Erkenntnisse zur Anpassung aus Forschung und Praxis

Deit 2007 unterstützt die Strategische Behördenallianz „Anpassung an den Klimawandel“ durch ihre Forschungsarbeiten die Risikovorsorge der Organisationen im Bevölkerungsschutz. Im Fokus stehen Extremwetterereignisse, wie Starkniederschläge, die im Zuge des Klimawandels voraussichtlich noch an Häufigkeit und Intensität gewinnen.

Extremwetterereignisse bleiben den Betroffenen in der Regel noch lange im Gedächtnis. Überflutete Keller und Straßen, aber auch gesundheitliche Beeinträchtigungen sind es oftmals aus dem Blickwinkel der Bevölkerung, beschädigte Liegenschaften und unzureichende technische Ausrüstung vonseiten der Hilfsorganisationen, die den Bedarf nach einer besseren Vorbereitung auf zukünftige Ereignisse stärken. Neben den direkten Folgen sehen sich die Organisationen oftmals auch indirekt über den Ausfall Kritischer Infrastrukturen, wie Verkehrswege, Kommunikations- und Stromnetze, durch eine Einschränkung ihrer Einsatzfähigkeit betroffen. Nach Einschätzung vieler Einrichtungen des Katastrophenschutzes haben Stürme, lang anhaltende Hitzeperioden und Starkniederschläge in der jüngsten Vergangenheit vermehrt zu Einsätzen geführt. Klimaprojektionen für die Zukunft legen nahe, dass sich die Organisationen künftig an noch stärkere und häufigere Extremwetterlagen anpassen müssen.

Anpassung im Bevölkerungsschutz

Für die Organisationen im Bevölkerungsschutz zählt die Bewältigung von Schadenslagen durch Naturereignisse zu den täglichen Aufgaben, auf die sie grundsätzlich bereits heute gut eingestellt sind. „Wenn zukünftig häufigere und heftigere wetter- und klimainduzierte Katastrophenfälle eintreten, können neue Herausforderungen für den staatlich verantworteten Bevölkerungsschutz entstehen“, so die Aussage in der Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel (DAS) aus dem Jahr 2008. Auch unter diesen Vorzeichen also sollen die Einrichtungen ihre Aufgaben zum Schutz der Bevölkerung zuverlässig erfüllen können. Neben der Anpassung materieller und personeller Ressourcen kommen dabei gegebenenfalls auch Weiterentwicklungen in Einsatzkoordination, Übungsgeschehen, der Optimierung von Warnungen und Meldewegen sowie in der Information der Bevölkerung zu Selbstschutz und Eigenvorsorge auf die Organisationen zu. Gleichzeitig müssen im Rahmen der räumlichen Planung auf allen Ebenen Rahmenbedingungen geschaffen werden, um die Infrastruktur gegenüber den Auswirkungen des Klimawandels widerstandsfähig zu machen und die Risiken von Sturmschäden, Überflutungen und innerstädtischen Wärmeinseln zu minimieren.

Die Strategische Behördenallianz

Abb. 2: Mehr Einsätze durch Sturm und Hochwasser: Bereits heute zeigt der Klimawandel seine Auswirkungen. (Bild: Gabriele Schmadel/pixelio.de)

Abb. 2: Mehr Einsätze durch Sturm und Hochwasser: Bereits heute zeigt der Klimawandel seine Auswirkungen. (Bild: Gabriele Schmadel/pixelio.de)

Um diesen Herausforderungen zu begegnen, gründete sich 2007 die „Strategische Behördenallianz Anpassung an den Klimawandel“, in der das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK), das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR), der Deutsche Wetterdienst (DWD), die Bundesanstalt Technisches Hilfswerk (THW) und das Umweltbundesamt (UBA) zusammenarbeiten. Die Geschäftsstellenfunktion wird durch das BBK wahrgenommen. Inhaltlicher Schwerpunkt der Kooperation ist es, den gesellschaftlichen Umgang mit den Folgen des Klimawandels, insbesondere mit Extremwetterereignissen, zu verbessern – von der langfristigen, strategischen Planung bis hin zu kurzfristigen, operativen Maßnahmen. Zu diesem Zweck tauschen sich die beteiligten Behörden regelmäßig zu Themen der Anpassung an den Klimawandel im Rahmen ihrer jeweiligen Zuständigkeiten und Aufgabenstellungen aus und führen ihre Fachexpertise in Forschungsprojekten zusammen. Die Ergebnisse der gemeinsamen Arbeit fließen in die Umsetzung der DAS und des 2011 verabschiedeten Aktionsplans Anpassung (APA) sowie in deren Fortschreibungen ein. In den Gesamtprozess Anpassung an den Klimawandel sind alle beteiligten Behörden bereits eingebunden und insbesondere über die Arbeit an den Querschnittsthemen Bevölkerungsschutz und räumliche Planung miteinander vernetzt.

Gemeinsame Forschungsprojekte

Ausgewählte Ergebnisse eines ersten Forschungsprojekts, das die Auswirkungen des Klimawandels auf Häufigkeit und Intensität extremer Wetterereignisse in Deutschland detailliert untersuchte, wurden der Öffentlichkeit bereits Ende 2012 vorgestellt. Demzufolge ist insbesondere für die zweite Hälfte des 21. Jahrhunderts mit einer deutlichen Zunahme von Extremwetterereignissen zu rechnen. Nicht nur steigt die Zahl der Hitzetage, auch werden vor allem im Winter höhere tägliche Niederschlagsmengen und Spitzenwindgeschwindigkeiten erwartet.

Gerade kurzlebige, kleinräumige Starkregenereignisse mit ihren geringen Vorwarnzeiten und hohen Schadenspotenzialen stellen Feuerwehren, THW und Hilfsorganisationen bereits heute vor große logistische und personelle Herausforderungen (s. Abb. 1). Heftige Unwetter konfrontierten etwa die Stadt Münster am 28. Juli 2014 mit mehr als 200 Litern Regen pro Quadratmeter innerhalb weniger Stunden. Die registrierte Anzahl von rund 20 000 eingegangenen Notrufen im betreffenden Zeitraum verdeutlicht in etwa die Folgenschwere eines solchen Ereignisses, sowohl für betroffene Haushalte als auch Einsatzkräfte. Um noch besser für künftige Ereignisse gerüstet zu sein, ist es daher hilfreich, das Gefährdungspotenzial von Extremniederschlägen für die Bevölkerung und Infrastruktur abschätzen zu können. Maßgeblich hierfür ist eine möglichst genaue räumliche und zeitliche Verortung extremer Niederschlagsereignisse, kurz: Wo regnet es wie oft besonders stark und mit welchen Folgen? Um sich dieser Frage anzunähern, wird das erste Forschungsvorhaben derzeit durch ein Folgeprojekt zur Erstellung einer hochauflösenden flächendeckenden Niederschlagsklimatologie für Deutschland mithilfe von Radarmessungen ergänzt. Neben einer rein statistischen Auswertung des Niederschlagsgeschehens für die letzte Dekade stellt das Projekt auch die nutzerspezifische Aufbereitung der Projektergebnisse in den Vordergrund. Im Rahmen von Workshops wird Anwendern unter anderem aus Bevölkerungsschutz und räumlicher Planung die Möglichkeit geboten, Erfahrungen im Umgang mit Extremniederschlägen auszutauschen und Anforderungen an sinnvoll nutzbare Daten vorzubringen. Die erwarteten Ergebnisse können damit sowohl in der Einsatz- und Ressourcenplanung von Einsatzorganisationen als auch in der wassersensiblen Stadtentwicklung und Infrastrukturplanung die Entwicklung von Anpassungsmaßnahmen unterstützen.

Fazit

Neben der Wirkanalyse von Extremwetterereignissen auf die Bevölkerung kommt der Betrachtung von Folgen und Anpassungsmöglichkeiten für die Einsatzorganisationen eine besondere Bedeutung zu, denn die Sicherstellung ihrer Einsatzfähigkeit ist unabdingbare Voraussetzung für die gesamtgesellschaftliche Bewältigung und auch Vorbereitung auf zukünftige Ereignisse. Die Strategische Behördenallianz liefert durch ihre fachübergreifenden Forschungsarbeiten einen wichtigen Beitrag zur Identifizierung der Gefährdungspotenziale und zur Weiterentwicklung bereits bestehender Kompetenzen im Bevölkerungsschutz. Durch die Zusammenführung und stetige Erweiterung von Wissens- und Erfahrungsbeständen aus Forschung und Praxis werden Ansätze zur Anpassung an den Klimawandel entwickelt, die alle Betroffenen im Blick haben.

Aufmacherbild: Einsatz unter widrigen Umständen: Extremwetter belasten nicht nur Bevölkerung, sondern auch Einsatzorganisationen. (Bild: Jürgen Siekmann, Münster)

Christina Fichtner

Foto_Fichtner_Anschrift der Verfasserin:
Christina Fichtner
Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe
Provinzialstraße 93
53127 Bonn
Tel.: 0228/99550-3310

geb. 1984 in Darmstadt
2005 – 2007: Studium der Psychologie in Trier
2007 – 2013: Studium der Geographie in Trier und Bonn
Seit 2014: Mitarbeiterin im Projekt „Klimawandel und Bevölkerungsschutz“ im Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK)