Einsatzkräfte der Polizei auf Landes- wie auf Bundes­ebene sehen sich einem stetig steigenden Gewaltpotential gegenübergestellt. Neben der persönlichen Schutzausrüstung bedarf es auch einer entsprechenden Sicherheitstechnik bei der Fahrzeugausstattung. Schutz für Fahrzeuginsassen bieten hierbei Sicherheitsscheiben der Firma KRD Sicherheitstechnik GmbH. Stefan Kindsvater, Produktmanager ­KASIGLAS®-Sicherheitsscheiben, sprach mit CP über die sicherheitstechnischen Anforderungen, das Einsatzspek­trum und dem sich wandelnden Sicherheitsbedürfnissen der Einsatzkräfte. Die Fragen stellte Sarah Heggen, Redaktion CP.

CP: Herr Kindsvater, bitte stellen Sie Ihr Unternehmen unseren Lesern kurz vor. Wofür steht KRD und wie kam es zur heutigen Expertise Ihres Unternehmens?

Der Wasserwerfer 10   im Einsatz der Bereitschaftspolizei Hamburg ist mit KASIGLAS®-Verbundscheiben ausgestattet.

Der Wasserwerfer 10 im Einsatz der Bereitschaftspolizei Hamburg ist mit KASIGLAS®-Verbundscheiben ausgestattet.

KRD: Die KRD-Gruppe beschäftigt 110 Mitarbeiter, geführt durch Korinna und Bernhard Brammer. Kernkompetenz des innovativen mittelständigen Unternehmens ist die Funktionsbeschichtung transparenter Kunststoffe, die auf diesem Wege z. B. gegen Abrieb und andere schädigende Einflüsse geschützt werden. Die beschichteten Kunststoffe werden zu diversen Produkten weiterverarbeitet, darunter Sicherheitsscheiben, Maschinenabdeckungen, dekorative Elemente, Automobil-Verscheibungen, Helmvisiere, Vitrinen und Lärmschutzwände.

CP: Worin liegt die Besonderheit Ihrer Produkte im Bereich Sicherheitstechnik?

KRD: Die Besonderheit unserer Produkte liegt zum einen darin, dass unsere Sicherheitslösungen direkt aus einer Hand kommen. Im Hause KRD erfolgt neben der Veredelung durch eigens entwickelte Lacksysteme auch der komplette Fertigungsprozess bis zum Endprodukt. Weitere Stärken sind die Verbesserung bestehender Produkte und die Entwicklung von neuen Produkten.

CP: In welchen Bereichen kommen Ihre Produkte zum Einsatz?

KRD: (Lacht) Damit könnte ich mehrere Seiten füllen. Das Produkt KASIGLAS® von KRD kommt nicht nur dort zum Einsatz, wo Sicherheit gefordert wird. Unsere Kunden sind neben der Bundes-, Bereitschafts- und Landespolizei auch im Bereich Forst- und Landwirtschaft anzutreffen. Auch in der Luftfahrt und auf hoher See kommen KRD-Produkte zum Einsatz. Das Produktspektrum ist riesig und die Einsatzgebiete vielfältig.

CP: Wie kam es zur Entwicklung Ihrer Polycarbonat-Verbundscheibe KASIGLAS®?

KRD: Die KASIGLAS® Verbundscheibe ist eine Weiterentwicklung der bisherigen KASIGLAS® Monoscheibe und hat gegenüber einer monolitischen Polycarbonatscheibe den entscheidenden Vorteil, dass sie bei gleichbleibender Materialdicke einen höheren Schutz bietet. Des Weiteren bietet die Verbundscheibe vielfältige Möglichkeiten, zusätzliche Funktionen in die Schutzscheibe zu integrieren, wie zum Beispiel eine Feindrahtheizung oder Sonnenblendstreifen. Auch der Einsatz von Antennen in der Scheibe wäre denkbar. Sie sehen, es gibt viele Möglichkeiten, die Sicherheitsscheiben mit zusätzlichen Eigenschaften zu versehen.

CP: Wie beeinträchtigt das Material das Gesamtgewicht eines Einsatzfahrzeugs beim Einsatz Ihrer Sicherheitsscheibe?

KRD: Mittlerweile ist auch im Fahrzeugbau jedes Gramm wichtig. Dank der Polycarbonatscheiben bieten wir deutlich mehr Schutz gegenüber der Originalverglasung ohne Gewichtszunahme.

CP: Ist Ihr Produkt beschussfest?

Trefferbild nach Beschuss.

Trefferbild nach Beschuss.

KRD: Je nach Einsatzgebiet gibt es KASIGLAS® auch als durchschusshemmende Varianten. Wir richten uns hier stets nach den Wünschen der Kunden. KASIGLAS® gibt es für fast jeden Fahrzeugtyp, individuelle Kundenwünsche lassen sich aber natürlich auch realisieren. Die KASIGLAS® B-400 Scheibe z. B. hält selbst der VPAM 4 stand. Dies wurde seitens des Beschussamtes Mellrichstadt zertifiziert. Hier haben sich die Erfahrungen mit unseren Verbundscheiben bewährt. Die Scheiben bestehen aus einem mehrschichtigen Aufbau unterschiedlicher Polycarbonatdicken. Die Herausforderung war dabei, die optischen Anforderungen nicht zu beeinträchtigen.

CP: Gibt es auch weitere Anwendungsbereiche über die Ausstattung von Polizeifahrzeugen hinaus?

KRD: Der Einsatz von unseren Produkten ist natürlich auch im militärischen Bereich möglich. Wir bieten nicht nur Sicherheitsscheiben an, auch die Herstellung von beschusshemmenden Helmvisieren wurde schon realisiert. Ein weiteres, denkbares Produkt wäre der Einsatz unseres patentierten Systems ­KASIGLAS® RCP. Dabei handelt es sich um ein Polycarbonat, welches sich z. B. auf eine Panzerglasscheibe aufbringen lässt. KASIGLAS® RCP schützt die Panzerglasscheibe vor Steinschlag, kann schnell gewechselt werden und ist wesentlich kostengünstiger als der Tausch einer kompletten Panzerglasscheibe, welcher oft auch mit hohem logistischen Aufwand verbunden ist.

CP: Lassen sich Ihre Verbundscheiben nach Beschädigung problemlos austauschen?

KRD: Ja, die Verbundscheiben lassen sich ohne Probleme austauschen. Die KASIGLAS® Scheiben werden in der Produktion durch ein thermisches Verfahren gefertigt. Sie unterscheiden sich optisch kaum von einer Original-Silikatglasscheibe. Der Tausch der Scheiben kann durch eine KFZ-Werkstatt durchgeführt werden. Gern bieten wir Schulungen für den Verbau von Polycarbonatscheiben an.

CP: Wie verhält sich das Material bei Umwelteinflüssen wie intensiver Sonneneinstrahlung?

KRD: Dies ist (leider) ein Problem eines organischen Werkstoffes gegenüber einem anorganischen (z. B. Silikatglas). Durch UV-Einflüsse leidet der Werkstoff Polycarbonat. Dank des Einsatzes von ausgewähltem Polycarbonat und eigens entwickelten KASI®-Lacken, welche sowohl bei KASIGLAS® Mono als auch KASIGLAS® Verbundscheibe zum Einsatz kommen, lässt sich dieser negative Effekt fast neutralisieren. Natürlich muss man auch beachten, dass Polycarbonat einen anderen thermischen Ausdehnungskoeffizienten hat als z. B. eine Silikatglasscheibe. Durch den Einsatz von unserem geprüften Klebesystem kann aber auch an dieser Stelle entgegen gewirkt werden.

CP: Gehen Ihre Sicherheitslösungen für Einsatzfahrzeuge über die Sicherheitsverscheibung hinaus?

KRD: Neben der Fertigung von Sicherheitsscheiben bieten wir noch weitere Lösungen an, welche den Sicherheitsfaktor erhöhen. Was bringt der Schutz der Fahrzeuginsassen im oberen Bereich, wenn der untere Bereich im Fahrzeug „nur“ durch das Karosserieblech geschützt wird? Tests haben gezeigt, dass hier eine Schwachstelle vorliegt. Dank KASIGLAS® Safety Protection wird auch dieser Bereich geschützt. Auch der neue Sicherheitsdachausstieg KASITECH® MFE (Multi Functional Escape) trägt zum Schutz der Fahrzeuginsassen bei. Im Notfall kann das Fahrzeug verlassen werden.

CP: Wie verhält es sich mit dem rettungsdienstlichen Aspekt in Bezug auf die Personenrettung von eingeschlossenen bzw. einklemmten Fahrzeuginsassen?

KRD: In Zusammenarbeit mit der Berufsfeuerwehr Wiesbaden wurden im Juli 2010 zahlreiche Tests an unseren Polycarbonatscheiben durchgeführt. Fazit: Die Feuerwehren führen geeignete Hilfsmittel standardmäßig als Grundausrüstung mit sich, um auch im Ernstfall die Fahrzeuginsassen bergen zu können.

CP: Welchen technischen Richtlinien entsprechen Ihre Produkte?

Bewurf einer KASIGLAS® Sicherheitsscheibe - Abprall des Pflastersteins. (Bilder: KRD)

Bewurf einer KASIGLAS® Sicherheitsscheibe – Abprall des Pflastersteins. (Bilder: KRD)

KRD: Unsere Sicherheitsscheiben erfüllen die aktuell geltende „Technische Richtlinie für Schutzglas für Polizeifahrzeuge“ (kurz TRL). Auch unser neuer Sicherheitsdachausstieg KASITECH® MFE hat diesen Test problemlos bestanden. Die Prüfung erfolgt durch den Fachbereich FuE an der Bundespolizeiakademie Lübeck.

CP: Welchem Wandel und welchen Bedürfnissen seitens der Nutzer für ein erhöhtes Sicherheitsniveau sehen Sie Ihre Lösungen und welchen Anforderungen sehen Sie sich künftig gegenübergestellt?

KRD: Um gegen gezielte Gewalt sicheren Schutz bieten zu können, ist es sehr wichtig, eng mit unseren Kunden zusammen zu arbeiten. So können wir gezielt neue Produkte entwickeln, welche die Schutzanforderungen erfüllen bzw. besser sind als gefordert. Leider zeigen uns immer wieder aktuelle Medienberichte, welchen Gefahren die Polizistinnen und Polizisten ausgesetzt sind. Es ist gut zu wissen, dass wir zum Schutz der Beamten unseren Teil beitragen können – getreu dem Motto „Wir schützen die Menschen, die uns schützen!“

CP: Vielen Dank für das informative Gespräch.

Aufmacherbild: Kompletter Rundumschutz mit KASIGLAS®. (Bild: KRD)