Laut UNHCR befinden sich zurzeit weltweit über 60 Millionen Menschen innerhalb und außerhalb ihrer Heimatländer auf der Flucht. Im Jahr 2015 meldete das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) mehr als eine Million Flüchtende in Deutschland. Seit Mitte 2014 übernimmt die Bundesanstalt Technisches Hilfswerk (THW) verschiedene Aufgaben in der Flüchtlingshilfe innerhalb Deutschlands.

Auch im Ausland ist das THW für Flüchtlinge aktiv: Im Auftrag des Bundesinnenministeriums (BMI) und des Auswärtigen Amtes (AA) unterstützt es seit November 2013 in der Region Kur­distan im Nordirak den Auf- und Ausbau sowie den Betrieb von Camps für Flüchtlinge des syrischen Bürgerkriegs und für irakische Binnenvertriebene. Von August 2012 bis März 2015 war das THW in zwei Flüchtlingscamps in Jordanien im Einsatz.

Großeinsatz in THW-Geschichte

Die Unterstützung für die Flüchtlingshilfe in Deutschland ist für das THW bereits jetzt einer der größten Einsätze seiner Geschichte. Bislang beteiligten sich daran deutschlandweit an rund 3 000 Einsatzorten mehr als 15 000 ehrenamtliche Helferinnen und Helfer aus nahezu allen der 668 THW-Ortsverbände. Besonders gefordert war das THW im Herbst 2015. Von Anfang September bis Ende Oktober 2015 waren im Schnitt täglich bundesweit 500 bis 1 000 ehrenamtliche Helferinnen und Helfer im Einsatz. Danach pendelte sich die Zahl der täglichen eigesetzten THW-Kräfte – mit einigen Spitzen nach oben und unten – auf bis zu ca. 200 ein. Unterstützt werden die Ehrenamt­lichen von den rund 1 000 hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in der THW-Leitung in Bonn, in acht Landesverbänden und in 66 Geschäftsstellen.

Besonders die Länge des Einsatzes und die Vielzahl der großen und kleinen Einsatzorte stellen die ehrenamtlichen und hauptamtlichen Kräfte das THW vor eine Herausforderung. Einsätze im gesamten Bundesgebiet müssen häufig innerhalb weniger Stunden koordiniert, ehrenamtliche Einsatzkräfte kurzfristig mobilisiert werden. Als in Deutschland flächendeckend aufgestellte Organisation kann das THW dabei Einheiten auch lageangepasst zusammenziehen und diese bundesweit einsetzen. Vor Ort sind dabei verschiedenste Fähigkeiten aus dem großen Repertoire des THW gefragt: Die Helferinnen und Helfer schließen beispielsweise Unterkünfte an kommunale Strom-, Trink- und Abwassernetze an und bereiten mit mobilen Anlagen Trinkwasser auf, wo dieses kurzfristig nicht zur Verfügung steht. An vielen Stellen bauen die Helferinnen und Helfer des THW zudem Betten auf, versorgen Flüchtlinge und Einsatzkräfte mit Essen und Getränken und beleuchten die Einsatzorte. Ein weiterer Schwerpunkt der THW-Tätigkeiten liegt in der fachlichen Beratung der für die Flüchtlingshilfe zuständigen Behörden: Fachberater des THW bringen ihr Wissen in die Arbeit der Koordinierungsstäbe auf Bundes-, Länder oder kommunaler Ebene ein. Auch erkunden und bewerten die THW-Kräfte potenziell als Notunterkunft geeignete Gebäude für die zuständigen Stellen.

Hand in Hand mit anderen Einsatzorganisationen

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Feldkirhen Mit dem Ladekran wurden Container verladen. (Bild: THW Andreas Jung)

Teilweise konzipierte und baute das THW innerhalb von Tagen oder wenigen Wochen komplett neue Notunterkünfte unterschiedlicher Konstruktionsart. Dabei profitierten die Einsatzkräfte auch von den Erfahrungen des THW beim Aufbau der Infrastruktur für Camps und Flüchtlingslager im Ausland. Hilfreich waren außerdem die Erkenntnisse aus der Entwicklung eines eigenen komplett autark funktionierenden und modularen THW-Bereitstellungsraums. Dort können bis zu 500 Einsatzkräfte untergebracht und versorgt werden. Diese Erfahrungen waren ein entscheidender Vorteil, insbesondere beim Aufbau eines Wartezentrums im bayerischen Erding. Hier sollte das THW gemeinsam mit dem DRK und der Bundeswehr innerhalb von zwei Wochen eine Notunterkunft planen und fertigstellen. In diesem engen Zeitfenster modernisierten die THW-Kräfte einen ehemaligen Flugzeughangar und richteten darin viele einzelne Parzellen her, in denen die Flüchtlinge vorübergehend untergebracht werden. Außerdem bauten die Helferinnen und Helfer Zufahrten und Wege, beleuchteten mit Lichtmasten und Scheinwerfern das gesamt Gelände und verlegten Abwasserrohre sowie Strom- und Telekommunikationsleitungen. Oft lag bei der Planung die Herausforderung im Detail. Beispielsweise hatten die THW-Kräfte beim Bau der sanitären Einrichtungen den Auftrag, die kulturellen Gepflogenheiten der jeweiligen Herkunftsländer der Flüchtlinge zu berücksichtigen.

Transparenz für Arbeitgeber ehrenamtlicher Einsatzkräfte

Da sich die Helferinnen und Helfer des THW ehrenamtlichen einbringen, ist das THW bei seinen Einsätzen auf eine enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Arbeitgebern angewiesen. Dies trifft umso mehr bei einem lang andauernden Einsatz, wie dem in der Flüchtlingshilfe, zu. Arbeitgeber müssen kurzfristig und unter Umständen über mehrere Tage – manchmal auch mehrere Wochen – auf ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verzichten, wenn sie diese für Einsätze mit dem THW freistellen. Das THW erkannte die besondere Belastung für die Arbeitgeber der Helferinnen und Helfer, die mitunter mehrfach mit dem THW zu Einsätzen in der Flüchtlingshilfe ausrücken, und intensivierte daraufhin den persönlichen Austausch. Ebenfalls richtete die THW-Leitung eine Arbeitgeberhotline ein. Diese beantwortet unkompliziert alle aufkommenden Fragen, beispielsweise zur Freistellung von THW-Kräften vom Arbeitsplatz und zur Abrechnung des Verdienstausfalls.

Ehrenamt

Im Dezember des vergangenen Jahres machte das THW auf das ehrenamtliche Engagement ihrer Helferinnen und Helfer mit einer bundesweiten Medienaktion u. a. in regionalen Tageszeitungen und auf Infoscreens aufmerksam. Gerade vor dem Eindruck von vereinzelten Anfeindungen von THW-Kräften in der Flüchtlingshilfe zeigte die Aktion reale Motive von THW-Kräften im laufenden Einsatz. Der Slogan das „THW zeigt Gesicht… und Du?!“ stellte dabei das gesellschaftliches Engagement der ehrenamtlichen THW-Kräfte in den Vordergrund hin.

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In Heidenrod versorgen THW-Helferinnen und -Helfer die Asylsuchenden mit frischen Lebensmitteln. (Bild: THW)

Engagement in der Flüchtlingshilfe zeigte das THW nicht nur durch den Aufbau von Notunterkünften. Vielmehr bindet das THW Flüchtlinge auch in die eigene Arbeit ein. Seit Dezember realisiert das THW im Auftrag des BMI und des AA ein Projekt, mit dem Flüchtlinge und Asylsuchen sich als ehrenamtliche Helferinnen und Helfer im THW engagieren können. In den THW-Ortverbänden durchlaufen sie dazu die reguläre Ausbildung, in der sie die Grundlagen des praktischen Katastrophenschutzes erhalten. Die Helferinnen und Helfer im THW leisten so einen Beitrag zur Integration der Flüchtlinge in die Zivilgesellschaft.

Ausblick

Das THW wird auch im laufenden Jahr als verlässlicher Partner in der Flüchtlingshilfe aktiv sein und sein gesellschaftliches Engagement, wie durch die Öffnung des Ehrenamtes für Flücht­linge, weiter voranbringen.

Aufmacherbild: Ein THW-Helfer im Gespräch mit Teilnehmern der Auftaktveranstaltung zum THW-Integrationsprogramm an der THW-Bundesschule in Neuhausen. (Bild: THW/Georgina Pfleiderer)

Martin Zeidler, Henning Zanetti, Philipp Schinz

Anschrift der Verfasser:

Passfoto ZeidlerMartin Zeidler
Referatsleiter Grundsatz in der Leitung Bundesanstalt Technisches Hilfswerk
Provinzialstraße 93, 53127 Bonn
Tel.: 0228/940-1777
E-Mail: presse@thw.de

Martin Zeidler
Studium der Mathematik und Physik an der Universität zu Köln
11/1997 – 03/2004: wissenschaftlicher Mitarbeiter an der RWTH Aachen; Dozent auf diversen internationalen Tagungen und Konferenzen.
03/2004 – 12/2011: Referatsleiter Technik in der THW-Leitung
01/2012 – 06/2012: Teilnahme am Kernseminar für Sicherheitspolitik an der Bundesakademie für Sicherheitspolitik
07/2012 – 12/2014: Leiter Stab im Beschaffungsamt des BMI; Leitung des Referats IT; Verhandlungspartner beim BVA für die IT-Konsolidierung
Seit 01/2015: Referatsleiter Grundsatz, Einsatz in der THW-Leitunge