Dr. Wolfram Krause

Die hohe Anzahl von Bränden mit Toten und Verletzten in sozialen Einrichtungen zeigt den großen Handlungsbedarf für den Brandschutz auf. Kritisch ist dabei die Fremdrettung vieler Menschen mit eingeschränkter Mobilität oder Orientierung innerhalb kürzester Zeiträume. Eine mögliche Lösung sind Sprinkleranlagen, die diese Frist deutlich verlängern können. Durch Anwendung der VdSRichtlinie 2896 können sie in sozialen Einrichtungen bereits heute wirtschaftlich installiert und betrieben werden.

Die bvfa-Brandstatistik für Seniorenwohn- und Pflegeheime spricht eine deutliche Sprache: die Anzahl der Brände dort mit Toten und Verletzten steigt seit Jahren kontinuierlich an. 2015 sind bei 111 Bränden in sozialen Einrichtungen 15 Menschen ums Leben gekommen und 329 verletzt worden. Und das, obwohl die betroffenen Einrichtungen in der Regel über den gesetzlich vorgeschriebenen Brandschutz verfügen. Die häufigsten Brandursachen waren Brandstiftungen und technische Defekte an elektrischen Geräten.

Brennpunkt Altenheim

Altenpflegeheime gelten aus Brandschutzsicht als kritische Objekte. Bei einem Brand müssen viele Bewohner mit eingeschränkter Bewegungs- und Reaktionsfähigkeit in Sicherheit gebracht werden. Das muss schnell gehen, da toxischer Brandrauch bereits nach wenigen Atemzügen zum Tod führen kann. Für das Pflegepersonal bedeutet diese kurze Zeitspanne allerdings eine große Herausforderung. Für jeden Bewohner werden etwa drei Minuten für das Verlegen in einen sicheren Bereich benötigt. Gleichzeitig sollte die Räumung des direkten Brandbereichs innerhalb von fünf Minuten abgeschlossen sein. Erschwerend kommt hinzu, dass Brände häufig während der Abend- und Nachtstunden stattfinden. In dieser Zeit ist die Zahl an Personal sehr viel reduzierter als tagsüber. Neue offene Wohnformen mit hohen Brandlasten begünstigen eine schnelle Brand- und Rauchausbreitung.
Selbst bei voller Personalbesetzung können nicht immer alle Bewohner rechtzeitig in Sicherheit gebracht werden (Abb. 1). So mussten beim Brand eines Seniorenheims in Schenefeld die Feuerwehrleute 14 Menschen retten. Drei Tote und sechs Verletzte waren zu beklagen, und das, obwohl das Haus unter anderem mit einer Brandmeldeanlage ausgestattet war und die Feuerwehr rechtzeitig eintraf.

Fremdrettung durch das Personal

Eine Studie des Instituts der Feuerwehr Sachsen-Anhalt (IdF) bestätigt, dass sich bei Raumbränden durch Hitze und toxische Brandgase in kurzer Zeit eine kritische Situation entwickelt. Die Überlebenschancen von im Brandraum befindlichen Personen sinken innerhalb weniger Minuten rapide. Der kurze Zeitraum unterschreitet häufig die Eintreffzeit der Feuerwehr, die in Großstädten etwa 10 bis 14 Minuten beträgt. Die Arbeitsgemeinschaft der Leiter der Berufsfeuerwehren (AGBF) empfiehlt deshalb in einer Richtlinie: „Pflege- und Behinderteneinrichtungen sind so zu bauen, dass die Personenrettung in aller Regel nicht der Mitwirkung der Feuerwehr bedarf.“ Dies sei notwendig, da die Feuerwehr für die Rettung von nicht selbstrettungsfähigen Personen aus dem Brandraum auch bei einer Brandfrüherkennung in der Regel zu spät kommt.
Doch wie kann das Personal in sozialen Einrichtungen wirkungsvoll bei der Fremdrettung der Bewohner unterstützt werden? Eine Erhöhung des Personalbestandes ist für viele Betreiber nicht wirtschaftlich.

Die Lösung: Sprinkleranlagen

Das IdF sieht im Bereich des Wohnungsbaus in seiner Studie die Installation von automatischen Löschanlagen wie beispielsweise Sprinkleranlagen als mögliche Lösung. Sie bekämpfen den Brand aktiv, verzögern die Brandausbreitung und wirken Hitzebelastung und Verrauchung entgegen. Die Zeitspanne zur Fremdrettung wird dadurch vergrößert und das Pflegepersonal wirksam bei der Evakuierung unterstützt.

Abb. 2: Eine Sprinkleranlage nach VdS 2896 ist im Vergleich zu industriellen Anlagen wesentlich kleiner dimensioniert und benötigt weniger Platz.

Abb. 2: Eine Sprinkleranlage nach VdS 2896 ist im Vergleich zu industriellen Anlagen wesentlich kleiner dimensioniert und benötigt weniger Platz.

Studien in Großbritannien und den USA bestätigen die positiven Auswirkungen von Sprinkleranlagen bei Bränden in Wohnbereichen. Der Report zum britischen BRE-Projekt mit zahlreichen Brandversuchen stellt zusammenfassend fest, dass Sprinkler die Bedingungen im Brandraum verbessern und die Auswirkungen von Konfektionswärme und toxischen Gasen verringern.
Zu ähnlichen Erkenntnissen gelangt eine Untersuchung der National Fire Protection Association (NFPA) aus dem Jahr 2013. Diese Studie über mehrjährige Brandauswertungen in verschiedenen Gebäudeklassen belegt die Zuverlässigkeit und Wirksamkeit von Sprinkleranlagen im Wohnbereich. Diese lösten in 91 % aller Brände aus und löschten wirksam bei 96 % aller Auslösungen. Die Mortalität bei Bränden in Seniorenheimen in den USA konnte durch den Einsatz von Sprinkleranlagen um 88 % gesenkt und die Zahl der Verletzten bzw. der Sachschäden um etwa die Hälfte reduziert werden.

Sprinkleranlagen sind wirtschaftlich

Durch die Anwendung der VdS-Richtlinie 2896 können Sprinkleranlagen bereits heute auch in Pflegeheimen wirtschaftlich installiert und betrieben werden. Die Richtlinie unterscheidet sich deutlich von der für den industriellen Einsatz konzipierten VdS CEA 4001. Die VdS 2896 sieht eine Betriebszeit von mindestens 30 Minuten vor und reduziert die Anzahl der benötigten Sprinklerdüsen. Gleichzeitig ermöglicht sie den Einsatz sogenannter „Wohnraumsprinkler“, die für größere Schutzflächen bei geringerer Wasserbeaufschlagung geeignet sind. Im Vergleich zur VdS CEA 4001 schrumpft die Wasserbevorratung auf 8 % und die benötigte Pumpenleistung auf 12 % bei halbiertem Durchmesser der Hauptzuleitung (Abb. 2).
Die Investitions- und Betriebskosten sinken im Vergleich zu industriellen Anwendungen damit deutlich. Nach Berechnungen des bvfa betragen sie in einem Pflegeheim lediglich etwa 0,32 € pro Zimmer und Tag. Voraussetzung für die Wirksamkeit und Zuverlässigkeit ist die Installation durch anerkannte Errichter unter Verwendung von VdS-anerkannten Bauteilen.

Fazit und Ausblick

Die Fremdrettung aus Alters- und Pflegeheimen wird immer schwieriger werden: Für 2030 erwartet das Statistische Bundesamt knapp 3,4 Millionen pflegebedürftige Menschen – beinahe 50 % mehr als heute. Gleichzeitig nimmt der Fachkräftemangel im Pflegebereich und bei den Feuerwehren zu. Sprinkleranlagen können den Handlungsspielraum von Pflegepersonal und Feuerwehren auch in Zukunft entscheidend verbessern.

Anschrift des Verfassers:
Dr. Wolfram Krause
bvfa – Bundesverband Technischer Brandschutz e. V.
Koellikerstr. 13
97070 Würzburg
Tel.: 0931/35292-0
E-Mail: info@bvfa.de

dr-krauseDr. Wolfram Krause

Geschäftsführer des bvfa – Bundesverband Technischer Brandschutz e. V. mit Sitz in Würzburg.

Der studierte Jurist sitzt in vielen Gremien, die maßgeblich an der Brandschutzgesetzgebung in Deutschland beteiligt sind.