Experten sind sich einig: Zumindest in Bezug auf die Risiken bei einem großflächigen Stromausfall (Blackout) muss sich der Katastrophenschutz in Deutschland noch zukunftsfähiger aufstellen. Einzelne Berufsfeuerwehren entwickeln bereits Konzepte, um mit solchen Lagen umgehen zu können. So wird beispielsweise bereits heute in Berlin und Hannover mit Hilfe des TankNotStrom-Systems die Resilienz von Kommunen gegenüber einem Blackout nachhaltig erhöht. Sie folgen dem Prinzip: „Vor die Lage kommen“, oder anders formuliert: „Probleme lösen, bevor Sie entstehen“. Der dafür notwendige Paradigmenwechsel kann auch dazu führen, Versorgungssicherheit als ein neues Geschäftsfeld für Kommunen zu erschließen.

Die Daseinsvorsorge ist in Deutschland ohne elektrischen Strom in Gefahr. Keine Kritische Infrastruktur funktioniert ohne Energie. Die IT, aber auch sämtliche Mess- und Regeltechnik, lässt sich ohne Strom nicht mehr ansteuern bzw. betreiben. Die Kommunikationsnetze sind nur für kurze Zeit gepuffert und fallen nach und nach aus. Nur wenige Tage ohne Elektrizität und es kann zu katastrophalen Zuständen kommen, wenn zum Beispiel Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen ohne Strom sind.

Nicht nur Naturkatastrophen oder Anschläge können zu großflächigen Stromausfällen führen. Systembedingte Stromausfälle, beispielsweise durch Überlastung der Netzinfrastruktur, könnten im Zuge der Energiewende häufiger auftreten. Nach einer Studie der Deutschen Gesellschaft für Reaktorsicherheit sind längerfristige Stromausfälle nicht auszuschließen. Die Dauer dieser Ausfälle und die Folgen sind eine Gefahr für Kritische Infrastrukturen, wie die Ausfälle im Jahr 2015 in der Türkei und den Niederlanden gezeigt haben.

In Deutschland haben sich Forscherinnen und Forscher im Rahmen des Programms „Forschung für die zivile Sicherheit“ der Bundesregierung intensiv mit den Ursachen und Hintergründen von Stromausfällen auseinandergesetzt und beispielsweise in den Forschungsprojekten „TankNotStrom“ und „Katastrophenschutz-Leuchttürme“ zusammen mit Experten aus der Praxis konkrete Lösungen für den Katastrophenschutz bei einem Blackout entwickelt.

Vor die Lage kommen

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Abb. 2: Mobile Kommunikationseinheit (MKE) zur
Sicherstellung der (Kraftstoff-)Logistik im TankNot-
Strom-System (Bild: KomRe AG)

Kritische Infrastrukturen – wie Wasserversorgung, Krankenhäuser und Pflegeheime, Kommunikationssysteme etc. –, die bei einem Blackout nicht ausreichend mit Notstrom versorgt sind und nach kurzer Zeit ausfallen, führen unweigerlich zu Problemen bei den Katastrophenschutzorganisationen. Die Berufsfeuerwehren in Berlin und Hannover leisten mit Hilfe des TankNotStrom-Systems einen entscheidenden Beitrag dafür, dass Kritische Infrastrukturen auch bei einem Blackout funktionsfähig bleiben. Das TankNotStrom-System versetzt sie in die Lage, die Kraftstoffreserven der gesamten Prozesskette vom Notstromaggregat, bzw. der Tankstelle, über den Tankwagen bis hin zum Tanklager jederzeit überprüfen und organisieren zu können. Ein vollständig von der normalen Stromversorgung unabhängiges, notstromversorgtes Kommunikationsnetz, eigene Sendeanlagen, gespeist durch eigene Notstromaggregate, erprobte Funktechnologie im zwei Meter Band (VHF Radio Spektrum) sowie die Möglichkeit zur bi-direktionalen Datenübertragung bzw. Kommunikation auf Basis eines sicheren Kommunikationsnetzes bieten den Verantwortlichen die Sicherheit, dass die Kritischen Infrastrukturen auch bei einem längeren Stromausfall funktionsfähig bleiben. Auch die Berliner Wasserbetriebe als Betreiber Kritischer Infrastrukturen haben dies erkannt und sichern bereits die Wasserversorgung in der Hauptstadt für mehr als 3,5 Millionen Einwohner und Besucher mit Hilfe dieses Systems ab. Zusätzlich erhalten sie eine direkte ausfallgeschützte Kommunikationsverbindung zur Feuerwehr bzw. zum Katastrophenschutz, was in Zeiten von BOS-Digitalfunk sonst nicht ohne weiteres möglich ist. Mit dem TankNotStrom-System erhalten die Katastrophenschutzorganisationen somit die Chance, für den Fall längerer Stromausfälle vorzusorgen.

Pflicht zur Notfallvorsorge

Auf Grundlage des Katastrophenrechts kann im Fall einer Katastrophe der kommunale Katastrophenschutz durch „Inanspruchnahme von Versorgungs- und Verbrauchsgütern“ Ressourcen übernehmen und erhält damit die Ressourcen-Hoheit. Um in solch einem Fall die Daseinsvorsorge Kritischer Infrastrukturen sicherzustellen, müssen die Kommunen jedoch in der Lage sein, auch die (Logistik-)Prozesse zu beherrschen (Prozess-Hoheit). Voraussetzung dafür ist eine autarke, ausfallgeschützte Kommunikationsinfrastruktur, wie sie das TankNotStrom-System bietet.

Bei einem Blackout kann die Kommune über die Stadtwerke, die örtliche Feuerwehr oder andere Katastrophenschutzorganisationen mit dem zu installierenden Kommunikationsnetz des TankNotStrom-Systems sämtliche Notstromaggregate überwachen und die kommunale Kraftstoffverteilung managen. Die Kommune kann diese Versorgungssicherheit sämtlichen Betreibern von Notstromaggregaten und Blockheizkraftwerken (BHKWs) im Sinne einer Vorsorgeleistung exklusiv anbieten und damit Einnahmen erzielen. Die eigene ausfallgesicherte Kommunikationsinfrastruktur bietet darüber hinaus die Möglichkeit zur Erschließung weiterer Geschäftsmöglichkeiten. Das System ist ein wichtiger Beitrag zum Aufbau sicherer Smart-Cities.

Die KomRe AG als Ausgründung der TimeKontor AG führt derartige Systeme in Kommunen, bei Katastrophenschutzorganisationen und Berufsfeuerwehren sowie Kritischen Infrastrukturen ein und hilft, den dafür erforderlichen Paradigmenwechsel zu vollziehen. Im Fall eines Blackouts können die vom Katastrophenschutz der Kommunen überwachten und versorgten Notstromaggregate (und auch BHKWs) „Leuchtende Inseln der Sicherheit“ werden.

Rahmenprogramm „Forschung für die zivile Sicherheit“

Das Forschungsprojekt TankNotStrom ist vom Bundesforschungsministerium im Rahmenprogramm „Forschung für die zivile Sicherheit“ der Bundesregierung gefördert worden.

In diesem Programm haben Akteure aus Wissenschaft und Wirtschaft gemeinsam mit Anwendern, wie Feuerwehr, ­Polizei und Ordnungsbehörden, an innovativen Lösungen geforscht, die sich in die Praxis umsetzen lassen und zu unserer Gesellschaft passen. Seit 2007 wurden im Sicherheitsforschungsprogramm für mehr als 230 Projekte über 460 Millionen Euro Fördermittel zur Verfügung gestellt.
Weitere Informationen finden Sie unter www.sifo.de

Aufmacherbild: Blackout in Berlin. (Bild: TimeKontor AG)

Thomas Leitert

Anschrift des Verfassers :
Thomas Leitert
Projektkoordinator TankNotStrom
KomRe AG
Templiner Str. 16, 10119 Berlin
Tel.: 030/390087-20
E-Mail: thomas.leitert@komre.de