Arbeiten unter erschwerten oder gefährlichen Bedingungen hat schon immer besondere Anforderungen an die in diesem Umfeld getragene Kleidung gestellt. Selbstverständlich erfordern die Umgebungsbedingungen und die Aufgabenstellungen, in denen die Feuerwehren zum Einsatz kommen, eine eigene Schutzausrüstung. Von Anfang an wurde diese Schutzausrüstung vor allem in den Spezialbereichen, wie z. B. dem Schutz vor Hitze oder Chemikalien, differenziert ausgestaltet.

Seit Jahren ist aber auch für die Standardeinsätze bei Brandbekämpfung und Technischer Hilfeleistung eine große Dynamik in diesem Thema erkennbar. Nicht erst die letztjährige INTERSCHUTZ hat gezeigt, dass Schutzkleidung ein zentrales Thema in der Fachwelt geworden ist. Diese Entwicklung hat zwei wesentliche Faktoren. Einerseits sind es die Veränderungen in den Vorschriften des Arbeitsschutzes, andererseits sind es die neuen Möglichkeiten der Textiltechnik, die diese hohe Veränderungsdynamik hervorrufen. Die gesellschaftliche Bedeutung von Sport–Freizeitkleidung, die mit besonderen Eigenschaften und modischem Design allgegenwärtig ist, darf als weiterer Faktor nicht unterschätz werden. Hier verbinden sich funktionale und modische Elemente, so dass mittlerweile ein eigenständiger Mode– und Wirtschaftszweig entstanden ist, der weit über den dafür vorgesehenen Einsatzzweck in entsprechenden Sport­arten hinausgeht.

Rechtliche Anforderungen

Maßgeblich für die Neubewertung der bisher verwendeten Schutzkleidungen sind die geltenden rechtlichen Anforderungen, die mittlerweile an die Schutzausrüstung gestellt werden. Die vor Jahren erfolgte Änderung der rechtlichen Systematik im Arbeitsschutz hatte enorme Konsequenzen für die Feuerwehren. Seither ist jede Kommune – und damit jede Feuerwehr – eigenverantwortlich für den Arbeitsschutz und somit auch für die Schutzkleidung. Jede Feuerwehr muss nun selbst entscheiden, welche erforderlichen Einsatzszenarien sie wählt, um die vorhandenen Gefährdungen zu ermitteln und die darauf angepasste Schutzkleidung zu bestimmen. Dabei müssen sowohl technische, organisatorische, hygienische und medizinische Aspekte des Arbeitsschutzes und die besonderen Gefahren der Einsatzstellen Berücksichtigung finden. Grundlage hierzu bilden die Gefährdungsbeurteilungen und entsprechende gesetzliche Vorschriften sowie Festlegungen von Verbänden und Einrichtungen, wie zum Beispiel der DGUV (Deutsche Gesetz­liche Unfallversicherung). In dieser sind alle gewerbliche Berufsgenossenschaften und die Unfallversicherungsträger der öffentlichen Hand zusammengeschlossen. Viele dieser Festlegungen sind bereits in einschlägigen Normen als Mindestanforderung mit den entsprechenden technischen Umsetzungen geregelt. Bedauerlicherweise sind die entsprechenden Regelungen so zahlreich – und haben auch noch eine Vielzahl an ergänzenden einschlägigen Schriften zu tangierenden Themen –, so dass eine Übersichtsdarstellung weit über die Möglichkeiten des hier zur Verfügung stehenden Platzes geht.

Textiltechnik

Die Entwicklungen der Kunstfasertechnologie haben die Möglichkeiten der Schutzkleidung stark erweitert. Grundsätzlich besteht moderne Brandschutzkleidung aus drei Lagen: einem Oberstoff, einer Membrane und einer Innenlage. Der Oberstoff stellt den Schutz vor der direkten Flammbeaufschlagung dar. Hierzu muss er einerseits eine starke Beständigkeit gegen Hitze aufweisen, soll aber andererseits durch seine Isolationswirkung keinen Hitzestau für den Träger der Schutzkleidung erzeugen. Die etablierten Hersteller entwickeln in immer schnellerer Folge verschiedenste Derivate ihrer Oberstoffe. Durch unterschiedliche Ausprägungen dieser beiden Faktoren kann hier je nach Gefährdungsanalyse die entsprechende Kombination aus Schutzwirkung und Komfort gefunden werden. Gleiches gilt für die Membrane. Auch hier müssen zwei unterschiedliche Anforderungen vereint werden: Einerseits der Schutz vor Nässe von außen, die der Oberstoff nicht nach innen durchlässt, und andererseits die Durchlässigkeit von Wasserdampf, der durch den Schweiß des Trägers der Schutzkleidung entsteht, von innen nach außen. Auch hier gibt es eine Vielzahl von unterschiedlichen Membranen, die diese Anforderungen in differenzierter Art erfüllen. Die Innenlage schützt die Membrane vor mechanischer Beschädigung von innen und trägt zudem durch eine Schweißbindung zum Komfort des Trägers bei. Alleine diese Darstellung macht deutlich, dass es eine nahezu unüberschaubare Anzahl von Kombinationen dieser drei Lagen und der daraus resultierenden Eigenschaften gibt.

Dazu kommen noch die verschiedenen Möglichkeiten der Konfektionäre, die diese drei Lagen nach weiteren Gesichtspunkten zum endgültigen Kleidungsstück zusammenbauen. Zusätzliche Features, die von verschieden Polsterungen bis hin zu Verstärkungen gegen Abrieb reichen oder Anbauteile, wie Taschen, Karabiner oder Ersatzsysteme für den Feuerwehrhaltegurt, kommen hinzu. Gleichzeitig ist die Entwicklung der Kunstfasertechnologie so weit fortgeschritten, dass auch verschiedene Farben in unterschiedlichen Kombinationen Verwendung finden können.
Dabei sind Punkte, wie Zulassungsprüfungen, richtiges Waschen, erforderliche Pflege, Reparaturmöglichkeiten, Haltbarkeit oder optimierte Unterbekleidung noch gar nicht erwähnt und steigern die Komplexität weiter.

Fazit

Die vielen beschriebenen Faktoren ergeben eine nahezu unendliche Fülle an Kombinationsmöglichkeiten für eine Schutzkleidung. Bedenkt man nun auch die Eigenverantwortung einer jeden Feuerwehr im Arbeitsschutz, ist es kein Wunder, warum es so viele verschiedene Produkte und Erscheinungsformen gibt. Nicht zu unterschätzen ist der modische Effekt, der durch die starke Verbreitung der Sportfunktionskleidung mittlerweile sogar in einem eigenen Modezweig Workerware durchschlägt. So ist es kein Wunder, dass die Schutzkleidung nicht mehr rein funktionale Rahmenbedingungen erfüllen muss, sondern zum CI der einzelnen Feuerwehren geworden ist und eine hohe Emotionalität hervorruft, frei nach dem Motto: „ Spieglein, Spieglein an der Wand, wer hat die Beste und Coolste im Land?“

Aufmacherbild: Feuerwehrbekleidung – vielfältiger Schutz vor Gefahren. (Bild: sct-24.com/pixelio.de)

Dipl.-Ing. Oberbranddirektor Wolfgang Schäuble

Wolfgang Schäuble Passbild

Anschrift des Verfassers:
Branddirektion München
An der Hauptfeuerwache 8
80331 München

geb. am 24. August 1962 in Radolfzell am Bodensee
1985 – 1992: Studium des Bauingenieurwesens an der Technischen Universität Kaiserslautern
1992 – 1994: Ausbildung zum höheren feuerwehrtechnischen Dienst als Brand­referendar der Branddirektion München
1994 – 1997: Abschnittsleiter in der Abteilung Vorbeugender Brandschutz, persönlicher Mitarbeiter des Dienststellenleiters der Branddirektion München
1997 – 2004: Abteilungsleiter Einsatz bei der Branddirektion München
Seit 2005: Leiter der Branddirektion München und Leiter der Gefahrenabwehr des Katastrophenschutzes in der Landeshauptstadt München
Seit 2006: Vorsitzender des Arbeitskreises Grundsatzfragen (AK-G) der Arbeitsgemeinschaft der Leiter der Berufsfeuerwehren Bund (AGBF Bund)