Der Wunsch nach Mobilität gepaart mit dem gleichzeitigen Bedürfnis nach Sicherheit von Reisenden ist eine Herausforderung, der sich Verkehrsbetriebe und Flughafenbetreiber nicht erst seit dem gescheiterten Bombenanschlag im Dezember 2012 am Bonner Hauptbahnhof stellen. Über die Videoüberwachung hinaus gibt es elementare Sicherheitsmaßnahmen, die meist vom Reisenden unbemerkt bleiben. Sicherheit ist an Flughäfen eine der anspruchsvollsten Aufgaben. Große Verkehrsflughäfen verfügen über eine Vielzahl unterschiedlicher Gebäude. Deswegen sind insbesondere die Maßnahmen des Bereiches Vorbeugender Brandschutz zur präventiven Gefahrenabwehr und Vermeidung von Schäden im Voraus von großer Bedeutung.

Der Düsseldorf International Airport ist als Luftverkehrsdrehkreuz mit über 20 Millionen Passagieren in 2012 der größte Flughafen Nordrhein-Westfalens. 70 Fluggesellschaften starten von hier zu über 190 Zielen weltweit. In einer der wirtschaftlich stärksten Regionen Europas mit 18 Millionen Einwohnern in einem Umkreis von 100 Kilometern gelegen, hat Düsseldorf International eine herausragende Bedeutung für die Erfüllung der Mobilitätsbedürfnisse der Bürger und der Wirtschaft in NRW und den südöstlichen Niederlanden.

Die Flughafengesellschaft hat umfassende organisatorische und technische Konsequenzen aus dem Brandunglück 1996 gezogen. So wurde für den Düsseldorfer Flughafen von führenden Brandschutzexperten zum Beispiel ein völlig neuartiges Brandschutzkonzept entwickelt. Die Schwerpunkte liegen in den Bereichen Brandlastminimierung, Fluchtwegesituation, Entrauchung und Brandfrüherkennung. Ein Alarm- und Informationsmanagement-System erkennt zudem Gefahrensituationen und löst u. a. aktiv technische sowie dynamische Interaktionen zur Gefahrenabwehr und Fluchtwegesteuerung aus.

Der Düsseldorf International Airport ist im Vorbeugenden Brandschutz technisch auf dem neuesten Stand. Das Brandschutzkonzept basiert:

  • auf einer modernen Brandmeldeanlage, um eventuelle Gefahren frühzeitig zu erkennen,
  • auf einem optimalen Rettungswegekonzept, da der Personenschutz am Flughafen eindeutig an erster Stelle steht,
  • auf einer effektiven Entrauchungsanlage in allen öffentlichen Bereichen, um im Brandfall Rauch sofort aus den Gebäuden ins Freie abzuführen.

 

Neben baulichen und anlagentechnischen Elementen wird das „Integrierte Gefahrenabwehrmanagement“ des Airports durch eine organisatorische Komponente ergänzt und unterstützt. Trotz der vielen Technik bleibt der Mensch auch heutzutage eine entscheidende Komponente im Vorbeugenden Brandschutz. Als Ergänzung zur Gefahrenabwehr gibt es daher ein weitreichendes Schulungskonzept für Flughafenmitarbeiter, das z. B. regelmäßige Gebäuderäumungsübungen beinhaltet.

Feuerwehr und Vorbeugender ­Brandschutz

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„Safety first“ lautet die wichtigste Regel im Luftverkehr. Auch am Boden, auf dem Flughafen selbst, kommt Sicherheit an erster Stelle und damit der ­Feuerwehr an einem Airport eine zentrale Rolle zu: Ohne eine einsatzbereite Feuerwehr startet und landet kein Flugzeug. Auch in der Notfallplanung vom Düsseldorf International Airport hat die Flughafen­feuerwehr eine Schlüsselfunktion. Die Einheiten „Werksfeuerwehr“, „Vorbeugender Brandschutz“ sowie „Notfall- und Gefahrenabwehr-Planung“ sind eigenständige Abteilungen, die in einem Zentralbereich zusammengeführt werden. Die so erzeugte Vernetzung hat sich in den letzten zehn Jahren bestens bewährt.

Am Düsseldorfer Airport ist die Feuerwehr 24 Stunden am Tag im Dienst. Ihr Aufgabenbereich erstreckt sich vom Flugzeug- und Gebäudebrandschutz über technische Hilfsleistungen, Unterstützung bei Gefahrgutunfällen und im Umweltschutz bis hin zum Rettungsdienst für den gesamten Airportbereich. Als Flughafenbetreiber trägt Düsseldorf International Airport die Verantwortung für das Rettungs- und Feuerlöschwesen vor Ort, das den Richtlinien der Internationalen Zivilluftfahrtorganisation (ICAO) entspricht.

Zwei Feuerwachen auf dem ­Airportgelände

Das Herz der Flughafenfeuerwehr ist die Sicherheitszentrale inklusive der Störungsstelle. Hier laufen jeder Notruf und jeder Alarm ein, die auf dem Airport-Gelände telefonisch, über die SOS-Säulen im Terminal, die Brandmelder oder die Aufzüge gemeldet werden. Rund 28 000 Brandmelder sind in den Gebäuden auf dem Flughafengelände im Einsatz. Düsseldorf International hat ein ausgefeiltes Alarm- und Informationsmanagementsystem eingerichtet. Läuft ein Alarm auf, löst er automatisch eine Vielzahl von Sicherheitsmaßnahmen wie Aufzugsteuerungen, Fluchttüren und Ent­rauchungsanlagen aus. Eine Vernetzung in dieser Dimension gibt es kaum ein zweites Mal in Europa.Um zu gewährleisten, dass die Feuerwehr gemäß den  ICAO-Richtlinien jeden Punkt des Start- und Landebahnsystems innerhalb von höchstens drei Minuten erreichen kann, verfügt Düsseldorf International über zwei Feuerwachen, die zu diesem Zweck neben anderen Fahrzeugen mit den dazu vorgeschriebenen Großlöschfahrzeugen ausgerüstet sind. Insgesamt 165 Beschäftigte sind bei der Flughafen-Feuerwehr tätig. Die tägliche Wachstärke beträgt mindestens 35 Personen.

Einsatzbereich Flugzeugbrandschutz

Die Flughafenfeuerwehr am Düsseldorfer Airport ist für den Notfall gerüstet: 30 Sekunden nach dem Auslösen eines Alarms, etwa bei einer angekündigten Notlandung, rückt das letzte Fahrzeug der Feuerwehr aus.

Mit Spezialfahrzeugen und -geräten sowie modernstem Equipment ist die Flughafenfeuerwehr entsprechend den ICAO-Richtlinien einsatzbereit. Sie verfügt über sieben Großflughafen-Löschfahrzeuge für den Flugzeugbrandschutz. Die sechs „Panther“-Einsatzfahrzeuge der Feuerwehr sind jeweils mit mindestens 10 000 Litern Wasser, 1 000 Litern Löschschaum und 500 Kilogramm Löschpulver ausgestattet. Das „Flottenalter“ des Fuhrparks der Feuerwehrfahrzeuge beträgt durchschnittlich fünf Jahre.

Bei einer Notlandung gibt es einen sogenannten Bereitstellungsalarm: Die Feuerwehr steht mit den entsprechenden Lösch- und Rettungsfahrzeugen am Start- und Landebahnsystem bereit, um einen möglichen Brand zu bekämpfen, eine Evakuierung des Flugzeugs zu ermöglichen und zu sichern. In einem solchen Fall kommen zwei der ICAO-Löschzüge zum Einsatz. Jeder stellt eine eigenständige Einheit zur Flugzeugbrandbekämpfung dar und besteht aus drei Großflughafen-Löschfahrzeugen (zwei „Panther“ und ein „Panther-HRET“) mit insgesamt 32 500 Litern Wasser, 3 500 Litern Schaummittel und 1 500 Kilogramm Löschpulver.

Zudem gibt es im Flugzeugbrandschutz noch weitere Bereiche, in denen die Feuerwehr tätig wird: Lässt ein Pilot ein Flugzeug betanken, während Passagiere an Bord sind, leitet die Feuerwehr die Feuersicherheitswache. Zum Einsatz kommt die Wehr auch bei der Kühlung überhitzter Flugzeugbremsen oder der Aufnahme ausgelaufener Chemikalien im Frachtraum. Zu den technischen Hilfsleistungen der Feuerwehr gehören u. a. Aufräumarbeiten nach einem Verkehrsunfall, Unterstützung bei Bergungsarbeiten oder das Eingreifen bei Wasser- und Sturmschäden.

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Einsatzbereich Gebäudebrandschutz

Der vorbeugende Brandschutz, der alle Maßnahmen der präventiven Gefahrenabwehr und der Vermeidung von Schäden umfasst, ist am Düsseldorfer Flughafen in einem eigenen Bereich zusammengefasst. Neben der baulichen und anlagentechnischen Komponente wird das Brandschutzkonzept durch ein „Integriertes Gefahrenabwehrmanagement“ ergänzt und unterstützt.

Im gesamten Terminal ermöglicht die flächendeckende Brandfrüherkennung eine schnelle Lokalisierung von Rauchentwicklungen. Spezielle Gefahrenbereiche (Gastronomie- und Küchenbetriebe) werden gesondert überwacht. Ein umfangreiches Entrauchungskonzept verhindert, im Zusammenwirken mit den Rauch- und Feuerschutzabschnitten, eine großflächige Verrauchung des Terminalbereiches. Treppenhäuser und Aufzugsschächte werden darüber hinaus durch eine Überdruckbelüftung vor Verrauchung geschützt. In den Gebäuden des Flughafens und auf dem gesamten Gelände sind insgesamt etwa 3 500 Feuerlöscher aller Größen installiert.

Eine wichtige Maßnahme im Rahmen des Personenschutzes ist die schnelle Evakuierung des Gefahrenbereiches. Eine elektroakustische Anlage steuert und überwacht rund 9 300 Lautsprecher in allen Terminalbereichen. Störungen werden von der Anlage erkannt und gemeldet. Die Aktivierung von Evakuierungsdurchsagen erfolgt automatisch über die Brandmeldeanlage oder kann manuell von der Flughafenfeuerwehr vorgenommen werden. Regelmäßig führt der Flughafen bei laufendem Betrieb Evakuierungsübungen durch. Bei größeren Veranstaltungen stellt die Flughafenfeuerwehr die Brandsicherheitswache.

Aus- und ­Weiterbildung

Die wichtigen Aufgaben der Feuerwehr am Düsseldorfer Flughafen spiegeln sich in der umfangreichen Ausbildung der Mitarbeiter. Über die normale Berufsfeuerwehr-Ausbildung hinaus werden die Mitarbeiter zusätzlich in flughafenspezifischen Themen geschult. Neben dieser „Zusatzausbildung Flugzeug“ und der notfallrettungstechnischen Fortbildung gehört auch eine feuerwehrtechnische Weiterbildung zum regelmäßigen Programm der Feuerwehrleute. Dazu zählen u. a. Schulungen zu den Themen Atemschutz, Gefahrgut und Strahlenschutz, Sanitätsausbildung oder Höhensicherung sowie regelmäßige Heißausbildung.

Übungen

Regelmäßige Übungen sind ein wichtiger Bestandteil der Arbeit der Flughafenfeuerwehr. So führt die Feuerwehr regelmäßig Lösch-, Einsatz- und Anfahrübungen durch, trainiert die Höhenrettung und die Rettung verunglückter oder eingeklemmter Personen sowie bei Spezialübungen die Zusammenarbeit mit anderen Behörden wie der Bundespolizei.

Alle zwei Jahre finden unter Beteiligung der Feuerwehr große Flugunfallübungen statt, deren Ziel eine praxisorientierte Überprüfung des Gefahrenabwehrmanagements unter Überprüfung des Zusammenspiels der beteiligten Einsatzkräfte ist. Diese Übungen, ebenso wie regelmäßige Räumungsübungen, sind ein essentieller Teil der Notfall- und Gefahrenabwehrplanung.

Anschrift des Verfassers:
Thomas Poos
Leiter Zentralbereich Personal­management und Sicherheit
Flughafen Düsseldorf GmbH
Tel.: 0211 / 4212-207
Fax: 0211 / 4212-037
E-Mail: poos@dus-int.de