Der Wuppertaler Studiengang Sicherheitstechnik vermittelt Kenntnisse, die weit über die gewöhnliche Ingenieursausbildung hinausgehen und ein sicherheitstechnisches Fachwissen schaffen, das in den verschiedenartigsten Facetten des Bevölkerungsschutzes, Arbeitsschutzes, Brandschutzes, Umweltschutzes und Qualitätswesens zum Ausdruck kommt. Dieser Studiengang der Bergischen Universität Wuppertal (BUW) kann sowohl als Bachelorstudiengang als auch als Masterstudiengang studiert werden und bietet den Studierenden nicht nur einen hohen Praxisbezug im Studium, sondern auch eine große Bandbreite an Berufsfeldern nach Abschluss des Studiums.

Entstehung und Beweggründe des ­Studiengangs

Schon seit Gründung der BUW im Jahr 1972 war auch die Sicherheitstechnik bereits ein Bestandteil, damals noch als eine von vier Fachrichtungen im damaligen Fachbereich Maschinentechnik. Drei Jahre später, 1975, wurde dann, infolge fortschreitender Ausweitung des Schwerpunktes Sicherheitstechnik und im Rahmen einer neuen Gliederung, ein eigener Fachbereich dafür geschaffen. Der Studiengang war zu diesem Zeitpunkt deutschlandweit einzigartig. Im Wintersemester 2003/2004 erfolgte dann schließlich die Umstellung vom ­Diplomstudiengang auf den Bachelor- und Masterstudiengang. So entstand der Fachbereich D mit den Fachabteilungen Bauingenieurwesen, Maschinentechnik und Sicherheitstechnik, welcher 2007 noch um den Fachbereich Architektur erweitert wurde. Außerdem erlangte die Sicherheitstechnik auf diese Weise das Promotionsrecht, welches die Erlangung des Grades eines Doktors der Ingenieurwissenschaften (Dr.-Ing.) oder eines Doktors der Sicherheitswissenschaften Doktor rerum securitatis (Dr. rer. sec.) möglich macht. Insgesamt 14 Lehrstühle umfasst der Studiengang heute, von denen nur Systematische Sicherheitstechnik, Arbeitssicherheit sowie Brandschutz bereits seit der Gründung bestehen.

Die drei möglichen, sicherheitstechnischen Abschlüsse sind der Bachelor of Science (B. Sc.) Sicherheitstechnik, der Master of Science (M. Sc.) Sicherheitstechnik sowie der Master of Science Qualitätsingenieurwesen. Im Folgenden sollen die drei Studiengänge noch weiter erläutert werden.

Inhalte und Ziele der Sicherheitstechnik

Die Sicherheitstechnik befasst sich mit den Gefährdungen und Risiken, denen der Mensch und seine Umwelt, insbesondere im Umgang mit der Technik, ausgesetzt sind. Es geht primär darum, das Zustandekommen der Risiken zu verstehen und Methoden zu ihrer Bewältigung zu entwickeln. Die jährlichen Unfallzahlen und Sachschadenkosten in der Bundesrepublik Deutschland lassen die ethischen, juristischen und ökonomischen Folgen mangelnder Unfallverhütung erkennen und beweisen den Bedarf einer wirksamen Verbesserung. Ziel der Sicherheitstechnik ist es daher, praktische Maßnahmen zur Verbesserung der Sicherheit und zum Schutz vor Unfällen und Schadensfällen durch fundierte Forschung und Lehre zu erreichen.

Die Verhinderung von Personenschäden und die Minimierung von Sach- und Güterschäden stehen an oberster Stelle. Zahlreiche Arbeitsunfälle jedes Jahr in Deutschland, darunter auch einige mit tödlichem Ausgang, Gefährdungen durch chemische oder physikalische Einwirkungen und rechtliche Aspekte des Arbeitsschutzes machen den Sicherheitsingenieur unverzichtbar.

Profil des Studienganges

Das neue Curriculum der Sicherheitstechnik-Studiengänge bietet den Studierenden mehr Möglichkeiten zur Spezialisierung und zum selbstständigen Auswählen und Vertiefen der Schwerpunkte als jemals zuvor. Darüber hinaus wird im Studium großer Wert darauf gelegt, theoretisches Wissen und praktische Erfahrung sinnvoll miteinander zu verbinden. So müssen die Studierenden vor Beginn des eigentlichen Studiums des B. Sc. Sicherheitstechnik ein Vorpraktikum ableisten, um Kenntnisse zu erwerben, die sie für einen erfolgreichen Start dringend benötigen. Ziel dieses zwölfwöchigen Praktikums ist es, dass die Studienanfänger Kenntnisse über die wesentlichen Arbeitsvorgänge in Industriebetrieben erlangen. Auch während des Studiums sind noch Fachpraktika und Laborarbeiten abzuleisten. Dieser große Arbeitsaufwand macht das Studium jedoch andererseits zu einer Vollzeitbeschäftigung, die kaum nebenberuflich erbracht werden kann.

Der Bachelorstudiengang Sicherheitstechnik hat eine Regelstudienzeit von sechs Semestern, in denen sich die Studenten mit sicherheitsrelevanten Problemstellungen aus den Bereichen Arbeitsschutz, Brand- und Bevölkerungsschutz und dem Umweltschutz auseinandersetzen. Sie erlernen diese Probleme zu identifizieren und systematisch zu lösen.

Zu Beginn des Studiums werden die mathematischen, natur- und ingenieurwissenschaftlichen Grundlagen sowie die Erkenntnisse der vielfältigen Interaktionen des Menschen mit seiner Arbeitsumwelt und auch das grundlegende und methodische Ingenieurwissen vermittelt. Im weiteren Studienverlauf legen die Studenten wahlweise ihre vertiefenden Schwerpunkte aus den Bereichen „Arbeit und Umwelt“, „Brand- und Explo­sionsschutz“, „Bevölkerungsschutz“, „Qualität und Zuverlässigkeit“ oder „Sicherheit im Luftverkehr“ fest. Diese Modulblöcke können entsprechend der Abbildung kombiniert werden (s. Grafik). Zum Ende des Studiums wird abschließend die Bachelorthesis geschrieben, in der der Student sein erlerntes Wissen problembezogen anwenden soll. Weiterhin bietet der Abschluss die Zulassungsqualifikation für disziplinär oder interdisziplinär ausgelegte Masterstudiengänge an der Bergischen Universität Wuppertal und anderen Hochschulen.

Die Masterstudiengänge „Sicherheitstechnik“ und „Qualitätsingenieurwesen“ haben beide eine Studiendauer von vier Semestern. Zunächst werden auch hier die wesentlichen mathematischen, natur- und ingenieurwissenschaftlichen Grundlagen vermittelt. Weiterhin erhalten die Studenten Kenntnisse aus der Betriebswirtschaftslehre sowie dem Bereich Projektmanagement. Im weiteren Verlauf unterscheiden sich die beiden Masterstudiengänge in ihrem Aufbau: Der Masterstudiengang Sicherheitstechnik bezieht sich auf eine wissenschaftlich-methodische Vertiefung der Denk- und Arbeitsweise eines Sicherheitsingenieurs. Das Studium orientiert sich dabei insbesondere an der Integration wissenschaftlicher Vorgehensweisen aus einer Vielzahl von Fachgebieten zu einer ingenieurswissenschaftlichen Perspektive, die eine Identifikation, Beurteilung und Lösung sicherheitstechnisch relevanter Problemstellungen methodisch fundiert ermöglicht. Beim Anlegen der Prüfungsakte im Masterstudiengang Sicherheitstechnik können sich die Studenten für mindestens einen der Schwerpunkte „Arbeitssicherheit“, „Umweltsicherheit“ und „Bevölkerungsschutz und Brandschutz“ entscheiden. Der Schwerpunkt „Arbeitssicherheit“ zielt vorrangig auf die Erlangung und Erhaltung von dauerhaft sicheren Tätigkeiten der Beschäftigten ab. Im „Umweltschutz“ werden profunde Kenntnisse zu Umweltschutztechnologien, zum Energiemanagement und zur Arbeitssicherheit sowie die Fähigkeit, Problemlösungsprozesse mit analytischem Sachverstand und methodischer Vorgehensweise auf dem Gebiet des Umweltschutzes zu bewältigen, vermittelt. Der „Bevölkerungsschutz und Brandschutz“ fokussiert neben einem ganzheitlichen Ansatz zur Planung und zum Management von Schadenslagen unterschiedlicher Ursachen, auch die spezifische Gefährdung durch Brände.

Ziel des Masterstudienganges Qualitätsingenieurwesen ist die Vermittlung von ingenieur- und qualitätswissenschaftlichen Kenntnissen und Methoden, verbunden mit der Ausprägung von Sozial- und Methodenkompetenz durch Projekt und Seminararbeit. In diesem Masterstudiengang müssen nicht, wie oben genannt, Schwerpunkte gewählt werden, sondern Vertiefungen aus den Bereichen Sicherheitstechnik, Maschinenbau, Elektrotechnik oder Bauingenieurwesen. Hierzu werden Kenntnisse, Fähig- und Fertigkeiten auf dem Gebiet der modernen Qualitätswissenschaft vermittelt, die branchenübergreifend angewendet und eingesetzt werden können. Im Anschluss an das Studium haben die Absolventen die Möglichkeit, sich für eine Promotion zu entscheiden.

Durch die gute Zusammenarbeit mit vielen Kooperationspartnern besteht die Möglichkeit, weitere Zusatzqualifikationen, wie beispielsweise Strahlenschutzbeauftragter, Brandschutzbeauftragter oder Fachkraft für Arbeitssicherheit, im Rahmen der universitären Ausbildung im Bachelor sowie in den Masterstudiengängen zu erhalten.

Profil der Studierenden und Alumni

Die Studenten kommen aus ganz Deutschland nach Wuppertal, von Garmisch bis Hamburg, von Aachen bis Frankfurt an der Oder und zunehmend auch aus dem Ausland, Netzwerke bilden sich fast automatisch. Im Anschluss finden sich die Absolventen dann auch quer durch die gesamte Republik wieder. Kontakte in sämtliche Branchen sind damit garantiert. Die hohe Nachfrage der inhaltlich breit ausgebildeten Absolventen schließt eine Arbeitslosigkeit
nach dem Studium zu fast 100 % aus. Zahlreiche Kontakte zu Unternehmen bilden sich bereits während des Studiums durch Praktika oder Abschlussarbeiten.

Blick in die Zukunft

Seit Gründung der Sicherheitstechnik war es ein wichtiges Prinzip, mit der Zeit zu gehen. Themenbereiche sind weggefallen, neue hinzugekommen. In den letzten Jahren wurden drei neue Lehrstühle geschaffen; der Lehrstuhl „Sicherheitstechnik/Risikomanagement“, der Lehrstuhl „Bevölkerungs- und Katastrophenschutz“ und der Lehrstuhl „Abwehrender Brandschutz“ runden nun das Gesamtbild ab.

Bereits 2003 erfolgte die Umstellung von Diplom auf Bachelor/Master. Kürzlich reakkreditiert, hat sich der Studiengang sowohl im Bachelor als auch im Master den neuen Anforderungen angepasst.

Autoren:
Albert Kißlinger, Thekla Löhr, Angelina Zier
Anschrift für die Verfasser:
Ing. Albert Kißlinger M.sc.
Öffentlichkeitsarbeit der Abteilung Sicherheitstechnik
Bergische Universität Wuppertal
E-Mail: pr.site@uni-wuppertal.de
http://site.uni-wuppertal.de

Ing. Albert Kißlinger M.sc.
geb. am 24. Januar 1981 in ­Mirskofen (BY)

  • 2005 – 2009: Studium Bachelor Sicher­heits­technik, Universität Wuppertal
  • 2009 – 2011: Studium Master Brandschutz, Universität Wuppertal
  • Seit 2011: Promotionsstudium und Wissenschaftlicher Mitarbeiter, Projekt TIBRO, Universität Wuppertal