Erste Leitstelle des zukünftigen Leitstellenverbundes

Nach vier Jahren der Planung, einem Jahr Bauzeit und einem weiteren Jahr der technischen Implementierung ist die neue Führungs- und Lagezentrale des Polizeipräsidium Mainz nunmehr fertiggestellt.

Technischer ­Fortschritt

Die Ertüchtigung der Führungs- und Lagezentrale war aus mehreren Gründen notwendig geworden. Zunächst war die bisherige Leitstelle, aufgrund eines veränderten Aufgabenzuschnitts an der Kapazitätsgrenze angekommen. Raumaufteilung und Anzahl der Leittische entsprachen nicht mehr den gestiegenen Anforderungen, die in der heutigen Zeit an eine Einsatzleitstelle der Polizei gestellt werden. Als weiterer Grund ist der technische Fortschritt zu nennen. Die Technik in der bisherigen Leitstelle entsprach nicht mehr dem aktuellen Stand und musste erneuert werden, etwa im Hinblick auf die umfängliche Anbindung der Leitstelle an den Digitalfunk.

Im Jahr 2009 starteten die Klärung der Standortfrage sowie die üblichen Schritte der Bauplanung, bis im April 2013 schließlich mit eigentlichen Baumaßnahmen begonnen werden konnte.

Nach der Entkernung, des bis zu diesem Zeitpunkt überwiegend mit Büroräumen genutzten Bereichs, mussten unter anderem aus sicherheitstechnischen Gründen neue Wände eingezogen, neue Böden und Decken eingebaut, Türen ausgetauscht und ein neues Schließ- und Zugangssystem verbaut werden.

Zur Vorbereitung der späteren technischen Integration wurde ein eigener Serverraum errichtet zur Unterbringung der notwendigsten Techniken. Mehr als zehn Kilometer Kabel zu und in der neuen Leitstelle wurden im Zuge dessen verlegt.

Prozessoptimierung

Erstmalig in Rheinland-Pfalz wurde bereits bei der Planung darauf geachtet, dass sich die Anordnung der Räumlichkeiten an den Arbeitsabläufen orientiert: Die Lage von Führungszentrale, Raum des Polizeiführers vom Dienst (PvD), des Übergaberaums und des Stabsaums für Besondere Aufbauorganisationen (BAO-Raum) sowie deren Verbindung mit Faltglaswänden ist sehr bewusst gewählt und dient zur Optimierung eingeübter Prozesse.

Dass ein ergonomisch optimales Arbeitsumfeld dazu dienen kann die Konzentrationsfähigkeit der Mitarbeiter zu erhalten und somit die Leistungsfähigkeit zu steigern, wurde ebenso in vielfacher Hinsicht berücksichtigt. Dies findet sich z. B. beim Einbau der zugluftfreien Klimatechnik, der Wahl der Oberflächen von Decken und Schränken, sowohl hinsichtlich der Beschaffenheit als auch der Farbe, und bei der Einrichtung von beispielsweise höhenverstellbaren Einsatzleittischen wieder.

Implementierung technischer Systeme

Nach der Fertigstellung der Baumaßnahme erfolgte die Implementierung der technischen Systeme.

Die zentrale Abfrage- und Vermittlungstechnik der Firma Frequentis ermöglicht es den Disponenten alle Kommunikationsressourcen intuitiv aus einem System heraus zu bedienen, insbesondere im Bereich der Notruf- und Funkanbindung. Damit verfügt das Polizeipräsidium Mainz nunmehr über eine moderne Anlage, mit der noch mehr als bisher gewährleistet ist, dass hilfesuchende Bürgerinnen und Bürger im Notfall über die 110 ihre Polizei erreichen und Hilfe bekommen können.

Einsatzleitsysteme

Zur Unterstützung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Führungszentrale bei der Disposition und Koordination der Einsatzkräfte kommt das Einsatzleitsystem ELIAS der Firma LDO zum Einsatz. Dieses dient auch der Dokumentation aller Einsatzlagen und der getroffenen Maßnahmen. Auch hinsichtlich des Einsatzleitsystems ist Rheinland-Pfalz innovativ und definiert derzeit die Anforderungen an ein neues, zukunftssicheres System, welches zentral aufgebaut und analog zur Abfrage- und Vermittlungstechnik BOS-übergreifend eingesetzt werden wird.

Leitstellenvisualisierungssystem

Das Leitstellenvisualisierungssystem der Firma BFE Studio und Medien Systeme GmbH gestattet es den Disponenten, alle taktisch erforderlichen Bildinformationen – seien es Karten, Bildübertragungen oder auch Inhalte des Internets – an der Stelle bzw. in dem Raum optimal darzustellen, an der sie benötigt werden.

Hierdurch wird eine bessere Unterstützung der Einsatzkräfte vor Ort und die Vermeidung von Informationsverlusten, gerade in komplexen Lagen, ermöglicht.

Leitstellenverbund

Die Einweihung der Führungs- und Lagezentrale des Polizeipräsidiums Mainz stellt mit ihrer neuen Technik den ersten Schritt zu einem Leitstellenverbund dar, welcher in Rheinland-Pfalz errichtet wird. In diesem werden alle polizeilichen und Integrierten Leitstellen von Feuerwehren und Rettungsdienst miteinander verknüpft sein und können sich so auch gegenseitig unterstützen.

Die Ausstattung der Leitstellen mit einheitlichen Techniken mit zentralen Komponenten ist ein wesentliches Element, um Hilfesuchenden, die den Notruf anwählen, immer die bestmögliche Hilfe zukommen zu lassen. Um diesen Baustein der Inneren Sicherheit zu erfüllen, wurden durch das Land ca. vier Millionen Euro in die Leitstelle investiert.

Aufgaben der Leitstelle

Die Leitstelle ist verantwortlich für die Führung aller inspektionsübergreifenden Sofortlagen, zumindest in einer ersten Phase, sowie für den Informationsaustausch mit anderen Behörden und Einrichtungen.

Im Alltagsgeschäft wird zudem das Notruf- und Einsatzmanagement für die drei Mainzer Stadtinspektionen, die Kriminaldirektion sowie die Polizeiautobahnstation Heidesheim wahrgenommen. Dabei werden derzeit ca. eine viertel Million Einwohner aus der Stadt Mainz, der Verbandsgemeinde Nieder-Olm und der Gemeinde Budenheim über den Notruf 110 betreut.

Fazit

Mit der neuen Führungszentrale ergeben sich die Voraussetzungen für die weitere Optimierung unserer Abläufe.

Ab November 2015 ist es geplant die vom Ministerium des Innern beauftragte Zentralisierung des Notruf- und Einsatzmanagements in einer Pilotphase schrittweise umzusetzen. Zuletzt sollen dann die Notrufe von ca. 800 000 Einwohnern aus Rheinhessen sowie Teilen des Donnersbergkreises und des Hunsrücks entgegengenommen und die Einsätze von 17 Dienststellen koordiniert werden.

Aufmacherbild: Führungszentrale des PP Mainz mit sechs modernen Einsatzleittischen für die Disponenten und großen verknüpften Darstellungsflächen. (Bild: PP Mainz, mit freundlicher Genehmigung der BFE Studio und Medien Systeme GmbH.)

EPHK Oliver Schuh

Anschrift des Verfassers:
Schuh,OliverOliver Schuh
Polizeipräsidium Mainz
Valenciaplatz 2
55118 Mainz

geb. am 4. März 1972 in Worms
1991: Eintritt in die Polizei des Landes Rheinland-Pfalz
1994 – 1997: Studium an der FHöV/Pb Pol und Aufstieg in den gehobenen Dienst
1997 – 2002: Dienstgruppenleiter bei den Polizeiinspektionen Alzey und Worms
2002 – 2007: Fachlehrer für Einsatzlehre und Polizeirecht bei der LPS RP
2007 – 2010: Polizeiführer vom Dienst beim Polizeipräsidium Mainz
2010 – 2014: Leiter des Stabsbereichs Führungs- und Lagezentrale im Polizeipräsidium Mainz
seit 2014: Leiter der Projektgruppe „zentrales Notruf- und Eins