Der Einsatz von Körperscannern und Metalldetektionstoren im Vergleich

Sarah Heggen

Sicherheit an nationalen wie internationalen Flughäfen ist in den jeweiligen nationalen Luftsicherheitsgesetzten festgeschrieben. Die Technik zur Detektion gefährlicher Gegenstände wie (Schuss-)Waffen spielt dabei eine bedeutende Rolle. Subjektive wie objektive Sicherheitsbedürfnisse wirken in das Sicherheitskonzept mit ein. Die Diskussion über den Einsatz von Metalldetektoren an deutschen Flughäfen begann 1992, 1996 wurden erste Geräte (Metalldetektortore und Handgeräte) eingeführt. Seit 2014 wird diese Technik nach und nach durch Körperscanner abgelöst.

Abb. 1: Gates und Sicherheitskontrolle. (Bild: Rainer Sturm/pixelio.de)

Abb. 1: Gates und Sicherheitskontrolle. (Bild: Rainer Sturm/pixelio.de)

Über Jahrzehnte hinweg wurde die Sicherheit von Fluggästen und Einsatzpersonal durch den Einsatz von Metalldetektionstoren gewährleistet; den veränderten Sicherheitsanforderungen begegneten die Hersteller mit einer kontinuierlichen Produktweiterentwicklung und sukzessiven Verbesserung der Systeme, um niedrige Fehlerquoten dauerhaft zu garantieren und das Vertrauen in die Systeme zu schaffen. Sämtliche, als gefährlich klassifizierte Gegenstände (Messer, Schusswaffenteile) waren detektierbar, die Geräte nicht manipulierbar. Eine sehr geringe Fehlalarmrate durch eine langjährig optimierte Unterscheidungsfähigkeit von gefährlichen gegenüber persönlichen metallischen Gegenständen (wie Gürtelschnallen, Armbanduhren, Schmuck, usw.), eine 100%ige Detektionsquote der geforderten gefährlichen Gegenstände, eine einfache Installier- und Bedienbarkeit sowie eine gesundheitsverträgliche Leistungsbeständigkeit brachten den Systemen große Akzeptanz ein. Bedingt durch eine sich stark wandelnde Bedrohungslage wurde der Ruf nach neuer, innovativer Technologie laut: Die Politik hat darauf mit der Einführung der Körperscanner reagiert.

Körperscanner

Abb. 2: Dr. Thomas de Maizière, beim Start des Testbetriebs der Körperscanner am Hamburger Flughafen. (Bild: BMI/Hans-Joachim M. Rickel)

Abb. 2: Dr. Thomas de Maizière, beim Start des Testbetriebs der Körperscanner am Hamburger Flughafen. (Bild: BMI/Hans-Joachim M. Rickel)

Die Empörung war groß, als 2010 erstmals über den Einsatz von Körperscannern an deutschen Flughäfen diskutiert wurde. Die bei Kritikern und Medien als „Nacktscanner“ verschrienen Geräte seien gesundheitsschädlich, würden die Menschenrechte verletzen und die Privatsphäre der Fluggäste empfindlich berühren. Nach der pannenreichen zehnmonatigen Erprobungsphase am Hamburger Flughafen verzichtete der damalige Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich im August 2011 vorerst auf den flächendeckenden Einsatz von Körperscannern an deutschen Flughäfen. Inzwischen werden Körperscanner an den Flughäfen Berlin-Schönefeld, Düsseldorf, Frankfurt/Main, Hamburg, München und Stuttgart bei internationalen Flügen genutzt. Für Inlandsflüge findet diese Technik an den Flughäfen Köln/Bonn, Stuttgart und Düsseldorf Verwendung.

Gesundheitsrisiko und Privatsphäre

Untersuchungen des Bundesamts für Strahlenschutz entkräften den Vorwurf der Gesundheitsschädigung: Die Analysen zur eingesetzten Milimeterwellentechnologie weisen keine belastbaren Informationen für ein Gesundheitsrisiko auf.
Mit der geschlechtsneutralen, schematischen Darstellung des „auf der Oberfläche abgescannten“ Passagiers begegnen die Hersteller den Kritiken von Ethikern und Datenschützern: Lediglich eine symbolhafte Zeichnung der Person als Avatar ist auf dem Bildschirm zu sehen; die Aufnahmen werden darüber hinaus nicht gespeichert, sondern nach Ansicht wieder gelöscht.

Sicherheit

Die freiwillige Benutzung (s. Durchführungsverordnung (EU) 2015/1998) der neuerdings als Sicherheitsscanner deklarierten Geräte weist jedoch Sicherheitslücken auf. Sicherheitsforscher warnen vor einer zu leichten Manipulation der Geräte: In Probebetrieben stellte sich heraus, dass die Testgeräte weniger Sicherheit boten als die herkömmliche Methode mit Metalldetektor und Abtasten. Zudem signalisierten die neuen Geräte bereits Schweißflecken unter den Achseln oder Papiertaschentücher in der Hosentasche der Passagiere als Sicherheitsrisiko. Das erforderte die manuelle Nachkontrolle vieler Fluggäste, was die Personenkontrollen verzögerte. Wegen häufiger Fehlalarme (bis zu 100 %) wurden die Körperscanner zudem mehrfach deaktiviert.

Abb. 3: Kontrolle am Flughafen Berlin-Schönefeld. (Bild: Ralf Roletschek/wikimedia commons)

Abb. 3: Kontrolle am Flughafen Berlin-Schönefeld. (Bild: Ralf Roletschek/wikimedia commons)

Ein eklatantes Sicherheitsrisiko ist die scheinbar einfache Überlistung dieser Technik: US-Wissenschaftler überprüften ein System, das jahrelang an US-amerikanischen Flughäfen im Einsatz war. In Labortests untersuchten sie, ob Feuerwaffen oder explosive Stoffe dem Scanner verborgen bleiben. Zu Ihrer großen Verwunderung konnten sie mit überraschend einfacher Technologie Gegenstände durch Geräte schmuggeln. Außerdem gelang es den Forschern, mithilfe eines Hackerprogramms das Programm so umzuschreiben, dass es „saubere“ Bilder zeigte, obwohl verbotene Gegenstände sichtbar gewesen wären.
Erhebliche Sicherheitsrisiken sollen durch die Körperscanner gemindert werden. Doch gelingen kann das dieser Technik nicht. Eine Materialerkennung ist nicht möglich, denn die Körperscanner detektieren keine als gefährlich klassifizierten Substanzen, wie z. B: Sprengstoff oder Waffen. Die Technik erfasst lediglich wasserhaltige Oberflächen (Haut und auch „Imitate) und gibt dem Bediener ein Signal, sofern andere Oberflächenstrukturen erkannt werden. Worum es sich handelt, kann nicht nachvollzogen werden; dem Nutzer wird lediglich ein Hinweis an derjenigen „detektierten“ Stelle gegeben, um dann im manuellen Sicherheitscheck nachprüfen zu können.
Hinzu kommt ein erheblicher Kostenfaktor: Lagen die Kosten für wartungsfreie Metalldetektortore bei ca. 10 000 € zzgl. Stromkosten, übersteigen die Anschaffungskosten von mehr als 200 000 € zzgl. Wartungs- und Stromkosten diese bei weitem.

Fazit

Mit einer flächendeckenden Einführung der heutigen Körperscanner ist die Sicherheit der Bürger nicht mehr in dem Maße gewährleistet, wie sie es vor Produkteinführung war. Im Zuge der Sicherheitskontrollen bleibt nach wie vor die Fehlerquelle Mensch bei der Sicherheitskontrolle der ausschlaggebende Faktor. Konzentrationsfähigkeit, persönliche Befindlichkeiten oder der Gesundheitszustand beeinflussen die Tagesform. Um den Bedienern sicherheitstechnischer Elemente ein mehr an Zuverlässigkeit und Sicherheit anheimstellen zu können, empfiehlt sich die Kombination beider Sicherheitssysteme: Setzt man die Personenscanner in Deutschland zur Zweitkontrolle zusätzlich zum Metalldetektionstor ein, verringert dies das Schmuggeln verbotener/gefährlicher Gegenstände in die sensiblen Sicherheitsbereiche. So ergänzen sich beide Systeme.