In kürzester Zeit haben Google und Facebook unseren Alltag erobert! Doch wie sieht es mit der digitalen Vernetzung im Gesundheitswesen aus? Kurzum, die Vernetzung medizinischer Dienstleister ist in Deutschland geprägt durch ein undurchdringbares Neben- und Miteinander meist lokaler, allenfalls regionaler Systeme (sogenannte Insellösungen). Viele davon sind hochgradig proprietär, zu Nachbarsystemen inkompatibel, herstellerabhängig, für technische Laien schwer zu bedienen und zudem auch noch recht kostenintensiv, da vielfach in neue Hardware investiert werden muss. 

Logo_TKmed_weissUmgekehrt besteht ein dringender Bedarf nach einer einfach zu bedienenden, technisch robusten und 100 % datenschutzkonformen Lösung. Dies gilt besonders für die Versorgung von Notfall- und Akutpatienten und für die Versorgung in dünnbesiedelten Regionen, in denen ausgewiesene Fachexperten für ärztliche Kollegen und Patienten gleichermaßen schlecht erreichbar sind. Weiterhin müssen moderne, zeitgemäße Teleradiologie- und Telekonsultationsplattformen weitaus mehr bieten als nur den simplen Datentransfer von A nach B.

Um eine solche Teleradiologie- und Telekonsultationsplattform bundesweit für alle medizinischen Dienstleister verfügbar zu machen, hat die DGU – Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie im Jahre 2011 eine AG TeleKooperation gegründet. Bereits eine erste Analyse vorhandener Systeme zeigte, dass im Jahr 2011 keines bundesweit verfügbar, multidisziplinär und durch modulare technische Lösungen sektorenübergreifend anwendbar war. Daher wurde gemeinsam mit den Technologiepartnern CHILI GmbH und pegasus GmbH die Entwicklung einer eigenständigen Plattform begonnen.

Bundesweites Netzwerk seit 2012

Seit Mitte 2012 steht mit TKmed® ein System für die multidisziplinäre und sektorenübergreifende Vernetzung medizinischer Dienstleister nach dem Jeder-mit-Jedem-Prinzip zur Verfügung. Mit Stand Januar 2013 sind 90 Kliniken „jeder mit jedem“ vernetzt, darunter Universitäts- und BG-Kliniken, und zu jeweils einem Drittel Maximalversorger, Schwerpunktversorger und Grund-/Regelversorger. Zunehmend häufiger schließen sich auch MVZ und niedergelassenen Zuweiser an. In vielen dieser Einrichtungen hat sich TKmed® – oft auf Initiative der Unfallchirurgen – als Gesamtlösung für alle Abteilungen etabliert, da z. B. viele Zusatz-Funktionen übergeordnet in die Klinik-Abläufe integriert und die Kosten verteilt werden können. Für diesen innovativen Ansatz wurde TKmed® im Jahr 2013 mit zwei renommierten Preisen ausgezeichnet: dem DGTelemed Telemedizinpreis 2013 (Abb. 1) und auf der IFA Berlin mit dem Telematik Award / Human Telematik 2013.

Preisverleihung DGTelemed Telemedienpreis 2013.

Preisverleihung DGTelemed Telemedienpreis 2013.

TKmed® kann Ihnen die tägliche Arbeit spürbar erleichtern und dabei die Qualität und Wirtschaftlichkeit der Versorgung verbessern. Mit TKmed® bearbeiten und versenden Sie Bilder und Patientenunterlagen in Sekundenschnelle. Zudem demonstrieren Sie Ihre Einbindung in ein modernes, digitales Kompetenznetzwerk. Ihre Patienten und Partner werden dies zu schätzen wissen!

Wie funktioniert TKmed®?

Sie melden sich passwortgeschützt am so genannten TKmed-Portal an (sofern TKmed® nicht in Ihre hauseigene PACS-Umgebung integriert ist). Es öffnet sich ein zentral vorhandener Viewer – der in vielen Kliniken eingesetzte CHILI-Viewer – mit dem Sie alle Funktionen der Bildbearbeitung (z. B. Grauwerteinstellung) und zusätzlich alle teleradiologischen Anwendungen steuern können. Dazu gehört natürlich primär das Versenden und Empfangen von Bildern im DICOM-Format. TKmed® kann allerdings auch andere Datenformate transferieren (z. B. Arztbriefe und Befunde in allen üblichen Dateiformaten). Dies kann z. B. bei dem neuausgerichteten berufsgenossenschaftlichen Heilverfahren Anwendung finden. Es gibt weiterhin ein neuartiges Konsilmanagement-Tool zur einfachen und rechtssicheren Bearbeitung von Anfragen und Rückmeldungen/Befunden. Sie können standortübergreifende Tele-Konferenzen durchführen (z. B. Röntgenvisiten) und auch am privaten Rechner (z. B. im Rufdienst) die volle Funktion bequem nutzen. Da TKmed® für die zeitkritische Notfallkonsultation optimiert wurde, können alle Bilder unmittelbar nach dem Eintreffen betrachtet werden, auch wenn noch nicht das komplette Ganzkörper-CT vorliegt. Bei einer durchschnittlichen Internetverbindung benötigt ein Ganzkörper-CT bis zum vollständigen Empfang zirka 12 – 15 Min. Gerade für zertifizierte Traumzentren im TraumaNetzwerk DGU® sind solche Kriterien für die nächste Zertifizierung von Bedeutung.


Prof. NerlichProf. Michael Nerlich, Chefarzt Unfallchirurgie Universitätsklinikum Regensburg: „Das System wird zum sicheren, unkomplizierten Bilddatenversand zwischen Kliniken und Praxen genutzt. Die Betrachtung der radiologischen Aufnahmen erfolgt in hoher Qualität. Große Datenmengen werden in Sekundenschnelle übertragen, Expertenwissen kann zeitnah in die Peripherie übertragen werden, Zeitverluste werden minimiert. Das System bietet dem Universitätsklinikum Regensburg und nicht zuletzt dem gesamten Traumanetzwerk Ostbayern hohen Nutzen und ist aus dem klinischen Alltag nicht mehr wegzudenken.“


TKmed® – Jeder mit Jedem!

Die Anbindung an das TKmed®-Netz ist denkbar einfach: der AUC-Technologiepartner schließt Ihre Einrichtung an die so genannte zentrale TK-Infrastruktur (Abb. 2) an. Alle Daten laufen dann durch diesen Knotenpunkt. Sie können also unabhängig von der Ausbaustufe an alle bundesweiten TKmed®-Teilnehmer senden und ebenso von allen adressiert werden (Jeder-mit-Jedem-Prinzip). Für den Empfang der Daten in Ihrer Einrichtung kann Ihr Klinikadministrator selbst gewählte Gruppen und berechtigte Personen anlegen (z. B. Schockraum > Zugriff durch Dr. A, Dr. B / Station 5 > Zugriff durch Dr. A, Dr. C). Zusätzlich können Sie nach Wunsch auch persönlich als Empfänger erscheinen (Empfänger Dr. A. > Zugriff nur Dr. A). Nur Sie selbst können dann auf Daten zugreifen, was von vielen Anwendern bei Gutachten und kritischen Fällen sehr geschätzt wird.

Was bietet TKmed®?

TKmed® ist eine herstellerunabhängige Gesamtlösung mit einer unkomplizierten und datenschutzkonformen Anbindung in schon bestehende Systeme, z. B. Integration in das hauseigene PACS oder an Bestandsnetze in Klinikgruppen. Wichtig ist, dass TKmed® die Anforderungen von Niederlassung und Großklinikum gleichermaßen erfüllt. Es kann unabhängig vom Hersteller Ihres eigenen PACS, Ihrer Großgeräte, Ihres RIS/KIS etc. und in drei modularen Ausbaustufen eingesetzt werden. Je höher die Ausbaustufe, desto höher der Bedienkomfort. Für die Niederlassung eignet sich i. d. R. „TK-Basis“, welches rein webbasiert läuft und ein manuelles Bearbeiten erfordert (ansonsten mit voller Funktionalität). Für Kliniken kommen vor allem „TK-Router“ (per Softwareinstallation) und „TK-Gateway“ (per Hardware oder VMware) in Frage. Beide sind aufgrund der automatisierten Datenverarbeitung deutlich komfortabler und erlauben beispielsweise die Verschlagwortung eingehender Bilder (z. B. xxx_Zuweiser_Praxis_Müller“). TK-Gateway bietet die meisten Mehrwert-Funktionen, z. B. Anbindung weiterer Standorte bzw. Netzwerke und die Nutzung als temporäres PACS („Schmutz-PACS“) (Abb. 2).

Interne und externe Verbindungen am Beispiel TK-Gateway.

Interne und externe Verbindungen am Beispiel TK-Gateway.

TKmed® ist nicht mehr nur im unfallchirurgischen Sektor angesiedelt, sondern ermöglicht durch viele Zusatz-Funktionen eine Integration in den klinischen Workflow und somit die Gelegenheit zur Kosten-Verteilung. Für den praktisch tätigen Arzt und das Pflegepersonal ergibt sich ein fassbarer, praktischer Nutzen, da Arbeitsabläufe erleichtert und beschleunigt werden. Das Schaubild (Abb. 2) zeigt eine Übersicht über die innerklinischen Verbindungen zu TKmed® sowie die Anbindung an die das zentrale Rechenzentrum und mögliche Anbindung an andere Teleradiologie-Netze.

TKmed® – die Daten sind sicher!

TKmed® folgt dem Datenschutz-Goldstandard. Für die Einwahl an einem Klinik-Rechner benötigen Sie nur ein Passwort, da TKmed® Ihren Klinik-Rechner „erkennt“. Für den Zugriff von einem privaten Rechner geben Sie ähnlich wie beim Online-Banking eine zusätzliche „mobile TAN“ ein, die Sie per Smartphone-App (Software-Token) oder per Hardware-Token in Sekundenschnelle generieren (2-Faktoren-Authentifizierung).

Beim Versand werden die Daten in zwei unabhängigen Rechenzentren verarbeitet: zunächst greift Ihr Computer auf ein externes Sicherheitszentrum (Abb. 2) zu und verschlüsselt die Daten. Diese sind also beim Verlassen Ihres Hauses verschlüsselt und können erst durch den Empfänger wieder entschlüsselt werden (End-zu-End-Verschlüsselung).


Chefarzt-NissenDr. Urs Nissen, Chefarzt Neurochirurgie am Westküstenklinikum Heide: „Seit mehr als einem Jahr nutzen wir jetzt TKmed® im Westküstenklinikum Heide. Aus neurochirurgischer Sichtlässt sich nur Positives sagen. Erstmals haben wir hier die zuverlässige und schnelle Möglichkeit, insbesondere CT-Aufnahmen zuweisender Kliniken zu beurteilen. So können zeitnahe Entscheidungen über OP-Indikationen getroffen werden und kostenintensive Transporte vermieden werden. Die Handhabung ist dabei intuitiv und schnell erlernbar. Auch in puncto Bildqualität konnte das System bisher überzeugen.“


Kostenfreie Schulungen bundesweit: www.tkmed.org

Auf den regelmäßig stattfindenden TKmed-Anwender- und Entscheidertreffen haben Sie als Anwender die Möglichkeit, über die im Leistungspaket enthaltene Schulung hinaus weitere Tipps von unserer erfahrenen Trainern und im Kontakt mit anderen Anwendern in praxi zu lernen. Dabei kommen sowohl Anfänger als auch Fortgeschrittene auf Ihre Kosten. Die ersten Veranstaltungen am Klinikum rechts der Isar München und an der BG Klinik Ludwigshafen waren mit jeweils über 60 Fachbesuchern ein voller Erfolg. Beim parallel dazu stattfindenden Entscheidertreffen besteht dazu die einmalige Gelegenheit, im Kreise leitender Mitarbeiter aus Medizin, IT und Verwaltung gemeinsame Überlegungen zur digitalen Kooperation anzustellen. Hinterlassen Sie uns einfach eine Kontaktadresse unter www.tkmed.org, wir informieren Sie dann über jedes neue Anwender- und Entscheidertreffen.

Autoren: Stefanie Reichardt, Dr. Uli Schmucker, Prof. Dr. Johannes Sturm

Anschrift der Verfasserin:

Portrait Stefanie ReichardtStefanie Reichardt (Gesundheitsökonomin BSc.)
Projektmanagement TKmed®
AUC – Akademie der Unfallchirurgie GmbH
Geschäftsstelle München
Tel: 089 – 8905376 20
stefanie.reichardt@auc-online.de
www.tkmed.org

geb. am 16. September 1983 in Forst/ Lausitz

2008 – 2012: Universität Bayreuth (Abschlussarbeit: „Potenzial der Teleradiologie in Deutschland – Eine gesundheitsökonomische Betrachtung anhand ausgewählter Beispiele.“
2003 – 2008: Zahnmedizinische Fachangestellte (Cottbus, Berlin)
Seit 12/2012: tätig bei der Akademie der Unfallchirurgie GmbH

Projektmanagement TKmed® / TeleKooperation TNW ®