Die Fußballbundesliga ist auch in ihrem sechsten Jahrzehnt erneut mit hohen Erwartungen in die aktuelle Spielzeit 2013/2014 gestartet. Dies gilt nicht nur für das sportliche und finanzielle Umfeld des Fußballs, sondern auch für die gestiegenen Anforderungen an die Sicherheit rund um das Stadion und das weitere Geschehen an einem Spieltag. Gewalttätige Ausschreitungen und Vandalismus im Zusammenhang mit Fußballspielen bewegen sich bei saisonalen Schwankungen seit Jahren auf einem hohen Niveau. Die Kennzahlen dafür sind laut „Zentrale Informationsstelle Sport“ (ZIS) die Anzahl der Strafverfahren, der Verletzten und der Arbeitsstunden der Sicherheitsbehörden. Lagen in der Saison 2011/12 die Werte in allen drei Bereichen noch über dem Durchschnitt der letzten zwölf Jahre, so signalisieren die aktuellen Zahlen der ZIS für die Saison 2012/13 eine positive Entwicklung.

Wie wird die Entwicklung in der aktuellen Saison sein? Gibt es Handlungsalternativen für die Sicherheitsverantwortlichen? Sind Kosten und Lasten für die Sicherheit rund um den Fußball gerecht und transparent verteilt?

Fußball ist mehr als ein Spiel

Am 24. August 1963, um 17 Uhr, startete die Fußballbundesliga zu einem einzigartigen Siegeszug. Mit dem ersten Spieltag der neu geschaffenen Profiliga wurde ein neues Kapitel aufgeschlagen und Fußball avancierte zu einem dominierenden Teil unserer Gesellschaft.

„Mehr als ein Sport“: Nicht ohne Grund ist die Titelgeschichte der Wochenzeitschrift „Die Zeit“ vom 11. April 2013 dem Phänomen Fußball gewidmet. Fußball hat längst größte wirtschaftliche, gesellschaftliche, mediale und (massen-)psychologische Dimensionen erreicht: Fußball ist ein Milliardengeschäft. Weltweit betreiben etwa 300 Millionen Menschen den Sport und der Weltfußballverband FIFA (Fèdèration Internationale de Football Association) registriert derzeit über 360 Millionen Vereinsmitglieder in circa 350 000 Vereinen.

So ist es wenig erstaunlich, dass man sich umfassend und an prominenten Stellen mit diesem Thema auseinandersetzt. Zumal der deutsche Rekordmeister Bayern München mit der Verpflichtung des vormaligen Trainers des FC Barcelona, Pep Guardiola, in Sachen Fußball neue Dimensionen in der öffentlichen Wahrnehmung und Berichterstattung ausgelöst hat.

Karte der Verteilung der Vereine der 1., 2. und 3. Fußball-Bundesliga-Saison 2013/2014 in Deutschland. (Grafik: Lencer)

Karte der Verteilung der Vereine der 1., 2. und 3. Fußball-Bundesliga-Saison 2013/2014 in Deutschland. (Grafik: Lencer)

Aktuell wird dies in Deutschland durch die Erfolgsserie deutscher Fußballvereine im europäischen Fußball noch verstärkt. Auch wenn die Deutsche Nationalmannschaft bereits seit 2006 einen stetigen Erfolgsweg nimmt, so lassen erst die Vereinssiege und die sportlichen Vergleiche mit den besten Fußballvereinen Europas und der Welt erkennen, welche Qualität sich in den letzten zehn Jahre im Deutschen Fußball durchgesetzt hat.

Dies wird nicht zuletzt dadurch unterstrichen, dass nach einem Ranking des Portals „statista“ unter den 20 umsatzstärksten Fußballvereinen seit der Saison 2011/2012 auch vier deutsche Vereine rangieren, neben Bayern München mit 368,4 Millionen Euro auf Platz 4 und Borussia Dortmund mit 189,1 Millionen Euro auf Platz 11, auch der FC Schalke 04 auf Platz 14 und der Hamburger Sportverein auf Platz 18, mit 174,5 respektive 121 Millionen Euro. Aktuell meldet Borussia Dortmund bereits einen neuen Umsatzrekord für die abgelaufene Saison mit knapp über 300 Millionen Euro. Neben den sportlichen Erfolgen der Vereinsmannschaften hat der professionelle Fußball in Deutschland somit auch in den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zu den europäischen Größenordnungen von Großbritannien, Italien und Spanien mehr als aufgeschlossen.

Dieser Entwicklung wird mit der aktuellen Bewerbung des Deutschen Fußballbundes (DFB) für die Ausrichtung der Europameisterschaft 2024 Rechnung getragen.

Der massenhafte Zuspruch und die allgegenwärtige Aufmerksamkeit, die dem Fußball zukommt, führen immer größeren Menschenmengen in die Stadien. In der abgelaufenen Saison verfolgten durchschnittlich 42 085 Menschen ein Bundesligaspiel live in der Sportarena; Tendenz steigend.

Daneben werden Fußballübertragungen verstärkt Teil der Unterhaltungsindustrie mit öffentlichen Live-Übertragungen. Solche public viewings wachsen sich, insbesondere bei wichtigen Länderspielen anlässlich von Europa- und Weltmeisterschaften, zu Großveranstaltungen mit bis zu hunderttausend Zuschauern aus.

Der besondere Reiz bei dem Phänomen Fußball geht nicht zuletzt auch von der außergewöhnlichen Atmosphäre in den Stadien aus, die in den letzten Jahren in Deutschland durchgängig renoviert oder neu gebaut wurden; ausschließlich auf die Belange des Fußballsports und dessen Anhängerschaft zugeschnitten. Diese Anhängerschaft zeichnet sich mehr und mehr in Form organisierter Fangruppen aus, die mit emotionalen Gesängen, Fahnenaufführungen und speziellen Choreographien zu der Gesamtaufführung Fußball wesentlich beitragen. Und die Fangruppen sind sich auch ihrer Bedeutung sehr wohl bewusst. In zunehmendem Maße nehmen sie Einfluss auf die Meinungsbildung in den Fußballvereinen: “Die Fans sind keine unkritische Masse mehr.“

Die gestiegene Bedeutung der organisierten Fangruppen zeigte deren selbstbewusste Einflussnahme auf die Fußballvereine bei den Diskussionen um das neue Sicherheitskonzept der Deutschen Fußball Liga (DFL) im Spätjahr 2012.

Die Sicherheitslage Fußball

Die dynamischen Entwicklungen rund um den Fußball führen allerdings dazu, dass auch zunehmend komplexere Sicherheitsfragen gelöst werden müssen. Körperliche Übergriffe, Vandalismus, Alkoholmissbrauch, der Einsatz von Pyrotechnik, sowie Versuche, Fußballfans politisch zu radikalisieren, sind einige Stichworte, die im Kontext der Sicherheitslage stehen. Es wachsen die Herausforderungen für die Sicherheit der Zuschauer und auch unbeteiligter dritter Personen während des Spiels und bei den Zu- und Abgängen.

Bei den öffentlich übertragenen Fußballspielen auf Großbildleinwänden stellt die Gewährleistung eines reibungslosen Ablaufs der Veranstaltung und Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit Sicherheitskräfte vor zunehmend schwierigere Aufgaben. Ein Beispiel hierfür waren die veröffentlichten Warnungen vor terroristischen Anschlägen anlässlich des Endspiels der Champions League am 25. Mai 2013 zwischen Borussia Dortmund und Bayern München in London. Denkbare Tatorte wären in diesem Fall sowohl in London gewesen, als auch im Umfeld der Public-Viewing-Plätze in deutschen Großstädten, vor allem natürlich in Dortmund, München und Berlin.

Gleichwohl liegen die Schwerpunkte nach wie vor bei den wöchentlichen Ligaspielen der 1. und 2. Liga. Nach dem neuesten „Jahresbericht Fußball“ der Zentralen Informationsstelle Sporteinsätze (ZIS) fanden in der Saison 2012/13 755 Fußballspiele statt, die Einsatzmaßnahmen der Polizei erforderten. Davon betrafen jeweils 306 Einsätze die 1. und 2. Liga. 67 Einsätze erfolgten anlässlich von DFB-Pokalspielen und bei UEFA-Pokalwettbewerben, und ebenfalls 67 Einsätze bei sonstigen Spielen anderer Spielklassen. In neun Begegnungen von Nationalmannschaften waren die Sicherheitskräfte der Polizei gefordert.

Nach wie vor gilt für die Polizei die Einteilung der Zuschauer in die drei Kategorien A, B und C, wie sie schon in dem Abschlussbericht der AG „Sport und Sicherheit“ vom 23.07.1991 festgelegt wurden. Danach unterscheidet man den friedlichen Fan (Kategorie A), den gewaltbereiten/geneigten Fan (B), sowie den Gewalt suchenden Fan (C).

Die Polizeien des Bundes und der Länder rechnet aktuell 10 417 Personen zur Kategorie B und C. Statistisch kämen somit auf jeden Verein der 1. und 2. Liga 289 Fans der Kategorie B und C.

In der Saison 2012/13 wurden 6 502 Strafverfahren gegenüber 8 143 im Vorjahr eingeleitet, davon 4 860 durch die Länderpolizeien und 1 642 durch die Bundespolizei. Damit reduzierten sich die eingeleiteten Strafverfahren um 20 % gegenüber den Verfahren des Vorjahres, wobei der Rückgang in der 2. Bundesliga nach dem Bericht der ZIS mit ca. 37 % größer ist als in der 1. Bundesliga.

In der Vorsaison ließ sich noch ein signifikanter Anstieg von 77 % bei den eingeleiteten Ermittlungsverfahren wegen Verstoßes gegen das Sprengstoff-Gesetz erkennen. Grund hierfür dürfte die zu Beginn der damaligen Saison einsetzende Diskussion um die Legalisierung der Pyrotechnik in Fußballstadien gewesen sein. Erst mit einer eindeutigen Absage der Legalisierung seitens der Fußballverbände DFB und DFL, unterstrichen mit einer Presseerklärung vom 2. November 2011, wurde Klarheit geschaffen. In der Folge wurde diese Entscheidung durch die Innenministerkonferenz auf der 193. Sitzung einhellig begrüßt, was sich letztlich auch im konsequenten Vorgehen der Einsatzkräfte gegen Fans auswirkte und zum Anstieg der eingeleiteten Ermittlungsverfahren beitrug. Nach dem neuesten Bericht der ZIS ist in diesem Phänomenbereich eine deutlich gegenläufige Tendenz erkennbar.

Diese Entwicklung spiegelt sich naturgemäß in der personellen Belastung der Polizeibehörden. Die Gesamtzahl der Einsatzstunden in der Saison 2012/13 waren die zweithöchsten der letzten zwölf Jahre. Der ermittelte Wert lag um etwa 35 % über dem durchschnittlichen Wert dieses Zeitraums. Für die Saison 2012/13 bedeutet dies eine Gesamtzahl von 1 756 190 Arbeitsstunden der Polizeibehörden und indiziert damit eine hauptamtliche Verwendung von 1 351 Polizistinnen und Polizisten nur für Fußballeinsätze.

In einem Beitrag im Handelsblatt vom 15. Mai 2012 werden der polizeiliche Aufwand und die Kosten vehement thematisiert: „Die durchschnittlichen Polizeikosten eines Bundesligaspiels beziffert die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) auf 100 000 Euro. Dabei legt sie einen Wert von 50 Euro pro Stunde und Polizist zugrunde. Müsste die Bundesliga diese Kosten selbst übernehmen, kämen auf die 18 Vereine insgesamt mehr als 30 Millionen Euro pro Saison zu.“

Und der baden-württembergische Innenminister Gall (SPD) schilderte vor dem Start der aktuellen Bundesligasaison in einem Interview mit FOCUS Online die Situation der Polizei in seinem Bundesland: „Die Belastung der Polizei in Baden-Württemberg durch die Fußballeinsätze ist immer noch zu hoch und kann auch nicht beliebig gesteigert werden.“

Diese Einschätzung wird durchgängig von den Verantwortlichen in Bund und Ländern geteilt. Allen Sicherheitsakteuren ist deutlich geworden, dass die herkömmliche Methode „mehr vom Gleichen“ nicht mehr greift in einem System, dass sich ständig ausweitet und vergrößert. Die Suche nach alternativen Konzepten und veränderten Herangehensweisen an sicherheitsrelevante Fragestellungen im Fußball beherrschen daher die aktuellen Entwicklungen und Diskussionen.

Dies kommt auch in dem bereits zitierten Interview zum Ausdruck: „Der bislang schon gute Dialog in den Fanprojekten der Polizei, Kommune und Vereinen muss sich weiter verbessern und so gruppendynamische Gewalt verhindern.“

Einsatzeinheiten beim Abführen festgenommener Fans Bereitstellung außerhalb des Horrstadions im 10. Bezirk in Wien beim Derby FK Austria Wien gegen SK Rapid Wien am 13. März 2011. (Bild: Bernhard Klob/ Universität Wien; Institut für Strafrecht und Kriminologie)

Einsatzeinheiten beim Abführen festgenommener Fans Bereitstellung außerhalb des Horrstadions
im 10. Bezirk in Wien beim Derby FK Austria Wien gegen SK Rapid Wien am 13. März
2011. (Bild: Bernhard Klob/ Universität Wien; Institut für Strafrecht und Kriminologie)

Initiativen zur Verbesserung der ­Sicherheitslage

Am 12. Dezember 2012 haben die 36 Profi-Clubs von 1. und 2. Liga auf ihrer Mitgliederversammlung ein umfassendes Maßnahmenpaket für mehr Sicherheit verabschiedet. Nach intensiver Analyse und kontroversen Diskussionen, auch im Vorfeld der Mitgliederversammlung, wurden alle 16 vom Vorstand des Ligaverbandes vorgeschlagenen Anträge mit deutlicher Mehrheit verabschiedet. Damit setzte die DFL einen wichtigen Meilenstein für mehr Sicherheit in den Stadien.

Aus sicherheitsbehördlicher Sicht sind insbesondere die Anträge 3 und 4, wonach der Polizei mehr Kompetenz bei der Videoüberwachung in den Stadien eingeräumt wird, von Bedeutung. Damit ist ein angestrebtes Ziel des Sicherheitspakets in Zukunft optimaler zu erreichen, nämlich einer täterorientierten Strafverfolgung anstelle der Verhängung von Kollektiv-Strafen. Auch der Forderung der Polizei nach qualifizierten und zertifizierten Ordnungsdienstkräften bei den Vereinen wurde Rechnung getragen.

Die Interessen der Fangruppen und der Schutz der in Deutschland gewachsenen Fußball-Kultur wurden durch einen verbindlichen Dialog zwischen Fans und Clubs verankert. Eine klare Absage erteilte der Ligaverband dem Einsatz von Pyro-Technik und jeder Art von Gewalt, Rassismus und politischem Extremismus in den Stadien.

Mit dem Maßnahmenpaket der DFL wird strukturell das 1992 erarbeitete und verabschiedete „Nationale Konzept Sport und Sicherheit“ (NKSS) den heutigen Umständen gemäß ergänzt. Die im NKSS vorgesehene zentrale Koordinationsstelle (KOS) zum Ausbau von Fanprojekten und Vermittlerstelle zwischen Fangruppen, Vereinen, Sicherheitsbehörden und Politik besteht nunmehr seit 20 Jahren. Heute koordiniert sie über 50 Einrichtungen, die soziale Arbeit mit jungen Fußballfans leisten.

Damit jedoch die getroffenen Vorkehrungen und die Maßnahmenpakete von DFL und Sicherheitsbehörden greifen, sind alle Akteuren, die sich im Kosmos Fußball bewegen, aufgerufen, diese mit Leben zu erfüllen und gemeinsam die anvisierten Ziele umzusetzen. Dies betrifft Sportverbände, Vereine, Fangruppen und Zuschauer, öffentliche Verkehrsbetreiber, Rettungsdienste, die Polizeien des Bundes und der Länder und eine Vielzahl weiterer wirtschaftlicher und privater Akteure, die von dem System Fußball profitieren, aber auch mit den Auswüchsen zu recht kommen müssen. Nur eine ständige, netzwerkorientierte Zusammenarbeit der unterschiedlichen Interessengruppen führt letztlich zu dem gewünschten Stadionerlebnis Fußball bei entsprechender Sicherheit.

Fazit und Ausblick

Die gesellschaftliche Bedeutung des Sports und insbesondere des Fußballs ist immens. Neben den traditionellen Assoziationen wie Erfolg, Teamgeist, körperliche Betätigung und spannende Wettkämpfe werden zunehmend auch wirtschaftliche Erfolge und Umsatzzahlen positiv wahrgenommen und medial transportiert. Fußball ist heute eine der weltweit beliebtesten und am weitesten verbreiteten Sportart überhaupt.

Allerdings ist Fußball, wie jede Art von Sport in unserer jetzigen Gesellschaft auch „eine Form von Aggression.“ In der Sozialpsychologie versteht man unter Sport „rituelles Kampfverhalten und Aggression in sozial entschärfter Form.“

Gerade Fußball als Mannschafts- und Kampfsport ist sowohl von seinem Charakter, als auch durch die mediale Zuspitzung und ständige Berichterstattung geradezu dafür prädestiniert, Konflikte und Reibungsflächen zu erzeugen und als Projektionsfläche für gesellschaftliche Disharmonien —­­ seien sie finanzieller, lokaler, nationaler oder gar ethnischer Natur – zu dienen. Die dunklen Seiten des Systems Fußball zeigen sich in krawallartigen Auseinandersetzungen zwischen verfeindeten Fangruppen und mit den Sicherheits- und Ordnungskräften, in pyromanischen Inszenierungen in den Stadien und in zerstörungswütigen Ausschreitungen im Umfeld der sportlichen Ereignisse.

Trotz aller Vorkehrungen und Sicherheitskonzepte der beteiligten Stellen, von den Vereinen über die Sportverbände, Kommunen, Fanorganisationen, soziale Einrichtungen bis hin zu den Polizeien des Bundes und der Länder, sind mit jedem Großereignis Fußball veränderte Rahmenbedingungen zu gegenwärtigen und neue Herausforderungen zu bestehen. Es könnte fatale Folgen haben, wenn man sich nur auf eingeübte Reaktionsmuster verließe, ohne die jeweilige dynamische Lageentwicklung im Blick zu haben: So überschattete ein massiver Polizeieinsatz am 21. August 2013 das Champions League Qualifikationsspiel zwischen dem FC Schalke 04 und dem griechischen Verein Paok Saloniki, als eine Hundertschaft der Polizei den Schalker Fanblock stürmte. Grund dieses Einsatzes war eine dort gezeigte mazedonische Nationalflagge, was polizeiseitig „als volksverhetzender Tatbestand“ gewertet wurde und man mit gewalttätigen Reaktionen der griechischen Fans rechnete.

Dieses aktuelle Beispiel belegt nachdrücklich, wie dünn der Grat zwischen dem postulierten Stadionerlebnis Fußball und eskalierter Gewalt von Fangruppen und Sicherheitsbehörden sein kann. Und es zeigt, wie sensibel alle Beteiligten in gruppendynamischen Grenzsituationen reagieren müssen, um weitere Eskalationen zu verhindern.

Vor diesem Hintergrund und der Prognose, dass die geschilderten Umstände des weltweiten Systems Fußball sich in den nächsten zehn Jahren in jeder Hinsicht noch steigern werden, kommen neben dem nationalen Ligabetrieb und den internationalen Club-Wettkämpfen folgenden Ereignissen in der Fußballwelt herausragende Bedeutung zu: der Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien und den Europameisterschaften 2016 in Frankreich und 2020 in Europa (und vielleicht 2024 in Deutschland?).

Insbesondere die EM 2020, die in verschiedenen europäischen Metropolen ausgetragen wird, birgt aufgrund der räumlich weit auseinander liegenden Austragungsorte mit entsprechenden An- und Abreisewegen erneut enorme logistische, sicherheitstechnische und kostenseitige Fragestellungen für Veranstalter und Sicherheitsbehörden.

Auf diese Herausforderungen sollte, aufsetzend auf den bisherigen Anstrengungen, nachhaltig mit einer ressortübergreifenden, national und international kommunizierten „Sicherheitsstrategie Fußball“ reagiert werden.

Wolfgang L. Würz

PassbildAnschrift des Verfassers:
Wolfgang L. Würz
Köpenickerstraße 10 a
10997 Berlin

geb. am 8. Februar 1952 in
Frankfurt am Main
1973 – 1981: Eintritt in das Bundeskriminalamt; Kriminalpolizeiliche Sachbearbeitung
1981 – 1983: Studium an der Polizeiführungsakademie
1983 – 1988: Führungsverwendung im Bundeskriminalamt
1989 – 1992: Leitung von Ermittlungsreferaten in der Terrorismus­bekämpfung; Leiter der Projekt­gruppe „Organisationsanalyse“ der Abteilung TE
1992 – 1998: Leitung des Bereichs „International organisierter Drogenhandel aus Südamerika“; Polizeiführung in ad hoc – Lagen „Entführungen und Geiselnahmen deutscher Staatsangehöriger im Ausland“
1998 – 2000: Leitung des Organisa­tionsprojektes „Aufgabenkritik und Personaleinsatz im Bundeskriminalamt (BKA)“
2000 – 2003: „Inspekteur der ­Verbindungsbeamten“ des Bundes­kriminalamtes
2003 – 2012: Aufbau und Leitung des Bereichs „Internationaler Islamis­tischer Terrorismus im „Gemein­samen Terrorismusabwehrzentrum (GTAZ)“ in Berlin
Seit Mai 2012: Freiberuflicher ­Publizist in Berlin

(Aufmacherbild: Cannstatter Kurve, Mercedes-Benz Arena während des Bundesligaspiels des VfB Stuttgart gegen Werder Bremen am 9. Februar 2013. (Bild: Rudolf Simon))