Einer der wichtigsten Gründe zur Überarbeitung der Normen für die Einsatzleitfahrzeuge waren die Ergänzungen und Anpassungen der technischen Voraussetzungen bei der Umstellung von analoger auf digitale Funktechnik.

Aktuelle Normen im SPEC-Status

Eines hat man schnell erkannt, was auch als Empfehlung für alle anderen Feuerwehrfahrzeuge gelten kann, aus denen sowohl in analoger als auch in digitaler Form gefunkt werden soll: Die Antennen der Systeme müssen getrennt verbaut werden. Kombi-Antennen sind nur da verwendbar, wo z. B. ein analoges Gerät durch ein digitales ersetzt wird und die Antenne dann neu eingemessen werden kann (es muss dabei aber eine Antenne sein, die für beide Systeme tauglich ist). Es wurde ermittelt, dass in Fällen, in denen gleichzeitig mit mehreren Funkgeräten gearbeitet werden muss, mit sogenannten Kopplern entsprechende Antennen verbunden werden müssen. Der Grund: Die Abstände für jeweils eigene Antennen der Geräte wären zu groß und sind auf normalen Fahrzeugdächern gar nicht darstellbar.

Es musste erst einiges an Grundlagenarbeit geleistet und zahlreiche Versuche unternommen werden, bis man eine zufriedenstellende Lösung gefunden hatte. Bisherige Projekte bestätigen das Vorgehen, denn es sind (zumindest) dem DIN keine Probleme bekannt geworden.

Dies hat einige Zeit in Anspruch genommen und so ist es auch nicht verwunderlich, dass einige Kommunen und deren Feuerwehren sich mit der (Ersatz-)Beschaffung ihrer Fahrzeuge zurückgehalten haben.

Die Norm unterscheidet nun (nach wie vor) Kommandowagen (KdoW) nach DIN 14507 Teil 5 und zwei Größen von Einsatzleitwagen. Der ELW 1 – DIN 14507 Teil 2 – wird vornehmlich auf einem Kastenwagen mit 3,5 t Gesamtmasse aufgebaut. Die Außenabmessungen dürfen 6,0 m in der Länge (Anbauteile, wie Heckaufstieg, sind ausgenommen), 2,1 m in der Breite und 3,1 m in der Höhe nicht übersteigen. Es müssen zwei Kommunika­tionsarbeitsplätze mit analoger und digitaler Funktechnik sowie Geräte zur Sprachkommunikation (Mobiltelefon) und zur Fax- und Datenkommunikation (meist ein Multifunktionsgerät) im Mobilfunknetz vorhanden sein.

Die Anforderungen an den ELW 2 – DIN 14507 Teil 3 – sind nochmals deutlich höher, denn es gibt nach wie vor die Trennung zwischen Kommunikationsarbeitsraum und Besprechungsraum. Satellitenanlage und Klimatechnik sind dabei ebenfalls beschriebene Forderungen. Die Bauweise, ob Ausbau eines Busses, Ausstattung eines Abrollbehälters oder die Verwendung eines LKW-Chassis mit Kofferaufbau, wird dem Anwender dabei freigestellt.

ELW 1, Einsatztalktik, Kommunikation, Raumaufteilung, Kommunikationsausstattung, technische Aspekte, taktische Aspekte

Abb. 2: Bediener der Kommunikationsarbeitsplätze sitzen im Heck des Fahrzeugs. Als Sitzanordnung ist eine Anordnung quer zur Fahrtrichtung, wie dargestellt, oder entgegen der Fahrtrichtung üblich.

Die Normen sind im April 2014 zunächst als sogenannte SPEC-Normen herausgegeben worden (ähnlich einer früheren Vor-Norm), um Erfahrungen in der praktischen Umsetzung mit den Normen sammeln zu können. Insbesondere in Bezug auf die Antennenanlagen bei der Verwendung im gleichzeitigen Betrieb von Analog- und Digitalfunk wollte man hier keine zu restriktiven Vorgaben machen und die praktische Umsetzung und die Lösungsvorschläge der Bieter abwarten.

Im Rahmen dieses Beitrages wird auf die ELW 1 eingegangen, die vornehmlich auf Transporterfahrgestellen aufgebaut werden. Dabei muss unterschieden werden zwischen Kombi ­(Serienfahrzeug) und Kastenwagen (Kofferaufbau auch in isolierter Version möglich) auf Fahrgestellen.

Technische Aspekte bei ELW 1

Die Größe muss dem Zweck angemessen sein. Hier geht es neben der Zahl und Anordnung der Sitzplätze (auch der Arbeitsplätze, die während der Fahrt besetzt sein sollen) vor allem um die zusätzliche Ausrüstung und gewünschte Beladung zur Einsatzführung. Die Notwendigkeit einer Geländefähigkeit muss im Einzelfall geprüft werden.

Typenvielfalt ist gewünscht

  • Kleinere Fahrzeuge der Transporter-Klasse um ca. 2,8 t zGM, die je nach ergänzender Beladung, Motorisierung usw. mit 3 – 4 Sitzplätzen an der Grenze der zGM liegen.
  • Größere Fahrzeuge mit bis zu 3,5 t zGM; hier stehen mehr Platz- und auch mehr Gewichtsreserve für mehr Sitzplätze und/oder Ausrüstung zur Verfügung.
  • Große ELW 1 (als Zwischenlösung zwischen ELW 1 und ELW 2) mit 3,5 bis ca. 5 t zGM, die einige Kennzeichen des ELW 2 haben, z. B. mit eigenem, kleinem Besprechungsraum, der vom Kommunikationsraum getrennt ist.

Der Einbau von Ladehalterungen erfordert einen entsprechenden Aufwand und die passende Ladetechnik zur Erhaltungsladung. Der Einbau von 230 V-Geräten (Mobilfax, Laptop, Drucker o. ä.) benötigt mindestens einen leistungsfähigen Wandler bzw. einen (kleinen, möglichst leisen) Stromerzeuger.

Soll während der Fahrt aus dem Fahrzeug kommuniziert werden, so sind in jedem Fall Außenantennen sowie Freisprechanlagen (bei Nutzung durch den Fahrer) erforderlich. Jeder ELW 1 benötigt einen Arbeitstisch, der wiederum über eine durchsichtige Kunststoff- oder Glasplatte verfügen sollte. So lassen sich darunter platzsparend und sofort nutzbar Einsatzunterlagen (z. B. Checklisten für den Einsatzleiter, Telefonnummern usw.) unterbringen. Die Seitenwände sollten mit magnethaftenden Flächen oder einhängebaren Tafeln vor den Fenstern versehen sein, um weitere einsatzbezogene Unterlagen (z. B. Lageskizze) anbringen zu können. Die Fenster zum Arbeitsraum sollten entweder Sonnen- bzw. Sichtschutz-Rollladen haben oder eingefärbt bzw. mit Sichtschutzfolie beklebt sein.

Ist ein Kombi mit Schiebetür vorgesehen, sollte unbedingt ein zusätzliches Schiebefenster in der Türe oder im gegenüberliegenden Fenster vorgesehen werden, um Unterlagen durchreichen zu können. So muss bei Regen oder Kälte nicht jedes Mal die Türe geöffnet werden.

Taktische Aspekte bei ELW 1

ELW 1 sollten neben der reinen Kommunikationstechnik immer auch über einfache Führungshilfsmittel, wie Whiteboards (beschreibbar, magnethaftend) und vorbereitete Fahrzeug- bzw. Abschnittsübersichten, verfügen. Bekleben sie das Fahrzeug möglichst nicht mit dem Begriff „Einsatzleitung“ sondern statten sie das Fahrzeug eher mit Magnetschildern aus, die eine Anpassung an die Einsatzsituation zulässt (z. B. Einsatzleitung oder Abschnittsleitung).

ELW 1, Einsatztalktik, Kommunikation, Raumaufteilung, Kommunikationsausstattung, technische Aspekte, taktische Aspekte

Abb. 3: Kombination der Kommunikationseinrichtung im vorderen Teil des Fahrzeugs, bedient durch drehbare Fahrer- und Beifahrersitze hat viele Nachteile. (Bilder: Thomas Zawadke)

Der Einbau von Computern, Druckern etc. ist zusätzlich noch im Raumkonzept zu berücksichtigen; dies betrifft insbesondere auch die Lagerorte für Lüftung und Kühlung. Außerdem sollten möglichst große Wandflächen als Projektions- und Magnet­flächen nutzbar sein.

Soll während der Fahrt aus dem Fahrzeug kommuniziert werden, so sind in jedem Fall Außenantennen sowie Freisprechanlagen (bei Nutzung durch den Fahrer) erforderlich. Dabei ist der aktiven und passiven Sicherheit der Mitfahrer eine erhöhte Aufmerksamkeit zu schenken. So sind heute Sitzsysteme mit dreh- und schwenkbaren Sitzen mit Kopfstützen, Armlehnen und Sicherheitsgurten nachrüstbar, die aber auch die Zulassung zum Transport von Personen während der Fahrt haben müssen. Dabei dürfen diese Sitze während der Fahrt nur in oder entgegen der Fahrtrichtung besetzt werden. Entsprechend den Anforderungen muss dann z. B. bei einem quer zur Fahrtrichtung angebrachten Tisch die Zuordnung der Bedienteile so erfolgen, dass die Mitfahrer diese auch erreichen können.

Eine Bedienung der Kommunikationstechnik durch Drehen der Sitze von Fahrer und Beifahrer lassen den Betrieb ausschließlich im Stand zu. Außerdem ist dabei zu beachten, dass es bei großen Frontscheiben durch Sonneneinstrahlung zum Blenden auf den Bildschirmen kommen kann und es bei Betreten des hinteren Aufbauteils immer zu einer Beeinträchtigung kommt (s. Abb. 3).

Aufmacherbiild: ELW mit  Kommunikationstisch quer zur Fahrtrichtung. (Bild: T. Zawadke)

Thomas Zawadke

DIN, @fire, Feuerwehr, ELW 1, Einsatztaktik

Thomas Zawadke

Anschrift des Verfassers:
FeuerwehrFahrzeugTechnikZawadke
Rothweg 41, 89231 Neu-Ulm
Telefon 0731/72 541-82

Jahrgang 1958
Seit 1973: Mitglied verschiedener Feuerwehren
1977 – 1980: Kfz-Handwerker in der Zentralwerkstatt des KatSchutzes
1989: Studium zum Dipl.-Ing. (FH) Fahrzeugtechnik
1989 – 1994: Abteilungsleiter Aufbauten Iveco Magirus BT GmbH, Werk Weisweil
1994 – 2001: Leiter der Projektabteilung, des Versuches und des Entwicklungsservice bei Iveco Magirus, Ulm
Seit 1995: Lehrauftrag (Feuerwehrfahrzeugtechnik) an der Hochschule Ulm
2001 – 2004: Entwicklungsleiter Tony Brändle AG (CH) Feuerwehr- und Ambulanzfahrzeugbau als Prokurist
Seit Okt. 2004: Tätigkeit als selbständiger Beratungs- und Entwicklungsingenieur
Seit 2007: Mitglied (seit 2011 Mitglied des Vorstandes) von @fire – Internationaler Katastrophenschutz Deutschland e. V. und Engagement für die Verbesserung der Vegetationsbrandbekämpfung in Europa
Seit 2008: Ständiger Mitarbeiter im Referat 6 des vfdb
Umfangreiche Auslandseinsatzerfahrung (unter anderem Praktika in USA, GB, F, NL, PL, SP, A)
Mitarbeit im Deutschen Institut für Normen in den drei Arbeitsgremien für Löschfahrzeuge, Sonderfahrzeuge und Ausrüstung und Geräte