Der vorliegende Beitrag befasst sich mit den Themenbereichen Katastrophen- und Veterinärmedizin, die im Rahmen des Gesundheitlichen Bevölkerungsschutzes eine essentielle Rolle und innerhalb der AKNZ einen Schwerpunkt im Fachbereich Wissenschaft, Technik und Gesundheit einnehmen.

Katastrophenmedizin

Auch wenn es bundesweit bereits viele Konzepte für die Bewältigung eines Massenanfalls von Verletzten (MANV) gibt, so stellen diese Situationen für die ersteintreffenden Kräfte immer eine Ausnahmesituation dar. Doch gerade in der Frühphase (den ersten 30 Minuten) eines Einsatzes müssen die richtigen Entscheidungen getroffenen werden, um möglichst viele Patienten retten zu können, die vital bedroht sind.
Um die Helfer im Bevölkerungsschutz auf diese Situationen vorzubereiten, setzt der Bereich Katastrophenmedizin hier derzeit einen methodischen Schwerpunkt mit der Anwendung und Verbreitung der dynamischen Patientensimulation. Dieses Ausbildungswerkzeug wird den Hilfsorganisationen und den Landesfeuerwehrschulen durch das BBK nach Schulung in der AKNZ zur eigenen Nutzung und Weiterverbreitung zur Verfügung gestellt. Es ermöglicht, MANV-Übungen kostengünstig und wetterunabhängig vor Ort und auch in Dienststellen mit geringen personellen und materiellen Ressourcen durchzuführen. Wichtig ist hierbei die Hinterlegung der realen Materialbevorratung, um die Helfer unter realitätsnahen Bedingungen mit dem eigenen (simulierten) Material üben zu lassen.
Aufbauend auf der dynamischen Patientensimulation werden auch Führungskräfte (Führer Patientenablage, Organisatorischer Leiter Rettungsdienst (OrgL) Leitender Notarzt (LNA)) durch ein weiteres Simulationssystem, die „Führungssimulation“, auf ihre Aufgabe im entsprechenden Einsatzabschnitt vorbereitet. Wichtiger Grundsatz ist auch hier das realitätsnahe Üben mit den Kräften und Gegebenheiten, wie sie im entsprechenden Landkreis oder der Stadt vorliegen. So können die Teilnehmer Stärken und Schwächen ihrer eigenen Konzepte erkennen und ggf. entsprechende Maßnahmen einleiten.
Beide Simulationssysteme kommen auch im Seminar „Ärztliche und rettungsdienstliche Führungskräfte beim MANV I“ zum Einsatz und stoßen auf großes Interesse.

Abb. 2: Dynamische Patientensimulation.

Abb. 2: Dynamische Patientensimulation.

Da der Fokus der Aus- und Fortbildung der AKNZ auf großmaßstäblichen Katastrophenszenarien liegt, wird im Herbst 2013 ein neues Seminar durchgeführt, dass diesem Anspruch Rechnung trägt. Die komplexen Führungsabläufe sollen an Einsatzstellen mit 10 oder 15 Patientenablagen und weit mehr als 100 Patienten trainiert werden. Hierzu werden rund 50 Seminarteilnehmer, unterstützt von mehreren Einsatzleitwagen, das Szenario bewältigen. Mit Blick auf die Einführung der Medizinischen Task Force des Bundes sind solche Übungen notwendig geworden. Derartige Einsatzdimensionen werden auf örtlicher Ebene selten geübt, da sie – insbesondere als Vollübung – oftmals zu aufwendig und teuer sind.
Neben den Simulationen liegt ein weiterer Schwerpunkt auf der Verbesserung der Schnittstelle zwischen Polizei und Rettungsdienst/Sanitätsdienst bei Bedrohungslagen. Hierzu werden Polizisten und Rettungsdienstler gemeinsam im Seminar „Präklinisches Management besonderer Schadenlagen (Terror)“ geschult. Zielsetzung ist die Sensibilisierung der Teilnehmer für diese Bedrohungslagen, das Beüben von Lösungsstrategien und angepasste Einsatztaktiken. Zusätzlich wird die Frage erörtert: Wer und wie können Verletzte im polizeilichen Gefahrenbereich versorgt werden?
Dieses Seminar wird in enger Zusammenarbeit mit Spezialeinheiten der Polizei durchgeführt.
Ein weiteres aktuelles Themengebiet, in dem ein Trainingsbedarf besteht, ist die ärztliche Versorgung von kontaminierten Patienten. Hierzu bietet der Bereich Katastrophenmedizin das Seminar „Arzt im CBRN-Einsatz“ in enger Zusammenarbeit mit der Deutschen Gesellschaft für Katastrophenmedizin an. In diesem fünftägigen Seminar werden grundsätzliche Probleme des CBRN-Einsatzes, insbesondere in chemischen und radiologischen Lagen, aber auch spezielle medizinische Themen behandelt. Im Praxisteil lernt der Teilnehmer u. a. das Arbeiten unter Schutzbekleidung sowie die damit verbundenen Probleme des „handling“ und der Kommunikation kennen.
Aktuelle Einblicke in die Biologische Task Force des Robert-Koch-Instituts (RKI) und aus der Arbeitsmedizin eines Chemieparks runden das Vortragsangebot ab.

Themen:

  • Einsatztaktische ärztliche Maßnahmen
  • Raumordnung im CBRN-Einsatz
  • Ärztliche Gefährdungsbeurteilung und Schutzkonzeption
  • Ärztliches Einsatzmanagement im CBRN-Einsatz
  • Führen und Leiten im CBRN-Einsatz
  • Kommunikationsmanagement
  • Ressourcenmanagement
  • Praxistraining/Planübung
  • CBRN-spezifische Krankheits- und Verletzungsbilder, Biomonitoring
  • Medizinische Sofortmaßnahmen im Kontaminationsbereich und Dekon-Sichtung
  • Spotdekontamination und Wundversorgung vor der Verletztendekontamination
  • Aufbau, Betrieb und Arbeitsweise von Dekon-V-Einrichtungen
  • Psychosoziales Krisenmanagement
Abb. 3: Übung im Rahmen des Seminars „Präklinisches Management besonderer Schadenslagen (Terror)“.  (Bilder: AKNZ)

Abb. 3: Übung im Rahmen des Seminars „Präklinisches Management besonderer Schadenslagen (Terror)“.
(Bilder: AKNZ)

Veterinärmedizin

Im Rahmen des Gesundheitlichen Bevölkerungsschutzes gewinnt die Veterinärmedizin angesichts der Tatsache, dass es sich bei vielen Seuchenerregern ursprünglich um Zoonoseerreger handelt, d. h. Tierseuchenerreger, die aber das Potential haben oder durch Veränderungen künftig erwerben können, auch  auf den Menschen überzugehen, immer mehr an Bedeutung. Dem Tierseuchenkrisenmanagement kommt in diesen Fällen eine Schlüsselrolle zu.
An der AKNZ werden deshalb zum „Krisenmanagement im Veterinärwesen“ verschiedene Seminare angeboten, die sich insbesondere an folgende Zielgruppe richten:

  • Tierärzte aus den Fachverwaltungen auf Kommunal-, Länder- und Bundesebene,
  • Tierärzte der Task Forces und Epidemiologenteams der Länder,
  • Experten der Bund-Länder Task Force Tierseuchenbekämpfung.

Zu den Seminarangeboten zählen Fallstudien zu jeweils aktuellen Erregern von national bedeutsamen Tierseuchen, z. B. Maul- und Klauenseuche, Klassische oder Afrikanische Schweinepest oder auch Aviäre Influenza A H5N1 („Vogelgrippe“).
In Zusammenarbeit mit dem zuständigen Fachressort und den Fachinstitutionen werden regelmäßig Expertenschulungen und Workshops im Rahmen der Bund-Länder Task Force Tierseuchenbekämpfung zu Spezialthemen durchgeführt. Damit soll für diese Gruppe, die im Tierseuchenfall zur Unterstützung der lokalen Behörden angefordert werden kann, ein Beitrag zu einem länderübergreifenden vergleichbaren Wissensstand geleistet werden.
Abgerundet wird das Programm mit einem jährlichen Erfahrungsaustausch der Obersten Veterinärbehörden.
In Zukunft soll die interdisziplinäre Zusammenarbeit der Akteure aus dem Bereich Veterinärwesen, Lebensmittelsicherheit und Öffentlicher Gesundheitsdienst (ÖGD) in Seminaren und Workshops stärkere Berücksichtigung finden.

Anschrift für die Verfasser:

Friedrich_AKNZ_webDr. Dorothee Friedrich
Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe
Akademie für Krisenmanagement, Notfallplanung und Zivilschutz
Lehrbereichsleiterin IV.4 – Wissenschaft, Technik und Gesundheit
Ramersbacher Str. 95, 53474 Bad Neuenahr-Ahrweiler
E-Mail: dorothee.friedrich@bbk.bund.de
www.bbk.bund.de

 

Dr. rer. nat. Dorothee Friedrich

1973 – 1979: Studium der Lebensmittelchemie und Hauptprüfung für Lebensmittelchemiker an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (WWU)
1980 – 1986: Promotionsstudium Biochemie / Tätigkeit als Wissenschaftliche Hilfskraft am Institut für Biochemie der WWU
1986: Promotion zum Dr. rer. nat. im Hauptfach Biochemie, Nebenfächer Lebensmittelchemie/Mikrobiologie
1983: Erste Staatsprüfung für das Lehramt Sekundarstufe II in den Fächern Lebensmittelchemie/Chemie
1986: Zweite Staatsprüfung
Seit 1986: Lehrbereichsleiterin ABC-/Veterinärwesen an der Katastrophenschutzschule des Bundes in Bad Neuenahr-Ahrweiler
Seit 2002 Leiterin des Lehrbereiches „Spezialwissenschaften im Bevölkerungsschutz“ des jetzigen Fachbereich Wissenschaft, Technik und Gesundheit, an der Akademie für Krisenmanagement, Notfallplanung und Zivilschutz (AKNZ), der die Fachgebiete CBRN-Gefahrenmanagement, Gesundheitlicher Bevölkerungsschutz, Psychosoziales Krisenmanagement, Veterinärmedizin, Informations- und Kommunika­tionsmanagement sowie Kulturgutschutz umfasst.