Betrachtet man die Entwicklung der heutigen polizeilichen Einsatzschutzausstattung für die Bundesbereitschaftspolizei, so ist festzustellen, dass diese in den letzten zehn Jahren deutlich verbessert wurde. Dominierten in den achtziger und frühen neunziger Jahren noch „sperrige“ Schutzschilde das Bild der Bereitschaftspolizeien, so liegt heute der Fokus eindeutig auf der Beweglichkeit und der Mobilität für die Beherrschung dynamischer Einsatzlagen. „Starre Polizeiketten“ und „Lagebereinigung“ waren gestern – heute sind Polizeitaktiken flexibel, proaktiv und darauf ausgerichtet, Straftäter beweissicher festzunehmen.

Die Körperschutzausstattung der Polizei wurde an die polizeilichen Erfordernisse und das gestiegene Risiko der eingesetzten Beamten angepasst. Der „Konflikt“ zwischen bestehenden Ansprüchen einer modernen Einsatzbekleidung und dem Komfort gewohnter Alltagsdienstbekleidung ist dabei stets abzuwägen.

Einflussfaktoren für eine hohe Trageakzeptanz der dienstlichen Körperschutzausstattung und Schutzbekleidung sind:

  • gute Beweglichkeit,
  • Tragekomfort bei verlässlichen Schutzeigenschaften, insbesondere der Stichhemmung und des Schlagschutzes,
  • möglichst geringes Gewicht,
  • möglichst hohe Atmungsaktivität bei gleichzeitigem Schutz gegen Hitze und dem Einfluss gesundheitsgefährdender Flüssigkeiten,
  • Funktionalität und Kompatibilitätbei der Anwendung mitzuführender Einsatzmittel sowie
  • ein optisches Gesamterscheinungsbild, das eine präventive Wirkung auf das jeweilige Gegenüber erzielt.

Wo stehen wir heute?

Oder besser: Wie fühlt sich die Körperschutzausstattung und Schutzbekleidung im Einsatz an und was taugt sie?

Das Tragen der kompletten Ausstattung und Bekleidung ist im Einsatz (leider) zwingend notwendig. Das Gesamtpaket vom Helm über flammhemmende Unter- und Oberbekleidung, Schlagschutzweste und Protektoren an typischen Auftreffstellen gegen Wurfgeschosse unterschiedlicher Art bis hin zu Schuhen mit durchtrittsicherer Sohle und Verstärkungen an Knöcheln und Fußspitzen haben ein immenses Eigengewicht. Weitere Ausrüstungsgegenstände wie Funk, Schuss- und Hiebwaffe, Reizstoffsprühgerät und bei besonders „prädestinierten“ Kollegen auch noch ein Feuerlöscher summieren das Gewicht der Ausstattung problemlos auf 20 bis 25 Kilogramm.

Die Vor- und Nachteile des Tragens der Körperschutzausstattung und der Schutzbekleidung im Einsatz möchte ich an ausgewählten Szenarien darstellen.

Geradezu ein Segen sind die Einsatzschutzhelme der heutigen Generation. Die Kinnpartie ist mittlerweile mit adaptierbaren Kinnschutzbügeln ausgestattet, die ein direktes Einwirken von Schlägen oder Wurfgeschossen verhindern. Ein Umstand, den ich spätestens am 1. Mai 2006 in Berlin zu würdigen wusste, nachdem mich ein geworfener Pflasterstein nach dem Aufsetzen auf dem Boden am Kinn traf. Zugegebenermaßen ist das Blickfeld etwas eingeschränkt, entspricht aber weitestgehend dem eines Zweiradfahrers mit Integralhelm. Der Gewöhnungseffekt stellte sich aber schon nach wenigen Einsätzen ein.

Unverzichtbar sind mittlerweile die beschlagfreien Visiere der Einsatzschutzhelme. Gerade in der kalten Jahreszeit kommt uns diese Eigenschaft oft zu Gute, wenn wir unter körperlicher Belastung warme Räumlichkeiten betreten müssen. Die Vorteile stellen sich insbesondere beim Betreten von Gebäuden, wie z. B. Lokalitäten verschiedener Fußballfangruppierungen oder Rockerklubs, dar.

Ein Polizeibeamter der Bereitschaftspolizei. (Bilder: Bundespolizei)

Ein Polizeibeamter der Bereitschaftspolizei.
(Bilder: Bundespolizei)

Einsatz CASTOR-Transport

Wie in den Jahren zuvor, bereitete ich mich im Jahr 2011 auf den CASTOR-Einsatz vor: ein Leben in ständiger Bereitschaft, kurzen Rüstzeiten nach Alarmierungen sowie lange Einsatzzeiten mit ungewisser Dauer. Eingestellt war ich sowohl auf friedliche Demonstrationen in unterschiedlichen Formen als auch auf Blockadeaktionen und Auseinandersetzungen mit gewaltbereiten und militanten Atomkraftgegnern. Meine Ausrüstung war stets so präpariert, dass auch unter Zeitdruck ein eigenständiges und zügiges Anlegen möglich war – ein enormer Vorteil, bringt dies doch eine enorme Zeitersparnis und Unabhängigkeit mit sich.

Meine Ahnungen zum Einsatzverlauf bestätigten sich, meine Erwartungen an meine Schutzausstattung ebenfalls. Bei regnerischem, nasskaltem Wetter genoss ich die Vorteile einer wind- und wasserdichten Oberbekleidung samt flammhemmender und saugfähiger Unterbekleidung. Der Genuss hielt jedoch nur so lange an, bis aufgrund körperlicher Anstrengung das durchgeschwitzte Material unangenehme Auskühleffekte verursachte. Ich konnte mir in dieser Situation durch das Wechseln der Unterbekleidung bei günstiger Gelegenheit selbst behelfen. Manch ein Kollege nutzt hierfür privat beschaffte Bekleidung aus dem Outdoorsport. Aufgrund der fehlenden flammhemmenden Eigenschaften der Dienstbekleidung in der privat beschafften Bekleidung ist dies nicht für jedermann eine Alternative.

Bei Auseinandersetzungen mit militanten Atomkraftgegnern war ich froh, weitestgehend komplett gegen Bewurf und Beschuss mit Schottersteinen, Böllern, Signalkugeln und Brandsätzen geschützt zu sein. Die eigene Beweglichkeit und Mobilität war in diesem Einsatz sehr wichtig, insbesondere dann, wenn es galt, in schwierigem Gelände Freiheitsentziehungen durchzuführen.

Insgesamt blieben alle Kollegen im Einsatz weitgehend unverletzt, nur ein Kollege wurde nach Beschuss mit einem Armkatapult an einer ungeschützten Stelle des Unterschenkels getroffen und verletzt. Diese und andere Erfahrungen werden in die Schwachstellenanalyse der Ausrüstung aufgenommen, um auch künftig die Weiterentwicklung der Einsatzschutzausstattung aufgabenadäquat zu gewährleisten.

Einen wichtigen Vorteil ermöglichte die strapazierfähige, dunkle Einsatzbekleidung mit abnehmbaren, reflektierenden Schriftzügen „POLIZEI“ im Front- und Rückenbereich innerhalb dieses Einsatzes. Gerade bei Dunkelheit mit wenigen Lichtquellen bot sie die Möglichkeit, über weite Strecken unbemerkt in verschiedene Positionen zu gelangen, ohne vom Gegenüber entdeckt zu werden.

Praktikabler Tragekomfort

Eine weitere Frage, die sich dem Einen oder der Anderen in diesem Zusammenhang stellen mag, betrifft das rasche Entkleiden der Schutzbekleidung im Falle der Notdurft. Aktuell kam dies bei einem Einsatz in Hamburg am 21. Dezember 2013 zum Tragen. Über einen langen Zeitraum hinweg war unsere Einheit als Eingreifkräfte an immer wieder auftretenden Brennpunkten gefordert. Die stetigen Fortentwicklungen an der Bekleidung machen sich hinsichtlich einer unkomplizierten Be- und Entkleidung bezahlt: Die Oberschenkelprotektoren werden seit einiger Zeit nicht mehr in einer gesondert zu tragenden „Boxershorts“ eingebracht, sondern sind in der neuen Einsatzkombi (Overall) enthalten. Die Protektoren werden mit Klettfixierungen sicher auf Höhe der Oberschenkel gehalten. Das ermöglicht das Aus- und Anziehen der Kombi in einem „Rutsch“. Für die weiblichen Kolleginnen wurde der Kombi mit einem weitergehenden Reißverschluss ausgestattet, so dass beim „Toilettengang“ nicht mehr umständlich die komplette Ausrüstung abgelegt werden muss. Laut Aussage einer Kollegin ist diese Modifikation eine deutliche Verbesserung zu früheren Zeiten.

Ausblick

Wie geht es weiter? Wie bereits festgestellt, sollte die Entwicklung moderner Körperschutzausstattung und Schutzbekleidung stets die jeweiligen Einsatzszenarien und neuen Erkenntnisse der Arbeitsmedizin beachten. Das Gewicht der Körperschutzausstattung, der Schutz weiterer Körperstellen sowie die Funktionalität von Taschen stehen hierbei im Fokus.

Hinweis: In diesem Artikel wurden ausschließlich Körperschutzausstattungen zur Bewältigung von unfriedlichen demonstrativen Lagen betrachtet. Den Beamten stehen für andere Einsätze weitere Schutzausstattungen zur Verfügung, um gegen unterschiedliche Angriffe geschützt zu sein.

Anschrift des Verfassers:

KUSCH_ChristianChristian Kusch
Bundespolizeiabteilung Blumberg
Neuer Schwanebecker Weg 3
16356 Ahrensfelde

Polizeihauptkommissar
39 Jahre alt

Seit 1995: Polizeibeamter
Seit 1998: Angehöriger der Bundesbereitschaftspolizei in unterschiedlichen Verwendungen; derzeit stellvertretender Hundertschaftsführer der Beweissicherungs- und Festnahmehundertschaft der Bundespolizeiabteilung Blumberg
Seit 2002: enge Verbundenheit mit dem Thema „Schutzausstattung und -bekleidung“; er war u. a. Leiter der Projektgruppe „Einsatzbekleidungssysteme für Beweissicherungs- und Festnahmeeinheiten“ beim Bundesministerium des Innern