Internationale Statistiken, wie die Katastrophendatenbank EM-DAT oder NatCat-SERVICE der Münchner Rückversicherung, zeigen seit Mitte des vorigen Jahrhunderts weltweit einen langfristigen Anstieg der Auswirkungen von Katastrophen. Wie aus einer Mitteilung der Europäischen Kommission an das Europäische Parlament und den Rat vom 26.10.2010 hervorgeht, hat sich die jährliche Zahl der Katastrophen zwischen 1975 und heute weltweit um das Fünffache – von 78 auf knapp 400 – erhöht. In den letzten 20 Jahren waren demnach allein in Europa mehr als 29 Millionen Menschen von Naturkatastrophen betroffen, die wirtschaftliche Verluste in Höhe von 211 Mrd. EUR verursachten*. Diese nüchternen Zahlen zeigen deutlich, dass der Katastrophenschutz vor großen Herausforderungen steht, die sich nicht auf Naturkatastrophen beschränken, wenngleich diese das höchste Schadenspotenzial aufweisen.

Um die Sicherheit der Bevölkerung und des Gemeinwesens zu gewährleisten, hat sich auch das österreichische Bevölkerungsschutzsystem kontinuierlich an geänderte Rahmenbedingungen angepasst. Standen einst Schutzmöglichkeiten vor kriegerischen Ereignissen im Mittelpunkt der Zivilschutzvorsorgen, so legte man ab 1986 als Folge der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl lange Zeit ein Hauptaugenmerk auf Kernkraftwerksunfälle und andere große technische Störfälle. Mit den Anschlägen auf das World Trade Center in New York und den anschließenden Anschlägen auf öffentliche Verkehrsnetze in Europa hat sich das Bedrohungsszenario vor rund zehn Jahren neuerlich gewandelt. Oder besser gesagt: es wurde umfangreicher. Der Zivilschutz alter Prägung verlor angesichts dieser neuen Bedrohungen seinen Stellenwert. Neue Herausforderungen, wie die möglichen Folgen des Klimawandels oder übertragbare Krankheiten, stellen heute die Verantwortlichen abermals vor neue, teils aber auch vor alte, nur in ihren möglichen Auswirkungen noch größere Probleme.

Es haben sich aber nicht nur Bedrohungsbilder und Schutzziele geändert, auch die Systematik und Begrifflichkeiten haben eine inhaltliche und sprachliche Evolution durchlaufen. Der alte militärisch geprägte Begriff des Zivilschutzes ist immer stärker mit dem zivilen Katastrophenschutz bzw. der Katastrophenhilfe verschmolzen. Eine vollständige Trennung dieser Bereiche hat in Österreich nie existiert. Heute wird dieses Aufgabenfeld zunehmend durch den Terminus „Katastrophenmanagement“ beschrieben, das aus den auch international gebräuchlichen Elementen Vermeidung, Vorsorge, Bewältigung und Wiederherstellung besteht. Zivilschutz würde noch den Schutz der Bevölkerung im militärischen Anlassfall mit einschließen. Jedoch sind konventionelle Angriffe in der österreichischen Sicherheitsstrategie als „auf absehbare Zeit unwahrscheinlich“ beschrieben worden.

Abb. 1: Informationsveranstaltung des österreichischen Zivilschutzverbandes. (Bild: Österreichischer Zivilschutzverband)

Abb. 1: Informationsveranstaltung des österreichischen Zivilschutzverbandes.
(Bild: Österreichischer Zivilschutzverband)

Das Fundament des Österreichischen Katastrophenmanagements

In organisatorischer Hinsicht gliedert sich das österreichische Katastrophenmanagement in fünf große Aktivitätsfelder, die in gegenseitiger Wechselwirkung zueinander stehen. Bestand der Zivilschutz einst aus den drei Säulen Bevölkerung, Behörde und Einsatzorganisation, so sind im modernen Katastrophenmanagement auch Wirtschaft und Wissenschaft wesentliche Akteure bzw. Handlungsfelder.

Vorkehrungen der Behörden

Katastrophenschutzbehörden sind in Österreich die Landesregierungen, die Bezirksverwaltungsbehörden und auch die Gemeinden (Bürgermeister). Im Zentrum ihrer Vorkehrungen stehen Vorbereitungen für die Einsatzleitung im Katastrophenfall und die damit verbundenen Lenkungs- und Koordinierungsaufgaben. Hierzu ge­hören die Ausbildung, die laufende Übungstätigkeit, die Erstellung von Katastrophenschutzplänen auf den Ebenen Gemeinde, Bezirk und Land sowie die technische und personelle Ausstattung von Behörden und Einsatzorganisationen. Hierunter fallen auch Vorkehrungen für die Warnung und Information der Bevölkerung, die finanzielle Grundausstattung der Einsatzorganisationen und die notwendigen gesetzlichen Rahmenbedingungen. Die Gesetzgebungskompetenz für das Feuerwehr- und Rettungswesen sowie für die Katastrophenhilfe liegt bei den Ländern. Dem Bund sind nur Spezialmaterien, wie das Gesundheitswesen, der Strahlenschutz oder das Rettungswesen im Bergbau, vorbehalten, die mittelbar durch Landesbehörden vollzogen werden.

Vorkehrungen der Einsatzorganisationen

Die Katastrophenbehörden stützen sich in der Katastrophenhilfe zum größten Teil auf ehrenamtliche Organisationen, insbesondere Feuerwehren und anerkannte Rettungsorganisationen, die zu Katastrophenhilfsdiensten der Behörden werden und ihren Weisungen unterliegen. Die Aufstellung der Katastrophenhilfsdienste wurde den ehrenamtlichen Organisationen übertragen, die im Fall der Feuerwehren überwiegend als Körperschaften öffentlichen Rechts bzw. im Rettungswesen in Form von Vereinen und GesmbHs eingerichtet sind. Aufgrund des hohen Leistungsgrades des Ehrenamtes ist es möglich, weltweit eines der dichtesten flächendeckenden Netze an Hilfeleistungseinrichtungen zu unterhalten. So verfügt Österreich beispielsweise über mehr als 4 800 Feuerwehren, davon nur sechs Berufsfeuerwehren in den großen Städten, und über 900 Rettungsstützpunkte. Insgesamt stehen rund 250 000 Aktive bei den Feuerwehren und über 40 000 ausgebildete Sanitäter zur Verfügung. Die überwiegende Abstützung auf die freiwilligen Leistungen der ehrenamtlichen Hilfs- und Rettungsorganisationen ist sicher eines der markantesten Merkmale dieses österreichischen Systems. Die Aufrechterhaltung des ehrenamtlichen Engagements im Katastrophenschutz ist somit auch eine strategische Schlüsselfrage für den Erhalt der Qualität des bestehenden Systems bzw. eine Frage von übergeordneter Bedeutung.

Vorkehrungen der Wirtschaft

Durch die Liberalisierung der Energie-, Telekommunikations- und Schienenverkehrsmärkte wurden aus einstigen Verwaltungseinheiten ausgelagerte private Betriebe. Die Sicherstellung der Versorgung der Bevölkerung, aber auch der öffentlichen Hand mit Grundfunktionen, wie Telekommunikation, Energie und Verkehrsdienstleistungen, ging somit gänzlich auf den freien Markt über, wenngleich in Österreich die Infrastrukturunternehmen noch zu einem gewissen Grad im staatlichen Eigentum stehen.

Die Krisenbevorratung ist in Österreich im Bereich der Erdölwirtschaft staatlich bzw. gesetzlich verpflichtend organisiert. In anderen Bereichen beschränkt sich der Staat darauf, bei marktbedingten Versorgungsstörungen, die über saisonale Verknappungen hinausgehen, mit Lenkungsmaßnahmen eingreifen zu können. Die Sicherstellung der Gasversorgung erfolgt durch die Importeure und Vertreiber.

Spätestens seit den Terroranschlägen von Madrid im Jahr 2004 wird in Europa auch dem Schutz kritischer Infrastrukturen vermehrt Bedeutung beigemessen. Neben einem Europäischen Programm zum Schutz kritischer Infrastrukturen (EPCIP) hat die österreichische Bundesregierung am 2. April 2008 auch ein nationales Programm zum Schutz kritischer Infrastrukturen (APCIP) verabschiedet.

Diese Programme bilden auch eine neue Basis für die Einbeziehung der Wirtschaft in das Krisen- und Katastrophenschutzmanagement. Hier liegen auch künftige Herausforderungen.

Beiträge von Wissenschaft und Forschung

Die breitere Einbeziehung der Wissenschaft in das Katastrophenmanagement vollzieht sich in erster Linie im Wege von Sicherheitsforschungsprogrammen auf nationaler und europäischer Ebene. In den vergangenen Jahren wurden für diesen Zweck umfangreiche finanzielle Mittel mobilisiert, wobei die Programme darauf abzielen, mögliche Nutzeranwender von Forschungsarbeiten von Anfang an einzubeziehen. Neben der EU-Sicherheitsforschung im 7. Rahmenprogramm wäre hier in erster Linie das österreichische Förderungsprogramm für Sicherheitsforschung KIRAS (www.kiras.at) zu nennen. Der systematischen Vernetzung von Wissenschaft und Forschung im Katastrophenschutzmanagement wird in Österreich in den letzten Jahren zunehmende Bedeutung beigemessen.

Vorkehrungen im Privatbereich – Selbstschutz

Alle Vorkehrungen der Behörden und der Einsatzorganisationen können Eigeninitiative und Eigenvorsorge nicht restlos ersetzen. Aufgabe des Staates ist es dabei, dem Bürger Hilfestellungen zu geben und ihn zur Eigenvorsorge zu motivieren. Dies geschieht durch eine umfangreiche Informations- und Aufklärungsarbeit z. B. Erste-Hilfe-Kurse, spielerische Vermittlung von Basiswissen in den Schulen, Bereitstellung eines umfassenden Informationsangebotes z. B.: Ratgeber für AKW-Unfall, Hochwasser, Unwetter, Pandemie, Störfälle, etc. wie auch durch Förderungen der öffentlichen Hand. Ein Weg der Vermittlung von Selbstschutz und Vorsorgedenken sind die in Österreich etablierten Sicherheitsinformationszentren bei den Gemeinden, die durch den Österreichischen Zivilschutzverband im Auftrag des BM.I betrieben werden (Abb. 1).

Abb. 2: Staatliches Krisen- und Schutzmanagement.

Abb. 2: Staatliches Krisen- und Schutzmanagement.

Koordination auf höchster Ebene – Das Staatliche Krisen- und Katastrophenschutzmanagement

Große Katastrophenereignisse im In- und Ausland, wie die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl im Jahr 1986 oder die Hochwasserkatastrophe in Österreich im Jahr 2002, haben mehrfach gezeigt, dass bei Großereignissen eine Gesamtkoordination über Verwaltungs- und Zuständigkeitsgrenzen der lokalen und regionalen Gebietskörperschaften hinweg erforderlich ist. Die Zahl der Akteure, die in ein gesamtstaatliches Katastrophenmanagement einzubeziehen sind, hat mit den komplexer werdenden Gefährdungen zugenommen; Katastrophenmanagement ist zunehmend organisationsübergreifend. Mit Ministerratsbeschluss vom 20. Januar 2004 wurde daher das „Staatliche Krisen- und Katastrophenschutzmanagement (SKKM)“ neu organisiert. Zentrales Koordinationsinstrument ist der SKKM-Koordinationsausschuss im Bundesministerium für Inneres. Den Vorsitz hat der Generaldirektor für die öffentliche Sicherheit. Im Koordinationsausschuss sind alle Bundesministerien und Bundesländer, Einsatzorganisationen und Medien vertreten. Ihm obliegt bei großräumigen Gefährdungslagen die Koordination und Abstimmung der auf Bundes- und Landesebene erforderlichen Maßnahmen. Der Ausschuss wird nicht nur im Anlassfall, sondern auch in der Grundsatzplanung koordinierend tätig (Abb. 2).

Bundeswarnzentrale

Die Bundeswarnzentrale (BWZ) des Bundesministeriums für Inneres ist die operationelle Basis des Bundes zur Koordination von Hilfsmaßnahmen bei Großschadensereignissen. Sie ist Bestandteil des Einsatz- und Krisenkoordinationscenters (EKC) und Informationsdrehscheibe für das Staatliche Krisen- und Katas­trophenschutzmanagement. Sie ist auch die Zentralstelle für das gemeinsame Warn- und Alarmsystem des Bundes und der Länder. Außerdem ist sie permanente Beobachtungsstelle des Strahlenfrühwarnsystems sowie zentrale Anlaufstelle für alle internationalen Katastrophenhilfeeinrichtungen. Die Landeswarnzentralen der neun Bundesländer Österreichs sind permanent besetzte Katastrophenschutzzentralen auf Landesebene. Ihre Aufgabe ist die Warnung und Alarmierung der Bevölkerung im Katastrophenfall sowie die Koordination der Einsatzkräfte bei Großkatastrophen im jeweiligen Bundesland.

Die Risikolandschaft Österreichs

Eine international feststellbare Tendenz im Katastrophenmanagement ist die zunehmende Hinwendung zu einem risikobasierten Ansatz. Einer systematischen Risikoanalyse kommt daher zunehmende Bedeutung zu. Auch die Europäische Union hat diesem Ansatz mit den Ratsschlussfolgerungen zum gemeinschaftlichen Präventionsrahmen vom Dezember 2009 und Leitlinien für die Risikoanalyse im Katastrophenschutz Rechnung getragen. In Österreich wird der Risikobetrachtung einerseits auf kommunaler Ebene zunehmend Gewicht gegeben, andererseits ist auch eine gesamthafte Risikoanalyse auf staatlicher Ebene anzustreben. Neben allgemein vorhandenen Risiken des Verkehrs, der Industrie oder der Energieerzeugung stehen in Österreich mit Abstand die Risiken durch Naturkatas­trophen an erster Stelle. Die Bedrohung durch Naturgefahren ist in Österreich höher als in anderen europäischen Ländern. Österreich verfügt mit 75 % der Gesamtfläche über den höchsten Alpenanteil aller mitteleuropäischen Staaten. 58 % der Staatsfläche sind Intensivzonen des Schutzes vor alpinen Naturgefahren, weitere 17 % sind extensiv von Wildbächen, Lawinen und Erosion bedroht. In Österreich wurden über 12 900 Wildbäche, rund 5 900 Lawinen- und über 800 Risikogebiete (Rutschung, Steinschlag) erfasst. Somit fallen 67 % des Bundesgebietes in den Betreuungsbereich der Wildbach- und Lawinenverbauung, in Vorarlberg, Tirol, Kärnten und Salzburg sogar mehr als 80 % der Landesfläche. In Österreich sind rund 35 000 Gebäude und 1 500 km Verkehrswege von Wildbächen bedroht.

Abb. 3: Donauhochwasser, Uferstraße der Donau bei Melk am 13.8.2002. (Bild: Robert W., Freiwillige Feuerwehr Küb, Österreich, Wikipedia)

Abb. 3: Donauhochwasser, Uferstraße der Donau bei Melk am 13.8.2002.
(Bild: Robert W., Freiwillige Feuerwehr Küb, Österreich, Wikipedia)

Eine Auswertung des Schadenspotenzials durch Hochwasser  ergab, dass in Österreich rund 242 000 Objekte in potenziell vom Hochwasser gefährdeten Zonen liegen, d. h. innerhalb der Zone des 200-jährigen Hochwasserereignisses. Rund 160 000 Gebäude liegen innerhalb der Zone des 30-jährigen Hochwasserereignisses und sind somit stark gefährdet (Abb. 3).

Angesichts dieser Bedrohungen hat sich zwar bei den baulichen Schutzmaßnahmen, den organisatorischen und planerischen Katastrophenvorkehrungen und den Abläufen der Hilfs- und Rettungseinsätze ein großes Know-how entwickelt. Es liegt aber auf der Hand, dass den potenziellen Auswirkungen des Klimawandels ­Beachtung geschenkt werden muss.

Klimawandel als künftige Herausforderung für das Katastrophenschutzmanagement

Der Klimawandel als globales Phänomen stellt die größte umweltpolitische Herausforderung des 21. Jahrhunderts dar. Es besteht wissenschaftlicher Konsens darüber, dass die Klimaänderung nicht mehr verhindert, sondern nur in ihrer Auswirkung gemindert werden kann. Für nahezu alle Regionen Europas werden Beeinträchtigungen erwartet, die für viele sozio-ökonomische und natürliche Systeme erhebliche Probleme darstellen werden. Selbst bei einer sofortigen signifikanten Reduktion bzw. einer Stabilisierung der Treibhausgasemissionen auf heutigem Niveau ist mit einem anhaltenden Temperaturanstieg in den nächsten Jahrzehnten zu rechnen. Für Europa sind bereits Auswirkungen des Klimawandels, wie der Rückzug der Gletscher, längere Vegetationszeiten, negative Effekte auf die Gesundheit aufgrund von Hitzewellen etc., dokumentiert. Deshalb müssen neben den unverzichtbaren Maßnahmen zur Senkung der Treibhausgasemissionen auch Strategien zur Anpassung entwickelt und umgesetzt werden.

Anpassungsstrategie

Im aktuellen Regierungsprogramm der Österreichischen Bundesregierung ist die Erarbeitung einer Klimawandelanpassungsstrategie unter Einbindung aller Stakeholder und Berücksichtigung internationaler Beispiele vorgesehen. Die Federführung bei der Entwicklung dieser österreichischen Anpassungsstrategie hat das Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft.

Ziel der Anpassungsstrategie ist es, die Bevölkerung und die Wirtschaft auf Veränderungen vorzubereiten, nachteilige Auswirkungen des Klimawandels auf Umwelt, Gesellschaft und Wirtschaft zu vermeiden und Optionen für den Schutz vor negativen Auswirkungen anzubieten. Der im Februar 2012 zur Begutachtung versandte Entwurf einer österreichischen Klimawandelanpassungsstrategie umfasst Handlungsempfehlungen in 14 Aktivitätsfeldern in verschiedenen Bereichen der Wirtschaft, Wissenschaft, Gesundheit und Verwaltung, so auch im Schutz vor Naturgefahren und im Katastrophenmanagement. Das Katastrophenmanagement ist aufgerufen, Überlegungen und Planungen anzustellen, um mit den künftigen Herausforderungen besser umgehen zu können. Hier wurden folgende Handlungsempfehlungen – gereiht nach der Priorität – ausgearbeitet:

  • Kontinuierliche Überprüfung, Anpassung und Umsetzung der SKKM-Strategie 2020 (siehe weiter unten) unter Berücksichtigung der Auswirkungen des Klimawandels.
  • Etablierung einer nationalen multisektoralen Kommunikationsplattform zur Risikoreduktion.
  • Schaffung und Erhalt geeigneter Rahmenbedingungen für ehrenamtliches Engagement im Bereich des Katastrophenmanagements.
  • Flexibilisierung von Finanzierungs- und Förderinstrumenten im Bereich des Katas­trophenmanagements.
  • Verbesserung der Risikokommunikation im Bereich der Katastrophenvorsorge.
  • Erweiterung des Ausbildungsangebotes im Bereich des Katastrophenmanagements.
  • Einheitliche Methodik zur Durchführung von Risikoanalysen.
  • Entwicklung partizipativer Methoden zur Integration aller Akteurinnen und Akteure im Bereich des Katastrophenmanagements.
  • Konzentration von Forschungsaktivitäten mit Bezug zum Katastrophenmanagement.

Strategische Vorgaben für die Zukunft

Abb. 4: Lawinenbremsbauwerk oberhalb von Mühlau in Innsbruck mit über 20 m hohem Damm, erbaut 2003-2007. (Bild: Hafelekar, eigenes Werk, Wikipedia)

Abb. 4: Lawinenbremsbauwerk oberhalb von Mühlau in Innsbruck mit über 20 m hohem Damm, erbaut 2003-2007.
(Bild: Hafelekar, eigenes Werk, Wikipedia)

Das österreichische Katastrophenmanagement hat eine lange und umfangreiche Erfahrung, vor allem im Umgang mit Naturkatastrophen. Es hat dabei seine Leistungsfähigkeit immer wieder unter Beweis gestellt. Die neuen Herausforderungen verlangen von den Verantwortlichen aber neue Antworten. Das Staatliche Krisen- und Katastrophenschutzmanagement hat daher eine „SKKM-Strategie 2020“ entwickelt, mit der auf künftige Herausforderungen, die im gemeinsamen Interesse von Bund und Ländern liegen, reagiert werden soll. Die Kernziele dieser vom Ministerrat am 28. Juli 2009 genehmigten Strategie sind:

Effizienzsteigerung und besseres Entscheidungsmanagement durch technische Innovationen

Die Wissensgesellschaft wird viele gesellschaftliche Bereiche und so auch das Katastrophenmanagement weiter verändern und neue Chancen eröffnen. Es fließt heute mehr Geld als je zuvor in die Sicherheitsforschung, aus der die Innovationen von morgen hervorgehen sollen. Diese müssen genutzt werden, indem wir vor allem der Entwicklung von Instrumenten Raum geben, die eine noch bessere und dynamischere Wissensgrundlage für Entscheidungsträger im Krisenmanagement verfügbar machen, um die Qualität von Entscheidungen zu verbessern und auf Krisen und Katastrophen noch besser reagieren zu können. Nationale und europäische Anstrengungen gehen hier Hand in Hand. Ein Beispiel hierfür ist der Aufbau eines nationalen Internetportals für das Katastrophenmanagement.

Förderung der organisationsübergreifenden Ausbildung

Trotz technischen Fortschritts sind und bleiben der Mensch und seine Fähigkeiten die zentralen Faktoren im Krisen- und Katastrophenschutzmanagement. Die Optimierung der Ausbildung von Führungskräften bei Behörden und Einsatzorganisationen ist daher ein weiteres vorrangiges Ziel der Strategie 2020. Hierbei soll vor allem die organisationsübergreifende Ausbildung, also insbesondere auch der gegenseitige Wissens- und Erfahrungsaustausch, im Vordergrund stehen. Solche Ausbildungslehrgänge werden an der Sicherheitsakademie des Bundesministeriums für Inneres angeboten.

Optimierung der Koordinationsstrukturen und bessere Vernetzung der Akteure

In einem föderalen staatlichen System wie in Österreich sind immer verschiedene Stellen am Katastrophenmanagement beteiligt. Funktionierende Strukturen der Kooperation und Koordination sind daher essentiell für einen reibungslosen Ablauf des Krisenmanagements. Es muss daher schwerpunktmäßig daran gearbeitet werden, die Aufbau- und Ablauforganisation weiter zu optimieren und vor allem auch Wirtschaft und Wissenschaft neben Behörden, Einsatzorganisationen und Bevölkerung noch stärker in die Strukturen des Krisenmanagements einzubinden.

Eine noch bessere internationale Vernetzung

Die weltweit steigende Anzahl an Katastrophen und deren Auswirkungen stellen die Staatengemeinschaft und so auch Österreich vor große Herausforderungen. Die Vereinten Nationen, die NATO/Partnerschaft für den Frieden und die Europäische Union haben internationale Hilfeleistungssysteme entwickelt, um rascher und effizienter auf Katastrophen reagieren zu können. Die Republik Österreich beteiligt sich durch das Bundesministerium für Inneres aktiv an Maßnahmen der internationalen Katastrophenhilfe im Rahmen dieser Hilfeleistungssysteme. Darüber hinaus hat Österreich mit mehreren Staaten, darunter auch mit der Bundesrepublik Deutschland, bilaterale Katastrophenhilfeabkommen abgeschlossen. In den letzten zehn Jahren hat sich Österreich an über 60 internationalen Unterstützungsleistungen mit Experten, Teams und „in kind contributions“ beteiligt.

Auf europäischer Ebene haben die vermehrt auftretenden Großkatastrophen der letzten Jahre Stimmen nach einer verstärkten Europäischen Katastrophenabwehr laut werden lassen. Im Vorschlag der Europäischen Kommission für einen „Beschluss über ein Katastrophenschutzverfahren der Union“, der Ende Dezember 2011 vorgelegt wurde, wurden innovative Ideen für eine effizientere Europäische Notfallabwehr präsentiert. Österreich wird sich aktiv an den Verhandlungen über den Beschlussvorschlag beteiligen und somit auch auf diesem Wege einen wertvollen Beitrag zur Optimierung der Europäischen Katastrophenabwehr leisten.

Anschrift des Verfassers:

OLYMPUS DIGITAL CAMERAMag. Siegfried Jachs
Bundesministerium für Inneres
Leiter des Referats II/4/a
Staatliches Krisen- und Katastrophenschutzmanagement sowie Zivilschutz
Minoritenplatz 9, 1014 Wien, Österreich
Tel. +43 / 1 / 53126-3432
E-Mail: siegfried.jachs@bmi.gv.at

 

 

Siegfried Jachs
geb. am 19. Mai 1965 in St. Oswald bei Freistadt

  • 1983: Matura in Freistadt
  • 1983 – 1988: Studium der Geschichte und Deutschen Philologie an der Universität Wien, Sponsion zum Magister der Philosophie
  • 1988 – 1989: Lektorat an der Universität Zadar (Kroatien)
  • 1991: Eintritt in den höheren Dienst im Bundeskanzleramt, Abteilung „Umfassende Landesverteidigung“
  • 2004: Postgradualer Lehrgang zur euro­päischen Integration für die öffentliche Verwaltung
  • 1998: Stv. Leiter der Abteilung „Staat­liches Krisenmanagement“ im Bundeskanzleramt
  • 2002: Leiter der Abteilung „Staatliches Krisenmanagement“ im Bundeskanzleramt
  • 2003: Übertritt in das BM.I, Leiter des ­Referats „Krisenmanagement, Katastrophenmanagement, Zivilschutz“
  • Vertreter des Bundesministeriums für ­Inneres in verschiedenen Gremien im ­Bereich des Krisenmanagements
  • Vortragstätigkeit an der Österreichischen Militär­akademie, Landesverteidigungsakademie, Sicherheitsakademie
  • Gastdozent an der Akademie für Krisenmanagement, Notfallplanung und ­Zivilschutz (D)
  • Leiter Subteam Krisen- und Katastrophenschutzmanagement bei der Euro08
  • Vorsitzender des Normungskomitees 246 „Integriertes Notfall- und Katastrophenmanagement“ am Österreichischen Normungsinstitut, Delegierter zu ISO TC 223 „Societal Security“ und CEN TC 391 ­„Societal and Citizen Security“
  • Vortragender an der Fachhochschule Wr. Neustadt, Masterstudiengang Strategisches Sicherheitsmanagement