15. Mai 2012: Meldung aus dem US-Bundesstaat Arizona. 1 000 Hektar Wald sind von Buschfeuern erfasst. Die örtlichen Medien melden: Starke Feuerwehrkräfte kämpfen in diesem beliebten Erholungsgebiet, dem „Tonto National Forest“ nördlich von Phoenix, gegen die Flammen. Die Feuer sind noch in 50 Kilometer Entfernung zu sehen. Den Behörden zufolge wurden bisher keine Menschen verletzt und keine Wohnhäuser beschädigt.

Buschfeuer in Übersee? Welche Auswirkungen haben solche Schadensereignisse auf unseren Kontinent? Was interessiert das uns Europäer?
Szenen- und Ortswechsel: Der Sommer kommt. Und es ist jedes Jahr das gleiche Bild: Rund um das Mittelmeer stehen die Wälder in Flammen. Zwischen 50 000 und 60 000 Brände sind es in Frankreich (vor allem auf Korsika), Griechenland, Italien, Portugal und Spanien; sie vernichten regelmäßig 400 000 bis 600 000 Hektar Wald.
Die Brandursache: der Mensch.
Aber auch in anderen Hemisphären leiden Menschen unter der Waldbrandgefahr: so vorwiegend in Australien, Kalifornien, aber auch in Russland und Israel.

Israel

Waldbrand Portugal_web

Brandbekämpfung in Portugal.
(Bild: @fire, Internationaler Katastrophenschutz Deutschland e. V.)

Dezember 2010. Seit vier Tagen wütet im Norden des Landes, dem Karmel-Gebirge, ein Großfeuer. Eine Fläche von 50 mal 120 km2 wird vernichtet, 40 Prozent des auf bis zu 550 Meter aufsteigenden Naturparks sind zerstört. Vor den Flammen flüchtend, müssen 17 000 Menschen ihre Häuser verlassen; sie werden in mobilen Wohncontainern untergebracht. 41 Menschen kommen ums Leben.
Das ist die eine Zahl – die der Betroffenen und Opfer. Doch sie lässt schon das Ausmaß von menschlich beeinflussten Naturkatastrophen erkennen.
Die andere Zahl beleuchtet die Anstrengungen, die zur Kontrolle und zum Löscherfolg benötigt werden. Über 3 000 Feuerwehrmänner und Soldaten sind im Einsatz. Elf israelische Löschflugzeuge und 24 Löschflugzeuge aus dem Ausland bekämpfen in dem schwer zugänglichen Gelände das Feuer aus der Luft. Und erst als die israelische Regierung unter Leitung von Premierminister Benjamin Netanjahu das weltgrößte Löschflugzeug der Welt in den Vereinigten Staaten von Amerika anmietet – eine umgebaute Boeing 747 – gelingt es, das Feuer zu löschen. Der Superbomber versprüht bei jedem Einsatz 80 000 Liter Löschmittel. Zum Vergleich: der freihängende Wassertank eines Großhubschraubers vom Typ CH 53 fasst 5 000 Liter.

Netanjahu: „Wir erkannten schnell, dass wir mit eigenen Kräften erfolglos sein würden und so baten wir um internationale Hilfe. Sie wurde bereitgestellt (selbst Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas entsandte vier Löschfahrzeuge! Anm. d. Red.) und jetzt hat der Staat ein intensives Aufforstungsprogramm gestartet.“
Die Ursache für diese Katastrophe: Fahrlässigkeit beim Umgang mit offenem Feuer und Brandstiftung, die angefacht von heftigen Winden und begünstigt durch wochenlange Trockenheit eine schnelle Ausbreitung der Flammen bewirkte.
CP fragt nach den Gründen, warum sich in den vergangenen 50 Jahren die Anzahl der Brände vervielfacht hat und die betroffenen Flächen immer größer werden.

Die Entwicklung der Waldbrände

Ein Waldbrand durchläuft in der Regel drei Phasen. Er beginnt mit einem Lauffeuer am Boden, das sich relativ leicht bekämpfen lässt. Bei Nadelgehölzen kann dieses Bodenfeuer schnell auf die Baumwipfel überspringen und zu einer schnellen Brandausbreitung führen. Dies führt zum Voll- oder Totalbrand.
Bei der Bekämpfung wird zwischen Bodenbrand und Wipfelbrand unterschieden.
Feuerschneisen entlang der Bergsättel, die während des Winters geschlagen wurden, sollen den nächsten Waldbrand erschweren und den Überschlag verhindern. Dabei ist zu beachten, dass Wildfeuer den Berg viel schneller hinauf als hinunter züngeln. Am Kamm werden die Kraft und die Geschwindigkeit abgebremst; so soll dort der Brand seine Nahrung verlieren.

Brandursachen

Die Behauptung, der Mensch sei an den Waldbränden Schuld, klingt simpel. Und doch sind nur vier Prozent aller Waldbrände auf natürliche Ursachen, wie Blitzschläge, vulkanische Aktivitäten und Selbstentzündung zurückzuführen. Solche Ereignisse würden bei einer Durchmischung der Baumarten zum einen nur kleinflächig auftreten und zum anderen bei Laubmischwäldern eine Resistenz vor Bränden bewirken. Ganz im Gegenteil zu Nadelholzkulturen oder Eukalypten, die vom Menschen wegen ihres schnellen Wachstums, ihrer Pflegeleichtigkeit und ihrem wirtschaftlichen Erfolg bewirtschaftet werden und zu Monostrukturen führen.
Natürliche Waldbrände sind folglich durch anthropogene Einwirkungen verändert und wirken manipulativ auf das Ökosystem Wald.
Professor Johann Georg Goldammer, der Leiter des Global Fire Monitoring Center in Freiburg/Breisgau, erläutert dieses Ökosystem so:
„Angepasste und feuertolerante Ökosysteme ähneln sich. Feuer, das in regelmäßigen, kurzen Zyklen auftritt, schädigt sie nicht, weil es viele Pflanzen gibt, die es überleben. Ohne Feuer nehmen andere Arten überhand und verdrängen großflächig die toleranten Vertreter. Dadurch sinkt letztlich die Artenvielfalt […]. Eine extreme Form der Anpassung ist die Abhängigkeit von Feuer. Diese Pflanzen können sich ohne Brände nicht regenerieren. Die Zapfen oder Samenkapseln bestimmter Kiefern und Eukalyptusbäume sind durch Harz so fest verschlossen, dass die Sonnenstrahlung sie nicht knackt. Sie brauchen die Hitze eines Brandes, um sich zu öffnen.“
Dort, wo der Mensch durch Zersiedelung (Stadtflucht) und Entvölkerung (Landflucht) die Ausgewogenheit von Wald-, Agrar- und Siedlungsflächen stört, zeigt sich die steigende Anfälligkeit von flächenhaften Boden- und Waldbränden.
Wir haben in den überseeischen Gebieten und im Mittelmeerraum, so Prof. Goldammer, unterschiedliche Siedlungstrends; folglich lassen sich diese Regionen nur sehr bedingt miteinander vergleichen.
In Übersee verlassen die Menschen Städte und Ballungsgebiete, um sich ihr Domizil im ‚Grünen’ zu bauen. Durch die Stadtflucht folgt die Zersiedelung der Landschaft. Wenn dazu als bevorzugter Baustoff Holz kommt, ist die Brandlast außergewöhnlich hoch. Kommt es dann durch Fahrlässigkeit zum Entzünden von Gras- und Buschformationen, wie durch „wilde Lagerfeuer“, weggeworfene Zigaretten und Streichhölzer, durch heiße Katalysatoren von Autos und Auspuffrohre von Motorrädern, so wird das bis dato funktionierende Ökosystem gestört und zerstört.
Im Mittelmeer sorgt die gegenläufige Bewegung für Brände im schwach besiedelten Inland. Dort herrscht die Landflucht vor. Beispielsweise wohnen in Griechenland und Portugal über 80 Prozent der Bevölkerung in den Agglomerationen entlang der Küsten. Nur ein Fünftel lebt noch im Landesinneren und das bewirkt folgende Situation: Die Dörfer sind entvölkert, die Landwirtschaft wird nur noch von wenigen, meist überalterten Bewohnern ausgeführt, das zur Beheizung der Häuser in den Wäldern gesammelte Brennholz bleibt liegen; die „Brandmasse“ nimmt zu.
Vorsätzliche Brandstiftung wird oftmals als Brandursache genannt. Indes ist die fahrlässige Brandstiftung ein Phänomen der Agrarwirtschaft. Noch immer verbrennen viele Bauern Erntereste oder Weideflächen, um abgestorbenes Pflanzenmaterial zu entfernen. Diese Feuer geraten zunehmend außer Kontrolle, weil die Bewohner der Dörfer sich nicht mehr gegenseitig helfen können und die brachliegenden Flächen verwildern. Sie wirken somit nicht mehr als Feuerschneisen, sondern als Leitflächen für Bodenfeuer.
Wenn Feuer in kurzen Zyklen und flächenhaft auftreten, dann wirkt neben den menschlich negativen Einflüssen auch der Klimawandel. Längere Trockenzeiten mit höheren Temperaturen im Sommer glühen den Boden aus und vernichten die Humusschicht. Bei den herbstlichen Niederschlägen halten die Wurzeln nicht mehr, es kommt zur flächenhaften Abspülung, zu Erosion und Denudation (linien- und flächenhafte Abspülung).
Außerdem verliert der Rohstoff Holz an Bedeutung. Die Papier- und Zellulosefabriken kaufen nicht mehr auf dem freien Markt, sondern decken ihren Bedarf durch eigene Plantagen. Es sind fast ausschließlich Eukalyptusbäume; sie wachsen schnell, sind pflegeleicht, alle gleich hoch, alle gleich gut gewachsen.
Zudem kommt, dass einerseits Wildfeuer in hochentzündlichen Kiefern- und Eukalyptusbaum-Plantagen und andererseits im Kleinst- und Streuwaldbesitz, der von den Eigentümern nicht bewirtschaftet wird, reichlich Nahrung finden und außer Kontrolle geraten.
Ein weiteres Phänomen ist das Urlaubsverhalten der Südländer. Während der Trockenzeit von Juni bis Oktober ist beispielsweise Ferienzeit in Portugal. Die Bewohner der Stadtregionen, die noch immer eine enge kulturelle und familiäre Beziehung zu ihrem Geburtsort haben, fahren in Scharen in die Dörfer ihrer Vorfahren. Im August steigen die Brände rapide an; einfaches Fehlverhalten wie Müllverbrennung, Feuerwerke zu Ehren von Heiligen, Lichterprozessionen mit abbrennenden Fackeln bewirken Brände durch Desinteresse und Unachtsamkeit. Im Mittelmeerraum ein strafrechtlich nicht relevantes Tun!
Ein weiteres Element für Waldbrände ist neben der Fahrlässigkeit der Vorsatz: In einem Interview mit Geo Spezial (H. 4, 2006) beschreibt Chefinspektor António Carvalho Grundzüge pyromanischer Aktivitäten. Als ‚Feuerexperte’ des portugiesischen Innenministeriums in Lissabon untersuchte er die Brandursachen. Seine Ergebnisse bestätigen nicht nur die von Prof. Goldammer genannten Folgen der Landflucht, sondern analysieren die kriminelle Energie der Brandstifter.
Bei den begangenen Straftaten unterscheidet der Experte drei Motive:

  • blinden Vandalismus,
  • ökonomische Interessen wie Gewinnung von Bauland und Verkauf von versengten Bäumen unter Marktwert und
  • Rache.

Der letztere Aspekt macht ihm am meisten Sorge. Lust auf Rache sei die häufigste Form der Brandstiftung. Arbeitslos und ohne Bildung, ohne Familie, am Rande der Dorfgemeinschaft lebend – kurzum „Underdogs“ – wollen ihre Macht beweisen. Die wenigen Alten, die zurückbleiben, ahnen die Kriminalität, können jedoch den Anschlag nicht vermeiden.
Carvalho: Der typische Brandsatz besteht aus einer Zigarette, in die drei Streichhölzer gesteckt werden. Zehn Minuten dauert es, bis das Glimmen der Zigarette die Streichhölzer entzündet; noch einmal 20 Minuten bis das Feuer entflammt. Bis dahin hat der Brandstifter in der nächsten Bar bereits zwei Bier konsumiert. Beweise sind schwierig. Von 100 einsitzenden Brandstiftern werden 50 Prozent rückfällig.

Prävention und Forschung

Vorbeugung gegen Vorsatz und Fahrlässigkeit ist schwierig, Information die einzige Quelle, um Menschen ihr Tun und dessen Folgen vor Augen zu führen. Ergebnis: unbekannt!
Technisch ist das Ziehen von Brandschneisen – ausgerichtet an erwartbaren Flammenlängen – eine wichtige Methode. In den Schneisen wird sämtliches brennbares Material maschinell und in Handarbeit entfernt; der restliche Bodenbewuchs wird kontrolliert abgebrannt. Dazu gilt es, Beobachtungstürme zu errichten, die je nach Waldbrandwarnstufe mit Brandwächtern besetzt werden. Dazu kommen Beobachtungsflüge von Flugstaffeln.
Ein Hauptproblem ist die Löschwasserversorgung, da weder Wasserentnahmestellen (Hydranten) oder Löschteiche, vor allem in topographisch schwierigem Gelände, vorgehalten werden können. Eine Löschwasserversorgung über lange Strecken ist personal- und zeitaufwändig. So bleiben immer wieder nur die Einsätze von Feuerlöschflugzeugen. In Deutschland hält die Deutsche Löschflugzeug Rettungsstaffel (DLFR) solche Flugzeuge bereit, die im Notfall von CH 53-Hubschraubern der Bundeswehr unterstützt werden.
Ergänzend wird je nach Bundesland die Helikopterstaffel der Landespolizei eingesetzt, wobei die Kapazitäten von Land zu Land stark variieren.
Das bereits genannte Global Fire Monitoring Center (GMFC) in Freiburg ist eine Zweigstelle des Max-Planck-Instituts für Chemie. Dessen Leiter, der Forstwissenschaftler Johann Georg Goldammer, Inhaber einer Professur für Feuerökologie, hat im Rahmen seiner Forschungsvorhaben „Strategien zur globalen Waldbrandbekämpfung“ entwickelt, die unter anderem im Auftrag der Vereinten Nationen – „International Strategy for Disaster Reduction“ – Mitgliedsländer zur Feuerökologie aber auch bei der Bekämpfung von Waldbränden berät.
Doch was helfen alle Strategien, wenn menschliches Handeln jedwede Vernunft missachtet: Ende April 2012, so vermeldete Agence France Presse (afp), wurde ein ehemaliger australischer Feuerwehrmann zu 17 Jahren und neun Monaten Haft verurteilt. Der 42-jährige hatte im Februar 2009 in der Stadt Churchill ein Feuer entzündet, das zehn Menschen tötete und mehr als 150 Häuser zerstörte. Wegen der Schwere der Schuld, so befanden die Geschworenen des Obersten Gerichts des Staates Victoria, kann seine Freilassung frühestens nach 14 Jahren erfolgen.