Lehrbereich IV.4 der AKNZ – Teil 2

Neben dem Schutz vor CBRN-Bedrohungen stellt der Gesundheitliche Bevölkerungsschutz eine weitere Herausforderung im Umgang mit möglichen Gefahrenlagen in der Bundesrepublik Deutschland dar. Dieser Thematik widmet sich eine weitere Fachdisziplin im Lehrbereich IV.4 der Akademie für Krisenmanagement, Notfallplanung und Zivilschutz und wird nachfolgend vorgestellt.

Gesundheitlicher Bevölkerungsschutz

Um angesichts der neuen natürlichen oder anthropogenen Gefahren mit Massenanfall von Verletzten, Erkrankten oder Kontaminierten den größtmöglichen Schutz der Bevölkerung zu erreichen, ist es wichtig, im Gesundheitlichen Bevölkerungsschutz Konzepte zu entwickeln und zu vermitteln, die die Zusammenarbeit aller zivilen und militärischen Beteiligten, von Katastrophenschutz/Bevölkerungsschutz und Gesundheitswesen zu jeder Zeit gewährleisten. Gefahrenabwehrbehörden, Feuerwehren, Polizei und Bundeswehr auf der einen und Rettungsdienste, Krankenhäuser und der Öffentliche Gesundheitsdienst auf der anderen Seite sind hier gleichermaßen gefordert.

Der Gesundheitliche Bevölkerungsschutz hat zum Ziel, durch präventive Maßnahmen die Gesundheit der Menschen zu schützen und reaktiv bei Beeinträchtigung oder Schädigung der Gesundheit die gesundheitliche Versorgung der Betroffenen in möglichst großem Umfang zu gewährleisten.

Der Medizinische Bevölkerungsschutz ist die Summe aller Maßnahmen, die erforderlich sind, um die Bevölkerung bei Katastrophen und in Notlagen, die mit einer Gefahr für die körperliche Unversehrtheit einhergehen, zu schützen sowie zur Verhinderung, Begrenzung und Bewältigung von Schadenereignissen, die mit einer Gefahr für die körperliche Unversehrtheit einhergehen, beizutragen. Der medizinische Bevölkerungsschutz umfasst die Bereiche Prävention, Heilung, Palliation und Rehabilitation.

Auf diesem Hintergrund findet die Aus- und Fortbildung im Gesundheitlichen Bevölkerungsschutz an der AKNZ statt. Sie umfasst die Bereiche

  • Gesundheitswesen,
  • Katastrophenmedizin,
  • Notfall- und Katastrophenpharmazie.

Schnittstellen gibt es zum Psychosozialen Krisenmanagement sowie der Veterinärmedizin und Lebensmittelchemie.

Zielgruppen

Zur Zielgruppe gehören Experten, Führungskräfte und Multiplikatoren in den Bereichen

  • Gesundheitswesen,
  • Katastrophenmedizin und Notfall- und Katastrophenpharmazie.

Dazu zählen ärztliches und anderes Führungspersonal aus Öffentlichem Gesundheitsdienst (ÖGD), Rettungsdienst, Klinik und Pharmazie.

Gesundheitswesen

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Für den Bereich des Gesundheitswesens werden verschiedene aufeinander aufbauende Seminarreihen angeboten. Unter dem Titel „Krisenmanagement im Gesundheitswesen“ werden Seminare z. B. hinsichtlich der allgemeinen Gefahrenabwehrplanung im ÖGD, der Einsatzplanung für biologische Lagen sowie unter Berücksichtigung der Anforderungen an die Isolierung bei solchen Lagen mit hoch infektiösen Krankheitserregern durchgeführt:

  • Krisenmanagement im Gesundheitswesen – Grundlagen 1 und 2.
  • Krisenmanagement im Gesundheitswesen (Anforderung an die Isolierung bei biologischen Lagen).
  • Krisenmanagement im Gesundheitswesen (Einsatzplanung für biologische Lagen).
  • Krisenmanagement für Oberste Landesgesundheitsbehörden.

 

Einen weiteren Schwerpunkt bildet die Seminarreihe „Krankenhausalarmplanung“, die sowohl auf interne Gefahrenlagen und Evakuierungen als auch externe Gefahrenlagen mit Massenanfall von Verletzten oder CBRN-Lagen vorbereitet. Folgende Seminare werden durchgeführt:

  • Krankenhausalarmplanung I       (interne Gefahrenlagen und Evakuierung),
  • Krankenhausalarmplanung II      (Krankenhausalarmplanung für CBRN-Lagen),
  • Krankenhausalarmplanung III

(externe Gefahrenlagen und MANV/MANI) und

  • Krankenhausalarmplanung – Schnelleinstieg

(vier Wochenendseminare pro Jahr an ausgewählten Kliniken).

Da sich bei diesen Seminaren methodisch ein möglichst realistischer praktischer Anteil als besonders zielführend herausgestellt hat, werden einige Seminare komplett oder spezielle Ausbildungsinhalte, die eine besondere Infrastruktur benötigen, außerhalb der AKNZ in Zusammenarbeit mit besonders geeigneten Instituten/Kliniken und Einrichtungen des Gesundheitswesens durchgeführt, um so eine hohe Qualität der Ausbildung zu erreichen.

Katastrophenpharmazie

Um ApothekerInnen aller Ebenen und Bereiche mit dem Gesundheitlichen Bevölkerungsschutz und ihren Aufgaben in diesem Bereich vertraut zu machen, finden auch für sie Seminare statt. In diesem Gebiet der Notfall- und Katastrophenpharmazie werden ein Basisseminar und ein darauf aufbauendes Folgeseminar angeboten. Im Forum Interdisziplinäre Zusammenarbeit im Gesundheitlichen Bevölkerungsschutz haben die Apotheker­Innen ein eigenes Fachforum (s. u.), das aktuelle Themen und Probleme aufgreift, diskutiert und für die Berücksichtigung in der Ausbildung vorschlägt.

Eine Aufgabenbeschreibung der Notfall- und Katastrophenpharmazie erscheint im Heft 2/2013 der Crisis Prevention.

Einmal jährlich findet ein Forum Interdiszi­plinäre Zusammenarbeit im Gesundheitlichen Bevölkerungsschutz statt, das sich an alle Angehörigen ziviler und militärischer Dienste wendet, die im Falle eines Großschadensereignisses bzw. einer Katastrophe zusammenarbeiten.

Die Veranstaltungsreihe widmet sich besonderen Bedrohungs- und Schadenslagen wie natürlichen Bedrohungen durch bakterielle oder virale Erreger, aber auch beabsichtigten oder unbeabsichtigten Freisetzungen radioaktiver, biologischer und chemischer Stoffe und den damit verbundenen Auswirkungen auf Mensch, Tier, Lebensmittel und Umwelt.

Außer aktuellen und jährlich wechselnden Themen wird die Thematik der Länder in der übergreifenden Krisenmanagementübungen (LÜKEX) im Forum aufgegriffen und gibt den Teilnehmern die Möglichkeit, sich über die anstehende Thematik zu informieren. Sechs Fachforen sind im Forum aktiv:

Fachforum 1: Rettungsdienste, Hilfsorganisationen, Feuer­wehren,

Fachforum 2: Krankenhäuser,

Fachforum 3: Öffentlicher Gesundheitsdienst,

Fachforum 4: Psychosoziales Krisenmanagement,

Fachforum 5: Notfall- und Katastrophenpharmazie und

Fachforum 6: Veterinärwesen/Lebensmittelsicherheit.

Die Beiträge zum Gesundheitsschutz werden mit dem Kapitel Katastrophenpharmazie fortgesetzt.

Autoren:
Dr. Dorothee Friedrich, Dr. Heinrich Knoche

Anschrift für die Verfasser:
Dr. Dorothee Friedrich
Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe
Akademie für Krisenmanagement, Notfallplanung und Zivilschutz
Lehrbereichsleiterin IV.4 – Spezialwissenschaften im Bevölkerungsschutz
Ramersbacher Str. 95, 53474 Bad Neuenahr-Ahrweiler
E-Mail: dorothee.friedrich@bbk.bund.de
www.bbk.bund.de

Dr. rer. nat. Dorothee Friedrich

  • 1973 – 1979: Studium der Lebensmittelchemie und Hauptprüfung für Lebensmittelchemiker an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (WWU)
  • 1980 – 1986: Promotionsstudium Biochemie / Tätigkeit als Wissenschaftliche Hilfskraft am Institut für Biochemie der WWU
  • 1986: Promotion zum Dr. rer. nat. im Hauptfach Biochemie, Nebenfächer Lebensmittelchemie/Mikrobiologie
  • 1983: Erste Staatsprüfung für das Lehramt Sekundarstufe II in den Fächern Lebensmittelchemie/Chemie
  • 1986: Zweite Staatsprüfung
  • Seit 1986: Lehrbereichsleiterin ABC-/Veterinärwesen an der Katastrophenschutzschule des Bundes in Bad Neuenahr-Ahrweiler
  • Seit 2002 Leiterin des Lehrbereiches „Spezialwissenschaften im Bevölkerungsschutz“ an der Akademie für Krisenmanagement, Notfallplanung und Zivilschutz (AKNZ), der die Fachgebiete CBRN-Gefahrenmanagement, Gesundheitlicher Bevölkerungsschutz, Psychosoziales Krisenmanagement, Veterinärmedizin, Informations- und Kommunikationsmanagement sowie Kulturgutschutz umfasst.