BKA-Verbindungsbeamtinnen begleiteten die Frauenfußballnationalmannschaften

So war´s: Nach dem Ausnahmezustand Weltmeisterschaft 2006 wollten nicht nur die Frauen ein zweites Sommermärchen wieder aufleben lassen. Auch wenn die Deutsche Nationalmannschaft ihren Traum vom dritten Titelgewinn in Folge nicht wahrmachen konnte, stellte die Frauen-Fußball-Weltmeisterschaft 2011 in Deutschland mit rund 782.000 verkauften Eintrittskarten und zeitweilig mit bis zu 21 Millionen TV-Zuschauern im Gastgeberland und in den Ländern der Finalisten USA und Japan gleich mehrere Zuschauerrekorde auf. Das Interesse der Medien und Autogrammjäger war im Vergleich zum Vorjahrestestlauf anlässlich der Frauen-U20-WM ausgeprägter und nahm im Turnierverlauf zu. Mit der internationalen Sportveranstaltung in Zusammenhang stehende sicherheitsrelevante Vorkommnisse konnten durch die zuständigen neun Landespolizeibehörden, die Behörden der Bundespolizei und das Bundeskriminalamt nicht festgestellt werden.

16 BKA-Verbindungsbeamtinnen begleiteten die Nationalmannschaften als Single Point of Contact in allen Fragen der Sicherheit von ihrer Anreise bis zur Abreise von Spielort zu Spielort 24 Stunden rund um die Uhr.

Die Erwartungen einer BKA-Verbindungsbeamtin sind hoch

Die Verbindungsbeamtin für das Team Mexiko äußerte ihre Erwartungen nach ihrem Einsatz im Testlauf der FIFA-Frauen-U 20-WM 2010 bereits im Februar 2011 im Rahmen eines Interviews der Internetredaktion des Bundesministeriums des Innern: „Natürlich ist dies eine besondere Aufgabe für mich (…). Verbindungsbeamtin zu einer Gastmannschaft zu sein, stellt eine große Herausforderung dar und bedeutet auch große Verantwortung (…). Jede von uns weiß seit einigen Wochen, welche der 16 Mannschaften sie in diesem Sommer betreuen wird. Jetzt versuchen wir natürlich nicht nur unser Wissen über das Gastland, das ist in meinem Fall Mexiko, aufzufrischen, sondern uns auch mit den Traditionen und Umgangsformen unserer Gäste vertraut zu machen, um Missverständnisse zu vermeiden. Ich persönlich frische außerdem meine Spanischkenntnisse auf (…)“.

Startschuss durch den Arbeitskreis II „Innere Sicherheit“

Der Arbeitskreis II „Innere Sicherheit“ der Innenministerkonferenz bat das Bundeskriminalamt im Frühjahr 2010 auf Empfehlung seines Unterausschusses „Führung, Einsatz, Kriminalitätsbekämpfung“, anlässlich der Frauenfußball Weltmeisterschaft Verbindungsbeamtinnen zu den Nationalmannschaften im Rahmen der vorgelegten gleichlautenden Konzeption einzusetzen. Die Erfahrungen der letzten internationalen Fußballgroßereignisse – insbesondere der WM 2006 in Deutschland – hatten deutlich gemacht, dass der Einsatz von Polizeilichen Verbindungsbeamten sowohl für die Teilnehmerländer als auch für die Sicherheitsbehörden des Ausrichterlandes ein wichtiges Instrument zur Gewährleistung eines unter Sicherheitsaspekten reibungslosen und einheitlichen Verlaufs der Großveranstaltung darstellt. Auch ohne eigene detaillierte Kenntnis der deutschen Sicherheits- und Zuständigkeitsarchitektur ist damit für die teilnehmenden ausländischen Fußballverbände gewährleistet, dass die ihre Sicherheit betreffenden Fragen und Bedürfnisse an die richtige Stelle gelangen und dort kompetent durch die jeweils örtlich zuständigen Behörden behandelt werden. Aus Sicht der deutschen Behörden überzeugt der Einsatz von Polizeilichen Verbindungsbeamtinnen dadurch, dass alle sicherheits- und ablaufrelevanten Informationen über eine bekannte sach-, kultur- und vor allem sprachkundige Schnittstelle bei den Teilnehmerländern eingespeist und abgefragt werden können. Aufgrund dieser Vorteile hat die Funktion der Verbindungsbeamtin zu den Nationalmannschaften Eingang in die Rahmenkonzeption zur Bewältigung polizeilicher Einsätze anlässlich der FIFA Frauen-Weltmeisterschaft Deutschland 2011 gefunden.

Verbindungsbeamtin als Vermittler zwischen Team und Sicherheitspartnern gemäß BKA-Konzept "Verbindungsbeamtinnen zu den Nationalmannschaften",  Stand: 12. März 2010

Verbindungsbeamtin als Vermittler zwischen Team und Sicherheitspartnern gemäß BKA-Konzept „Verbindungsbeamtinnen zu den Nationalmannschaften“,
Stand: 12. März 2010

Die Verbindungsbeamtin als Single Point of Contact in allen Fragen der Sicherheit

So bringt die Verbindungsbeamtin des Teams Mexiko ihre Aufgabe auf den Punkt: “Alle Mannschaften haben nur ein Ziel: den Gewinn des Weltmeistertitel (…). Die Herausforderung besteht darin, die Sicherheit des Teams zu gewährleisten, ohne dass es zu Einschränkungen für die Spielerinnen kommt. Wir begleiten unsere Mannschaft von dem Zeitpunkt der Einreise nach Deutschland bis zur Ausreise und zwar 24 Stunden, 7 Tage die Woche (…). Sowohl für die Mannschaft als auch für die örtlichen Polizeidienststellen sind wir rund um die Uhr die Ansprechpartnerinnen zum Thema Sicherheit. Wir sorgen dafür, dass die örtlichen Polizeidienststellen immer im Bilde sind, wo sich die Mannschaften gerade aufhalten, wie der aktuelle Planungsstand der Teams aussieht, ob und welche Zwischenfälle es gibt (…).“

Aufgabenprofil einer Polizeilichen Verbindungsbeamtin

Die Verbindungsbeamtinnen unterstützen die Sicherheitsbeauftragten der teilnehmenden Mannschaften, die Abteilung Sicherheit des Organisationskomitees, die Polizeidienststellen der Quartier- und Spielortbehörden und die polizeilichen Zentralstellen bei deren jeweiliger Aufgabenerledigung.

Sie wirken hierbei als Vermittler auf die Herstellung eines Einvernehmens zwischen den Vorstellungen und Bedürfnissen der betreuten Mannschaft und den Möglichkeiten der jeweiligen Sicherheitspartner hin.

Hierzu

  • erheben und bewerten sie sicherheitsrelevante Informationen und steuern diese an die zuständige(n) Polizeibehörde(n) und soweit erforderlich an die Abteilung Sicherheit des Organisationskomitees (OK).
  • koordinieren sie mannschaftsbezogene polizeiliche Maßnahmen (z.B. Lotsung, Objektschutzmaßnahmen) durch Abstimmung der Tagesplanungen mit den zuständigen Polizeibehörden.
  • berichten sie täglich und anlassbezogen an die zuständige(n) Polizeibehörde(n) sowie an die Abteilung Sicherheit des OK.
  • beraten sie die örtlichen Polizeibehörden hinsichtlich Erforderlichkeit, Wirksamkeit und Außenwirkung der Maßnahmen.
  • führen sie Ortsbegehungen und Sicherheitsbesprechungen mit den jeweiligen Sicherheitspartnern durch.
  • unterstützen sie Reisebewegungen der Mannschaft.

Die Verbindungsbeamtinnen unterstehen dem jeweils örtlichen Polizeiführer.

Sie haben keine Weisungsbefugnisse gegenüber örtlich zuständigen Beamten.

Vorbehaltlich eines Ersten Angriffs sowie von Sofortmaßnahmen der Gefahrenabwehr treffen sie hoheitliche Maßnahmen nicht selbst und ordnen sie auch nicht an.

Anforderungsprofil einer ­Polizeilichen Verbindungsbeamtin

  • Polizeivollzugsbeamtinnen mit langjähriger Berufserfahrung.
  • Fließende englische Sprachkenntnisse; wünschenswert sind Kenntnisse der Sprache der betreuten Mannschaft.
  • Ausgeprägte Fähigkeit, sich auf fremde Kulturen und Mentalitäten einzustellen.
  • Organisationstalent.
  • Gefestigte Persönlichkeit mit positiver Berufsauffassung.
  • Körperlich und mental stark belastbar, stressresistent.
  • Sicheres und gepflegtes Auftreten und Erscheinungsbild.
  • Sichere mündliche und schriftliche Kommunikationsfähigkeit.
  • Bereitschaft zur Aufgabenerfüllung außerhalb der Regelarbeitszeit im Rahmen einer mehrwöchigen Dienstreise.
  • Gute Kenntnisse des Aufbaus der deutschen Sicherheitsbehörden.
  • Erfahrungen in Besonderen Aufbauorganisationen und in der Zusammenarbeit mit privaten Veranstaltern sind wünschenswert.

tabelle_webDie richtige Auswahl ist das Ziel

Die richtige Auswahl war das Ergebnis eines Interessenbekundungsverfahrens, auf das 69 Kolleginnen im BKA reagierten. Dem Ausschreibungsprofil entsprachen 45 Kolleginnen, von denen 43 zu Kennenlerngesprächen vor einer Kommission geladen wurden und sich einem Fachgespräch in Englisch und ggf. in Französisch und Spanisch stellten. Alle 43 von der Kommission befragten Kolleginnen waren für die Aufgabe geeignet. Jede einzelne Kollegin zeigte sich sorgfältig vorbereitet und besonders motiviert. Insgesamt war eine hohe Leistungsdichte festzustellen. Eine entsprechende Rankingliste für den Verbindungsbeamtinnenpool wurde mit der Gleichstellungsbeauftragten und dem Gesamtpersonalrat, die das Verfahren durchgängig eng begleiteten, abgestimmt.

Die abschließende Vorbereitung als Schlüssel des Erfolges

Zur abschließenden Qualifizierung der BKA Verbindungsbeamtinnen wurde zeitgerecht ein umfassendes Maßnahmenpaket geschnürt (siehe Tabelle rechts).

Teamgeist auf der ganzen Linie

Die Delegationen zeigten sich im Umgang mit den Polizeilichen Verbindungsbeamtinnen regelmäßig verbindlich, freundlich und kooperativ. Mit den Einsatzverantwortlichen der örtlichen Polizei erwies sich die Zusammenarbeit durchgängig professionell und unkompliziert, zuverlässig und kollegial. Die mit der Bundespolizei erforderlichen Absprachen zu den Laufwegen der Teams, potenziellen Unterstützungsleistungen und möglichen Absperrungen an Flughäfen und auf Bahnhöfen verliefen uneingeschränkt konstruktiv. Das Zusammenwirken mit dem OK-WM 2011 und seinen neun lokalen, für die Sicherheit in den Teamhotels, den Stadien und auf den Trainingsplätzen verantwortlichen Sicherheitsbeauftragten war verbindlich, engagiert, präsent und lösungsorientiert, das Miteinander mit dem TLO als „TEAM hinter dem TEAM“ partnerschaftlich und professionell.

Bundesaußenminister Dr. Guido Westerwelle mit den BKA-Verbindungsbeamtinnen anlässlich des Botschafterempfangs der Teilnehmerländer der WM 2011 am 14. Februar 2011. Bild: BKA

Bundesaußenminister Dr. Guido Westerwelle mit den BKA-Verbindungsbeamtinnen anlässlich des Botschafterempfangs der Teilnehmerländer der WM 2011 am 14. Februar 2011.
Bild: BKA

Bilanz der Polizeilichen Verbindungsbeamtinnen Team USA und Japan

„Der Einsatz im Rahmen der FIFA Frauen-WM 2011, insbesondere in der Betreuung des US-Teams war eine Herausforderung für mich, die sich als sehr interessante, fordernde, aber auch angenehme und erfreuliche Tätigkeit herausstellte. Durch die Zusammenarbeit mit der KO, der örtlichen Polizei, den örtlichen Sicherheitsdiensten, den LOC-Sicherheitsbeauftragten und die Unterstützung und das Entgegenkommen aller dieser Parteien denke ich, dass dem besonderen Sicherheitsbedürfnis der amerikanischen Mannschaft Genüge getan wurde, ohne zu sehr den Rahmen der im Vorfeld der WM besprochenen Maßnahmen zu sprengen. Ein Erlebnis, das ich nicht vergessen werden“.

„Meine Erlebnisse und Erfahrungen bei der WM 2011 waren in Bezug auf das japanische Team ohne jedwede Einschränkung positiv (…), das Verhältnis ausgewogen, professionell und angenehm. Die Zusammenarbeit verlief in allen Punkten respektvoll, vertrauensvoll und konstruktiv. An vielen Stellen habe ich als Erleichterung empfunden, Strukturen oder Abläufe schon von der U20-Frauen-WM zu kennen. Ich konnte mich dadurch auf neue Details konzentrieren oder Herausforderungen effektiver bewältigen, weil ich etwa schon die Ansprechpartner kannte oder wusste, wie der Alltag des japanischen Teams strukturiert ist. Insgesamt war es eine einmalige Erfahrung, die sich in dieser Form nie wiederholen lassen kann und für die ich dem BKA wirklich dankbar bin“.

Auswahl, Vorbereitung und Einsatz der Verbindungsbeamtin hat sich ­bewährt

Die strukturierte Auswahl und die systematische Einsatzvorbereitung der BKA-Verbindungsbeamtinnen erwiesen sich als der Aufgabe angemessen. Die frühzeitige Heranführung der Verbindungsbeamtinnen an ihre jeweiligen Teilnehmerländer, an die Sicherheitsbeauftragten des OK-WM 2011 an den Spielorten und die Einsatzverantwortlichen der örtlich zuständigen Polizeibehörden gewährleistete im Turnierverlauf eine vertrauensvolle, verbindliche und ergebnisorientierte Zusammenarbeit. Festgestellte Lücken/Defizite innerhalb der Aufgabenerledigung konnten durchgängig und unverzüglich abgestellt werden. Erforderliche Maßnahmen wurden handlungssicher getroffen. Die größte Herausforderung für die Polizeilichen Verbindungsbeamtinnen bestand in der maßgeschneiderten Umsetzung individueller Vorstellungen der diversen Anspruchsgruppen und –träger, vor allem auf persönlicher Ebene und vor dem Hintergrund unterschiedlicher kultureller Befindlichkeiten.

Fazit: Die eingesetzten Verbindungsbeamtinnen erwiesen sich als gute Wahl. Sie haben durch ihr Auftreten und ihre fachliche Kompetenz einen nicht zu unterschätzenden Beitrag zum Ausbau der positiven Außenwahrnehmung des BKA geleistet.

Anschrift der Verfasserin:

bk025118L[1]_webMartina Kessow
Bundeskriminalamt
Postfach 44 06 60
12006 Berlin
Projektbeauftragte der Abteilung Sicherungsgruppe

Martina Kessow
geboren am 28.01.1964 in Köln

 

1987: Laufbahnprüfung gehobener Kriminaldienst des Bundes
1987 – 1995: Einsatz im gehobenen Kriminaldienst des Bundeskriminalamtes im Kriminaldauerdienst und in den Referaten “Ermittlungen Rauschgift, Region Südamerika“, „Grundsatzangelegenheiten Rauschgift, internationale Zusammenarbeit, strategische Maßnahmen“ und „Fachspezifische Koordination Rauschgiftkriminalität“
1997: Laufbahnprüfung höherer Kriminaldienst des Bundes
1997 – 2001: Sachgebietsleiterin im BKA, Referentin im BMI im Referat „Einsatzangelegenheiten des Bundesgrenzschutzes“
2002 – 2004: Leiterin des Aus- und Fortbildungszentrums des Grenzschutzpräsidiums Ost
2004 – 2008: Hauptsachgebietsleiterin Einsatz zugleich stellvertretende Amtsleiterin im Bundespolizeiamt Frankfurt (Oder)
2008: Leiterin Bundespolizeiinspektion Magdeburg und Sachbereichsleiterin „Gefahrenabwehr  für Angelegenheiten der Grenzpolizei, Bahnpolizei und Luftsicherheit“ in der Bundespolizeidirektion Pirna
2008-2009: Leiterin des Referates IK 24 „Ausbildungs- und Ausstattungshilfe“
01.01.2010: Projektbeauftragte der Abteilung Sicherungsgruppe