Potenzielle Bedrohungen durch CRN-Gefahrstoffe und neue Formen des internationalen Terrorismus stellen die Katastrophenschutz- und Polizeikräfte vor wachsende Herausforderungen.

Ereignisse, wie der Giftgasanschlag in Tokio (1995), die Bombenattentate in Madrid (2004) und London (2005) sowie der versuchte „Kofferbomben“-Anschlag auf Pendlerzüge in Nordrhein-Westfalen (2006) lassen die Gefahren erkennen, denen nicht nur die Bevölkerung, sondern auch die Einsatzkräfte von Katas­trophenschutz und Polizei in Deutschland ausgesetzt sein können.

Belastungen der Einsatzkräfte

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Abb. 1: Selbstleuchtende Einsatzweste für die Feuerwehr. (Bild: S-Gard)

Einsätze, in denen Feuerwehr- oder Polizeikräfte sowohl Schutzausrüstung tragen als auch erhöhten körperlichen Anforderungen unterliegen, stellen für Einsatzkräfte trotz überdurchschnittlicher Fitness eine hohe körperliche und psychische Belastung dar. Aufgrund solcher Bedingungen und mit Blick auf das potenzielle Risiko durch gefährliche Substanzen ist es für den Schutz der Einsatzkräfte wichtig, Vitalparameter, wie zum Beispiel das EKG, in Echtzeit überwachen zu können.

 Schutz der Feuerwehr

Im Rahmen des BMBF-Forschungsprojekts „Systemintegrierte sensorische Schutzbekleidung für Feuerwehr und Katastrophenschutz (SensProCloth)“ wurde eine intelligente Schutzbekleidung für Feuerwehrkräfte entwickelt. Dazu gehört ein T-Shirt mit Sensoren, die die Körpertemperatur der Einsatzkraft sowie ihre Vitalparameter messen können. Der Schutzanzug enthält Sensoren für die Erfassung der Umgebungstemperatur, eine gebäudeinterne Ortungsmöglichkeit in Verbindung mit an den Einsatzfahrzeugen angebrachten Funkantennen sowie die Aktivitätserfassung. Weitere Hauptelemente sind die automatische Zustands- und Notfallmeldung zum einen über Funk an den Einsa

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Abb. 2: Sensorische Feuerwehr-Schutzbekleidung.

tzleiter vor und für den Einsatztrupp selbst mittels textilintegrierter Warndioden an der Schulter und am Ärmel: Diese leuchten üblicherweise grün. Mit der Farbe Gelb wird beispielsweise ein technischer Defekt gemeldet und Rot zeigt eine Gefahrensituation an, die sich entweder aus den Vitalparametern oder den Messungen der Umgebung ableiten lässt.

Im Anschluss an diesem BMBF-Forschungsprojekt wurde in einem Projekt im „ZIM – Zentrales Innovationsprogramm Mittelstand“ des BMWI eine selbstleuchtende Schutzweste für die Feuerwehr entwickelt sowie Demonstratoren entwickelt.

 Schutz der Polizei

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Abb. 3: iBePol: Grafi k zu Projektstruktur und Partnern. (Bilder: ITV Denkendorf)

Ziel des Forschungsvorhabens des Bundesforschungsministeriums „Intelligente Einsatzbekleidung für Polizei- und Sicherheitskräfte (iBePol)“ im Rahmen des Förderprogramms „Forschung für die zivile Sicherheit“ war es, ein innovatives Bekleidungssystem für Polizei und Sicherheitsdienste zu erforschen. Für diesen Entwicklungsansatz wurden auch die Ergebnisse aus dem BMBF-Forschungsprojekt „SensProCloth hinzugezogen. Die Schwerpunkte der F&E-Arbeiten in iBePol bestanden darin, typische Einsatzsituationen der Polizei durch Bild, Video und Ton mit in die Kleidung integrierten Aufnahmetechnologien zu erfassen. Dazu gehört auch eine Ortung über GPS. Ziel war es, Sensoren zu erforschen, die die Gefahrstoffbelastungen (gasförmige Gefahr- und Kampfstoffe, Radioaktivität) messen können. Die Echtzeit-Messung von CRN-Gefahrstoffen diente insbesondere dazu, bei einem Einsatz erkennen zu können, ob die Polizei möglicherweise Gefahr- und Kampfstoffen ausgesetzt ist, wie es 1995 in Tokio bei einem Anschlag in der U-Bahn der Fall war. Das Ergebnis des Projekts sind intelligente Bekleidungssysteme für das Erkennen von verschiedenen Gefahrenlagen. Diese neuen Funktionen wurden insbesondere im Hinblick auf Einsätze bei Gewaltverbrechen sowie angesichts der gestiegenen Bedrohungslage durch internationalen Terrorismus und potenzielle Gefahrenlagen mit CRN-Gefahrstoffen erforscht.

Ergebnisse der Praxistests

Bei Praxistests des Bekleidungssystems wurden die Parameter und Daten in Abstimmung mit der Polizei unter realen Bedingungen bei einer Einsatzkraft erfasst, gespeichert und zur mobilen oder stationären Einsatzleitung übertragen, um dort ausgewertet und dargestellt zu werden. Dieser Test unter realen Bedingungen war zentral, da die Bekleidungskomponenten mit anderen Ausrüstungsgegenständen kompatibel sein müssen und die Übertragung von Videos und Ton über größere Reichweiten zu gewährleisten ist.

So wurden beispielsweise Zugriffsszenarien simuliert, um zu prüfen, inwieweit die Sensoren bei körperlichen Kontakt- und Stoßsituationen noch funktionieren. Die Simulation von Überland- und Verfolgungsfahrten diente vor allem dem Test der Daten- und Videoübertragung. Mit Beobachtungs- und Überwachungsszenarien bei Nacht und im freien Gelände wurden sowohl die Ortungs- und Funkübertragungsgrenzen als auch die Einsatzdauer der Elektronik ohne Wiederaufladung der Akkus getestet.

Fazit und Ausblick

Nachdem alle Tests erfolgreich verlaufen waren, konnten mit diesen vorwettbewerblichen Forschungsarbeiten die Grundlagen für die spätere Entwicklung, Herstellung und Anwendung von intelligenten Bekleidungssystemen vorangetrieben werden. Die neue Einsatzkleidung für die Polizei enthält Technologien für Bild-, Video- und Tonaufnahmen. Sensoren erfassen Gase und Radioaktivität. Zudem kann auch der Aufenthaltsort der Einsatzkraft im Freien über längere Reichweiten geortet werden.

Mit dieser neuartigen Bekleidung können Polizei-, aber auch andere Einsatzkräfte weitaus schneller vor CRN-Gefahren gewarnt und bei zu hoher körperlicher Belastung durch die Leitzentrale gelenkt und entlastet werden. Damit kann die Unversehrtheit und Gesundheit der Polizistinnen und Polizisten besser geschützt und die Einsatzfähigkeit der Polizei erhöht werden.

Aufmacherbild: Intelligente Einsatzbekleidung für ­Polizeikräfte (Bild: ITV Denkendorf)

Dipl.-Ing. Hansjürgen Horter

Anschrift des Verfassers:

Hans-Jürgen_HorterHansjürgen Horter
Bereichsleiter E-Textiles, Automatisierung, Schalltechnik
Institut für Textil- und Verfahrenstechnik (ITV) Denkendorf
Körschtalstr. 26
73770 Denkendorf
Tel.: 0711/9340-279

geb. am 9. Juli 1958 in Stuttgart
Studium allgemeiner Maschinenbau an der Universität Stuttgart
1986: Abschluss als Diplom-Ingenieur
1986 – 1993: Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Forschungsbereich Webereitechnologie Am ITV
1994 – 2001: Leiter Arbeitsgruppe Fertigungsautomatisierung und Schallschutztechnik
Seit 2001: Bereichsleiter E-Textiles, Automatisierung, Schalltechnik; Aufbau
des neuen Forschungsgebiets „E-Textiles“