CP wollte wissen, wie es um den Digitalfunk für Be­hörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (Digitalfunk BOS) augenblicklich bestellt ist. Unsere Recherchen bei der BDBOS (Bundesanstalt für den Digitalfunk der Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben) ergaben ein überaus positives Bild. Der aktuelle Stand der Versorgung der BOS mit Digitalfunk ist durchaus zufriedenstellend. Mit Stand Juli 2016 befinden sich 4 506 Basisstationen in Betrieb. Damit sind nahezu 99 Prozent der Fläche Deutschlands mit dem Digitalfunk BOS versorgt. Aktuell sind über 659 000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Netz registriert. Monatlich werden derzeit circa 45 Millionen Funksprüche abgesetzt.

Lange wurde das Thema Abhörsicherheit unterschiedlich beurteilt. Laut BDBOS ist auch hier ein befriedigender Standard erreicht. Als einer der Vorzüge das Digitalfunks BOS gilt heute die Abhörsicherheit. Der TETRA-Standard beinhaltet als Sicherheitsfunktion bereits eine Luftschnittstellenverschlüsselung. Diese schützt den Übertragungsabschnitt zwischen mobilem Endgerät und Basisstation. Sie gewährleistet jedoch keinen Schutz für die dahinter liegende Netzinfrastruktur. Aus diesem Grund wird der Funkverkehr beim Digitalfunk BOS durch den Einsatz einer sogenannten „Ende-zu-Ende-Verschlüsselung“ zusätzlich geschützt. Diese Technik stellt die Verschlüsselung des Funkverkehrs von einem Endgerät über die gesamte Netzinfrastruktur hinweg.
Der Digitalfunk BOS gewährleistet so, unabhängig von Mobilfunknetzen, eine verlässliche Kommunikation ausschließlich für die Einsatzkräfte der BOS. Die Eigenständigkeit des BOS-Digitalfunknetzes und die hohe Verfügbarkeit stellen unter anderem sicher, dass bei einem besonders hohen Gesprächsaufkommen eine verlässliche Kommunikation der Einsatzkräfte gewährleistet bleibt, auch wenn die Kapazitäten der privaten Mobilfunknetze versagen.
Was beutet die flächendeckende Einführung der neuen Technologie nun für den Anwender in seinem Alltag?
Der Digitalfunk BOS gewährleistet, unabhängig von Mobilfunknetzen, eine verlässliche Kommunikation ausschließlich für die Einsatzkräfte der BOS. Die Eigenständigkeit des BOS-Digitalfunknetzes und die hohe Verfügbarkeit stellen unter anderem sicher, dass bei einem besonders hohen Gesprächsaufkommen eine verlässliche Kommunikation der Einsatzkräfte gewährleistet bleibt, auch wenn die Kapazitäten der privaten Mobilfunknetze versagen. Dies kann unter anderem bei Großschadenslagen oder Massenveranstaltungen, beispielsweise Konzerten, Demonstrationen oder Feiertagen wie Silvester, eintreten. Darüber hinaus ist die einsatztaktisch entscheidende Gruppenkommunikation nicht mit privatem Mobilfunk, sondern nur mit dem Digitalfunk BOS möglich.

Ein Kritikpunkt bleibt die mangelnde Fähigkeit des BOS, größere Datenmengen zu übertragen – das war aber laut BDBOS keine Anforderung der Betreiber. Die Versorgung von Gebäuden oder Bauwerken mit dem Digitalfunk BOS (Objektversorgung) wird in weiten Teilen durch das Freifeldfunknetz gewährleistet. Allerdings gibt es auch Bauwerke, deren Beschaffenheit eine zusätzliche Funkversorgung notwendig werden lässt. So zum Beispiel Tunnelsysteme oder Gebäude mit abschirmendem Stahlbeton oder metallbedampften Fenstern. Um auch hier die Kommunikation zwischen den Einsatzkräften oder zwischen den Einsatzkräften und der Leitstelle zu gewährleisten, müssen diese Gebäude mit einer Objektfunkanlage ausgestattet werden. Die Gewährleistung einer umfassenden Funkversorgung von Gebäuden und Bauwerken obliegt den jeweiligen Betreibern. Gesetzliche Regelungen, auf deren Grundlage die Eigentümer oder Nutzer eines Gebäudes oder Bauwerkes zur Installation einer Gebäudefunkanlage verpflichtet werden können, finden sich in den verschiedenen Bauordnungen der Länder.

In Gebäuden, die weder durch das Freifeld versorgt sind, noch mit einer Objektversorgungsanlage ausgestattet sind, besteht für die Einsatzkräfte die Möglichkeit, im netzunabhängigen DMO-Betrieb (Direct Mode Operation) zu kommunizieren. Bei diesem Direktbetrieb (ähnlich einem Walkie Talkie) ist die Reichweite der Informationsübertragung jedoch begrenzt. Darüber hinaus kann mit der Gateway-Funktion der Fahrzeugfunkgeräte eine Verbindung zwischen einer DMO-Kommunikation in Gebäuden und dem BOS-Digitalfunknetz hergestellt werden. Gleichwohl bleibt bei bestimmten Gebäuden eine Objektfunkanlage unerlässlich.

Es scheint also alles perfekt zu laufen. Gibt es dann in Zukunft überhaupt noch Verbesserungsmöglichkeiten? Durchaus – derzeit arbeitet die BDBOS beispielsweise an Projekten zur Verfügbarkeit mobiler Basisstationen und zur Bereitstellung eines Echtzeitmonitorings. Zudem wird das Leistungsspektrum des Digitalfunks BOS durch die Bereitstellung neuer Dienste stetig erweitert. Hier ist aktuell der Lastbasierte Nebenorganisationskanal zu nennen, ein Feature zur Verbesserung der Signalisierungskapazität im BOS-Digitalfunknetz. Für den Nutzer bedeutet das optimierte Kapazitäten und eine sichere Kommunika­tionsfähigkeit in Hochlastsituationen. Die Funktion soll zeitnah ins Netz eingebracht werden.

Man könnte bei so vielen Erfolgsmeldungen fast vermuten, dass die zuständige Behörde nach Erledigung ihrer Kernaufgabe überflüssig ist… Aber Behörden werden in der Regel ebenso wenig abgeschafft wie Steuern – die Sektsteuer zur Finanzierung der kaiserlichen Marine ist ein bekanntes Beispiel, sie füllt noch heute das Staatssäckel. Und auch die BDBOS wurde nicht nur temporär, sondern auf Dauer eingerichtet. Seitdem der Aufbau des bundesweiten BOS-Digitalfunknetzes abgeschlossen ist, steht neben dem Betrieb auch die Weiterentwicklung des Netzes im Fokus der BDBOS. Der Digitalfunk BOS ist kein statisches Gebilde. Sich verändernde städtebauliche Bedingungen und neue Anforderungen an die Kommunikationsmöglichkeiten seitens der Nutzerinnen und Nutzer bedingen fortwährende regionale Netzänderungs- und Netzoptimierungsmaßnahmen. Deshalb arbeitet die BDBOS eng mit allen Ländern und dem Bund zusammen, um bundesweite Standards zu entwickeln, die Verfügbarkeit des Funks noch weiter zu erhöhen und die Technik des Digitalfunks BOS gemäß den operativ-taktischen Anforderungen weiterzuentwickeln. Die BDBOS übernimmt dabei die Zentralstellenfunktion. HN

Aufmacherbild:
Bei einem Einsatz im Berliner Olympiastadion im Mai dieses Jahres wurde das neue Feature „Lastbasierter Nebenorganisationskanal“ im realen Funknetz erfolgreich getestet.