In dem Rahmen aus europäischen Verordnungen und Richtlinien sowie der nationalen Gesetzgebung, beispielsweise § 8 Luftsicherheitsgesetz (LuftSiG), ist die Fraport AG für die Sicherheit am Flughafen Frankfurt verantwortlich. Dies umfasst sowohl die Gesamtfläche von etwa knapp 23 km2, als auch die Fläche von zwei Passagierterminals, die zugehörige Flughafeninfrastruktur, sowie die etwa 75 000 Personen, die am Flughafen Frankfurt tätig sind – Tendenz steigend.

Sicherheit steht im Luftverkehr an erster Stelle. Diese alte Regel gilt nicht nur für die technische Sicherheit eines Fluges, sondern auch für die Sicherheitskontrollen und -vorkehrungen rund um den Flughafen. Jede wirtschaftliche Betrachtung dieses Themas steht also immer unter dem Eindruck gesetzlicher Vorgaben, welche die Sicherheit des Luftverkehrs auf hohem Niveau zum Ziel haben. Grundlage dafür sind die einschlägigen europäischen Verordnungen, die nationalen Luftsicherheitsgesetze und die darauf basierenden Anforderungen der verantwortlichen Behörden. Erst nach deren Erfüllung können Maßnahmen zur wirtschaftlichen Optimierung stattfinden.

Die einfache Formel „Wirtschaftlichkeit = Ertrag/Aufwand“ kann aufgrund des nur schwer messbaren Ertrages kaum angewendet werden. Wie schon dargestellt, ist das zu erreichende Maß an Sicherheit entsprechend der gesetzlichen oder behördlichen Vorgaben ein Muss, stellt also eine unveränderliche Größe dar. Der Aufwand wird von den Investitionen definiert, die benötigt werden, um diese Sicherheit herzustellen.
Im Fall der Flughafensicherheit muss daher bei wirtschaftlichem Arbeiten mit einem effizienten Ressourceneinsatz das gesetzlich vorgegebene Ergebnis erreicht werden. Fortschritte finden dabei entlang der Lernkurve der Mitarbeiter statt oder durch Anwendung alternativer, effizienter Prozesse, welche das erforderliche Sicherheitsniveau erreichen.

Wirtschaftliche Gesichtspunkte

Da im Rahmen der gesetzlichen Grundlagen auch die Zuständigkeiten sowie Verantwortlichkeiten zwischen Behörden und Infrastrukturbetreibern geregelt werden, definieren sich hier auch die Möglichkeiten, die Flughafensicherheit unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten auszugestalten. Somit besteht für Flughafenbetreiber die Notwendigkeit, zusammen mit anderen verantwortlichen Stellen mögliche Entwicklungen anzustimmen. Im Klartext heißt das, dass sämtliche Änderungen oder neu aufgesetzten Prozesse und Infrastruktureinrichtungen von der jeweiligen Aufsichtsbehörde abgenommen werden müssen. Zu den am Flughafen Frankfurt umgesetzten Maßnahmen folgt noch eine weitere Schilderung. Zunächst ist jedoch der Kontext von Sicherheitsmaßnahmen im Unternehmenskontext darzustellen.

Generell ist für die Betrachtung der Flughafensicherheit ein gesamtheitlicher Ansatz in der Sicherheitsphilosophie der Fraport AG verankert. In diesem Fall bedeutet dies, dass der Fokus nicht ausschließlich auf den operativen Sicherheitskontrollen liegt, sei es für Passagiere, Mitarbeiter, Gepäck- oder Frachtkontrollen, sondern stets auch das komplexe Umfeld von Luftverkehrsprozessen berücksichtigen muss.
Innerhalb dieses Gesamtgefüges sind – aufgrund der Vielfalt an Akteuren – meist einzelne Prozessschritte zur Steigerung der Effizienz möglich. So sind beispielsweise im Rahmen der Passagierkontrollen, die in der Verantwortung der Bundespolizei durchgeführt werden, zusammen mit der Bundespolizeidirektion sowie der Lufthansa AG Musterkontrollstellen entwickelt und, nachdem sie sich im Testbetrieb bewährten, in den operativen Betrieb eingeführt worden (s. Abb. 1).

Dabei wurde sowohl die Anstellfläche zur Beladung der Handgepäckwannen als auch die Personenkontrollflächen vergrößert, so dass jeweils mehrere Passagiere gleichzeitig das Handgepäck abgeben und sich auf ihre Kontrolle vorbereiten können.

Diese Maßnahmen dienen der Prozessverbesserung, verkürzen somit die Prozesszeiten und gewährleisten einen wirtschaftlicheren Betrieb bei gleichbleibendem Sicherheitsniveau, obwohl zunächst eine größere Grundfläche bei dem am Flughafen eingeschränkten Platzangebot benötigt wird.

Perimeterschutz

Wo nur der Flughafenbetreiber selbst für die Sicherheit bzw. Sicherung zuständig ist, ist es möglich, ohne Abstimmung mit anderen Akteuren Produkte und Verfahren zu entwickeln und zu implementieren. Auch diese sind dann allerdings zuvor im Bezug auf die zu gewährleistende Sicherheit von den verantwortlichen Behörden abzunehmen. Im Rahmen der im Jahre 2011 neu eröffneten Landebahn Nordwest wurden neue Methoden und Techniken entwickelt, um die Fläche sowie deren Begrenzung abzusichern. Zur Absicherung der gesamten Fläche wird ein Zaun eingesetzt, der Manipulationen selbst detektieren kann und zum ersten Mal für ein Areal dieser Größenordnung genutzt wird. Er dient dazu, die gesamte Alarmierungskette zu automatisieren und damit zu beschleunigen. Zudem wurden neue Detektionskameras bei den Flugzeugbrücken mitentwickelt und in einem Testlauf eingesetzt, um einen Überwindungsversuch automatisch detektieren sowie gleichzeitig eine geringe Fehlalarmquote gewährleisten zu können (s. Abb. 2).

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Zutritts- und Sicherheitskontrolle

Über die reine Sicherheitsbetrachtung hinaus ist ein gesamtheitlicher Ansatz notwendig, der die Gesamtheit der Prozesse, die ein Passagier am Flughafen durchläuft, mit einbezieht. So wurde im Jahr 2008 das Projekt „Bar-Coded-Boarding-Pass (BCBP)“ eingeführt. Damit wird auf der einen Seite die gesetzliche Vorgabe für die Absicherung umgesetzt, wonach eine Überprüfung der Zutrittsberechtigung vor Betreten des sicherheitsempfindlichen Bereiches notwendig ist. Auf der anderen Seite wird im gleichen Zuge das Prozessmanagement verbessert. Durch diese fortschreitende Automatisierung wird es ermöglicht, die Terminalprozesse effizienter zu steuern sowie die Ressourcen bedarfsgerechter zu allokieren und dabei das Sicherheitsniveau sogar zu steigern.

Darüber hinaus kann eine Betrachtung des Gesamtprozesses auch über Unternehmensgrenzen hinweg notwendig sein, da an einem Flughafen verschiedene Unternehmen an einem Prozess beteiligt sein können. An dem folgenden Beispiel haben sowohl die Bundespolizei wie auch das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik verantwortlich mitgearbeitet und einen optimierten Prozessschritt entwickelt, wobei die Fraport AG sowie die Lufthansa AG auch hier aktiv an dem Projekt beteiligt sind. Dabei ist der untersuchte und optimierte Prozessschritt nicht die Sicherheitskontrolle sondern das Grenzkontrollverfahren: Unter dem Namen „EasyPass“ wird die Kontrolle, anhand von biometrischen Daten durchgeführt, die auf dem elektronischen Reisepass hinterlegt sind. Hierbei wird Passagieren auf freiwilliger Basis ermöglicht, sich der automatisierten Kontrolle anhand der biometrischen Daten anstatt der Kontrolle durch einen Beamten zu unterziehen. Dabei wurde zunächst ein Testbetrieb durchgeführt, nach dessen erfolgreicher Beendigung eine Übernahme der Technologie in den vollständigen Live-Betrieb ermöglicht wurde.

Sicherheitsforschung

Ein weiterer Ansatz ist die Mitarbeit bereits im Entwicklungsprozess von Sicherheitsmaßnahmen, also möglichst frühzeitig. Vor diesem Hintergrund engagiert sich die Fraport AG sowohl in der nationalen als auch in der europäischen Sicherheitsforschung. Über diesen Weg besteht die Möglichkeit, involvierte Stakeholder bezüglich der Anforderungen an operative Abläufe sowie technische Lösungen zu sensibilisieren. Dabei wurde im Rahmen des nationalen Forschungsprojektes FluSS (Flughafensicherheitssystem) ein Security-Managementkonzept entwickelt, welches derzeit in Frankfurt implementiert wird. Ziel ist es, die bestehenden Security-Managementsysteme auf einer strategischen Ebene zusammenzufassen, zu konsolidieren und im Rahmen eines Regelkreislaufes zu implementieren. Als Teil des Managementsystems sind auch Komponenten zur Evaluation von Maßnahmen zu integrieren, womit auch Optionen zur wirtschaftlichen Steuerung sowie zur Steigerung der Effizienz stets berücksichtigt sind. Zusammen mit der gesamtheitlich ausgerichteten Strategie bildet dies die Grundlage sowohl für das strategische als auch das operative Handeln.

Neben technischen und operativen Aspekten, die bei dem Entwicklungsprozess von Sicherheitsmaßnahmen ausschlaggebend sind, wird in Forschungsprojekten zunehmend die soziokulturelle Seite berücksichtigt. Dabei gilt es, optimierte operative, eventuell durch Technik unterstütze, Lösungsansätze zu erarbeiten, die schon bei der Entwicklung auf optimierte Mensch-Maschine-Schnittstellen und soziale Akzeptanz ausgelegt sind. Nur so lässt sich eine effiziente Gestaltung von Sicherheitsmaßnahmen oder eine Steigerung der Effizienz von Sicherheitsmaßnahmen gestalten.

Damit wird der Faktor Mensch auch bei der wirtschaftlichen Gestaltung von Sicherheitsmaßnahmen zunehmend in den Fokus der Forschung gerückt. Hierbei sind sowohl die kontrollierenden wie auch die zu kontrollierenden Personen von der notwendigen Wirtschaftlichkeitsuntersuchung betroffen. Auf dieser soziokulturellen Ebene sollten Sicherheitsmaßnahmen von beiden Personengruppen eine Akzeptanz erfahren, um eine Prozessverbesserung möglich zu machen. Das heißt, involvierte Personen sollten neue Prozesse und Techniken akzeptieren, um positiv auf eine Verbesserung eingehen zu können.

Ein weiterer Teilaspekt ist in der Schnittstelle zwischen der genutzten Technik und der nutzenden Person zu sehen. Diese stets notwendige Schnittstelle ist seitens der Technikanbieter für den Nutzer zu optimieren, da andernfalls Reibungsverluste durch ein nicht nutzergerechtes Layout messbar werden. Diese Schnittstelle würde in der Folge zu längeren Prozesszeiten, damit zu einer weniger effizienten Nutzung und somit zu höheren Kosten führen.

Fazit

Abschließend ist festzuhalten, dass eine einfache – formelbasierte – wirtschaftliche Betrachtung von Sicherheitsmaßnahmen kaum möglich ist. Im Rahmen der Möglichkeiten der Fraport AG ist jedoch eine Effizienzsteigerung von Maßnahmen sowie des Gesamtsystems das wirtschaftliche Entscheidungskriterium. Hierfür ist ein gesamtheitlicher Ansatz erforderlich, der verfolgt werden muss. Dieser ist sowohl auf der Ebene aller in der Durchführung beteiligten Stakeholder wie involvierte Unternehmen, Behörden sowie Fluggäste zu verstehen, als auch in der Entwicklung und Implementierung von Sicherheitsmaßnahmen.

Anschrift des Verfassers:
Mark Zwirner
Fraport AG – Frankfurt Airport Services Worldwide
60547 Frankfurt am Main
Tel.: 069 / 690-60036
E-Mail: m.zwirner@fraport.de

Diplom-Wirtschaftsjurist Mark Zwirner
geb. am 25. Mai 1981 in Flörsheim am Main

  • 2003 – 2007: Studium zum Diplom-Wirtschaftsjurist; FH Mainz – University of Applied Sciences
  • 2005: Studium der Betriebswirtschaft; ISCTE Lissabon – Instituto Superior de Ciências do Trabalho e da Empresa
  • Seit 2008: tätig in verschiedenen Bereichen bei der Fraport AG
  • Seit 2013: Aufgabenleiter im Bereich Flugbetriebs- und Terminalmanagement, Unternehmenssicherheit