Der Deutsche Wetterdienst (DWD) unterstützt die Bundesländer bei der Durchführung ihrer Aufgaben im Bereich des Katastrophenschutzes, insbesondere bei extremen Wetterereignissen. Im Wetterinformationssystem FeWIS werden signifikante Wetter- und Unwetterinformationen speziell für Feuerwehren, Leitstellen, Hilfsorganisationen und andere mit Brand- und Katastrophenschutzaufgaben beauftragte Einrichtungen zusammengestellt.

Gemäß Gesetz vom 10. September 1998 (BGBL. I S. 2871), zuletzt geändert am 29. Juli 2009, ist der Deutsche Wetterdienst u. a. verantwortlich für die Herausgabe von amtlichen Warnungen vor Wettererscheinungen, die zu einer Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung führen können. Auf der Basis ständiger Wetterüberwachung werden vor bzw. bei Erreichen vorgegebener Schwellenwerte/Warnkriterien Wetterwarnungen herausgegeben. Das Wetterinformationssystem FeWIS ist einer der wichtigsten Bausteine des Warnmanagements des DWD. Die anwenderorientierte Aufbereitung und Darstellung von Wetterdaten zum Abruf im Internet innerhalb einer geschlossenen Benutzergruppe bietet schnell und gezielt umfangreiche Informationen bei gefährlichen Wetterlagen. Institutionen, die präventive Maßnahmen zur Abwendung von Gefahren für Menschen und Güter treffen bzw. im bereits eingetretenen Schadensfall reagieren müssen, können so ihre Einsätze richtig planen und durchführen. Die Zugangsberechtigung zu diesem Katas­dtrophenschutzportal wird nach einem mit dem Deutschen Feuerwehrverband (DFV), der Arbeitsgemeinschaft der Leiter der Berufsfeuerwehren (AGBF), den Innenministerien der Länder und den Bundesgeschäftsstellen der Hilfsorganisationen abgestimmten Verfahren erteilt. Seit dem Start mit den Berufsfeuerwehren im Juli 2004 ist die Anzahl der Nutzer dieses DWD-Angebotes auf etwa 1 700 im Jahr 2013 gestiegen. Die Nutzung ist entgeltfrei. Das System wird rund um die Uhr alle zwei Minuten aktualisiert. Es ist auch für den meteorologischen Laien einfach zu bedienen.

Wettergefahren

Unter dem Menüpunkt „Warnlage“ sind die wichtigsten Informationen zur aktuellen Situation zu finden, aufbereitet als Texte bzw. grafische Warnübersicht für ein vom Nutzer individuell festgelegtes Gebiet. Die Darstellung drohender Wettergefahren erfolgt entsprechend dem Warnmanagement des DWD in mehreren Stufen. Auf der Basis numerischer Wettervorhersagen erstellen erfahrene Meteorologen in der Vorhersage- und Beratungszentrale in Offenbach die Wochenvorhersage WETTERGEFAHREN Deutschland mit den zu erwartenden, warnwürdigen Wetterelementen der nächsten sechs Tage. Dieser Bericht ist, ebenso wie eine grafische Gesamtübersicht über die Warnsituation in Deutschland, gesondert aufzurufen. In der nutzergerechten Warnübersicht werden der 24-stündige Warnlagebericht für das betreffende Bundesland (erneuert alle sechs Stunden), Vorabinformationen vor Unwetter 24 bis 6 Stunden vor dem zu erwartenden Wetterereignis und die konkret formulierten Wetterwarnungen in Textform bzw. durch Einfärben der betroffenen Landkreise dargestellt. Zusätzlich gibt es bei erwarteten Unwettern im Fenster Aktuell spezielle Hinweise zum lokalen Wetterablauf oder Messdaten der nächstgelegenen Wetterstation (Abb. 1).

Für überregional verantwortliche Lagezentren in grenznahen Regionen oder Einsatzzentralen von Hilfsorganisationen kann ggf. der Blick zum benachbarten Ausland nützlich sein. Unter dem Button Warnlage Europa befindet sich eine Übersicht über alle, zum aktuellen Zeitpunkt in Europa ausgegebenen Wetterwarnungen. Es gibt zusätzlich ein Radarbild von Europa, in dem neben deutschen Radarbildern auch Radardaten aus dem benachbarten Ausland integriert sind.

WebKONRAD. (Grafik: DWD)

Wettergeschehen

Der Bereich Wettersituation ermöglicht den Blick auf das aktuelle Wettergeschehen mit Messdaten von Wetterstationen und Glättemeldeanlagen wie Temperatur, Niederschlag, Windspitzen, Schneehöhe, Belagstemperatur, Straßenzustand u. a., ergänzt durch Radar- und Satellitenbilder. Die dargestellten Elemente und Regionen sind frei wähl- und kombinierbar.

Für vorausschauende Planungen werden unter „Vorhersage“ stets die neuesten Wetterberichte für die einzelnen Bundesländer bis zum 4. Folgetag und eine 10-Tage-Vorhersage für Deutschland bereitgestellt.

Gewitter

Schwere Gewitter mit Begleiterscheinungen wie Hagel, Starkregen und Sturm- oder Orkanböen gehören in Deutschland zu den gefährlichsten Wetterereignissen mit den größten wetterbedingten Schadensfällen. Gewitterzellen entstehen bei labilen Wetterlagen sehr rasch und haben häufig eine kurze Lebensdauer von weniger als einer Stunde. Das Radar ermöglicht die Feststellung des Entstehungsortes. Aus der Echostruktur können wichtige Informationen über die Intensität und Zugrichtung des Gewitters gewonnen werden.

FeWIS bietet im Bereich webKONRAD den direkten Zugang zu einer speziellen Analyse bei konvektiven Wetterlagen. WebKONRAD (webbasierte Konvektionsentwicklung in Radarprodukten) startet außerhalb von FeWIS und erfordert die Implementierung von Java auf dem Nutzer-PC. Es wird nur dem Nutzerkreis von FeWIS zur Verfügung gestellt. Für die richtige Interpretation der Darstellungen führt der DWD Nutzerschulungen durch.

Die Radarechos werden nach Ausdehnung und Stärke ausgewertet. Im webKONRAD erfolgt die Zuordnung der Intensität nach Ampelfarben von grün, gelb, rot bis zur höchsten Stufe violett. Alte Zellkerne werden als Ringe, aktuelle als Kreis dargestellt. So kann die Verlagerung verfolgt und eine Trendprognose bis 60 Minuten mit Pfeilen angezeigt werden. Durch blaue Dreiecke bzw. Pfeile wird vor Hagelgefahr bzw. Gefahr von Sturmböen gewarnt.

Unter dem Button webKONRAD sind auch 3D-Scan-Radarbilder zu finden, die die Horizontal- und Vertikalstruktur der Echos im Radius bis 230 km um den jeweiligen Radarstandort in sechs Klassen darstellen. Die Bilder werden alle fünf Minuten erneuert.

Waldbrand

In der Zeit zwischen März und Oktober stehen unter dem Button Waldbrand täglich aktualisierte Prognosen für Waldbrandgefahren bereit. Der berechnete Waldbrandgefahrenindex umfasst eine Gefährdungsklassifikation in fünf Stufen (sehr geringe bis sehr hohe Gefahr). In diesem Portalbereich werden von April bis September zusätzlich Hitzewarnungen dargestellt. Das Hitzewarnsystem basiert auf numerischen Vorhersagen und einem Wärmehaushaltsmodell des Menschen. Hitzewarnungen werden bei der Überschreitung bestimmter Schwellenwerte der gefühlten Temperatur in zwei Warnstufen und mit einer zusätzlichen Hitzevorinformation (7-Tage-Vorhersage) für Landkreise herausgegeben.

Schadstoffausbreitung

Bei Unfällen oder Havarien mit Schadstoffen, die sich in der Atmosphäre ausbreiten, können betroffene Leitstellen und Feuerwehren über den Menüpunkt Schadstoffausbreitung eine Ausbreitungsrechnung beim DWD anfordern. Das Programmsystem Hazard Estimation for Accidental Release of Toxic Substances – kurz HEARTS – wurde als Hilfsmittel zur Abschätzung der Gefährdung nach der Freisetzung von gesundheitsgefährdenden Stoffen geschaffen und kann eine sehr schnelle, grobe Abschätzung der gefährdeten Gebiete liefern. Mit dem Programm wird standardmäßig eine 6-stündige Vorhersage der Ausbreitungsfahne berechnet.

Starkregen

Starkregenereignisse können im Extremfall zu gefährlichen Sturzfluten, Dauerregen zu Hochwasser und Überflutungen führen. Die Ausgabe von Hochwasserwarnungen ist nicht Aufgabe des DWD. Im Bereich Hochwasser finden die FeWIS-Nutzer weiterführende Links zu den jeweils zuständigen Institutionen der Bundesländer. Für den Überblick werden Karten mit Niederschlagssummen der letzten 24, 6 und 1 Stunden bereitgestellt. Das Verfahren RADOLAN (Radar-Online-Aneichung) liefert flächendeckende, räumlich und zeitlich hoch aufgelöste quantitative Niederschlagsdaten aus Radarmessungen im Echtzeitbetrieb, geeicht mit den Daten der automatischen Niederschlagsstationen des DWD.

Klimadaten

Über den online-Zugang unter Klima-KAT haben FeWIS-Nutzer die Möglichkeit, auf Klimadaten und Statistiken zuzugreifen. Für die Auswertung von Einsätzen im Zusammenhang mit Unwettern stehen Wetterelemente von bis zu 2 000 Wetterstationen zur Verfügung. Mit einem Abruf können mehrere Wetterelemente, von mehreren Wetterstationen aus einem Monat in Tabellen und Grafiken zur Verfügung gestellt werden sowie statistische Vergleichswerte der vorangegangenen zehn Jahre.

Fortentwicklung

Die Bedeutung mobiler Endgeräte wie Smartphone oder Tablet-PC auch im Bereich von Einsatzleitungen hat in den letzten Jahren rasant zugenommen. Der DWD hat deshalb mit FeWISmobil eine optimierte Internetseite mit ausgesuchten FeWIS-Leistungen bereitgestellt. Zur Freischaltung müssen FeWIS-Nutzer einen gesonderten Antrag stellen.

FeWIS wird im Ergebnis von Nutzeranforderungen und mit der Entwicklung neuer Verfahren und Produkte in der Wettervorhersage ständig weiter entwickelt und den sich ändernden Anforderungen angepasst.

Weiterentwicklungen von Prognoseverfahren im DWD finden zeitnah Eingang in FeWIS. So steht u. a. die Kürzestfristvorhersage (Nowcasting) ebenso im Fokus der Entwicklungen wie die Verbesserung der Warnverfahren.

Im Sommer 2013 wurde ein neuer Gewittermonitor zum Test zur Verfügung gestellt. In einem NowCastMix-Verfahren werden mehrere Komponenten (u. a. Wettermeldungen, Blitzdaten, Radarauswertungen, Vorhersagemodelle, statistische Verfahren) miteinander kombiniert. Im alle fünf Minuten aktualisierten Gewittermonitor wird zu einer erkannten Gewitterzelle deren prognostizierte Verlagerung und Entwicklung innerhalb der nächsten Stunde dargestellt. Farbige Keulen, von gelb bis violett gestuft nach den Warnkriterien für Gewitter zeigen das Gebiet an, in dem die Gewitterzelle im Zeitraum von einer Stunde erwartet wird, unabhängig von Landkreisgrenzen.

Fazit

FeWIS mit seinen verschiedenen Informationsangeboten dient dem Hauptziel, zuständigen Behörden und Einrichtungen rechtzeitig Kenntnis über gefährliche Wetterentwicklungen zu geben und damit Maßnahmen zur Gefahrenabwehr und zur Minimierung wirtschaftlicher Schäden optimal zu unterstützen.

Gerlinde Angerhöfer, Markus Valk

Anschrift der Verfasserin:
Gerlinde Angerhöfer
DWD, RZ Leipzig
Kärrnerstraße 68
04288 Leipzig
Tel.: 034297/989-101

(Aufmacherbild: Warnübersicht.. (Bild: DWD))