Wilfried Joswig

Perimeterschutz und Zutrittskontrolle (besser Zutrittsmanagement) erfüllen im Rahmen der Sicherheit gemeinsam quasi eine Filterfunktion. Der Perimeterschutz soll unerwünschte Elemente fernhalten und die Zutrittskontrolle erwünschte Elemente durchlassen. Für die Sicherheit eines Objektes sind diese beiden Funktionen unzertrennlich miteinander verbunden.
Leider ist die Umsetzung dieser trivialen Aufgabenstellung in der Praxis wesentlich komplexer als hier am Beispiel der Filterfunktion dargestellt. Dies gilt sowohl für den Perimeterschutz als auch für das Zutrittsmanagement. Warum ist das so?

Bleiben wir einmal bei unserem Vergleich mit dem Filter und betrachten zunächst den Perimeterschutz. Der Perimeterschutz, bestehend aus Zaun, Toren, ­Türen und Vereinzelungsanlagen, soll unerwünschte Elemente vom Objekt fernhalten. Daraus ergeben sich viele Fragen, wie z. B.:

• Was sind unerwünschte Elemente?
• Wie definiere ich diese?
• Welche Hilfsmittel lasse ich beim Angriff auf den Perimeterschutz zu?
• Soll der Angriff detektiert werden?
• Wie erfolgt im Alarmfall eine Verifikation, ob ein Angriff oder ggf. ein Fehlalarm vorliegt?
• Erfolgt im Angriffsfall eine Intervention?
• Wie sieht das Interventionskonzept aus?
• Welcher Zeitraum vom Alarm bis zur Intervention muss berücksichtigt werden?
• Etc.

Ähnliche Fragen ergeben sich beim Zutritts­manage­ment:

• Wie unterscheide ich erwünschte und unerwünschte Personen (manuell oder automatisch)?
• Welche Identifikationssysteme werden bei automatischer Kontrolle (Schlüssel, Ausweis, biometrische Erkennungssysteme, etc.) verwendet?
• Wie behandle ich Besucher?
• Nur Eingangs- oder auch Ausgangskontrolle?
• Unterscheidung zwischen Tag- und Nachtbetrieb?
• Wie sind die Rettungswege?
• Wird das Identifikationssystem auch noch für andere Berechtigungen genutzt?
• Etc.

Betrachtet man jetzt noch die unterschiedlichen baulichen Gegebenheit der Objekte und die individuellen Betriebsabläufe, so wird deutlich, dass Sicherheit durch Perimeterschutz und Zutrittskontrolle eine anspruchsvolle Herausforderung für jedes Objekt darstellen und immer zu individuellen Lösungen führt.
Aber eines ist bei allen Projekten gleich. Ohne Gefahrenanalyse, Risikoanalyse und Handlungs-empfehlung gibt es kein erfolgreiches Sicherheitskonzept.

Sicherheitskonzept bei der P­eri­metersicherung

2.58Grundsätzlich empfiehlt es sich, Außenbereiche/Objekte sowohl mit mechanischen als auch mit elektronischen Sicherungen zu überwachen und zu schützen. Von Bedeutung ist dabei, dass sich die Maßnahmen sinnvoll ergänzen und eine geschlossene Sicherheitskette bilden. Einzelmaßnahmen sollten daher vom Planer und Anwender immer daraufhin geprüft werden, ob sie die Sicherheitskette schwächen oder stärken.
Neben der Sicherungstechnik spielen aber auch richtiges Verhalten, organisatorische und personelle Maßnahmen sowie die Aufmerksamkeit der Nutzer/Objektverantwortlichen eine wichtige Rolle.
Um eine Perimetersicherung/Objektsicherung zu planen und umzusetzen, sollte zuvor ein Sicherheitskonzept erstellt werden. Die nachfolgenden Hauptbestandteile des Sicherheitskonzeptes bauen chronologisch aufeinander auf.

Hauptbestandteile eines Sicherheitskonzeptes sind:
• Die Gefahrenanalyse, bestehend aus:
• der Bedrohungsanalyse
• der Täterprofilanalyse
• Die Risikoanalyse, bestehend aus:
• der Schutzzieldefinition
• der Schwachstellenanalyse
• der Risikobewertung
• der Restrisikobewertung

Das Empfehlen der Sicherungsmaßnahmen, unter Berücksichtigung:
• der Interventionszeit
• des Widerstandszeitwertes

Notwendigkeit der Perimeter­sicherung

Ausgangspunkt zur Erhöhung der Sicherheit im Allgemeinen und für Überlegungen zum Perimeterschutz ist der vorhandene Schutzbedarf des Nutzers. Um diesen herauszuarbeiten, sollte für alle diesbezüg­lichen Maßnahmen zunächst eine Verwundbarkeitsbetrachtung vorgenommen werden.
Ziel dieser Analyse ist die Identifizierung kritischer Prozesse, die ein Gefährdungspotential besitzen. ­Dabei sollte man immer hinterfragen was passiert, wenn ein Prozess versagt oder ausfällt.
Die dadurch entstehenden Risiken sind bei der Erstellung einer Gefährdungsanalyse herauszuarbeiten. In dieser Gefährdungsanalyse sollte Folgendes enthalten sein:
• Identifizierung kritischer Prozesse und Risiken
• Erstellung eines Schutzkonzeptes zur Verringerung der Risiken
• Benennung der zu tragenden Restrisiken
Das im Ergebnis vorliegende Sicherheitskonzept soll die zu erreichenden Schutzziele verständlich, realistisch, praxisorientiert und glaubwürdig beschreiben.
Die Aufgabe des zu errichtenden Perimeterschutzsystems ist die Gewährleistung der Sicherheit/Integrität einer Liegenschaft / eines Objektes durch Schutz und Überwachung von Grenzbereichen mit dem Schutzziel, ein unberechtigtes Durchdringen von Grenzbereichen zu detektieren und zu unterbinden oder zu verzögern, um hierdurch Risiken durch Störereignisse zu minimieren.
Mit der Festlegung der mechanischen Komponenten ist jedoch die Problematik der Unterbindung von Angriffen auf den Perimeter nicht gelöst. Vielmehr ist jetzt zu untersuchen, wie ein Eindringversuch zu detektieren ist. Dabei müssen die vorher festgelegten Beanspruchungsarten für den mechanischen Perimeterschutz berücksichtigt werden, da nicht alle Detektionssysteme für alle Beanspruchungsarten geeignet sind.

Formulierung von Anforderungen an den Perimeterschutz

Perimeterschutzanlagen sollen Angreifer eine notwendige Zeitspanne lang aufhalten. Die entsprechenden Konstruktionen müssen einem Überwindungsversuch also eine Zeit lang widerstehen. In dieser Zeitspanne muss der Angriff auf den Perimeter detektiert und Gegenmaßnahmen ergriffen werden. Die denkbaren Angriffsszenarien sind hierbei äußerst vielfältig.
Ein Perimeterschutzsystem, das allen denkbaren Angriffen widersteht, ist kaum denkbar und mit Sicherheit nicht finanzierbar. Daher ist die grundlegende Frage zu beantworten, welche Bedrohungen zur Auswahl des Perimeterschutzes zugrunde gelegt werden sollen. Hierfür sind Szenarien festzulegen, die die Bedrohungen umfassend beschreiben.
Die Auslegung der mechanischen Sicherungskonstruktionen muss entsprechend der Szenarien, der Hilfsmittel und dem geforderten Widerstandszeitwert erfolgen.
Mit der prinzipiellen technischen Möglichkeit der Detektion ist der Projekterfolg allerdings noch nicht gesichert, denn im Weiteren sind die tatsächlichen Eigenschaften des Detektionssystems im realen Betrieb zu betrachten. Hier ist die Parametrierung zur Minimierung der Fehlalarme durch Witterungseinflüsse von erfahrenen Spezialisten unerlässlich.
Die erfolgreiche Umsetzung eines Perimeterschutzprojektes ist neben den rein baulich-technischen Voraussetzungen daher wesentlich von der Qualität der Montage und der Parametrierung der Detektionssysteme abhängig.

Allgemeine Anforderungen an Türen, Tore und Kfz-Sperren

Tore und Kfz-Sperren sind definiert als bewegliche Raumabschlüsse, die vorgesehen sind, eine Durchfahrt für Fahrzeuge und den Transport von Lasten mit und ohne Personen zu ermöglichen.
Bei der Definition von Türen und Toren gibt uns die EN 12519 sowie die EN 12433-1 eine klare Definition vor.
Nach diesen Definitionen besteht folgender Unterschied:
Türen werden ausschließlich von Personen benutzt und Tore können von Fahrzeugen und Personen benutzt werden.
Funktionale Anforderungen an Durchfahrtsschutzeinrichtungen resultieren aus den verschiedenen Zielstellungen, die durch deren Einsatz erreicht werden sollen, wie beispielsweise die Steuerung von Personen- und/oder Fahrzeugverkehr. Darüber hinaus können sich je nach Ziel­stellung unterschiedliche Öffnungs­frequenzen ergeben, welche ihrerseits Einfluss auf die ein­zu­set­zende Bedienungsart (manuell, elektrisch, automatisch) nehmen.
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass technische, funktionale und ästhetische Gesichtspunkte in einem vielschichtigen System von Wechselbeziehungen miteinander verflochten sind. Die Bestimmung der optimalen Lösung stellt sich somit oftmals als komplex dar und sollte bereits in der Planungsphase von Fachleuten betreut werden.

Anforderungen an Zugänge

Die Anforderungen, die an Zufahrten zu stellen sind, sind mannigfaltig und wesentlich vom Einsatzzweck bestimmt.
Folgende Punkte sollten beachtet werden:
• Öffnungszeiten (von Betätigung bis Öffnung)
• Öffnungsfrequenz
• Durchlassfähigkeit
• Mechanische Grenze (Geschwindigkeit)
• Schleusenfunktion
• Einbindung in Zutrittskontrolle/Steuerung/Zutrittsberechtigung
• Gewährleistung des Zuganges für Behinderte/barrierefreie Zugänge
• Platzbedarf für Zugangseinrichtungen
• Anpralllastaufnahme u. U. beim Hochsicherheitsprodukt (Euronorm PAS 68)
• Notwendige Betätigungskraft (zusätzlicher motorischer Antrieb)
• Sicherstellung der Flucht- und Rettungswege
• Klimatische Einsatzbedingungen (Materialspannungen, Temperatur, Luftfeuchte)
• Maschinenrichtlinie, UVV, Normung
• Wartungsansprüche
• Verfügbarkeit des Zuganges (Festlegung von Reaktionszeiten bei Fehlern, etc.)

Zutrittsmanagement

Für eine umfassende Perimetersicherung ist eine Zugangsregelung für Personen und Fahrzeuge unerlässlich. Diese regelt technisch und organisatorisch den Zugang. Die dafür zur Verfügung stehenden mechanischen, elektromechanischen und automatischen Lösungen sind vielfältig und können daher hier nicht im Detail und vollem Umfang beschrieben werden.
Bei der Auswahl der geeigneten Lösung ist darauf zu achten, dass diese die Arbeitsabläufe unterstützen und nicht behindern. Außerdem sind die unterschiedlichen Betriebszustände Tag/Nacht, Wochenende, Notbetrieb oder Fluchtweg zu berücksichtigen.

Weitere Informationen zu dem komplexen ­Thema Perimetersicherung finden Sie im Handbuch Perimetersicherung, 2. Auflage, des VfS e. V.
Anschrift des Verfassers:

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Wilfried Joswig
Verband für Sicherheitstechnik e. V.
Eulenkrugstraße 7
22359 Hamburg
Telefon: 040/21970015
E-Mail: Joswig@vfs-hh.de

Seit 2012 Geschäftsführer beim Verband für Sicherheitstechnik e. V.
1999 bis 2011 Projektmanager bei der Siemens AG (später Nokia Siemens Networks GmbH und Co KG)
1988 bis 1999 Siemens Gebäudetechnik Nord
Teamleiter Projektierung und Abwicklung für strategische Projekte (z. B. Justizvollzugsanstalten, Flughäfen, militärische Projekte, Studiotechnik, Leitstellen für Feuerwehr und Polizei)
Berater für Ingenieurbüros