alle geleistet haben“, sprach der Generalinspekteur der Bundeswehr, General Volker Wieker, der Führung des KTA und den anwesenden Vertretern der Landeskommandos und der Brigaden, die den Einsatz leiten, aus. Auch der Inspekteur der Streitkräftebasis und Nationaler Territorialer Befehlshaber, Vizeadmiral Manfred Nielson, war vor Ort und verfolgte aufmerksam die Vorträge der Einsatzleiter und Kommandeure, die von ihren Erfahrungen im Fluthilfeeinsatz berichteten.

Bewährungsprobe gelungen

Besondere Herausforderung bei der Katastrophe war der Zeitpunkt der einsetzenden Flut: Die ersten Hochwasserwellen rollten am Feiertagswochenende vom Samstag, den 1. Juni, auf den Süden und Osten Deutschlands zu. Eine weitere Herausforderung stellte sich für das Kommando selbst dar: gerade seit rund 100 Tagen in Dienst gestellt, bricht die Katastrophe herein. „Wir wurden regelrecht ins kalte Wasser geworfen“, beschrieb der Kommandeur des KTA der Bundeswehr, Generalmajor Hans-Werner Wiermann, die Situation, die sich als erste große Bewährungsprobe herausstellen sollte.

Zweifellos haben das Kommando sowie alle beteiligten Soldatinnen und Soldaten diese Herausforderung mit Bravour gemeistert. Politik, Medien und Bevölkerung zeigten seltene Einigkeit, lobten den Einsatz der Bundeswehr und dankten den Soldaten. Dennoch, neben allem Lob und verdienter Anerkennung geht es nun darum, auch zu bilanzieren, wo man noch besser werden kann.

Zivil-Militärische Zusammenarbeit

Herzstück des Katastropheneinsatzes war die Zivil-Militärische Zusammenarbeit, die erstmals in den neuen territorialen Strukturen erfolgte. „Wir haben auf Bitten der betroffenen Bundesländer die Bevölkerung und die zivilen Stellen des Katastrophenschutzes im Kampf gegen das Hochwasser unterstützt“, erläuterte Generalmajor Wiermann. „Subsidiäre Operationen“ nennt er das. Immer da, wo die zivilen Kräfte von Feuerwehr, THW oder anderen Helfern an die Grenzen ihrer Möglichkeiten kamen, sprang die Bundeswehr mit ihren Fähigkeiten ein. Die Anfragen auf Unterstützung gingen von den Verwaltungsstäben der Landkreise und Länder aus zunächst an die Landeskommandos. Dort wurden die Anfragen ausgewertet und an das Lagezentrum im KTA in Berlin weitergeleitet, sofern man nicht mit den bereits zugeteilten Kräften den Antrag erfüllen konnte.

Das KTA führte den Einsatz aller Einheiten im gesamten Katastrophengebiet. Das Lagezentrum koordinierte die Unterstützungsleistungen. Es hatte den Überblick über das gesamte Flutgebiet und sorgte dafür, dass die richtigen Kräfte dorthin kamen, wo sie gebraucht wurden.

Ein etwas anderer Einsatz

Dabei war das Aufgabenspektrum der Bundeswehr vielfältig. Technik und Muskelkraft waren gleichermaßen gefragt bei Transport, Evakuierung, Luftüberwachung und Stabilisierung der Deiche. Die spezielle Ausrüstung der Bundeswehr erwies sich dabei immer wieder als unverzichtbar – und vielseitig verwendbar. Der Bergepanzer Dachs der Pioniere zog Autos aus den Fluten, die Propellermaschine Do 228, eigentlich zur „Pollution Control“ der Marine eingesetzt, half durch Luftaufnahmen den Zustand der Deiche zu kontrollieren oder Verschmutzungen in den Überschwemmungsgebieten zu orten. Die zahlreichen watfähigen LKW der Bundeswehr bewährten sich erneut und leisteten wertvolle Dienste bei Transporten und Evakuierungen, ebenso die Hubschrauber der Bundeswehr, die für Erkundungs- und Transportflüge genutzt wurden.

Deutsche und französische Soldaten arbeiten bei der Deichsicherung in Sachsen Hand in Hand. (Bild: PIZ SKB / Andreas Aschert)

Deutsche und französische Soldaten arbeiten bei der Deichsicherung in Sachsen Hand in Hand.
(Bild: PIZ SKB / Andreas Aschert)

Die spezifischen militärischen Fähigkeiten der Bundeswehr trugen wesentlich dazu bei, die Naturkatas­trophe einzudämmen und vieler Menschen Leben und Existenz zu retten. Die Einsatzleiter und Brigadekommandeure stellten in ihren Vorträgen jeweils die Besonderheiten und Details ihrer Einsätze vor. Ob an Donau, Inn, Elbe oder Mulde, die wechselnden Gefahrenlagen sowie die unterschiedlichen landschaftlichen und infrastrukturellen Gegebenheiten stellten die Einsatzkräfte vor viele Herausforderungen. So mussten in ländlichen Gebieten nicht nur Menschen geschützt oder sogar evakuiert, sondern auch Tiere in Sicherheit gebracht werden. Letztlich konnten die Herausforderungen in enger Zusammenarbeit mit den zivilen Kräften vor Ort gelöst werden.

Lessons learned

„Wir wollen aus der Erfahrung lernen, um uns noch besser auf solche Einsätze einstellen zu können“, fasste Generalmajor Wiermann zusammen. Das Kommando wird nun alle vorliegenden Erfahrungsberichte detailliert und systematisch auswerten, Fehler analysieren und Verbesserungen erarbeiten. Katastrophen stehen schließlich nicht im Kalender und sind damit nicht vorhersehbar. Umso wichtiger ist es, taktisch und operativ optimal vorbereitet zu sein, um im Ernstfall sofort handeln zu können. Dabei, so der Kommandeur, komme es aber immer auch auf die Bereitschaft an, Verantwortung zu übernehmen, das Mitdenken im Sinne der übergeordneten Führung sowie Engagement und Improvisationstalent eines jeden einzelnen. „Das haben sie alle unter Beweis gestellt und ich bitte Sie, erhalten Sie sich das“, so der abschließende Appell von Generalmajor Wiermann.

Anschrift des Verfassers:

Martin Stade
PIZ
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