Am 20. und 21. August 2014 veranstaltete das HochwasserKompetenzCentrum das HKC-Seminar “Optimiertes Hochwasserrisikomanagement” im Rheinforum in Wesseling und sprach damit Fachleute aus Kommunen und Ingenieurbüros, an Entscheidungsträger aus Kommunalpolitik und Verwaltung, an Bauherren, Grundstückseigentümer sowie an die interessierte Öffentlichkeit an.

Reinhard Voigt, seines Zeichens HKC-Leiter und Leiter der EU-Hochwasserzentrale, eröffnete die zweitätige Veranstaltung, die sich mit den Schwerpunkten Hochwasser-Ereignisse, Gefährdung, Schäden und Schutz von Objekten, Lokales sowie Überregionales Hochwasserrisikomanagement und Kommunikation im Hochwassermanagement befasste.

Der erste Veranstaltungstag konzentrierte sich dabei auf die Erlebnisberichte von Einsätzen aus den Hochwasserregionen 2013, dem Objektschutz und dem regionalen Hochwassermanagement:

Hans-Peter Haupt, Bürgermeister der Stadt Wesseling, stellte in seiner Eröffnungsrede die besondere Risikolage des Rheins sowie der kleinen Nebenflüsse und Bäche im Rhein-Erft-Kreis heraus. Zugleich schätzte er den überregionalen und internationalen Austausch, en das HKC-Seminar fördere, bei dem das Know-how zusammengetragen, gebündelt und für alle Instanzen nutzbar gemacht werde.

Diesem Aspekt schloss sich Guido Stier, stellvertretender Vorstandsvorsitzender HKC e. V., an. Das Seminar verstehe er als Impulsgeber, bei dem beispielsweise Ziele der IPPC-Studie im Austausch der Referenten und Teilnehmer in den entsprechenden Institutionen umgesetzt werden können. Ein notwendiger Weg, möchte man sich von den Milliardensummen der letztjährigen Schadensereignisse künftig entfernen.

Peter Hartl, Berufsfeuerwehr Köln, referierte zum Thema Hochwassereinsatz in Magdeburg aus Kölner Sicht. Dabei stand der Einsatz des mobilen Führungsstabes Rheinland im Fokus, der Teil der überörtlichen Hilfe des Landes NRW ist. Beauftragt mit dem Schutz des rechtsseitigen Elbebereichs sicherten Hartl und seine Kollegen das Hafengebiet, die Innenstadt und Bereiche Kritischer Infrastrukturen, wie das hiesige Umspannwerk sowie die Polizeistation. Zudem wurde das Einströmen der Fluten in den Stadtkern gemindert. Dabei lobte er zugleich die unermüdliche Hilfsbereitschaft der Zivilbevölkerung sowie die Arbeit von Feuerwehr, THW, Bundeswehr und Hilfsorganisationen.

Den Erfahrungen aus dem Hochwassereinsatz des Katastrophenschutzes 2013 an der Elbe schloss sich Prof. Dr. Robert Jüpner, TU Kaiserslautern, an, bei denen er als wasserwirtschaflticher Berater für die Bundeswehr fungierte. Er hob dabei die Tatsache hervor, dass sich die Einsatzkräfte aufgrund vieler neuer Situationen (Deichruch bei Fischbeck, Stadtteilflutungen) neuen Herausforderungen – auch künftig – zu stellen hatten und reichlich Improvisationstalent bewiesen. Der Einsatz von moderner Technik mache viele modelier- doch nichts zu 100 Prozent planbar. Er plädierte für mehr Präsenz der im Hochwassereinsatz beteiligten Instanzen in den entsprechenden Einsatzgebieten, um aus der Praxis für die Praxis zu lernen. Zugleich sprach er sich für einheitliche Strategien für den Umgang mit Extremwetterereignissen aus.

Jürgen Meyer, Bürgermeister der Samtgemeinde Elbtalaue berichtete von „seiner“ Städtegemeinschaft, die sich über 440 km² entlang von 40 km Elbegebiet mit 20 000 Einwohnern erstreckt. Aufgrund dieses Zusammenschlusses konnten ganzheitlich hilfreiche Maßnahmen im Hochwassergebiet umgesetzt werden, wie die Nutzung von Talsperren im Um- und Ausland sowie der Havel-Polder und weiteren Poldern sowie die Rückdeichung.

Einen Blick über den Tellerrand warf Hans Wiesenegger, Land Salzburg, mit seinem Vortrag zum Junihochwasser 2013 in Salzburg. Trotz Investitionen in Höhe von 130 Mio. Euro in den Jahren zwischen 2002 – 2013 hatten hiesige Einsatzkräfte mit enormen Schwierigkeiten im Einsatz sowie der EInsatzvorbereitung zu kämpfen. Der Grund: Kommunikationsprobleme. Die interne, fachspezifische Kommunikation wurde von der „Außenwelt“ nicht verstanden und entsprechend nicht umgesetzt. Hier sieht er dringenden Nachholbedarf und sprach sich für die Erweiterung und Anpassung von Kommunikationsmodellen für die Zukunft aus.

Empfehlungen für die Akteure nach den Lehren der Hochwasserereignisse 2002/2013 formulierte Prof. Dr. Annegret Thieken, Universität Potsdam und skizzierte Veränderungen in der privaten Hochwasservorsorge. Erkenntnisse aus dem BMBF-geförderten Projekt „Untersuchungen zur Bewältigung des Hochwassers 2013“ lauten dabei folgendermaßen: Schadenskompensation gilt es, mit der Vorsorge zu koppeln. Ein Schadensfall motiviert zur Vorsorge – doch da ist es bereits zu spät. Risikokommunikation muss künftig als Zwei-Wege-Kommunikation umgesetzt werden.

Mit den Aspekten Gebäude- und Baukonstruktionen unter Hochwassereinfluss sowie Schadenserfahrung, -abschätzung und -minderung befassten sich Peter Zeisler, Ruiz, Rodriguez, Zeisler und Blank Gbr., und Thomas Naumann, Leibniz-IÖR Dresden.

Bettina Falkenhagen von der VDS Schadensverhütung GmbH erörterte den Aspekt Versicherung und Überschwemmung. Dabei stellte sie die GDV-Programme ZÜRS (für Versicherungsunternehmen; 2003) und ZÜRS Public, für die Nutzung der Allgemeinheit im Rahmen der deutschen Anpassung an den Klimawandel, vor. Somit sollen die Schadenssummen der Versicherer gesenkt werden, die 2013 aufgrund der Flutereignisse einen Gesamtschaden von 1,8 Mrd. Euro decken mussten, von dem mehr als 53 000 Schadensfälle allein in Sachsen verzeichnet wurden.

Dörte Aller, Aller Risk Management, referierte zum Thema Schutz von Objekten – auch wenn das Gefährdungsbewusstsein fehlt. Hierbei besonders markant: eine flächendeckende Risikoerfassung fehlt! Das führe mit dazu, dass auf Seiten der Bevölkerung kein Gefährdungsbewusstsein vorherrsche.

Dr. Martin Cassel, UDATA Umwelt & Bildung, nahm das Thema Bürgerbeteiligung als Vortragsschwerpunkt. Er sprach sich für die aktive Einbindung der Bevölkerung in den Hochwasserschutz aus, die durch Workshops und die Einbindung durch Kartenabfragen erreicht werden können. So könnten beispielsweise Hauptprobleme benannt und Handlungsanweisungen abgeleitet werden und die Bürger würden sich in ihren Wünschen, Zielen und Vorstellungen ernst genommen fühlen.

Marc Scheibel vom Wupperverband sprach über die vielfältigen Aufgaben im Wasserverband und des Hochwassermanagements. Besonders problematisch seien in diesem KontextExtremausprägungen von Starkregenereignissen. Erklärtes Ziel beim Hochwasserrisikomanagement ist es, Anleitungen zur Selbsthilfe zu geben, um das Risikobewusstsein und die Eigeninitiative der Bevölkerung zu fördern.

Abschließend hielt Wettermann Sven Plöger unter großem Zuspruch den Festvortrag zum Thema Auswirkungen der Klimaänderung auf Starkregen und Hochwasser.

Der zweite Seminartag widmete sich thematisch den Themen Überregionales Hochwasserrisikomanagement und Kommunikation im Hochwassermanagement. Prof. Dr. Uwe Grünewald, BTU Cottbus, widmete sich der Frage nach dem Kreislauf des Hochwasserrisikomanagement zwischen Hochwasservorsorge und -bewältigung. Dr. Walter Pflügner, PlanEVAL München, referierte zum Thema Hochwasservorsorge und DWA-Audits. Dr. Manuela Gretzschel, Ministerium für Umwelt und Verbraucherschutz Saarland, richtete den Fokus auf das Hochwasserrisikomanagement in Saarland. Dr. Anne Schulte-Wülwer-Leidig, Internationale Kommission zum Schutz des Rheins, skizierte Chancen und Risiken des Internationalen Hochwasserrisikomanagements am Rhein.

Im zweiten Themeblock widemte sich Dorothea Will, Universität Passau, dem Potential und den Risiken des Einsatzes von Social Media bei der Koordination freiwilliger Hochwasser-Helfer am Beispiel von „Passau räumt auf!“. Sven Mildner, Hochwasserhilfe Dresden,sprach über die Bürgerbeteiligung beim Hochwasserkampf und die Chancen und Risiken einer kollaborativen Internetplattform zur Koordination freiwilliger Helfer. Jens Olaf Seifert, Umweltamt Dresden, erörterte den Aspekt des menschlichen Faktors in der Hochwasservorsorge und -abwehr. Dr. Marlene Willkomm, Stadtentwässerungsbetriebe Köln, AöR, befasste sich mit dem Thema Managementsysteme im Hochwassereinsatz. Abschließend setzte sich Prof. Dr.-Ing. Heribert Nacken, RWTH Aachen, mit dem Aspekt Kommunikation im Hochwassermanagement auseinander.

(SH)

Bildnachweis: Elbe-Hochwasser in Dresden im Juni 2013, flexible Hochwasserschutzwand an der Böcklinstraße bei Pegelstand 8,60 m. Im Hintergrund ist die Molenbrücke Dresden-Pieschen zu sehen. (Bild: MatthiasDD/wiki commons)