Kommunikation ist ein zentraler Baustein bei der Prävention möglicher Konflikte im Zusammenhang mit Fußballgroßveranstaltungen. Besonders das Verhältnis von Sicherheitsakteuren und Fangruppierungen kann durch einen transparenten und offenen Dialog positiv gestaltet werden. Aber auch die Kommunikation der Sicherheitsakteure untereinander muss funktionieren, um gute Rahmenbedingungen herzustellen. In diesem Kontext arbeitet das Forschungsprojekt SiKomFan.

SiKomFan-LogoSeit dem 1. September 2013 fördert das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) das interdisziplinäre Verbundprojekt „Mehr Sicherheit im Fußball – Verbessern der Kommunikationsstrukturen und Optimieren des Fan-Dialogs“ (SiKomFan). Das Projekt hat eine Laufzeit von drei Jahren und wird mit insgesamt 3,3 Millionen Euro gefördert. Ein interdisziplinärer Ansatz mit verschiedenen thematischen Schwerpunkten soll möglichst breite Erklärungsansätze dazu liefern, wie die Sicherheitsgewährleistung aus Anlass von Fußballspielen durch Kommunikation optimiert werden kann. Sieben Verbundpartner forschen aus unterschiedlichen Perspektiven in fünf voneinander unabhängigen aber aufeinander bezogenen Arbeitspaketen (AP). Prävention spielt in allen Teilprojekten eine wesentliche Rolle.

Fankultur und Fandialog

Aus sozialwissenschaftlicher Perspektive verantworten die Forschungsgruppe BEMA der Westfälischen-Wilhems-Universität Münster und das Institut für Sportwissenschaft der Julius-Maximilians-Universität Würzburg das AP 02 „Sozialwissenschaftliche Aspekte – Fankultur, Wahrnehmung und Diskurs“. Dort werden Perspektiven der Fanszenen und mit Fans arbeitenden Menschen, der Fußballzuschauer, ÖPNV-Nutzer und der allgemeinen Bevölkerung auf ihre individuellen Freiheits- und Sicherheitsansprüche untersucht. Kommunikationsstrategien sollen hier mit Hilfe von Befragungen und Interviews auf ihre Wirkung gespiegelt werden. Wie Fans und Zuschauer die Polizei- und Ordnungskräfte wahrnehmen ist entscheidend, um eine präventive Wirkung von Kommunikationsprozessen überhaupt bewerten zu können.

Kommunikationsstrategien der Sicherheitsakteure

Das Fachgebiet 08 „Grundlagen der polizeilichen Einsatzlehre und Zeitlagen“ der Deutschen Hochschule der Polizei (DHPol) in Münster bearbeitet aus dem Blickwinkel des Sicherheits- und Risikomanagements das AP 03. Unter dem Titel „Aspekte der internen, interorganisationalen und externen Kommunikation im Feld öffentlicher und privater Sicherheitsakteure“ stehen die Kommunikationsstrategien privater und öffentlicher Sicherheitsakteure im Fokus der Forschung. Drei Untersuchungsachsen stehen hier im Mittelpunkt: Die interne Kommunikation (Binnenkommunikation) des jeweiligen Sicherheitsakteurs, die interorganisationale Kommunikation der Sicherheitsakteure im Netzwerk der Sicherheitsgewährleistung und die externe Kommunikation der Sicherheitsakteure mit Veranstaltungsbesuchern und Öffentlichkeit. Neben verschiedenen für die Fußballsicherheit zuständigen Polizeidienststellen und Kommunalbehörden sollen hier die vereinseigenen beziehungsweise beauftragten privaten Ordnungsdienste untersucht werden.CIMG9273 - Ultras_Eintracht_Spiel_Schalke

Technische und rechtliche Aspekte zu Kommunikationsprozessen

Das AP 04 „Technische Aspekte – Kommunikation im Kontext von Fußball und Sicherheit“ widmet sich technischen Lösungen, um Kommunikationsprozesse zu optimieren. Es wird gemeinsam von den Fraunhofer-Instituten IOSB und ESK sowie von Airbus Defence and Space bearbeitet. Hier soll eine Kommunikationsplattform mit einer Doppelfunktion entwickelt werden. Erstens wird eine technische Plattform kreiert, mit der organisationsübergreifend Informationen zur Sicherheitsgewährleistung ausgetauscht werden können. Auf diese Weise werden die schon heute bestehende und mit Medienbrüchen versehenen Möglichkeiten von persönlichem Gespräch, Datenverkehr, Funk und Telefonie ergänzt beziehungsweise entlastet. Zweitens wird eine hybride „Fan-Applikation“ für Smartphones, Tablets und PC entwickelt. Damit können auf den Spieltag bezogene Informationen der Sicherheitsakteure und sonstiger beteiligter Institutionen aus dem Bereich „Service und Security“ auf einem einzelnen Kommunikationskanal bereitgestellt werden. Derzeit gibt es zwar eine Vielzahl von Informationen, die aber über verschiedenste Kanäle an Interessierte weitergegeben werden und die Besucher von Fußballspielen nicht immer zuverlässig erreichen. Beforscht wird dabei auch, wie weit eine wechselseitige Kommunikation möglich ist.

Aus einer rechtswissenschaftlichen Perspektive widmet sich das Fachgebiet 07 „Öffentliches Recht mit Schwerpunkt Polizeirecht einschließlich des internationalen Rechts und des Europarechts“ der DHPol im AP 05 dem Thema „Recht als Steuerungsinstrument der Sicherheit im Fußball“. Hier wird der Rechtsrahmen für Kooperationen und Kommunikation zwischen den Akteuren beleuchtet und fortentwickelt: Erstens, die datenschutzrechtlichen Bedingungen eines offenen Informationsaustauschs zwischen den Sicherheitsakteuren sowie die Nutzung Sozialer Medien unter rechtlichen Aspekten; zweitens, die Praxis zu präventivpolizeilichen Maßnahmen durch Kommunen und Polizeibehörden an den verschiedenen Standorten und den sie begleitenden Kommunikationsprozess; drittens, das Feld des Zivil-, Vereins- und Verbandsrechts.

Zusätzlich gibt es das AP 01, das für die Kommunikation der Verbundpartner untereinander, für externe Kommunikation, sowie für die Anbindung von Praxis und Wissenschaft – unter anderem über einen Beirat mit den wesentlichen Stakeholdern – verantwortlich zeichnet. Das AP 01 wird ebenfalls vom Fachgebiet 08 der DHPol verantwortet.

Fazit

Das Projekt SiKomFan ist das bundesweit bisher größte Forschungsprojekt seiner Art zum Thema Kommunikation in der Sicherheitsgewährleistung bei Fußballspielen mit Untersuchungen an bis zu 25 Fußball-Standorten. Aus unterschiedlichen fachlichen Perspektiven sollen am Ende praxisorientierte Handlungsempfehlungen für die involvierten Akteure stehen. Diese Handreichungen umfassen dabei sowohl fanspezifische Wahrnehmungen und Einstellungen als auch das Kommunikationsverhalten der Sicherheitsakteure. Technische Lösungen zum Optimieren präventiver Kommunikationsprozesse sowie rechtswissenschaftliche Empfehlungen und Weiterentwicklungen bestehender Rechtslagen tragen zu einem umfassenden Forschungsergebnis bei.

?????????????????????????????????????Anschrift des Verfassers:
Leitender Polizeidirektor i. H. Thomas Kubera
Deutsche Hochschule der Polizei
Leiter Fachgebiet 08
Grundlagen der polizeilichen Einsatzlehre und Zeitlagen
Zum Roten Berge 18-24
48165 Münster
www.sikomfan.de

Dipl.-Verwaltungswirt Thomas Kubera
Leitender Polizeidirektor i.H.
Jahrgang 1962
Seit 1978: Polizeivollzugsbeamter der Polizei NRW
1985 – 1987: Studium an der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung NRW
1993 – 1995: Ausbildung zum höheren Polizeivollzugsdienst an der Polizeiführungsakademie in Münster-Hiltrup und Beförderung zum Polizeirat
Seit 1995: Abteilungs-, Direktions- und Polizeiinspektionsleiter in verschiedenen Kreispolizeibehörden, Leiter des Polizeilichen Staatsschutzes in Ostwestfalen, Dezernent bei der Bezirksregierung Detmold, nebenamtlicher Dozent an der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung NRW
Seit 2011: Leiter des Fachgebietes „Grundlagen der polizeilichen Einsatzlehre und Zeitlagen“ an der Deutschen Hochschule der Polizei
Seit 2013: Verbundkoordinator des BMBF-Forschungsprojekts SiKomFan