Durch randalierende Fans und den zunehmenden Einsatz von Pyrotechnik und bengalische Feuer in Stadien rückt das Geschehen auf dem Spielfeld immer mehr in den Hintergrund. Ganz gleich, ob rivalisierende Fangruppen, Lokalderbys oder Ultra-Fanvereinigungen: quer durch alle Fußballliegen raucht und qualmt es in den Stadien – und die Urheber machen sich strafbar. Denn in Deutschland ist der Gebrauch von Pyrotechnik aufgrund der hohen Verletzungsgefahr in Stadien verboten – auch nicht unter kontrollierten Bedingungen.

Das Gros der Zuschauer geht ins Stadion, um das Fußballspiel live und in Frieden zu verfolgen. Doch gibt es zunehmend immer mehr Anhänger, die Pyrotechnik abbrennen, Raketen auf Zuschauer schießen und randalieren. Immer beliebter: Bengalische Feuer. Diese stehen aufgrund der intensiven Rauchentwicklung und Temperaturen zwischen 1 600 und 2 500 °C für ein hohes Sicherheitsrisiko. Verletzungen und akute Verbrennungen können sogar dann hervorgerufen werden, wenn kein direkter Kontakt mit dem Feuer entsteht. Ursprünglich fanden bengalische Feuer Verwendung bei der farbenfrohen Beleuchtung indischer Fürstenhöfe und entstammen der historischen Region Bengalen im heutigen Bangladesch. Doch seit den 1980er-Jahren werden bengalische Feuer von Fußballfans im Stadion entzündet. FIFA und UEFA verhängen hohe Geldstrafen gegen die beteiligten Vereine für das Entzünden von Pyrotechnik. Die Rechtslage in Deutschland ist eindeutig – in allen Sportstadien ist die Verwendung von bengalischen Feuern durch die Stadionordnung bzw. die Versammlungsstättenverordnung untersagt.

Welten prallen aufeinander

Pyrotechnik gehöre zur Fan-Kultur, um eine einzigartige Atmos-phäre auf den Rängen zu schaffen, so die Meinung der Ultras. DFB und DFL dagegen lehnen den Gebrauch von Pyrotechnik in Stadien kategorisch ab. Das Einschmuggeln oder Zünden von Pyrotechnik, bengalischen Feuern oder Knallkörpern ist strafbar und wird z. T. mit bundesweiten Stadionverboten geahndet. Bereits 2009 wurde das Pyrotechnikgesetz angepasst. Um dem Sicherheitsrisiko entgegenzuwirken, das vom Abfeuern von Pyrotechnik und bengalischen Feuern ausgeht, bildet die Polizei seit 2012 Spürhunde zum Aufspüren pyrotechnischer Gegenstände aus. Größtes Problem der „Bengalos“: Das Ablöschen gestaltet sich sehr schwierig: Das Ersticken mit Sand bzw. das Löschen mit Wasser oder Feuerlöschern ist oft nicht möglich.

Geldbußen als probates Mittel?

Quer durch die Republik und die verschiedenen Fußballliegen werden Geldbußen gegen diejenigen Vereine verhängt, deren Anhängerschaft durch das Abfeuern von Pyrotechnik auffällig geworden ist: So verhängte das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes e. V. beispielsweise im Mai 2014 eine Geldstrafe in Höhe von 12 000 Euro für den Zweitligisten Fortuna Düsseldorf aufgrund unsportlichen Verhaltens. Grund: In der Begegnung beim VfL Bochum am 23. Februar waren wiederholt Pyrotechnik und ein Bengalo im Düsseldorfer Block gezündet worden. Zweieinhalb Monate später zündeten Fortuna-Anhänger im Spiel beim Karlsruher SC Böller und brannten eine Rauchbombe ab.

Auch die Vereinsführung des 1. FC Köln sieht sich mit einer Geldstrafe konfrontiert: Fans setzten mehrfach Pyrotechnik ein und warfen Gegenstände aufs Spielfeld – 50 000 Euro Bußgeld sind die Konsequenz.

Gleich wegen drei Fällen unsportlichen Verhaltens wurde Drittligist Borussia Dortmund II vom DFB-Sportgericht mit einer 3 000-Euro-Geldstrafe belegt. Während des Spiels gegen die Stuttgarter Kickers am 21. März und vor der Partie bei Holstein Kiel am 3. Mai wurde im Dortmunder Zuschauerblock Pyrotechnik gezündet. In der Begegnung mit RB Leipzig am 13. April wurden aus dem BVB-Block Gegenstände auf das Spielfeld geworfen.

Auch in der Bundesliga sind Sanktionen des Sportgerichts des DFB gegen Vereine keine Seltenheit: Im Nordderby gegen den Hamburger SV am 1. März 2014 zündeten Bremen Fans mehrfach Pyrotechnik und bewarfen das Spielfeld mit Gegenständen. Eine Geldstrafe von 30 000 Euro und zusätzliche Investitionskosten in Sicherheitsvorkehrungen in Höhe von 10 000 Euro sind die Reaktion des DFB.

Kommunikation statt Konfrontation

Die Bundesliga ist beliebt wie nie zuvor. Die Vereine verbuchen Rekordabsätze von Eintrittskarten. In Europa ist die Deutsche Fußball Bundesliga in puncto Besucherzahlen führend gegenüber anderen Europäischen Ligen. Auch die Sicherheitsstruktur in deutschen Fußballstadien hat sich in den letzten zehn Jahren verändert. Mit der Ausrichtung der Fußballweltmeisterschaft 2006 hat sich die bauliche Infrastruktur in einer Vielzahl von Stadien, insbesondere in der 1. und 2. Bundeliga, verbessert. Sicherheitskonzepte wurden auf Seiten der Fußballverbände wie auch auf Seiten der Polizei stetig verändert, angepasst und professionalisiert. Doch spiegeln die zunehmende Polizeipräsenz und das Abfeuern von Pyrotechnik ein gesteigertes Schutz- und Sicherheitsbedürfnis bei Fußballspielen und das veränderte Verhalten gewaltbereiter Fans wider. Im Jahr 2010 tauschten sich Vereine, Fan-Organisationen und die DFL darüber aus, ob und wie Pyrotechnik zu legalisieren wäre – ergebnislos. Im November 2011 beendeten die DFL und der DFB die Diskussion um Pyrotechnik. Sehr zum Ärgernis der Fußballfans.

Nationales Konzept ,,Sport und Sicherheit”

1993 entstand das Nationale Konzept Sport und Sicherheit (NKSS) bedingt durch die häufigen Zwischenfälle zwischen den Fans auf der ganzen Welt. Nach dem Spiel zwischen dem FC Liverpool gegen Juventus Turin im Jahr 1985, bei dem 39 Menschen bei einer Massenpanik im Brüsseler Heysel-Stadion ums Leben kamen, war das Ziel der Fußballverbände, die zunehmende Randale zu unterbinden. Acht Jahre später wurde das NKSS gegründet. Heute gibt es knapp 50 % weniger Ausschreitungen als in den 1970er oder 1980er Jahren. Das NKSS wurde in den letzten Jahrzehnten immer wieder den aktuellen Entwicklungen angepasst (letztmalig 2012), wie z. B bei Aspekten zum Bau moderner Stadien unter Berücksichtigung von hohen baulichen Sicherheitsmaßnahmen, der Professionalisierung im Bereich der Ordnungsdienste oder der Erteilung bundesweit wirksamer Stadionverbote für Gewalttäter.

Fazit

Die Erfahrung zeigt: Reglementierungen und Sanktionen sind nicht der richtige Weg zum Verbannen von Pyrotechnik aus den Stadien und der Gewährleistung eines sicheren Stadionerlebnisses. Ein konstruktiver Austausch zwischen DFB, DFL, Vereinen, Verbänden und Fanvertretern sowie Fans scheint der richtige, um alle Beteiligte zum gemeinschaftlichen Erarbeiten eines entsprechenden Sicherheitskonzepts an den sprichwörtlich runden Tisch zu setzen. Schließlich ist Fußball die schönste Nebensache der Welt. Und diese sollte nicht durch Negativschlagzeilen, Sicherheitsrisiken oder Gesundheitsgefahren ge- bzw. zerstört werden.

(Sarah Heggen)

Aufmacherbild: Feuer(kraft) frei: Abschied nach dem letzten Flutlichtspiel im alten Stadion von Dynamo Dresden im Augustr 2006. (Bild: Ute Kawik/pixelio.de)