Der Themenbereich „Social Media“ hat in den vergangenen Jahren immer mehr an Bedeutung gewonnen. Facebook, Twitter und weitere soziale Netzwerke erleben Insbesondere durch Smartphones und Tablets einen enormen Aufschwung. Überall und jederzeit können Nachrichten, Bilder oder Videos hochgeladen werden. Das wirkt sich auch auf Großeinsätze und Katastrophen aus. Welche Erkenntnisse können für den modernen Bevölkerungsschutz gewonnen werden?

Als größtes Social Media weltweit gilt wohl Facebook; mit über einer Milliarde Mitgliedern verbindet es die meisten Menschen. Als Grundgedanken galt es, Menschen miteinander zu vergleichen und zu bewerten. Mittlerweile können sich alle Menschen miteinander austauschen und diskutieren. Durch die Einbindung von Fotos, Videos oder Nachrichten ist Facebook mittlerweile eine sehr individuelle Social Media Plattform.

Jedes Mitglied kann eine persönliche Seite einrichten, bei der er sich vorstellen und darstellen kann. Dabei sind sehr individuelle Einstellungsmöglichkeiten der Darstellung einstellbar. Von sehr öffentlich bis privat kann sich jeder selbst überlegen, was man von sich veröffentlichen möchte.

Neben privaten Seiten können Firmen, Politiker oder andere Personen des öffentlichen Lebens Seiten zur Darstellung online stellen. Insbesondere Firmen können es sich heute nicht mehr leisten auf Facobook zu verzichten. Werbeeinnahmen sind in diesem Zusammenhang auch die größte Einnahmequelle bei Facebook.

Interessant für den Bevölkerungsschutz sind Gruppenseiten, die ebenfalls angelegt werden können. Hier werden die verschiedensten Möglichkeiten eröffnet. Diese Gruppenseiten können entweder einen geschlossenen Personenkreis haben oder für alle zugänglich sein. Insbesondere diese offenen Seiten sind für den Bevölkerungsschutz relevant. Je nach Einstellungen können alle oder bestimmte Personen Nachrichten und Informationen „posten“.

In der Zeit des beginnenden Hochwassers 2013 haben sich einige Dutzend Seiten gegründet. Der unterscheid in der Qualität der Seiten liegt in der Moderation dieser Seiten und in der Anzahl der Menschen, die diese Seiten „geliked“, also verbunden, haben. Manche Seiten haben dabei mehrere Tausend Menschen angesprochen. In den hier näher betrachteten Seiten „Hochwasser Niedersachsen“ und „Hochwasser Sachsen Anhalt“ haben sich 30 000 bzw. mehr als 120 000 Menschen „verbunden“.

Abb. 1: www.facebook.com/hochwasser.sachsen.anhalt

Abb. 1: www.facebook.com/hochwasser.sachsen.anhalt

Intention aller Infoseiten ist die Verbreitung von Nachrichten und Bilder aus den Katastrophengebieten. Oftmals war es das Ziel, Freunde und Verwandte rüber das Geschehen in den Regionen zu informieren. Schnell ist diese Intention dahingehend gewachsen, dass Informationen aus der Presse gebündelt wurden. Aber auch Anfragen von Betroffenen nahmen schnell zu. Viele Moderatoren von diesen Infoseiten haben sich angepasst, dass die Schwerpunkte der Infoseiten entsprechend verändert wurden.

Ein besonderes Augenmerk möchte ich hier auf eben die o. g. Infoseiten legen. Die Seite „Hochwasser Sachsen Anhalt“ ist mit weit über 100 000 Mitgliedern eine der größten Seiten. Hier wurden viele Statusmeldungen und Bilder aus den Hochwasserregionen gepostet. Die andere Seite ist zwar mit rund 30 000 Mitgliedern kleiner aber durch ihre Gründerin Gabriele Müller weit über die Grenzen Niedersachsens bekannt. Das Team um die Administratorin wertete jede Meldung aus, bevor sie die Meldung online gestellt haben – ein lohnenswerter Mehraufwand für die Betreiber dieser Webseite. Viele Einsatzstäbe kontaktierten Frau Müller und baten sie, Hilfeanfragen online zu stellen, besonders in der Anfangszeit der Katastrophe, als viele Helfer gefordert waren. Dank des persönlichen Kontakts in den Einsatzstellen vor Ort wurde die spezifische Nachfrage reguliert.

Informationen für die Infoseite kamen also direkt aus den Einsatzstäben vor Ort oder von direktem Kontakt zu Einsatzkräften an den verschiedenen Einsatzstellen, stellen gesicherte Informationen dar, und mussten selten geprüft werden. Anders verhält es sich mit jenen aus der Bevölkerung. Hier war der Wahrheitsgehalt nicht verifiziert. Aus diesem Grund wurden diese Angaben stets überprüft und nach Verifizierung online.

Für die Einheiten des Bevölkerungsschutzes sind die Meldungen über Helferanfragen oder Statusmeldungen zu Einsatzorten von besonderer Bedeutung, solche Meldungen bergen jedoch neben Chancen auch Gefahren. Helferanfragen stellten den größten Anteil von „posts“ auf den Infoseiten. Diese Anfragen sind es auch, die viele Einsatzkräfte vor Herausforderungen stellte. Ein wirklich großer Vorteil des Mediums Internet und Social Media ist es, viele Menschen innerhalb von wenigen Sekunden zu erreichen und anzusprechen. So kamen zu den zahlreichen Anfragen immer mehrere Hundert freiwillige Helfer. Das kann kein Alarmierungssystem derzeit vollbringen. Dieser Fakt stellt aber die Einsatzkräfte und vor allem die Führungskräfte in den Einsatzstellen vor eine große Herausforderung: Die genaue Zahl der Helfer sowie der logistische Aspekt „Anreise“ war unbekannt.

Abb. 2: Meldung auf www.facebook.com/hochwasser.sachsen.anhalt

Abb. 2: Meldung auf www.facebook.com/hochwasser.sachsen.anhalt

Abb. 3: Koordination der Helfer bei: www.facebook.com/hochwasser.sachsen.anhalt

Abb. 3: Koordination der Helfer bei: www.facebook.com/hochwasser.sachsen.anhalt

Wurde solch eine Meldung nicht über den Krisenstab gelenkt oder verifiziert veröffentlicht, entstand schnell Chaos. Weitere Überlegungen der Führungskräfte müssen infolgedessen lauten: Welche Aufgaben kann ich den Menschen geben? Wie versorge ich diese Menschen? Reichen meine sanitären Einrichtungen aus? Wer versorgt diese Menschen, wenn sich jemand verletzt? Habe ich genügend Kapazität dabei? Bündeln lassen sich diese in den Kategorien

  • Ordnung des Raumes
  • Aufgabenstellung
  • Versorgung
  • Entsorgung

Es ist also auf der einen Seite ein Segen, wenn schnell viele Helfer mobilisiert werden können, aber auf der anderen Seite ist es unabdingbar, dass die Einsatzkräfte vor Ort darauf eingestellt sind. Die Folge wäre Demotivation der freiwilligen Helferinnen und Helfer.

Herausforderungen für den modernen Bevölkerungsschutz

Immer mehr Menschen bedienen sich des Mediums Facebook – aus allen Altersschichten der Bevölkerung. Es ist im modernen Bevölkerungsschutz nicht mehr weg zu denken. Schnell gibt es Informationsseiten für besondere Ereignisse, die Meldungen online stellen. Die rasche Verbreitung der Nachrichten an eine Vielzahl von Menschen innerhalb  ist wohl der größte Vorteil dieses Mediums. Leider lässt sich nach einem Aufruf nur sehr schwer sagen, wie viele freiwillige Helferinnen und Helfer tatsächlich erscheinen.

Für die Betreiber solcher Seiten ist es aber im Gegenzug auch wichtig, wenn aus den Einsatzstellen oder -stäben eine Rückmeldung kommt, wie z. B. „Stopp! Helfer ausreichend“, oder „Einsatzstelle abgearbeitet! “

Abb. 4: Rückmeldungen, leider haben diese zu selten funktioniert.

Abb. 4: Rückmeldungen, leider haben diese zu selten funktioniert.

Abb. 5: Aufruf auf: www.facebook.com/HochwasserNiedersachsen

Abb. 5: Aufruf auf: www.facebook.com/HochwasserNiedersachsen

Wie die Recherche gezeigt hat, gibt es qualitativ unterschiedliche Seiten zu diesem Thema Eine Akzeptanz in den Einsatz- oder Krisenstäben ist unabdingbar. Eine andere Alternative wäre es, wenn die Stäbe eben selbst zum Moderator einer solchen Seite werden!

Für die Einsatzkräfte vor Ort bedeutet dies neue Herausforderung mit vielen freiwilligen Helferinnen und Helfern zurechtkommen, da diese Menschen nicht wissen was ein Gruppenführer ist, welche Führungsstruktur herrscht oder wie die Sandsäcke verbaut werden müssen.. Hier kommt es auf die Führungsqualitäten des jeweiligen Zug- oder Gruppenführers vor Ort an. Motivation statt Demotivation lautet die Devise.

Abb. 6: www.facebook.com/HochwasserNiedersachsen

Abb. 6: www.facebook.com/HochwasserNiedersachsen

Forderung oder Erkenntnis

Um gezielt auf Anfragen reagieren zu können oder den Einsatz von freiwilligen Helferinnen und Helfern zu koordinieren, wäre ein Fachberater „Soziale Medien“ angesiedelt beim S5 von Vorteil.

Meldungen gezielt aus den Stäben haben auch den Vorteil, dass sie geprüft sind, die Einsatzkräfte vor Ort wissen, was auf sie zukommt. Andere entstehende Facebook-Seiten könnten die Inhalte dann bei sich „teilen“, um so noch mehr Menschen anzusprechen.

Anschrift des Verfassers:

timo001Timo Imhof
Leiter Einsatz
DLRG Bezirk Karlsruhe e. V.
Tel.: 0172 / 7241596
Mail: einsatz@bez-karlsruhe.dlrg.de