Ein Netz – digital, sicher, bundesweit – für ALLE. Dieser Anspruch steht hinter dem Aufbau des BOS-Digitalfunknetzes. Alle Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS) in Deutschland sollen ein einheitliches, bundesweites und hochverfügbares Funknetz erhalten und dadurch den veralteten und lokal begrenzten Analogfunk ersetzen. Der Digitalfunk BOS ist eines der größten technischen Modernisierungsprojekte Deutschlands und wird gemeinsam durch Bund und Länder realisiert. Die Gesamtverantwortung liegt bei der Bundesanstalt für den Digitalfunk der Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben, kurz BDBOS.

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Abb. 2: TETRA-Digitalfunk- Handbedienteil am Armaturenbrett eines Polizeifahrzeugs. (Bild: Hubert Berberich/wikimedia commons)

Mittlerweile ist der Digitalfunk BOS in allen Bundesländern in Betrieb. Die Phase des Netzaufbaues wurde im Wesentlichen Ende 2014 abgeschlossen. Von den geplanten 4 500 Basisstationen an 4 300 Standorten sind derzeit 4 339 Basisstationen installiert und davon 4 330 in Betrieb und nutzbar. Damit sind aktuell mehr als 97 % der Fläche der Bundesrepublik Deutschland funkversorgt. Lediglich topografisch schwierige Regionen, beispielweise Teile der Alpen, werden derzeit noch mit dem neuen BOS-Funk ausgestattet. Bereits über 550 000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer der BOS des Bundes und aus allen Ländern nutzen den Digitalfunk BOS und profitieren von den zahlreichen Vorteilen eines bundesweit einheitlichen Netzes.

Mit Aufnahme des Betriebs in der Fläche konzentrieren sich die Aufgaben der BDBOS als Netzbetreiber nun naturgemäß auf die betrieblichen Themen. Oberste Maxime ist dabei die Gewährleistung eines zu jeder Zeit stabil funktionierenden Netzes. Mit dem Aufwuchs der Betriebsorganisation steht daher auch die Fortschreibung des Notfallmanagements im Fokus. Denn auch die am Digitalfunk BOS beteiligten Organisationen aus Bund und Ländern müssen sich auf potentiell mögliche Not- und Krisenfälle vorbereiten.

Notwendigkeit eines Notfall­managements

Es sind dramatische Momente am 16. Februar 1962 in Hamburg, als der Streifenwagen „Peter 83/2“ während der katastrophalen Sturmflut versucht, mit der Einsatzzentrale in Kontakt zu treten, um eine Lagemeldung abzusetzen. Der diensthabende Beamte im Lagedienst versucht anfangs vergeblich, mit den Polizisten vor Ort die Verbindung aufrechtzuerhalten. Die Funkverbindung ist stark gestört. Dann wird die Lage in Hamburg-Finkenwerder erkennbar: Dort stehen die Häuser vollständig unter Wasser, Menschen haben sich auf die Dächer gerettet und warten auf Hilfe. Ein Hubschrauber zur Rettung der Anwohner wird dringend benötigt.

Diese Situation ist nur ein Beispiel von vielen, macht aber überdeutlich klar, wie wichtig funktionierende Kommunikationsverbindungen der Rettungskräfte für ein effektives Katastrophenmanagement zum Wohl der Bürgerinnen und Bürger sind. „Die wichtigsten Führungsmittel sind die Kommunikationsmittel (früher: Fernmeldemittel)“, das geht sowohl aus der Katas­trophenschutz- als auch aus der Feuerwehrdienstvorschrift 100 zur Führung im Einsatz hervor. Die BDBOS stellt sich gemeinsam mit Bund und Ländern der Aufgabe, auch im Katastrophenfall die Kommunikation über das BOS-Digitalfunknetz sicherzustellen. Um für solche Krisenfälle gut vorbereitet zu sein, benötigen die BDBOS und ihre Partner ein Notfallmanagement. Ein wichtiger Aspekt hierbei sind regelmäßige Übungen.

Abb. 3: Status Funkversorgung. (Grafik: BDBOS)

Abb. 3: Status Funkversorgung. (Grafik: BDBOS)

Ziele des Notfallmanagements

Das Notfallmanagementsystem für den Digitalfunk BOS umfasst die Bereiche Prävention, Bewältigung und Nachbereitung von Notfällen. Ein Notfall entsteht, wenn ein längerer Ausfall von Prozessen und Ressourcen eintritt, der nicht innerhalb der Regelorganisation zu beherrschen ist. Für den Digitalfunk BOS ist also dann ein Notfall gegeben, wenn die Sicherheit und die Verfügbarkeit des Funkverkehrs bedroht sind oder die Nutzung nicht mehr für alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer gewährleistet werden kann. Auch wenn das oberste Ziel die Aufrechterhaltung der Verfügbarkeit ist und damit die Prävention einen großen Teil des Notfallmanagements ausmacht, müssen dennoch Vorkehrungen für einen möglichen Krisenfall getroffen werden. Bei diesen Überlegungen steht die schnellstmögliche Wiederherstellung des Regelbetriebes verbunden mit der Minimierung der Auswirkungen für die Einsatzkräfte im Fokus. Da der Digitalfunk BOS gemeinschaftlich mit dem Bund und den Ländern betrieben wird, hat die BDBOS das Notfallmanagementsystem mit allen Akteuren umfangreich abgestimmt.

Das Notfallmanagementsystem beinhaltet ein übergreifendes Notfallkonzept, das aus mehreren Teilen besteht. Es bildet die Grundlage für die Zusammenarbeit in Fragen des Notfallmanagements zwischen Bund, Ländern und der BDBOS im Digitalfunk BOS. Für eine bundesweite Harmonisierung sind darin Vorgehensweisen und Abläufe in Krisenfällen sowie die erforderlichen Strukturen, Prozesse und Maßnahmen zur Vorbeugung und Bewältigung von Notfällen festgelegt. Dies dient der BDBOS als Orientierungshilfe und unterstützt die zuständigen Behörden in Bund und Ländern bei der einheitlichen Ausrichtung des eigenen Notfallmanagements. Einen Schwerpunkt bildet hierbei die Abstimmung der Kommu­nikationsstrukturen zwischen den Beteiligten. Denn die Voraussetzung für eine effektive Krisenbewältigung ist eine eindeutige Definition von Kom­munikationswegen und Verantwortlichkeiten, damit die Krisenpläne im Krisenfall auch routiniert abgearbeitet werden können. Damit die Beteiligten die entscheidenden Strukturen, Schnittstellen und Kommunikationspartner kennen und die Wirksamkeit der entwickelten Maßnahmen überprüfen können, muss auch jedes Notfallkonzept beübt werden.

Feuertaufe durch Notfallübungen

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Abb. 4: Oberstes Ziel ist die ständige Verfügbarkeit des Digitalfunks BOS. (Bild: THW/ Rainer Mahn)

Nach mehreren Übungsbesprechungen jeweils unter Beteiligung eines Landes wurde im November 2014 erstmalig eine übergreifende Notfallübung als Stabsrahmenübung durchgeführt. Bei dieser wurde sowohl der Notfallstab der BDBOS als auch ein landesseitiger Notfallstab einberufen. Beide Stäbe bewältigten ganztägig unter realitätsnahen Bedingungen das Notfallszenario “Große Schadenslage durch einen großflächigen Stromausfall”. Im Rahmen der Übung übernahmen die verschiedenen Mitglieder der Stäbe ihre bestimmten Rollen und Aufgaben. Darüber hinaus konnten die Zusammenarbeit zwischen den beiden Stäben und damit die entscheidenden Kommunikationswege beübt werden. Die aus der Übung gewonnen Erkenntnisse wurden anschließend allen Beteiligten bei Bund und Ländern zur Verfügung gestellt. Hierzu gehört insbesondere die Feststellung, dass die bestehenden betrieblichen Abläufe bei Bund und Ländern eine solide Grundlage für die konkrete Notfallbewältigung bilden. Darüber hinaus trug der strukturierte Austausch zwischen den beteiligten Notfallstäben zum Erfolg der Krisenbewältigung maßgeblich bei. Mit dieser übergreifenden Notfallübung gilt das Notfallmanagement Digitalfunk BOS als etabliert.

Weiterentwicklung des Notfall­managementsystems

Die Einführung des Notfallmanagements markiert aber keinesfalls das Ende der Anstrengungen, sondern bildet vielmehr den Beginn einer kontinuierlichen Weiterentwicklung. Hierzu befinden sich bereits weitere Übungen in der Planung. Die Ergebnisse dieser Übungen und die weiteren Entwicklungen des Digitalfunks BOS fließen in die Fortschreibung des Notfallkonzeptes ein, stets mit dem Ziel einer optimalen Koordination von betrieblichen Maßnahmen im Ernstfall. „Unser Ziel ist es, die Verfügbarkeit und Qualität des Digitalfunks BOS durchgängig zu gewährleisten. Nur so unterstützt er effektiv und bedarfsgerecht die Einsatzkräfte bei der Krisenbewältigung. Durch unsere vielfältigen Übungen wollen wir unsere Krisenstrukturen testen und weiter optimieren“, erläutert Rolf Krost, Präsident der BDBOS.

Abb. 5: BSI-Sicherheitskarte, Vorderseite (uncodierte Musterkarte), wie sie zum Betrieb eines Behördenfunkgeräts im BOS-Netz erforderlich ist.

Abb. 5: BSI-Sicherheitskarte, Vorderseite (uncodierte Musterkarte), wie sie zum Betrieb eines Behördenfunkgeräts im BOS-Netz erforderlich ist.

Über die BDBOS

Die Bundesanstalt für den Digitalfunk der Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BDBOS) mit Sitz in Berlin verantwortet Aufbau, Betrieb und Weiterentwicklung des bundesweit einheitlichen digitalen Sprech- und Datenfunksystems Digitalfunk BOS. Zudem stellt sie die Funktionsfähigkeit sicher. Die Behörde wurde 2007 gegründet und gehört zum Geschäftsbereich des Bundesministeriums des Innern. Der Digitalfunk BOS wird von Bund und Ländern gemeinsam getragen und realisiert.

Digitalfunk BOS

Der Digitalfunk BOS ist das moderne bundeseinheitliche digitale Sprech- und Datenfunksystem der Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS) in Deutschland. Zu den Nutzern gehören neben den Polizeien aus Bund und Ländern unter anderem Feuerwehren, Rettungskräfte und das THW. Das System ermöglicht eine bundesweite und organisationsübergreifende Kommunikation für alle Einsatzkräfte und ist speziell auf deren Bedürfnisse abgestimmt. So werden mit dem Digitalfunk BOS verschiedene Dienste, wie Gruppenkommunikation und Alarmierungs- sowie Notruffunktionen, zur Verfügung gestellt. Aufgrund seiner besonderen Funktionen vereinfacht der Digitalfunk BOS die Durchführung komplexer organisationsübergreifender Einsätze – insbesondere auch in Krisenlagen und Katastrophensituationen. Dadurch unterstützt der Digitalfunk BOS bessere, schnellere und verlässlichere Hilfeleistungen für alle Bürgerinnen und Bürger.

Aufmacherbild: Basis eines effektiven Katastrophenmanagements sind funktionierende Kommunikationsverbindungen. (Bild: BDBOS/Sebastian Willke)

Heiko Seyfferth, Julia Schaub

Anschrift der Verfasser:
Heiko Seyfferth, Julia Schaub
Bundesanstalt für den Digitalfunk der Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BDBOS)
11014 Berlin
Tel.: 030/18681-45771
E-Mail: poststelle@bdbos.bund.de
URL: www.bdbos.bund.de