Schutzsysteme für Sicherheits- und Rettungskräfte

Der Themenkomplex „Schutzsysteme für Sicherheits- und Rettungskräfte“ hat im Bereich der Sicherheitsforschung sowohl in Deutschland wie auch in Europa einen hohen Stellenwert.

Ein Forschungsbereich widmet sich technischen und organisatorischen Fragestellungen bezüglich der Ortung und Navigation von betroffenen Personen und Einsatzkräften. Unter der gleichen Prämisse werden Systeme zur Erkundungs- und Führungsunterstützung erforscht.

Einen anderen Schwerpunkt bildet die Weiterentwicklung von Schutzkleidung und Ausrüstung. Ziel ist es, die Einsatzkräfte im Einsatz optimal zu schützen, damit sie diesen effektiv und effizient bewältigen zu können. Als wesentliche Anforderungen stehen dabei im Fokus:

  • die Gewährleistung von Beständigkeit gegen Hitze und Chemikalien,
  • die Herstellung optimaler physiologischer Voraussetzungen (z. B. Atmungsaktivität),
  • die Erfassung und Übertragung von relevanten Körper- und Standortdaten und
  • die zuverlässige Funktion unter extremen Bedingungen.

Im Bereich der textilen Werkstoffe sind immer robustere und leichtere Materialien entwickelt worden. Ferner haben sich die Bereiche drahtlose Sensorik und Informationssysteme erheblich weiterentwickelt. Diese Technologien gilt es, zur Erreichung der oben geschilderten Ziele zu kombinieren bzw. zu modifizieren.

In diesem Sektor sind u. a. folgende Forschungsprojekte im Rahmen des Sicherheitsforschungsprogramms des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) durchgeführt und abgeschlossen worden:

LUMITEX: Textilien mit elektrolumineszierenden Eigenschaften für Sicherheitsbekleidung und technische Anwendungen

„Das Gesamtziel des Forschungsvorhabens ist die Entwicklung von elektrolumineszierenden Textilien für warnende Sicherheitsbekleidung. Es sollen Möglichkeiten für die Herstellung intelligenter schaltbarer Leuchteffekte für Textilien erarbeitet und realisiert werden. Dazu werden elektrisch leitfähige wie auch lumineszierende Pasten entwickelt, die im Druck- oder Wirkverfahren aufgebracht werden können. Das Anwendungspotenzial reicht von Sicherheitskleidung für Straßenarbeiter und Polizei bis hin zu aktiven Schutzanzügen für die Feuerwehr.“ (Quelle: BMBF)

SAFE: Semipermeable Anzüge für Einsatzkräfte

„Im Vorhaben werden auf Basis neuartiger Adsorbermaterialien innovative Schutzanzüge für Feuerwehrleute und den Katastrophenschutz erarbeitet, die die Sicherheit, den Tragekomfort und die mögliche Einsatzdauer der Rettungskräfte erhöhen werden. Zudem werden Kommunikationsmodule in den Anzug integriert, die auch eine Ortung der Einsatzkräfte ermöglichen.“ (Quelle: BMBF)

SensProCloth: Systemintegrierte sensorische Schutzbekleidung für Feuerwehr und Katastrophenschutz

„Ziel des Verbundprojektes ist die Erforschung systemintegrierter sensorischer Schutzkleidung für Feuerwehr und Katastrophenschutz. Erarbeitet werden soll ein textilintegriertes Erfassungs- und Kommunikationssystem mit Ortungsmöglichkeiten zur Einsatzunterstützung und Einleitung von Rettungs- und Hilfsmaßnahmen für die verschiedenen Einsatzkräfte.“ (Quelle: BMBF)

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Abb. 2: Flugunfallübung auf dem Flughafen Dortmund: Ein Feuerwehrmann vor einem Flugfeldlöschfahrzeug „Panther“ in seiner Einsatzdienstbekleidung. (Bilder: Feuerwehr Dortmund)

 

Auch die aktuelle Forschungsförderung greift den Themenkomplex Schutzkleidung auf. Das Institut für Feuerwehr- und Rettungstechnologie der Feuerwehr Dortmund ist derzeit in zwei Projekte involviert:

smart@fire: Integrierte ICT (Information and communications technology) für intelligente persönliche Schutzausrüstung von Feuerwehr-Einsatzkräften

Intelligente integrierte ICT bedeutet hier die Einbettung von Sensoren in die Kleidung, um Bioparameter zu erfassen und Einsatzkräfte bei ihrer Arbeit vor möglichen Gefahren mit Verletzungs- oder Todesfolge zu schützen. Diese Daten ermöglichen es den Führungskräften, ihre Einsatzkräfte zu überwachen und rechtzeitig eingreifen zu können. Eine Besonderheit dieses Projektes ist die Entwicklung weltweit einsetzbarer Systeme mit dem Ansatz der vorkommerziellen Auftragsvergabe (PCP – Pre-Commercial Procurement). So können öffentliche Beschaffer gemeinsam mit den Herstellern anwenderorientierte Produkte entwickeln und Innovationen vorantreiben. Gleichzeitig sinken die Risiken für die Anbieter und neue Märkte können erschlossen werden.

Finanziert wird das Projekt im 7. Forschungsrahmenprogramm, Bereich „Information and Communication Technologies“, durch die EU-Kommission. Die Laufzeit erstreckt sich vom 15.11.2012 bis 14.11.2016.

SafeCoat: Sonnenlichtaktivierbare Photokatalysatoren und funktionalisierte Textilien für den selbstdekontaminierenden Individualschutz

Rettungskräfte von Feuerwehr und Katastrophenschutz sind bei Einsätzen beispielsweise in Industrieanlagen und bei Gefahrguttransporten auch biologischen und chemischen Gefahren ausgesetzt. Ziel des Projektes SafeCoat ist die Entwicklung eines Funktionstextils für Schutzanzüge der zivilen Einsatzkräfte. Hierbei soll eine Adsorptionsschicht auf den Schutzanzügen, die hochgiftige Substanzen bindet, mit einer Dekontaminationsschicht kombiniert werden. Diese soll die adsorbierten Substanzen selbst aktiv abbauen, sodass auch nach einem Gefahreinsatz aus dem Material keine Gefahrenstoffe an die Umwelt ausgesondert werden. Ausgenutzt wird hierbei die durch Licht angeregte Aktivität photokatalytischer Materialien, welche organisches Material bei Kontakt abbauen können. Gleichzeitig wird durch die Photokatalyse die Adsorptionsschicht regeneriert. Vielfältige Gefahrenquellen erfordern zusätzlich, dass eine möglichst umfangreiche Bandbreite an chemischen Gefahrstoffen abgedeckt wird. Diese Kombination von Adsorptionsmitteln und photokatalytischer Materialien ergibt einen vollständig neuen Ansatz in der Selbstdekontamination im Individualschutz.

Finanziert wird das Projekt durch das BMBF im Rahmen des Programms Forschung für die zivile Sicherheit „Kooperation in der zivilen Sicherheitsforschung zwischen Deutschland und Frankreich“. Die Laufzeit erstreckt sich vom 01.12.2012 bis 30.11.2015.

Das Institut für Feuerwehr- und Rettungstechnologie (IFR) ist eine Forschungseinrichtung der Feuerwehr Dortmund. Seit 2001 arbeitet die Feuerwehr Dortmund im Rahmen von Forschungsprojekten, die auf unterschiedlicher Ebene – z. B. von der Europäischen Union und vom Bundesministerium für Bildung und Forschung – gefördert sind, praxisorientiert mit Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Universitäten in Deutschland und Europa zusammen. Im IFR werden diese wissenschaftlichen Arbeiten und Praxisnähe durch feuerwehrtechnisches Knowhow perfekt gebündelt. Zum Ende 2013 ist das IFR an fünf laufenden Projekten beteiligt und blickt auf 15 abgeschlossene zurück. Die Beiträge des IFR sind dabei vielfältig:

  • fachbezogene Mitwirkung, Verbund- und Arbeitspaketkoordination bei interdisziplinären Projekten unter Beteiligung anderer Forschungseinrichtungen,
  • Auftragsforschung für industrielle Partner und öffentliche Auftraggeber,
  • Mitwirkung bei Forschungskonzepten und Gutachten,
  • aktive Mitarbeit in Gremien auf überregionaler Ebene.

Mit etwa 1 500 Einsatzkräften der Berufs- und Freiwilligen Feuerwehr verfügt die Feuerwehr Dortmund über ein großes und vielseitiges Potential, um unterschiedliche Aufgaben bei Forschungsvorhaben zu übernehmen:

  • Szenario-Orientierung: umfangreiche Erfahrung aus über 115 000 Feuerwehr- und Rettungsdiensteinsätzen jährlich,
  • technische Expertise: umfangreiche technische Ausstattung und hochqualifiziertes Personal,
  • organisatorische Expertise: Möglichkeiten zur Erprobung und Validierung auch in Zusammenarbeit mit anderen Feuerwehren und Organisationen.

Anschrift des Verfassers:
Dipl.-Ing. Dirk Aschenbrenner
Amtsleiter/Direktor der Feuerwehr
Stadt Dortmund – Feuerwehr
Steinstraße 25, 44122 Dortmund

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Bildquelle: Andreas Winter, Berlin, 2014

Dipl.-Ing. Dirk Aschenbrenner
Sicherheitsingenieur mit dem ­Schwerpunkt Brand- und Explosionsschutz
geb. am 24. August 1968 in Meppen
1997: Eintritt in den Dienst der Feuerwehr Dortmund
1997 – 2009: Leitung versch. ­Abtei­lungen
Seit 2004: Stellv. Amtsleiter
Seit 2005: Angehöriger des Präsidiums der Vereinigung zur Förderung des Deutschen Brandschutzes e. V. (vfdb)
2005 – 2009: Lehrauftrag für das Fach ­„Objekt-, Havarie- und Katastrophenschutz“ an der Universität Wuppertal
Seit 2009: Amtsleiter der Feuerwehr ­Dortmund
2010 – 2011: Leitung des städtischen ­„Institut für Feuerwehr- und Rettungs­technologie“; verantwortlich für dessen Reintegration in die Feuerwehr Dortmund
Seit 2011: Lehrauftrag für den Themen­bereich „Gefahrenabwehr und Havarie­management“ an der Universität ­PaderbornSeit 2012: Angehöriger des Prüfungs­ausschusses für den höheren feuerwehrtechnischen Dienst
Seit 2013: Präsident der vfdb