Vielfältiger Einsatz von InfrarotKameras

Mit der Messung und graphischen Darstellung von Oberflächen- und Körpertemperaturen stellt die Infrarot-Thermographie ein Verfahren dar, dessen vielfältigem Nutzen sich Angehörige von Katastrophenschutz bis hin zu Sicherheitsexperten zur Anlagenvermessung energietechnischer Anlagen bedienen.

Auf Basis der Infrarotstrahlung werden Temperaturverteilungen auf Flächen und Gegenständen detektiert und die von einem Sensor aufgenommene Wärmestrahlung in ein Wärmebild umgewandelt. Durch das Auswerten dieser Temperaturinformation werden nicht sichtbare Strukturen erkannt und mit Hilfe von Schwarz/Weiß- oder künstlich erzeugten Farbbilden für das menschliche Auge erkennbar dargestellt. Heutige hochleistungsfähige Thermographie-Systeme, Wärmebildkameras genannt, liefern detailgetreue, temperaturkalibrierte Wärmebilder. Aufgrund ihres geringen Gewichts und ihrer geringen Größe als Kompaktlösung lassen sich diese Geräte gut handhaben und in den alltäglichen Einsatz integrieren.

Einsatzmöglichkeiten für die Feuerwehr

Wärmebildkameras sind in vielen Einsatzlagen von großem Nutzen und bieten eine Vielzahl von Einsatzmöglichkeiten. Im Feuerwehreinsatz werden diese zur Lagebeurteilung herangezogen, denn hierbei kann eine Wärmebildkamera schnell einen Überblick der vom Brandereignis betroffenen Bereiche geben. Darüber hinaus lässt sich die Wärmestrahlung auf umliegende Objekte darstellen, was der Einbeziehung in einsatztaktische Überlegungen dient. Auch bei der Brandbekämpfung innerhalb von Gebäuden kommt die Infrarot-Thermographie zum Einsatz, bietet sie doch eine bessere Orientierung des Angriffstrupps bei erschwerten Sichtverhältnissen durch Rauch und ermöglicht auf diese Weise ein schnelleres vordringen zum Einsatzort. Zudem ist eine schnelle Identifikation von Brandherden dank des bildgebenden Verfahrens möglich. So lassen sich beispielsweise Glutnester zuverlässig auffinden. Für die Personensuche werden Wärmebildkameras aufgrund der Detektion menschlicher Wärmesignaturen ebenfalls eingesetzt. Auch hier sind die Einsatzmöglichkeiten vielseitig – sie reichen von der Suche von eingeschlossenen, verschütteten oder in verrauchten Gebäuden desorientierten Opfern über die Suche nach verunfalltem Feuerwehrpersonal bis hin zur Personensuche in weitläufigem Gelände bei Dunkelheit. Darüber hinaus finden thermographische Messungen Anwendung bei der Füllstandkontrolle von Tankanlagen, zum Aufspüren von Wasserleitungen, zur Detektion von Leckagen bei Gefahrgut oder für Kontrollaufgaben im Umweltschutz.

Abb_2_Elektroschuetz

Polizeiliche Ermittlungen

Mit Hilfe stationärer und mobiler Wärmebildkameras betreibt die Bundespolizei die Überwachung von Grenzabschnitten, so dass illegale Grenzübertritte erkannt und geahndet werden können. Aufgrund der Wärmesignatur von Menschen und Tieren sowie kurz zuvor verlassener Lagerstädten lassen sich entsprechende Bewegungsmuster sowohl im Dunklen als auch bei widrigen Wetterbedingungen sichtbar machen. Darüber hinaus erleichtern Thermographie-Kameras die Suche nach vermissten bzw. verirrten Personen oder flüchtigen Verbrechern innerhalb zuvor eingegrenzter Bereiche.

Im militärischen Bereich haben sich Wärmebildgerätes ebenfalls bewährt, beispielsweise zu Beobachtungs- und Aufklärungszwecken bei Dunkelheit oder schlechter Sicht. Der Vorteil von Wärmebildgeräten gegenüber gängigen Nachtsichtgeräten ist die thermographische Auflösung der Umgebung ohne den sonst notwendigen Einsatz von Restlicht oder Infrarotscheinwerfern.

Energieversorger und Industrie

Brandschutz- und sicherheitstechnische Auflagen, die Gewährleistung der Versorgungszuverlässigkeit und ökonomische wie ökologische Rahmenbedingungen machen regelmäßige Inspektionen von Elektroenergieanlagen unabdingbar. Dabei sind thermografische Messungen zur Prüfung elektrischer Anlagen und mechanischer Systeme von hohem Nutzen. Zur Erhöhung der Versorgungsicherheit von Elektroenergieanlagen und Industriebetrieben kommen Wärmebildkameras deshalb zum Einsatz. Innerhalb industrieller Objekte sind das u. a. Rohrleitungen, Druckbehälter und Tanks, Kesselanlagen, Prozess- und Schmelzöfen, Rauchgaskanäle und Produkte der Komponentenfertigung in den verschiedensten Industriebetrieben.

Turnusmäßig durchgeführte Untersuchungen detektieren Verschleißerscheinungen, Materialermüdungen oder Seilbrüche anhand thermischer Erwärmungen bei der Stromübertragung – ohne Störung des laufenden Betriebs. Speziell geschultem Personal ermöglicht dies eine lückenlose Dokumentation von Anlagenzuständen und potentiellen Risiken. Darüber hinaus werden Schwachstellen und Schäden frühzeitig erkannt und können rechtzeitig wie zielgerichtet instand gesetzt werden. Dies führt neben einer Erhöhung der Anlagenverfügbarkeit auch zur Vermeidung von Folgeschäden und zur Reduzierung von Brand- und Unfallgefahren und dient dem Umweltschutz. Auch für den Gebäude- und Perimeterschutz werden Wärmebildkameras immer interessanter, da dem Einsatz für Sicherheitsanwendungen mit einer lückenlosen rund um die Uhr-Überwachung keine Grenzen gesetzt werden. Die Abbildung sämtlicher Aktivitäten in der Umgebung bei Nacht und bei allen Wetterbedingungen verschafft Anwendern auf diese Weise einen Zeitgewinn für die Reaktion auf potentielle Gefährdungssituationen.

Abb_3_Ungedaemmte_Aussenwand

Gebäudethermographie

Zur Klärung bautechnischer oder bauphysikalischer Fragen in und an Gebäuden wird die Infrarot-Thermografie in Deutschland inzwischen seit ca. 30 Jahren eingesetzt. Einsatzbereiche sind die Bauphysik und -konstruktion, die technische Gebäudeausrüstung sowie die Denkmalpflege. Mittels thermographischer Überprüfungen können Schwachstellen bei Wärmedämmungen von Häusern und in der Mauerwerkstruktur detektiert und Feuchtbereiche in Wänden und Dächern sowie Risse in Rohrleitungen zielgerichtet lokalisiert und anschließend behoben werden. So ermöglichen die Messergebnisse Aussage über die energetische Qualität der Gebäudehülle, vorhandene Wärmebrücken oder die Dichtigkeit der Fenster zu treffen.

Fazit

Der Nutzen von thermographischen Infrarot-Kameras seitens Feuerwehr, Polizei und Sicherheitsbeauftragten aus Industrie, Energieversorgung und Gebäudeschutz ist ebenso groß wie vielfältig. Insbesondere unter Berücksichtigung von technischem Fortschritt, Mobilität und Praktikabilität sind der Anwendung keine Grenzen gesetzt. Und so erleichtern Wärmebildkameras nicht nur den Anwendern die Arbeit, sie helfen Menschenleben zu retten, Sicherheitsrisiken aufzuspüren und kriminalpolizeiliche Einsätze zu verbessern und tragen somit zur Verbesserung der Sicherheit der Bevölkerung bei. (SH)