Viel zu oft wird Sicherheit als naturgegeben angenommen. Dabei ist sie erst das Ergebnis genauer Planung, effizienter Schutzmaßnahmen sowie richtigen Verhaltens. Auch für den CHEMPARK ist sie Grundlage für Akzeptanz und Zukunftsfähigkeit der drei Standorte Leverkusen, Dormagen und Krefeld-Uerdingen. Dies gilt sowohl im Hinblick auf Anwohner als auch die vor Ort produzierenden Unternehmen.

Sicherheit ist ein wichtiger Faktor – sowohl für die Industrie als auch für deren Nachbarschaft. Für die Industrie bedeutet Sicherheit das störungsfreie Betreiben von Anlagen mit hoher Versorgungs- und Betriebssicherheit und damit Sicherung der eigenen Wertschöpfung. Die Anwohner hingegen erwarten sichere Arbeitsplätze und Anlagen, von denen keine Gesundheitsgefahren oder Belästigungen ausgehen. Aber letztlich wollen beide dasselbe: Ein prosperierendes und sicheres Unternehmen, von dem die ganze Region profitiert. Dies gilt auch für den CHEMPARK mit seinen drei Standorten in Leverkusen, Dormagen und Krefeld-Uerdingen.

Wer sich mit dem Thema Sicherheit beschäftigt, sollte verstehen, dass Sicherheit ein Grundbedürfnis des Menschen ist, über das nicht diskutiert werden kann. Es muss aber auch klar sein, dass kein Mensch eine hundertprozentige Sicherheit garantieren kann. Trotzdem muss eine kontinuierliche Verbesserung der Sicherheitsvorkehrungen angestrebt werden. Genau dies hat sich der Chemieparkbetreiber CURRENTA auf die Fahnen geschrieben. Auf Grundlage aktueller Erkenntnisse sowie Techniken wird das Sicherheitssystem ständig angepasst, um so das hohe Vertrauen der Nachbarschaft an den drei CHEMPARK-Standorten zu erhalten.

Bei CURRENTA gibt es sogar ein eigenes Geschäftsfeld „Sicherheit“. Dazu gehören neben einem zentralen Management die Bereiche Brandschutz mit den Sicherheitszentralen, der Werkschutz, der Gesundheitsschutz und die Arbeitssicherheit. Mehr als 750 Mitarbeiter sind in den genannten Bereichen beschäftigt – fast ein Viertel aller Mitarbeiter des Chemieparkbetreibers sorgen somit hauptberuflich für Sicherheit.

Grundlagen des CHEMPARK-Sicherheitskonzeptes

Um zu verstehen, wie Sicherheit im CHEMPARK geplant und umgesetzt wird, empfiehlt sich der Vergleich mit einer Pyramide. Das Fundament bildet die vorsorgliche und konstruktive Sicherheit, die bereits beim Bau einer Anlage ansetzt. Schon hier bewerten Sicherheitsexperten die Anlagensicherheit systematisch und treffen erste sicherheitsrelevante Entscheidungen, zum Beispiel über die Auswahl geeigneter Werkstoffe oder durch Auswahl geeigneter Abschaltsysteme. Als nächste Pyramidenebene darüber folgt die aktive Sicherheit, die den Betrieb von Schutz- und Überwachungssystemen und die gründliche Ausbildung der Mitarbeiter umfasst. Diese beiden Ebenen der Pyramide zielen darauf ab, Ereignisse zu verhindern. Sollte trotz aller Vorsorge etwas passieren, dann tritt die dritte Ebene der Sicherheitspyramide in Aktion – die reaktive Sicherheit. Dabei handelt es sich um die operative Gefahrenabwehr, die durch Auslösung und Koordination von Hilfs- und Rettungseinsätzen auf Basis einheitlicher, auch mit Behörden abgestimmter Gefahrenabwehrpläne dafür sorgt, Ereignisse zu beherrschen.

Vorbeugender Brandschutz

CP-412_23_Abb2So entwickelt die Werkfeuerwehr zum Beispiel beim Querschnittsthema Brandschutz im CHEMPARK mit den relevanten Produzenten und Fachabteilungen individuell ein integriertes, präventives Gefahrenabwehrmanagement. Dabei wird zunächst geprüft, welche Stoffe verarbeitet werden und welche Ereignisse an welcher Stelle der Anlage auftreten könnten. Falls es trotz aller eingebauten Sicherheit doch einmal zu einem Brand kommen sollte, so muss er begrenzt und beherrschbar bleiben. Außerdem sind Auswirkungen auf die Umwelt durch Stofffreisetzungen und Brandbekämpfungsmaßnahmen zu verhindern.

Die Brandchancen lassen sich deutlich verringern, wenn mögliche Zündquellen eliminiert oder zumindest weitestgehend isoliert werden. Allein ein Rauchverbot oder die exakte Definition von Raucherlaubniszonen sorgt schon für Brandschutz. Feuer- und Schweißarbeiten dürfen nur nach einer Bewertung der Gefährdung in enger Absprache mit dem Betrieb und einer schriftlichen Dokumentation der nötigen Schutzmaßnahmen in einem Erlaubnisschein möglich sein. Zudem sind elektrische Installationen kontinuierlich auf Defekte zu überprüfen. Die Bildung von Funken und Bränden wird auch durch Entladungen statischer Elektrizität oder die Selbstentzündung von Stoffen begünstigt.

Das zweite Ziel der Brandbeherrschung gestaltet sich komplexer, da hier die Bauart des Gebäudes beachtet werden muss. So sind zum Beispiel Rohre und Kanäle sowie Kabelkanäle abgesichert auszulegen. Brennbare Baustoffe sollten vermieden und möglichst feuerwiderstandsfähig ausgelegt sein. Neben der Einteilung in bestimmte Bau- und Brandabschnitte kommt es auf eine effiziente Brandfrüherkennung an, zum Beispiel auf Basis von Brandmeldeanlagen, die in einigen besonderen Fällen auch mit automatischen Löschanlagen verbunden sein können. Im CHEMPARK gehören dazu zum Beispiel Wasserlöschanlagen (Sprinkler, Schaum), Gaslöschanlagen (CO2, Argon), Pulverlöschanlagen sowie Steigleitungen und Wandhydranten. Darüber hinaus kommen Rauch- und Wärmeabzugsanlagen oder Brandschutzklappen eine wichtige Rolle bei der Brandbeherrschung zu. Entscheidend sind aber auch geringe Lagermengen pro Brandabschnitt und nach Gefahrenkategorien sauber getrennt lagernde Produkte und Rohstoffe.

Sollten dennoch Mensch und Umwelt von einem Brand betroffen werden, gilt es, die Auswirkungen minimal zu halten. Zum einen wird dies durch gut ausgebaute, sichere, beschilderte und bekannte Rettungswege erreicht. Zum anderen kommt es auf rasch greifende Gegenmaßnahmen an. Dazu gehören zum Beispiel das Herstellen eines Auffangvolumens für auslaufende Produkte durch Aufkantungen und Bodenabdichtungen, Absperrvorrichtungen für Kanäle oder die gezielte Entsorgung von kontaminiertem Löschwasser.

Auf dieser Grundlage werden die erforderlichen Gegenmaßnahmen geplant, Personal- und Technikeinsatz konkretisiert sowie wichtige Details, wie Anfahrtswege, Zugang und Alarmierungsreihenfolgen, festgelegt. Für die einzelnen Betriebe werden dann nach einem einheitlichen Konzept Alarm- und Gefahrenabwehrpläne erarbeitet, in denen alle für die Gefahrenabwehr erforderlichen Informationen hinterlegt sind.

Reaktiver Brandschutz

Durch rund um die Uhr arbeitende Überwachungsgeräte lässt sich ein hohes Maß an Sicherheit mit überschaubarem Personalaufwand erreichen. Letzten Endes können jedoch nur erfahrene Fachleute die Ereignislage richtig einschätzen und daraufhin die passenden, schnellgreifenden Gegenmaßnahmen anstoßen. Da man Sicherheit in einem Produktionsbetrieb 24 Stunden am Tag sicherstellen muss, sind im CHEMPARK die Sicherheitssysteme zu jeder Tageszeit eingeschaltet und die Sicherheitszentrale ist rund um die Uhr besetzt. Die Werkfeuerwehr ist in maximal fünf Minuten an jedem Platz im CHEMPARK vor Ort. „Es lässt sich manchmal schwer kommunizieren, dass eine Werkfeuerwehr permanent besetzt sein muss und optimal auf die Gefahrenabwehr ausgelegte Einsatzfahrzeuge und Spezialgeräte benötigt, die zum Teil mit hohen Investitionen verbunden sind. Aber Ereignisse richten sich nicht nach Wochenenden und Schlafzeiten. Nur wenn die Auswirkungen schnell und effizient mit der richtigen technischen Ausrüstung bekämpft werden, lassen sich Schäden, Gefahren und Kosten gering halten“, betont Stephan Hummel. Ein großer Vorteil des Chemiepark-Modells besteht darin, dass die Werkfeuerwehr sowie die ärztlichen Notdienste nicht nur für ein Chemieunternehmen da sind, sondern für alle. „Dies reduziert die Kosten, garantiert wenige Einschränkungen in der Produktion und erhöht somit letztendlich auch die Leistungsfähigkeit der Werkfeuerwehr im Einsatzfall“, unterstreicht der Leiter des Brandschutzes in Leverkusen.

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Schlagkraft auf Basis intensiver Vernetzung und effizienter Teamarbeit

Im Ereignisfall muss in wenigen Minuten – oft auch in Sekunden – die richtige Entscheidung gefällt werden und jeder Griff im Team sitzen. Routine und Praxiserfahrung können sich jedoch nur vorteilhaft entfalten, wenn eine Werkfeuerwehr klar strukturiert und vernetzt ist, so dass sie mit minimalem Aufwand bei vollem Einsatz maximale Sicherheit bietet. Dabei richtet sich der Aufbau sowohl nach den bundeslandspezifischen gesetzlichen Vorschriften als auch den Strukturen der Berufsfeuerwehren und freiwilligen Feuerwehren. Denn erst wenn jeder weiß, wie eine kommunale Feuerwehr im Vergleich zu einer industriellen Werkfeuerwehr strukturiert ist und arbeitet, lassen sich effiziente Formen der Kooperation verwirklichen. Die Gefahrenabwehr ist somit im CHEMPARK von Anfang an auf eine standortübergreifende, intensive Vernetzung und Harmonisierung aller verfügbaren Ressourcen ausgelegt.

Durch Übungen und Erfahrungen wird Sicherheitskonzept immer besser

CP-412_23_Abb4Die Werkfeuerwehr übt den Ereignisfall zusammen mit dem eigenen Krisenstab sowie öffentlichen Feuerwehren und ärztlichen Diensten. Entscheidend ist hier die enge Verzahnung der Sicherheitsansätze von Werkschutz, Feuerwehren und Behörden. So können Führungskräfte der kommunalen Feuerwehren im Bedarfsfall problemlos in die rückwärtige Einsatzleitung der Werkfeuerwehr integriert werden. Nur wenn alle Puzzleteile im Ereignisfall sauber ineinander greifen, und jeder weiß, was er zu tun hat, ergibt sich ein in sich stimmiges Gesamtbild und somit effizientes Sicherheitskonzept.

Erst im Ereignisfall zeigt sich, wie gut ein Sicherheitskonzept wirklich ist. Bei der Mehrzahl der Feuerwehreinsätze gelingt es, das Ereignis so schnell zu beenden, dass die Öffentlichkeit nicht davon betroffen wird. Aber auch hier findet man immer wieder Ansatzpunkte und sammelt Erfahrungen, wie sich das Gefahrenabwehr- und Krisenmanagement noch schneller und effizienter gestalten lässt.

Aufgaben des Krisenstabs und der Einsatzleitung

Bei Ereignissen, die Einfluss auf die Anwohner nehmen sowie in der Öffentlichkeit wahrgenommen werden könnten, wird im CHEMPARK der Krisenstab zusammen gerufen. Der Stab berät zum Beispiel die Einsatzleitung, überprüft die Meldepflichten gegenüber Behörden und informiert die Öffentlichkeit. Zudem kann der Krisenstab im Bedarfsfall auf ein umfangreiches Netzwerk aus Fachleuten zurückgreifen. Dabei kann es sich zum Beispiel um Werksärzte, Juristen, Toxikologen oder Ökologen handeln. Der Werkschutz übernimmt Aufgaben der Polizei im Werksgelände und stimmt sich mit dieser zur Verkehrslage ab.

Bei größeren Feuerwehreinsätzen wird zur Koordination der Gefahrenabwehrmaßnahmen darüber hinaus im CHEMPARK eine stabsmäßige Einsatzleitung gebildet. Diese befindet sich in einem eigenen Raum in direkter Nachbarschaft zum Krisenstab und zur Sicherheitszentrale. Aufgrund der räumlichen Nähe lassen sich die Kommunikations- und Abstimmungsprozesse so deutlich schneller koordinieren.

Trends im Bereich Sicherheit

CP-412_23_Abb3Aktuell setzt sich der Trend zu einer noch intensiveren Zusammenarbeit rund ums Thema Sicherheit weiter fort. Auf organisatorischer Ebene können sich so zum Beispiel die CHEMPARK-Werkfeuerwehren immer besser gegenseitig aushelfen. Darüber hinaus profitiert jeder vom Know-how des anderen. Insgesamt wird so durch Kooperation mehr Schlagkraft erreicht. Zudem werden potenzielle Risiken transparenter kommuniziert und frühzeitig, möglichst vor Eintreten, wahrgenommen.

Im zunehmenden Maße fungiert die Werkfeuerwehr auch als kompetenter Ansprechpartner in Sicherheitsfragen. Als respektierter Berater kümmert sie sich im CHEMPARK darum, Risiken zu minimieren sowie potenzielle Neuansiedlungen aus Sicherheitsgründen zu bewerten. Auch beim Thema präventiver Brandschutz und Schutz für Mitarbeiter berät sie CHEMPARK-Partner unter Zuhilfenahme der ärztlichen CURRENTA-Dienste immer häufiger.

Vom über Jahrzehnte gewachsenen Know-how der Werkfeuerwehr profitiert aber auch die Öffentlichkeit direkt. Im Rahmen des TUIS-Netzwerkes hilft sie auch außerhalb des CHEMPARK-Werkszauns, zum Beispiel beim Bergen von Gefahrgut bei Unfällen auf öffentlichen Straßen. Im Zusammenspiel mit anderen Geschäftsfeldern verfügt CURRENTA sogar über die Ressourcen, die Stoffe genau zu analysieren, diese umweltgerecht abzutransportieren, sowie zu entsorgen.

Wichtigste und sicherlich auch dauerhafteste Erkenntnis ist, dass sich ein Sicherheitskonzept immer wieder in Frage stellen und bewähren muss. Es ist immer nur so gut, wie der aktuelle Kenntnisstand der Sicherheit und das effektive Zusammenspiel der Gegenmaßnahmen in der Praxis mit Leben gefüllt werden.

Anschrift des Verfassers:
Dipl.-Ing. Lars Friedrich
Leiter Geschäftsfeldsegment Brandschutz
Currenta GmbH & Co. OHG
Gebäude E 1
51368 Leverkusen
Tel.: 0214 / 30 – 37205
Fax: 0214 / 30  – 21257
E-Mail: oliver.gehrmann@currenta.de

Dipl.-Ing. Lars Friedrich

  • Diplom Ing. Sicherheitstechnik, Brandassessor
  • Leiter Geschäftsfeldsegment Brandschutz/Sicherheitszentrale
  • Leiter des Bereiches Werkfeuerwehren
  • CHEMPARK