Perimeterschutz ergänzt durch Videoüberwachung und
Zutrittssteuerung

Thomas Hermes, Werner Störmer, Jochen Sauer

Der Schutz des Freigeländes stellt die erste Sicherungslinie in einem ganzheitlichen Sicherheitskonzept dar. Kritische Infrastrukturen (Institutionen und Einrichtungen), aber auch Unternehmen, die lokal oder überregional im Fokus stehen, benötigen ein Konzept zum Perimeterschutz. Die Freigeländeüberwachung ermöglicht zusammen mit einer effizienten Zutrittssteuerung eine Detektion von Personen, die versuchen, unbefugt das Gelände zu betreten.

Schutz vor unbefugtem Betreten

Größte Schwachstelle sind die Ein-/Ausgänge, Zufahrten sowie Mitarbeiter. Fehlen entsprechende Schutzmaßnahmen wie Vereinzelungseinrichtungen und/oder Videoüberwachung, kann ein Zutrittsberechtigter einem Kriminellen (beabsichtigt oder überlistet) den Zugang ermöglichen. Oft wird von Mitarbeitern „in bester Absicht“ ein Besucher an einem Eingang/Pforte mit aufs Gelände genommen, weil der Unbekannte angibt, einen Termin mit Frau/Herrn X zu haben. Durch diese List kann sich der ungebetene Gast im Sicherheitsbereich frei bewegen. Nur durch Einsatz einer Zutritts- und Zufahrtssteuerung kann dafür gesorgt werden, dass nur Berechtigte aufs Gelände gelangen. Diese personenbezogene Anwendung steuert die Zutrittsrechte (z. B. mittels Ausweis) einzelner Nutzer/Fahrzeuge zu festgelegten Räumen (Raumzonen) zu unterschiedlichen Zeiten (Zeitzonen). Hierdurch können z. B. Zufahrten, Lieferanteneingänge und sonstige schützenswerte Areale gesichert werden. Bei der Zufahrtssteuerung kann dies alternativ über eine videobasierte Kennzeichenerkennung erfolgen (Abb. 1).
Die Zutrittssteuerung reicht vom Schutz einzelner Ein-/Ausgänge mit Schleusen oder Vereinzelungseinrichtungen (s. Bild) bis zu sicherheitstechnischen und organisatorischen Gesamtmaßnahmen, etwa bei Großbetrieben. Berechtigungen können für jeden einzelnen Zu- oder Ausgang unterschiedlich vergeben und gesteuert werden. So kann eine Person zu einem bestimmten Areal, Gebäude oder Raum ein unbeschränktes Zutrittsrecht haben, darf aber einen Hochsicherheitsbereich nur zusammen mit einer weiteren Person betreten. Dieses Recht gilt nur innerhalb bestimmter Zeitzonen, z. B. zu Geschäftszeiten. Somit bietet ein Zutrittssystem die Möglichkeit, Manipulationen durch Lieferanten und Personal oder Bedrohungen durch Fremde zu verhindern bzw. zu erschweren.

Frühzeitig auf Vorfälle reagieren

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Abb. 2: Areale überwachen und schützen. (Bild: Axis Communications GmbH/BHE)

Freigeländeüberwachungsanlagen spielen beim Schutz der Areale eine nicht zu unterschätzende Rolle. Dass potenzielle Straftäter bereits beim Eindringversuch erfasst werden, ermöglicht einen frühzeitigen Hinweis auf die Vorbereitung von Straftaten und bietet einen deutlichen Zeitvorteil für die Interven­tionskette (Abb. 2).
Herkömmliche mechanische Sicherungen, wie Zäune oder Mauern, zeigen deutlich die juristische Grenze und erschweren das Eindringen in nicht für die Öffentlichkeit vorgesehene Bereiche. Aber nur mit Perimeter-Sicherungs-Systemen kann die durchgehende Funktionsfähigkeit dieser Grenze garantiert werden. Durch Unachtsamkeit, Unfälle oder bewusste Sabotage unterbrochene Zaunlinien dienen als willkommene Zugangsmöglichkeit. Die Notwendigkeit entsprechender Schutzmaßnahmen wird insbesondere vor dem Hintergrund eines plötz­lichen Versorgungsausfalls (Blackout) in Unternehmen und Behörden vermehrt diskutiert.
Üblicherweise werden mechanische Sicherungsmaßnahmen (Zäune, Gräben, Wälle oder Mauern) mit passenden Freigeländesicherungssystemen kombiniert, die die Barriere oder den Raum unmittelbar dahinter überwachen.
Beim Einsatz von Detektionssystemen im Freigelände ist es unerlässlich, die Gegebenheiten vor Ort zu besichtigen und gegebenenfalls nach Auswahl des passenden Systems einen Praxistest durchzuführen. Wie bei jeder Sicherungstechnik steht am Anfang eine projektspezifische Sicherheitsanalyse sowie ein daraus abgeleitetes Sicherheitskonzept. Dieses sollte von zertifizierten Planern und Errichtern in enger Zusammenarbeit mit dem Betreiber für jedes Objekt individuell erarbeitet werden, in der Regel unter Austausch von Vertraulichkeitsvereinbarungen. Auf Basis dieses Konzepts und des Schutzziels erfolgt die Auswahl des richtigen Detektionssystems.
Die angebotenen Verfahren der Freigeländeüberwachung sind vielfältig und können in der Regel an die Erfordernisse vor Ort angepasst werden. Die optimale Konfiguration ist dabei für eine Sicherstellung der gewünschten Funktion sehr wichtig. Einfache Systeme, wie Feldänderungsmelder, erkennen und bewerten Abweichungen (gehende Personen, das Aufstellen einer Leiter), Streckensensoren melden Unterbrechungen der Infrarot- oder Laserschranken.
Aufwendigere Systeme bieten sich an, wenn ein Untergraben von Zäunen befürchtet wird. Sogenannte Bodendetektionssysteme erfassen Feld- oder Druckänderungen durch im Erdreich verdeckt installierte Sensoren und Drucksysteme aus Schläuchen, Matten oder Kabeln.
Zaunmeldesysteme sind an mechanischen Barrieren wie Zäunen oder Gittern angebracht oder in diese integriert. Es wird zwischen zerstörungsfreien und nicht zerstörungsfreien Systemen unterschieden. Erstere erkennen zum Beispiel den Körperschall oder die Neigung und Verformung der mechanischen Barriere. Nicht zerstörungsfreie Zaunmeldesysteme erkennen und meIden das Durchtrennen der Signalleitungen. Sie bieten einen sicheren Schutz gegen unerwünschte Meldungen durch Tiere oder andere Außeneinflüsse, weil diese jeweils nicht zu einer durchstiegsfähigen Öffnung im Zaun führen.
Weitere, teilweise auch mit abschreckender Wirkung versehene Schutzmöglichkeiten, bieten Detektionssysteme, die mit Spann-, Schreck- oder Scherdraht arbeiten. Bei einer Berührung (gleiches Prinzip wie ein elektrischer Weidezaun) oder mechanischen Beschädigung des Drahtsystems wird eine Meldung generiert.

Sicherheitsrelevante Ereignisse ­erkennen

Eine weitere Kategorie stellen Videoanalysesysteme dar. Durch die Auswertung der Aufnahmen von Tag-/Nachtkameras, vermehrt auch von Wärmebildkameras, können sicherheitsrelevante Ereignisse festgestellt und überprüft werden. Auf jeden Fall sollte der Bereich der Freigeländeüberwachung zusätzlich mit Kameras überwacht werden (Abb. 3).
Eine pauschale Gegenüberstellung der einzelnen Systeme hinsichtlich der erforderlichen Investitionen würde sehr wahrscheinlich zu gravierenden Fehlentscheidungen führen. Denn der Einsatzzweck und das Schutzziel sind extrem wichtig für die Ermittlung der Kosten. So ist zum Beispiel grundsätzlich zu berücksichtigen, wie der Untergrund beschaffen ist. Dies beeinflusst die Gesamtkosten der mechanischen und elektronischen Sicherungsmaßnahmen in nicht unerheblichem Maße. Auch die Zonengrößen sind von entscheidender Bedeutung. Je nach Größe des zu überwachenden Geländes verteilen sich die Kosten auf einen laufenden Meter. Bei einer Zone von 10 Metern beträgt der Fixkostenanteil ein Zehntel der Gesamtkosten je Meter; bei einer 100-Meter-Zone entsprechend ein Hundertstel.

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Abb. 3: Videobildanalyse zur Freigeländesicherung. (Bild: Securiton GmbH/BHE)

In der Freigeländeüberwachung sollten außerdem keine einfachen Videobewegungsmelder eingesetzt werden, sondern Videoanalyseverfahren mit vielfältigen Konfigurationsmöglichkeiten und aufwendigen Algorithmen. Diese bewerten nicht nur Pixelveränderungen in einem Bild, die beispielsweise durch vorbeifahrende Fahrzeugscheinwerfer oder Wolkenzug verursacht werden können. Vielmehr analysieren sie Veränderungen im Bild und vergleichen diese mit hinterlegten Objektmustern.
Stimmen sie in Größe, Richtung, Geschwindigkeit überein, wird eine Meldung generiert. Erst bei vordefinierten Bewegungen von vorklassifizierten Objekten wird ein Alarm erzeugt. Mit dieser objektbezogenen Detektion und weiteren Filtern wird die Rate an unerwünschten Meldungen soweit reduziert, dass ein Betrieb auch bei großen Anlagen oder in der Zusammenschaltung von mehreren Objekten auf eine Leitstelle sinnvoll ist.

Detektionssysteme machen sich bezahlt

Vor dem Hintergrund eines etwaigen Imageschadens durch eingedrungene Personen oder der Ausfallzeiten durch beschädigte oder entwendete Güter nehmen daher viele Institutionen und Unternehmen die Absicherung des kompletten Geländes als essentielle Komponente des Sicherheitskonzeptes wahr.
Damit die Wahl auf das richtige System und die optimale Konfiguration fällt, sind bei der Planung und Realisation der Freigeländeüberwachung insbesondere die örtlichen Gegebenheiten und unvermeidbaren Umwelteinflüsse zu berücksichtigen. Zu den örtlichen Gegebenheiten zählt zum Beispiel der Grenzverlauf. Mikrowellenbarrieren können sehr gut bei langen gerad­linigen Strecken eingesetzt werden. Soll die Detektionslinie jedoch einem kurvigen Verlauf folgen, könnten z. B. zaunbasierte Systeme sinnvoll sein.
Ein Beispiel für Umwelteinflüsse ist Nebel. Optische Systeme wie Videoanalyse mittels Tag-/Nachtkameras oder Lichtschranken werden durch Nebel in ihrer Funktion begrenzt. Soll eine Freigeländeüberwachung zum Beispiel in einer Talsenke eingesetzt werden, in der vermehrt mit Nebel zu rechnen ist, sind diese optischen Systeme eventuell nicht geeignet. Dies ist auch bei der Wahl der Kameratechnik und ggf. dem Abstand der ­Kamera­pfosten zu beachten.
Grundsätzlich besteht eine Perimeter-Absicherung immer aus einer Kombination von in Zonen eingeteilten Detektionssystemen. Die einzelnen Zonen wiederum sollten der Leitstelle oder dem Entscheidungsträger mittels Videosicherheitstechnik die Möglichkeit einer visuellen Bewertung und einer Dokumenta­tion des Vorfalles ermöglichen. Eine zusätzliche intelligente ­Option wäre eine direkte automatisierte oder auch persönliche Ansprache des Eindringlings über eine Beschallungsanlage. Dies hätte den Vorteil, dass der Täter in der Regel von weiteren Aktivitäten absieht.
Bei der Suche nach einer qualifizierten Fachfirma hilft z. B. die Auszeichnung „BHE-zertifizierter Fachbetrieb“. Jahrelange Erfahrung, eine Fachkundeprüfung und regelmäßige Weiterbildungen sind hierfür erforderlich. Das Zertifikat verdeutlicht dem zukünftigen Betreiber, dass die Anlagen unter Beachtung der jeweils gültigen Vorschriften kompetent geplant, installiert, konfiguriert und instand gehalten werden. Hilfestellung bietet das BHE-Portal unter www.bhe.de/Zertifikat sowie www.bhe.de/Fachfirmensuche. Wissenswertes zu den einzelnen Techniken vermitteln die BHE-Publikationen, insbesondere die ­Praxis-­Ratgeber zu den unterschiedlichen Sicherungstechniken, s. www.bhe.de/Publikationen.

 

Abb. 1 (Aufmacherbild): Zutrittsrechte verhindern ungebetene Besucher. Bild: PCS Systemtechnik GmbH/BHE)

Anschrift der Verfasser:
BHE Bundesverband Sicherheitstechnik e. V.
Thomas Hermes, stellv. Vorsitzender Fachausschuss Perimeter
Jochen Sauer, stellv. Vorsitzender Fachausschuss Video
Werner Störmer, stellv. Vorsitzender Fachausschuss Zutritt
Feldstraße 28
66904 Brücken
Tel.: 06386/9214-0
E-Mail: info@bhe.de
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