Vorbereitung und Herausforderung

Am 7. und 8. Juni schaute die Welt auf Schloss Elmau. Der Gipfel der führenden Industrienationen ‚G7‘ fand in dem beschaulichen Ort im Landkreis Garmisch Partenkirchen statt. Für die Helferinnen und Helfer der Hilfsorganisationen in Bayern bedeutete der Einsatz eine große Herausforderung, die an die Einsätze von Papstbesuchen oder der Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland erinnerten.

Lagekarte. (Grafik: F. Drescher)

Lagekarte. (Grafik: F. Drescher)

„Die Vorbereitungen begannen faktisch mit der Nennung von Schloss Elmau als Tagungsort“, erklärt Frank Drescher, stellvertretender Projektleiter der Projektgruppe G7 der Hilfsorganisationen in Bayern. Zusammen mit drei Kollegen des BRK koordinierte er eine Projektleitung die Vorbereitung und den Einsatz. Die über 3 500 Helferinnen und Helfer sorgten zwischen dem 29. Mai und 9. Juni für die sanitäts- und betreuungsdienstliche Absicherung des G7-Gipfels.

Die bereits zur Fußball WM in Bayern aufgestellten taktischen Einheiten wurden auch beim G7 Gipfel geplant und in den Einsatz gebracht. Je nach Lageerfordernis wurden die Vorhaltungen der Kontingente in unterschiedlicher Einsatzbereitschaft vorgehalten. Nicht zuletzt wegen einer in einer Millionenstadt München vorhandenen Infrastruktur, Krankenhäusern mit Maximalversorgung und den der Größe und Gefahrenpotential der Stadt angepassten Grundvorhaltungen des Rettungsdienstes und des Katastrophenschutzes konnte auf die einsatzbereite Vorhaltung von Hilfeleistungs- und Transportkontingenten vor Ort in der Landeshauptstadt verzichtet werden. Lediglich an einigen Schwerpunkttagen wurden die vorgeplanten Transportkontingente in Bereitstellungsräumen vorgehalten.

Das Ausmaß des Einsatzes brachte die Helfer dennoch an Ihre Grenzen. Normale Sanitätswachdienste gehen einige Stunden bis wenige Tage. Geplant wurde der G7-Einsatz für eine Einsatzdauer von zwölf Tagen. Für die Quartiermeister, die Verpflegung und einige Kräfte im Sicherheitsbereich sogar noch länger. Auch für den einen oder anderen Helfer war die Einsatzdauer eine neue Erfahrung. Die lange Einsatzdauer machte mehrfache Personalwechsel unter nicht einfachen Bedingungen erforderlich. So wurden Kräfte in ganz Bayern an Treffpunkten gesammelt und mit Reisebussen ins Einsatzgebiet gebracht. Da die Veranstaltung über weite Strecken friedlich und ohne Einsätze für die Kontingente verlaufen ist, haben sich die im Vorfeld über den Fachbereich Bildung des BRK vorgeplanten Fortbildungsthemen bewährt. Hier konnten übliche Unterweisungen und Fortbildungsthemen bequem in den Bereitstellungsräumen besucht werden.

Ausgangslage

Containerunterkunft für 300 Helfer in Krün. (Bild: Nico Nestler)

Containerunterkunft für 300 Helfer in Krün. (Bild: Nico Nestler)

Beim G8 Gipfel in Heiligendamm sowie in der Folge bei diversen anderen Großdemonstrationen kam es, zuletzt bei der Eröffnung der Europäischen Zentralbank in Frankfurt, zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und gewaltbereiten Demonstranten. Im Vorfeld des G7 Gipfels in Elmau hatten Gipfelgegner unter dem Stichwort „Stoppt G7“ entsprechende Aktionen, Demonstrationen Kundgebungen, Sternmärsche aber auch Blockaden angedroht. Die Ankündigung der Polizei, Straftaten zu unterbinden, lies erwarten, dass es auch zu Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Gipfelgegnern kommen könnte. Andererseits richten sich Blockaden von Verkehrswegen auch gegen Rettungskräfte. Für die Projektgruppe eine zusätzliche Herausforderung, doch im Vordergrund stand der Auftrag zu helfen: „Die Sanitätskräfte sind zur Neutralität verpflichtet und haben die Aufgabe, Verletzten schnellstmöglich Hilfe zukommen zu lassen, ganz gleich ob es sich um Polizeibeamte, Anwohner, Demonstranten oder Straftäter und Störer handelt“, so Drescher.

Problematisch war auch die Verkehrslage, wo es keine Alternativen zu den leistungsfähigen Hauptverkehrswegen gibt. Daher musste so geplant werden, dass genug Hilfskräfte vorhaltig sind, wenn es zu einer Blockade der Bundesstraße B2 kommen sollte. Für solch einen Extremfall war eine hohe Kräftevorhaltung östlich des Veranstaltungsortes Elmau in Garmisch-Partenkirchen als auch westlich des Veranstaltungsortes in Krün geplant. Während in Garmisch-Partenkirchen eine ausreichend große Schule als Unterkunft zur Verfügung stand, mussten in Krün für 300 Einsatzkräfte temporäre Unterkünfte geschaffen werden. Ein Containerdorf am Festplatz war die einzige realisierbare Möglichkeit. Über 170 Container für Unterkunft, Lager, Führung, Aufenthalt und Hygiene wurden extra für die Helfer angeliefert und eingerichtet. Die Versorgungsmöglichkeiten durch Krankenhäuser vor Ort machten vor allem Abtransportmöglichkeiten und leistungsfähige Versorgungsstrukturen an zwei Stellen im Landkreis Garmisch-Partenkirchen ‘rechts und links‘ des Gipfelortes in Garmisch-Partenkirchen und in Krün notwendig.

Die Projektleitung G7 der ARGE Bevölkerungsschutz in Bayern (v. l. n. r.) Frank Drescher, Michael Reil, Klemens Reindl, Martin Ibrom. (Bild: Frank Drescher)

Die Projektleitung G7 der ARGE Bevölkerungsschutz in Bayern (v. l. n. r.) Frank Drescher, Michael
Reil, Klemens Reindl, Martin Ibrom. (Bild: Frank Drescher)

Auftrag an die Projektgruppe

Neben den umfangreichen Vorbereitungen für den Katastrophenschutz und Massenanfall von Verletzten wurden durch Bundesbehörden Sanitätswachdienste am eigentlichen Konferenzort und im Medienzentrum beauftragt. Diesen Kräften oblag die medizinische Absicherung der G7 Konsultation und die Betreuung der angereisten 3 000 Journalisten. Da der eigentliche Veranstaltungsort in Form einer Sicherheitszone geplant war, mussten die Kräfte auch die rettungsdienstliche Erst-Versorgung übernehmen. Abtransporte mit Luftrettungsmitteln sowie mit Rettungswagen im Sicherheitsbereich waren vorbereitet und in Zusammenarbeit mit der Zuständigen Integrierten Leitstelle des BRK (ILS Oberland) soweit geplant, dass die Hilfsfrist gewährleistet war. Da die Sicherheitszone bereits am 30. Mai geschlossen wurde, musste der Sanitätswachdienst ab diesem Zeitpunkt präsent sein. Darüber hinaus stellten Kräfte des örtlichen Bayerischen Roten Kreuzes die erweiterte Vorhaltung des Rettungsdienstes und der allgemeinen Daseinsvorsorge mit zahlreichen Einsatzgruppen sicher.

Fazit

Die Bundeskanzlerin bedankt sich bei den Einsatzkräften für Ihre Unterstützung. (Bild: Nico Nestler)

Die Bundeskanzlerin bedankt sich bei den Einsatzkräften für Ihre
Unterstützung. (Bild: Nico Nestler)

Zusammenfassend kann für den Einsatz ein positives Fazit gezogen werden. Insgesamt kam es zu 360 Versorgungen, 44 Personen mussten in Krankenhäuser eingewiesen werden. 3 500 Helfer leisteten ehrenamtlich fast 13 000 Einsatztage. 352 Fahrzeuge waren im Einsatz. Für das Ausmaß der Veranstaltung ist dies ein absolut positiver Wert. Der vom Betreuungsdienst geleistete Einsatz ist eine gesonderte Berichterstattung wert, immerhin wurden über 30 000 Portionen Verpflegung an eigene und Polizeikräfte verteilt. Den Schlüssel für diesen Erfolg sieht die Projektleitung in der Disziplin der Gipfelteilnehmer und -gegner, aber auch in der guten Zusammenarbeit mit den Hilfsorganisationen und allen Beteiligten BOS-Organisatioen. Ein besonderes Lob gebührt dabei der Bayerischen Bergwacht, die elf Einsätze absolvieren musste. Zu den Aufgaben der Bergwacht zählten die Rettung Verletzter aus alpinen und schwer zugänglichem Gelände, der Transport von Verletzten mit Bergrettungsmitteln zu Übergabepunkten mit dem öffentlichen Rettungsdienst, die Fachberatung aller eingesetzten BOS-Kräfte beim Einsatz im Alpinen Bereich und deren Unterstützung sowie die Durchführung von Logistikfahrten mit Spezialgerätschaften. Besonders beeindruckt hat der Einsatz zahlreicher Unterstützungskräfte der Wasserrettungsorganisationen im Logistikbereich. So konnte der auftretende Mehrbedarf an Kräften eindrucksvoll kompensiert werden. Nur durch die enge Zusammenarbeit aller Bayerischen Hilfsorganisationen und des Medizinischen Hilfswerkes, einem Zusammenschluss privater Rettungsdienstunternehmen im Katastrophenschutz, war es möglich, diesen Einsatz erfolgreich und ohne größere Verletzungen bei den Einsatzkräften oder nennenswerte Schäden bei den Einsatzmitteln zu bewerkstelligen.

Aufmacherbild: Treffen der G 7 Länderchefs auf Schloss Elmau. (Bild: Bundesregierung/Gottschalk)

Frank Drescher

Passbild_Frank Drescher_DrecherAnschrift des Verfassers:
Frank Drescher
Malteser Hilfsdienst gemeinnützige GmbH
Leiter Rettungsdienst Bayern / Thüringen
Delpstr. 15
97084 Würzburg
E-Mail: Frank.Drescher@malteser.org

Jahrgang 1963
Betriebsleiter der Malteser Rettungsdienst gGmbH in Bayern und Abteilungsleiter Notfallvorsorge des Malteser Hilfsdienstes
Organisatorischer Leiter und Rettungs­assistent
Einsatzleiter bei Großveranstaltungen, zuletzt beim Weltjugendtag in Köln, Papstbesuchen in Bayern und Thüringen, Ökumenischen Kirchentag München und Katholikentag in Regensburg