Eine allzeit und überall verfügbare, nahtlose und einfach zu nutzende Kommunikation ist die Grundlage für eine erfolgreiche Zusammenarbeit von Einsatzkräften in den Bereichen Innere Sicherheit, Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe. Dies gilt sowohl im alltäglichen Einsatz als auch in Krisen- und Katastrophenfällen.

Das BOS-Digitalfunknetz vereint und vereinheitlicht erstmals bundesweit die mobile Kommunikation aller Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS). Der besondere Vorteil: Funkteilnehmer können je nach Einsatzlage zentral gesteuert und BOS-übergreifend in Gruppen zusammengeschaltet werden (Abb. 1).

Weitere Vorteile für die Nutzerinnen und Nutzer sind die Abhörsicherheit des Digitalfunks BOS und die im Vergleich zum Analogfunk wesentlich bessere Sprachqualität. Umgebungslärm wird bei der Sprachübertragung weitgehend herausgefiltert. Zudem verfügen die Digitalfunkgeräte über eine Notruftaste, deren Betätigung eine direkte Sprechverbindung mit Vorrang vor allen anderen Teilnehmern aufbaut. Des Weiteren ist die Nutzung schmalbandiger Datendienste möglich: hierdurch können Statusinformationen, GPS-basierte Fahrzeug- und Personenortung oder Kurznachrichten übertragen werden. Die Hochverfügbarkeit des Netzes, das mehrfach redundant angelegt ist, stellt sicher, dass sämtliche Funktionen selbst in Krisensituationen wie bei Flutkatastrophen oder Anschlägen für die Einsatzkräfte zur Verfügung stehen.

Ein Bund-Länder Projekt auf ­Erfolgskurs

Der Digitalfunk BOS ist ein gemeinsames Projekt von Bund und Ländern mit einer klaren Aufgabenteilung. Die Bundesanstalt für den Digitalfunk der Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BDBOS) ist für die Koordination des Aufbaus, den Betrieb und die Sicherstellung der Funktionsfähigkeit des Digitalfunk BOS verantwortlich. Die Länder haben die Aufgabe übernommen, für das BOS-Digitalfunknetz geeignete Standorte zu finden, zu akquirieren und für die Anforderungen des Digitalfunk BOS zu ertüchtigen. Die Funkfeinplanung wird bundeslandspezifisch entweder von den Ländern oder von der BDBOS durchgeführt. Auf dieser Grundlage erfolgt die Installation der erforderlichen Systemtechnik. Sukzessive integriert die BDBOS die fertiggestellten Antennenstandorte in das Netz und nimmt sie in Betrieb.

Im Oktober 2013 erreichte die Netzabdeckung des BOS-Digitalfunknetzes mehr als 87,8 % der Fläche der Bundesrepublik Deutschland. Der Aufbau des Kernnetzes des BOS-Digitalfunknetzes ist abgeschlossen: Im Mai 2013 hat die BDBOS die letzte der 62 geplanten Vermittlungsstellen integriert. Auch die beiden Netzverwaltungszentren in Hannover und Berlin, die für die Überwachung und die Steuerung des BOS-Digitalfunknetzes zuständig sind, befinden sich bereits im Einsatz.

BOS-Digitalfunk, BDBOS, Kommunikation

Abb. 2: Stand von Aufbau, Integration und Inbetriebnahme des Digitalfunks in Deutschland. (Grafik: BDBOS)

Von den rund 4 500 vorgesehenen Basisstationen an etwa 4 300 Standorten waren zum 21. Oktober 2013 insgesamt 4 005 Standorte mit Systemtechnik ausgestattet und 3 600 Basisstationen in das BOS-Digitalfunknetz integriert (s. Abb. 2).

Mit dem „Nutzereigenen Management“ (NeM) wird im Rahmen des Projektes Digitalfunk BOS ein bundesweit einheitliches Instrument zur zentralen Verwaltung von Funkteilnehmern, Endgeräten und Diensten bereitgestellt. Anders als in anderen europäischen Netzen, in denen Dienstleistungen und das Netz von einem zentralen Betreiber„gemietet“ werden, können die Nutzerinnen und Nutzer des Digitalfunks BOS die Verwaltung im BOS-Digitalfunknetz eigenständig steuern. Die Migration des NeM-Werkzeugs in das BOS-Digitalfunknetz wurde im Juni 2013 abgeschlossen. Die Nutzer des Digitalfunks BOS sind nunmehr in der Lage, Funkteilnehmer und Rufgruppen eigenständig und je nach Bedarf und Einsatzlage zu organisieren.

Vom Probebetrieb in die ­Einsatzpraxis

Der Aufbau und die Inbetriebnahme des BOS-Digitalfunknetzes verlaufen parallel zueinander. Während das Netz in wenigen Regionen Deutschlands noch ausgebaut wird, gehen fertig gestellte Netzabschnitte in anderen Landesteilen in den Betrieb. Dort wo die Inbetriebnahme des Digitalfunks BOS erfolgt, wird das Netz zunächst im Rahmen eines Probebetriebes umfassend getestet, um Erfahrungen für den operativ-taktischen Einsatz zu gewinnen. Dabei können auch unerwünschte Effekte auftreten. Es ist Sinn und Zweck des Probebetriebes, umfassende Erfahrungen zu sammeln, aus ihnen zu lernen und die technischen Einstellungen des BOS-Digitalfunknetzes sowie dessen Nutzung entsprechend zu optimieren.

Zu den Regionen, in denen der Digitalfunk BOS eingesetzt wird, gehören beispielsweise Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, das Saarland, Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg, Niedersachsen, ein Großteil Sachsen-Anhalts und Nordrhein-Westfalens, Berlin, Hamburg, Bremen und München. Der norddeutsche Raum ist flächendeckend mit dem Digitalfunk BOS versorgt. Die deutschlandweite Funkversorgung wird im Wesentlichen bis Ende 2014 abgeschlossen sein.

Im September 2013 waren bereits 375 000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer im BOS-Digitalfunknetz angemeldet. Damit ist das BOS-Digitalfunknetz bereits heute das weltweit größte, auf dem TETRA-Standard basierende, Funknetz. Insgesamt sollen künftig etwa 500 000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer im BOS-Digitalfunknetz gleichzeitig funken können (s. Abb. 3).

Testfall Großlage

Besondere „Härtetests“ für den Digitalfunk BOS sind Großlagen. Hier hat sich das Leistungsspektrum des Digitalfunk BOS bereits bewährt, so etwa beim Besuch des Papstes in Berlin im September 2011, beim Castor-Transport im November 2011 in Niedersachsen oder beim Champions-League-Finale in München im Mai 2012. Die Auswertung der Messergebnisse aus diesen Großlagen war positiv.

Die aus der Praxis gewonnenen Erfahrungen dienen der Optimierung des Zusammenspiels der Netzkomponenten und der Feststellung eines etwaigen Verbesserungsbedarfs. Die Erkenntnisse aus den zurückliegenden Einsätzen tragen maßgeblich dazu bei, das BOS-Digitalfunknetz zu optimieren und so fortzuentwickeln, dass es den hohen Anforderungen der Einsatzkräfte gerecht wird.

Eine besondere Belastungsprobe stellte die zurückliegende Hochwasserkatastrophe im Süden und Osten Deutschlands dar. Die Herausforderungen lagen nicht nur in der Abwicklung des hohen Funkaufkommens während der umfangreichen Einsatzlagen und der Organisation der zahlreichen auswärtigen Helfer in den Funkgruppen, sondern auch in der direkten Bedrohung einiger Standorte des Digitalfunk BOS durch das Hochwasser selbst. Die Auswirkungen der vom Hochwasser direkt betroffenen Funkstandorte auf die Handlungsfähigkeit der eingesetzten Kräfte waren letztlich jedoch gering. Insgesamt stellte der Digitalfunk BOS unter Beweis, dass mit ihm ein Führungs- und Einsatzmittel zur Verfügung steht, welches den Anforderungen kritischer Kommunikation gerecht wird.

Elektromagnetische Verträglichkeit

Die elektromagnetische Umweltverträglichkeit des Digitalfunk BOS ist ein wichtiges Thema bei den Nutzerinnen und Nutzern. Auch Bürgerinnen und Bürger, die in der Umgebung von Basisstationen des BOS-Digitalfunknetzes wohnen, treten interessiert bis kritisch in Erscheinung. Der Informationsbedarf ist groß. Dabei gibt es bereits zahlreiche Untersuchungen. Europäische Nachbarstaaten wie Belgien, die Niederlande und Großbritannien nutzen bereits seit mehreren Jahren TETRA-Netze für ihre Sicherheitsbehörden und begleiten die Nutzung mit Studien. Bisher fand sich bei keiner wissenschaftlichen Untersuchung ein Hinweis darauf, dass sich die bei TETRA verwendeten Funkwellen nachteilig auf die Gesundheit auswirken – sofern die international wie auch in Deutschland geltenden Grenzwerte eingehalten werden. Beim Betrieb des BOS-Digitalfunknetzes werden diese Grenzwerte eingehalten.

Um das Vertrauen der Nutzerinnen und Nutzer in die Technologie des Digitalfunks BOS zu stärken, hat die BDBOS, ergänzend zu den vorhandenen wissenschaftlichen Arbeiten, zwei Studien in Auftrag gegeben, welche vom Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) fachlich und administrativ begleitet wurden.

BOS-Digitalfunk, BDBOS, Kommunikation

Abb. 3: Polizeibeamte im Einsatz. (Bild: BDBOS/Wilke)

In der SAR-Werte-Studie (SAR steht für spezifische Absorptionsrate) wurde untersucht, inwiefern beim Gebrauch von Endgeräten, die in Deutschland verwendet werden, Temperaturerhöhungen im Kopf- und Rumpfbereich auftreten können. Mit Hilfe von Computersimulationen wurde die Verteilung der Werte der spezifischen Absorptionsrate im Körper für verschiedene praxisrelevante Gebrauchspositionen, Betriebsszenarien beziehungsweise Einsatzsituationen bestimmt und sowohl maximal mögliche wie auch durchschnittlich zu erwartende Werte ermittelt. Das BfS hat die Studie abgeschlossen und den Endbericht veröffentlicht. Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass in allen realistischen Nutzungen von TETRA-Endgeräten keine Überschreitung der geltenden Grenzwerte festgestellt wurde. Diesbezüglich sind keine gesundheitlichen Auswirkungen für die Nutzerinnen und Nutzer zu erwarten.

Eine zweite Studie, die Probandenstudie, untersucht mögliche Einflüsse einer Exposition mit dem TETRA-Signal auf die Gehirnaktivität. Die Studie wird an der Charité Berlin durchgeführt und voraussichtlich Ende 2013 abgeschlossen.

Die Beschreibung der Studien sowie Informationen zum Sachstand und zu ihren Ergebnissen erhalten Sie auf den Internetseiten des BfS (www.bfs.de).

Weiterführende Informationen über den Digitalfunk BOS finden Sie auf der Internetseite der BDBOS: www.bdbos.bund.de.

Aufmacherbild: Behördenübergreifende Kommunikation mit dem Digitalfunk. (Bild: BDBOS/Wilke)

Michael Baum

Portraitfoto_BaumAnschrift des Verfassers:
Michael Baum M.A.
Referent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der BDBOS
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Grundsatz, Presse, Öffentlichkeitsarbeit, Internationales
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